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31.10.2018 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

China treibt neue Mobilitätsdienste voran

Autor:
Christiane Köllner

Carsharing, App-basierte Taxi- und Fahrdienste, autonome Taxis: Traditionelle Auto-Nationen müssen den Ausbau ihrer Mobilitätsdienste forcieren. Sonst verlieren sie das Rennen um diesen Markt gegen China. 

Mobilität bedeutet individuelle Freiheit und Autonomie – und eine Vielzahl an Problemen für Mensch und Umwelt. Dazu gehören nervenaufreibende Staus, langwierige Parkplatzsuchen und damit einhergehend schädliche Emissionen. Daher wird in Ballungsräumen und auf dem Land verstärkt nach Alternativen zum motorisierten Individualverkehr gesucht. Das Schlagwort lautet hier Mobility as a Service, das die Nutzung von Mobilitätslösungen als Dienstleistung und die Abkehr von privaten Verkehrsmitteln meint. Lösungen wie Carsharing oder Ride-Sharing stoßen dabei auf ein breites Interesse der Bevölkerung. Wie der Digitalverband Bitkom ermittelt hat, sehen 90 Prozent der deutschen Bundesbürger Vorteile im Ride-Sharing, 36 Prozent können sich vorstellen, ihr eigenes Auto über Carsharing anzubieten. 

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01.11.2018 | Im Fokus | Ausgabe 11/2018

Urbane Mobilität Indikatoren eines Trends

Die Zukunft der Mobilität in Metropolen wird heute "neue urbane Mobilität" genannt. Was verbirgt sich hinter dem "neu"? Die Herausforderungen, denen sich diese Städte stellen müssen, sind nicht neu. Begriffe wie Verkehrskollaps und Smog zählen seit Jahrzehnten zum Sprachgebrauch.

"Digitalisierung verändert nicht nur einzelne Verkehrsmittel wie das Auto grundlegend. Digitale Technologien wie das Smartphone haben Ideen wie Carsharing oder Ride-Sharing erst bequem gemacht und ihnen zum Durchbruch verholfen", so Bitkom-Präsident Achim Berg anlässlich der Digital Mobility Conference des Verbands am 16. Oktober 2018 in Berlin. "Wir haben jetzt die historische Chance, die Weichen für komfortable, kostengünstige und klimaschonende Alternativen zum traditionellen Individualverkehr zu stellen."

Klassisches Geschäftsmodell gerät unter Druck

Mittelfristig sollen sich Mobilitätsdienste als gleichrangige Umsatzsäule neben dem klassischen Autoverkauf etablieren, prognostiziert eine aktuelle Umfrage der Beratungsfirma Oliver Wyman. Das klassische Geschäftsmodell der Autobauer gerät dabei unter Druck. Strenge Klimaziele oder Dieselfahrverbote erfordern effizientere und saubere Mobilitätslösungen vor allem in der Stadt. Zudem verliert der Besitz eines eigenen Autos für immer mehr Menschen an Bedeutung, wie Markus Schöttle in seinem Report Urbane Mobilität – Indikatoren eines Trends aus der MTZ 11/2018 erläutert.

"Zwar werden die Autohersteller bis 2030 noch den Großteil ihres Geschäfts mit dem klassischen Fahrzeugverkauf machen", sagt auch August Joas, Leiter der Automotive Practice von Oliver Wyman. "Dennoch müssen sie jetzt Tempo machen beim Ausbau der Mobilitätsdienste, um ihre Marktposition frühzeitig zu sichern." Noch biete kein Hersteller ein flächendeckendes Angebot. "Und auch die vielfach gewünschte Kombination von individueller Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert selten."

