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21.05.2019 | Mobilitätskonzepte | Schwerpunkt | Online-Artikel

Wie der ÖPNV attraktiver und rentabler wird

verfasst von: Christiane Köllner

3:30 Min. Lesedauer

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Für Kommunen ist der öffentliche Nahverkehr meist mit hohen Kosten verbunden. Echtzeitdaten, autonome Fahrzeuge und Elektrifizierung könnten den ÖPNV günstiger machen. 

Die Automatisierung und Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, der Einsatz von Robo-Shuttles und Ride-Pooling bis hin zur Nutzung von Echtzeitdaten, könnten den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) rentabler werden lassen. In Metropolen, also in Städten mit mehr als einer Million Einwohner, sei sogar ein gewinnbringender Betrieb möglich, so das Ergebnis der neuen Roland-Berger-Studie "Nahverkehr rechnet sich – Wie Verkehrsbetriebe durch neue Technologien rentabler wirtschaften können".

Aktuell ist der ÖPNV in Deutschland ein Zuschussgeschäft: Jedes Jahr erhalten die Betreiber mehr als drei Milliarden Euro aus öffentlichen Kassen, um ihre Kosten zu decken. Der aktuelle Kostendeckungsgrad liegt im Schnitt bei 76 Prozent. Neue Technologien könnten das bald ändern und in Metropolen zu Kosteneinsparungen von bis zu 390 Millionen Euro führen. "Nicht alles ist schon einsatz- und marktreif", sagt Tobias Schönberg, Partner von Roland Berger, "aber die Entwicklung schreitet schnell voran und die neuen Technologien eröffnen dem öffentlichen Nahverkehr große Chancen, seine Effizienz zu steigern." 

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Die digitale Transformation bestimmt heute die Agenden nahezu aller gesellschaftlich und ökonomisch relevanter Handlungsfelder. Die Mobilitätsmärkte machen da keine Ausnahme, im Gegenteil: hier zeichnen sich Verschiebungen tektonischen Ausmaßes ab – nicht nur, aber eben maßgeblich auch durch die Bits-and-Bytes-Revolution. 

Das ist auch dringend nötig. Rasante Urbanisierung, Fahrzeugdichte, veraltete Infrastruktur und verkehrsbedingte Emissionen belasten das Ökosystem der städtischen Mobilität zunehmend. Jeder Zwölfte auf der Welt lebt in Großstädten, und sie machen fast 15 Prozent der gesamten weltweiten Anzahl von 1,3 Milliarden Fahrzeugen aus, hat die Unternehmensberatung  Frost & Sullivan ermittelt. Dies führe zu einer Kostenlast von mehr als 300 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Staus und fast 20 Prozent der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen. Ein effizienter ÖPNV könnte zur Lösung der Verkehrsprobleme beitragen. 

Echtzeitdaten und Robo-Shuttles am rentabelsten

Die Roland Berger-Experten haben daher sieben Ansätze identifiziert, die zu mehr Effizienz in drei zentralen Bereichen des ÖPNV-Betriebs führen sollen: Fahrzeugbeschaffung, Betrieb und Verkehrssteuerung sowie Marketing und Vertrieb. Am rentabelsten sei der Einsatz von Echtzeitdaten. Dabei werden technische Fahrzeugdaten direkt an die Verkehrsbetreiber übermittelt, um Probleme schnell zu beheben und lange Wartungsintervalle zu vermeiden (Predictive Maintenance). Allein dadurch ließe sich die Kostendeckung in Metropolen um sieben Prozentpunkte steigern.

Ebenso rentabel sei der Einsatz von flexiblen Robo-Shuttles, etwa auf schlecht ausgelasteten Strecken; dadurch lasse sich die Kostendeckung in Großstädten, also in Städten mit 200.000 bis eine Million Einwohnern, um fünf Prozentpunkte verbessern. Weitere Möglichkeiten bieten die Automatisierung der Flotte, Elektrobusse, Ride-Pooling- und Mobility-as-a-Service-Angebote sowie eine bessere Steuerung der Kapazitäten und der Nachfrage. "Setzen Städte alle vorgeschlagenen Ansätze zeitgleich um, könnte sich die Kostendeckung je nach Größe der Stadt um 10 bis 30 Prozentpunkte verbessern", prognostiziert Andreas Schwilling, Partner von Roland Berger. Die Studie verspricht einen Kostendeckungsgrad von bis zu 110 Prozent.

Umdenken notwendig

Dies setzt allerdings ein Umdenken voraus. Ziel der Städte sollte die Entwicklung eines nahtlosen und integrierten Mobilitäts-Ökosystems sein. 

Die Grenzen zwischen Individualverkehr und öffentlichem Transport werden fluider", bringt Springer-Autorin Ullrich den Mobilitätswandel im Kapitel New Mobility aus dem Buch Mobilität in Zeiten der Veränderung auf den Punkt. 

Erweiterte Mobilitätsangebote, intelligente Verkehrslösungen, multimodale Fahrten und Nachhaltigkeit sind hier die Schlagworte für zukunftssichere Städte. 

Wie aber gehen die Städte mit diesen Mobilitätsanforderungen konkret um? Während sich beispielsweise Amsterdam und Hongkong durch einen extrem hohen Anteil an nachhaltigen Verkehrsträgern hervortun, wie Frost & Sullivan weiß, nutzen hingegen die Menschen in mehreren einkommensstarken Städten im Nahen Osten für 80 bis 90 Prozent aller Fahrten Pkw mit Benzin- und Dieselantrieb. Nordamerikas fortschrittliche Infrastruktur und Gesetzgebung habe für den Standort die frühe Erprobung und Einführung autonomer Fahrzeuge begünstigt, so Frost & Sullivan. Der frühe Einsatz autonomer Fahrzeuge in gemeinsam genutzten Fahrzeugen wie Shuttles und Taxis sei jedoch eher in fortgeschrittenen asiatisch-pazifischen Städten wie Singapur und Tokio sowie in europäischen Städten wie Helsinki, Zürich, Paris und London zu erwarten.

Fest steht: Die Städte sollten ein möglichst effizientes Gesamtsystem für urbane Mobilität schaffen. "Sämtliche öffentliche Verkehrsmittel sollten weiterhin gesamthaft gedacht und als ein vernetztes System gestaltet werden", sagt Roland-Berger-Analyst Schönberg. "Dann profitieren alle: sowohl die Betreiber, egal ob öffentlich oder privatwirtschaftlich, als auch die Nutzer."

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