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14.09.2017 | Mobilitätskonzepte | Kommentar | Onlineartikel

IAA im Umbruch

Autor:
Christiane Köllner

Die IAA befindet sich im Wandel. Doch erleben wir dort wirklich die Zukunft? Elektroauto-Pionier Tesla ist nicht da, wirkliche Premieren gibt es nicht. Der Autoschau und der Branche fehlt ein einheitliches Konzept.

Über der 67. IAA-Ausgabe liegt ein Diesel-Schatten. Die Krise um die Abgas-Emissionen kommt für eine der größten Automessen der Welt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Dementsprechend werden auf dem Frankfurter Messegelände eher leisere Töne angeschlagen. Von der PS-Euphorie früherer Jahre ist wenig zu spüren. Die Autobranche gibt sich vorsichtig und zurückhaltend. Doch sie muss Lösungen anbieten. Es geht letztendlich um die Zukunft des Verbrennungsmotors. Gleichzeitig müssen die Autobauer ihre Kompetenz für alternative Antriebe und neue Mobilitätskonzepte belegen. 

Die Messehallen sind in diesem Jahr jedenfalls deutlich weniger belegt als noch bei der vergangenen Schau vor zwei Jahren. Die Transformationsprozesse über die allerorts gesprochen wird, haben wohl nun auch die Automessen erfasst. Die Liste der Marken, die sich von der IAA offenbar keine neuen Impulse erwarten, ist lang. Gleich zwölf Marken haben abgesagt. 

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Zum Beispiel Nissan. "Als Automobilhersteller schätzen wir natürlich die Frankfurter Messe als eine der größten weltweit. Andererseits muss man jedes Jahr entscheiden, wofür man seine Marketingmittel einsetzt. In diesem Jahr haben wir uns aus mehreren Gründen entschieden Frankfurt fernzubleiben", sagt Thomas Hausch, Geschäftführer bei Nissan Center Europe, im Interview. Man wolle auch verstärkt auf Messen präsent sein, die keine klassischen Automessen sind wie etwa der Cebit, erklärt Hausch. Das ist nur folgerichtig: Das Auto wandelt sich zum digitalen Lifestyle-Mobil. Ebenfalls abwesend sind Alfa Romeo, Aston Martin, DS Automobiles, Fiat, Infiniti, Jeep, Mitsubishi, Peugeot, Rolls-Royce, Tesla und Volvo. 

Auslaufmodell IAA

Warum zieht es immer weniger Hersteller zu den klassischen Autoshows? Ein Grund ist, dass das Auto bei der Generation Y an Prestige verliert. Es ist nur noch Teil einer Mobilitätskette, man muss es nicht mehr besitzen. Da fragen sich nicht zuletzt die Autohersteller, ob ihr Geld in Messen richtig investiert ist. Denn abseits der IAA lässt sich vielleicht über soziale Netzwerke besser Aufmerksamkeit erzielen. Die klassischen Messen erscheinen überholt. 

Betrachtet man die automobilen Neuheiten, herrscht trotzdem vor allem "business as usual" vor. Wirkliche Premieren sind auf der IAA sowieso seit Längerem nicht mehr zu sehen. Dennoch finden PS-Begeisterte genug zum Bewundern vor. Bei den Neuvorstellungen dominieren vor allem SUVs. Auch das Oberklasse- und Luxus-Segment fährt auf: Zu sehen sind der neue Audi A8, der Rolls-Royce Phantom, Bentley Continental oder der neue Porsche Cayenne. Dazu gesellen sich der Ferrari Portofino oder das Project One von Mercedes-AMG.

Dass es nebenbei auch um alternative Antriebe und Elektro-Neuheiten geht, gerät dabei ein wenig aus dem Fokus. Dabei überbieten sich gerade Hersteller wie Daimler, Volkswagen oder BMW nun gegenseitig mit Visionen und Forderungen an die emissionsfreie Mobilität von morgen. Wie glaubwürdig die Ankündigungen dieser elektrischen Zukunft wirklich sind, wird sich zeigen. Auf der Messe sind die meisten E-Autos allesamt Konzeptfahrzeuge, die erst 2019 oder 2020 auf die Straßen rollen. Bis dahin vergeht noch Zeit. 

Zukunft erleben?

Sicherlich fungiert die IAA immer noch als Branchentreff mit allen wichtigen Zulieferern. Zu einem Forum für dringend benötigte Zukunftspläne muss sie aber noch wachsen – getreu ihrem diesjährigen Motto "Zukunft erleben". Von vernetzten und automatisierten Fahrzeugen und interdisziplinären Verkehrskonzepten ist überall die Rede. Doch gerade die Teilausstellung "New Mobility World" wirkt hier konzeptlos. Stolz präsentiert der VDA große IT-Firmen wie Google, SAP und Facebook sowie den Chip-Konzern Qualcomm als Messeteilnehmer. Dazu kommen Tech-Unternehmen wie Kaspersky Lab, IBM, Siemens, Telekom, SAP oder die Daimler-Töchter Moovel, MyTaxi und Car2Go. Doch geradezu eklektisch stehen die Stände der Unternehmen in der Messehalle: E-Roller-Anbieter neben Entwicklern von Mitfahr-Apps; fliegende Autos neben Versicherern. Ein verbindendes Konzept ist so schwer zu erkennen. 

Das gilt in weiten Teilen für die gesamte IAA – es fehlt hier wie dort ein Plan, es gibt keine Roadmap für die Zukunft. Einerseits konventionelle Antriebe und optimistische Studien für die Zukunft auf Seiten der traditionellen OEMs und andererseits viele, kleinteilige Ideen für die Mobilität der Zukunft. Ein Spagat, bei dem noch nicht klar ist, in welche Richtung es gehen wird. Doch eins steht fest: Will die IAA zukunftsfähig bleiben, muss sie sich zu einer Veranstaltung entwickeln, die sich konsequent und "aus einem Guss" allen Mobilitätsformen und digitalen Themen widmet. 

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