Von der Werkbank zum Labor der Industrie

Angesichts zahlreicher Wettbewerber aus anderen Branchen und Ländern sollten Autohersteller neue Dienste schnellstmöglich ausrollen. Zu den aggressivsten Wettbewerbern gehört vor allem China. Im Wettstreit um den künftigen Markt für Mobilitätsdienstleistungen hat das Reich der Mitte mittlerweile eine Spitzenposition erreicht. So geht aus dem aktuellen Automotive Disruption Radar (ADR) des Beratungsunternehmens Roland Berger, das auf einer Umfrage unter 14.000 Autonutzern in 14 Ländern basiert, hervor, dass jedes zweite in der ersten Jahreshälfte 2018 verkaufte Elektroauto an einen Kunden in China ging. Gleichzeitig habe das Land seine Ladeinfrastruktur in den vergangenen zwölf Monaten stark ausgebaut und neue Teststrecken für autonomes Fahren eingerichtet. Chinesische Konsumenten tragen den Fortschritt mit und nutzen Mobilitätsangebote wie Carsharing und Mitfahrgelegenheiten.

"Kein anderes Land ist so fortschrittlich und offen für neue Technologien und Mobilitätsdienste. Die meisten traditionellen Auto-Nationen stagnieren dagegen oder bewegen sich nur langsam", sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger. "China ist nicht nur der weltweit größte Absatzmarkt für Autos und ein wichtiger Produktionsstandort. Es hat sich längst von der Werkbank zum Labor der Industrie entwickelt." Optimistisch auf Chinas automobile Zukunft blickt auch Michael J. Dunne im Kapitel The Dark Horse: Will China Win the Electric, Automated, Shared Mobility Race? aus dem Buch Three Revolutions, wenn er wie folgt prognostiziert: 

Even if the road ahead is filled with twists and turns, it is likely that China will be producing electric, connected, and automated vehicles at world-class levels of quality and sophistication by 2030.

Die Führungsrolle Chinas zeige sich laut den Roland-Berger-Analysten insbesondere beim Ausbau der Infrastruktur für batteriebetriebene Fahrzeuge. So habe das Land seine Kapazitäten trotz des riesigen Straßennetzes in den vergangenen zwölf Monaten Jahr verdoppelt – von 2,5 auf 5,7 Ladestationen pro 100 Kilometer (Deutschland 4,5, Frankreich 2,3, USA 0,3 Stationen pro 100 Kilometer). Der Ausbau lohnt sich, vertrauen die Chinesen doch stark in die Elektromobilität. Immerhin 65 Prozent der chinesischen ADR-Umfrageteilnehmer könnten sich vorstellen, als nächstes ein Auto mit Elektroantrieb zu kaufen.

Innovative Mobilität ganz oben auf Chinas Agenda

Dazu kommt: Chinas politische Führung hat innovative Mobilität ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. "Mit standardisierten Richtlinien und der grundsätzlichen Offenheit für selbstfahrende Autos hat sich das Land inzwischen zum globalen Testgelände und Zukunftsmarkt auch für große ausländische Hersteller entwickelt", erklären die Roland-Berger-Analysten. Erst kürzlich haben deutsche Autokonzerne die Erlaubnis für den Testbetrieb von autonomen Fahrzeugen auf den Straßen von Peking und Shanghai erhalten. Parallel treibe die Regierung Initiativen zur Vernetzung von Fahrzeugen sowohl mit anderen Fahrzeugen als auch mit mobilen Endgeräten und elektronischen Straßenschildern voran, so die Berater. Damit wolle Peking den amerikanischen IT-Anbietern die Technologieführerschaft streitig machen. 

Doch nicht nur die Politik ist stark engagiert. Auch die chinesische Industrie hat ihre Aktivitäten in den vergangenen Monaten intensiviert und Kooperationsabkommen geschlossen oder vertieft.

Globaler Markenführer nicht in Sicht

Trotz des Rennens der Autobauer und Technologieunternehmen um die Spitzenpositionen bei disruptiven Mobilitätskonzepten sehen die Roland-Berger-Experten noch kein Unternehmen auf dem vordersten Platz: "Obwohl die Aufmerksamkeit für Themen wie autonomes Fahren, Konnektivität und Elektromobilität in der weltweiten Öffentlichkeit sehr groß ist, gibt es immer noch keine internationalen Markenführer", sagt Wolfgang Bernhart und fasst zusammen: "Das Rennen um die Position des innovativsten Mobilitätsdienstleisters ist also noch offen". 

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