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24.03.2017 | Mobilitätskonzepte | Im Fokus | Onlineartikel

Investitionen in Mobilitäts-Start-ups wachsen

Autor:
Christiane Köllner
4 Min. Lesedauer

Im deutschen Automobilsektor locken Start-ups verstärkt Investitionen an. Seit 2011 konnten Gründer hierzulande über 300 Millionen US-Dollar an Kapital binden. Dabei setzen die meisten Start-ups auf Mobilitätsdienstleistungen.

Smarte Parkplatzsuche oder Stauprognosen: Mit intelligenten Services wollen Automobilhersteller ihren Käufern Mehrwerte bieten. Die dahinter stehenden Lösungen für mehr Komfort und Effizienz haben häufig Start-ups entwickelt. Seit dem Jahr 2011 sicherten sich hierzulande 127 Start-ups Investitionen in Höhe von 316 Millionen US-Dollar, wie eine Analyse der Managementberatung Oliver Wyman zeigt. 

Die etablierten Autohersteller profilieren sich dabei verstärkt als Investoren. So ist Daimler über das Startup Autobahn aktiv, BMW über i Ventures. Auch ZF will sich mit der Zukunft Ventures GmbH künftig vermehrt an Start-ups und Technologieunternehmen beteiligen, wie Torsten Gollewski, Geschäftsführer der im Oktober 2016 gegründeten ZF-Tochter, im Interview "Der Kampf um schlaue Köpfe ist unbestritten" aus der ATZelektronik 1-2017 erklärt. 

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Grund für die Investitionen ist die Angst der OEMs und Zulieferer vor den Attacken neuer Marktteilnehmer, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Geschäftsmodelle neu definieren – vom Vermittlungsdienst Uber bis zum Elektroautobauer Tesla. Um sich für die Geschäftsfelder der Zukunft fit zu machen, rücken etablierte Unternehmen daher näher an die Start-ups heran. "Weltweit ist die Höhe der Investitionen in den vergangenen vier Jahren exponenziell gestiegen", erläutert Matthias Bentenrieder, Partner bei Oliver Wyman. Die Start-ups lockten allein im ersten Halbjahr 2016 rund 16,3 Milliarden US-Dollar an – etwas mehr als im gesamten Jahr zuvor (16,1 Milliarden US-Dollar).  

Nur 5,5 Prozent der Neugründungen aus Deutschland

Der aktuelle Finanzierungsboom folgt der Gründungswelle seit Anfang des Jahrtausends. Seit dem Jahr 2000 entstanden laut Oliver-Wyman-Analyse in der Automobilbranche weltweit über 1000 Unternehmen. Die Automobil-Start-ups lockten weltweit über 50 Milliarden US-Dollar Kapital an. Allerdings entfielen 60 Prozent davon auf nur fünf junge Firmen. Mit Uber und Lyft (beide USA), Didi (China) und Ola (Indien) sind vier von ihnen Vermittlungsplattformen. Als einziger Vertreter einer Green-Vehicle-Technik ist der Elektroauto-Spezialist Tesla (USA) in den Top Five vertreten. In Deutschland sind Auto1 und GoEuro die mit Abstand größten Player.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland jedoch stark hinterher. Hierzulande liegt die Zahl der Neugründungen in der Automobilbranche zwar vor Frankreich und Indien, aber noch hinter China, den USA und Großbritannien. Gerade einmal 5,5 Prozent der Neugründungen kommen aus Deutschland. Gründe liegen laut Dr. Tom Kirschbaum, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutsche Start-ups, unter anderem darin, dass hierzulande althergebrachte Prozesse ein Start-up oft erdrücken oder das Controlling einschnürt. 

Zudem verhindern manche wirtschafts- wie auch gesellschaftspolitische Bedenken in Deutschland eine erfolgreiche Start-up-Szene", so Tom Kirschbaum, im Artikel Von Start-ups lernen aus der ATZ 6-2016

Dabei lässt sich von Start-ups einiges lernen, und zwar eine "Art von Führung, die typisch für das digitale Zeitalter zu sein scheint: kooperativ statt hierarchisch, agil statt manifest, auf die Organisation insgesamt statt auf einzelne Personen bezogen", heben die Springer-Autorinnen Katrin Glatzel und Tania Lieckweg im Kapitel Führen unter Unsicherheit – Was man von Start-ups lernen kann aus dem Buch Führen in ungewissen Zeiten hervor.

Keine Gießkannen-Investitionen mehr

Bei den Investoren zeichnet sich indes ein Strategiewechsel ab. Der anfängliche Trend zum Trial and Error bei den vergleichsweise günstigen Investitionen in junge Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen sei inzwischen abgeklungen: "Das Geld wird nicht mehr mit der Gießkanne verteilt, sondern gezielt in zukunftsträchtige Lösungen investiert", sagt Oliver-Wyman-Partner Bentenrieder. Dies führe dazu, dass das eingesammelte Kapital eines Mobilitäts-Start-ups in 90 Prozent der Fälle unter 100 Millionen Euro liege.

Oliver Wyman prognostiziert, dass die Einnahmen durch Mobilitätsdienstleistungen bis 2025 weltweit um das Dreifache steigen werden. In diesem Segment ist die Mehrheit der Automobil-Start-ups aktiv. Auch in Deutschland setzen die meisten Gründer auf Mobilitätsdienstleistungen (60 Prozent), gefolgt von Lösungen für vernetzte und autonome Fahrzeuge (14 Prozent), Green Vehicles (14 Prozent) und Aftersales (12 Prozent). 

Im nächsten Schritt müssen die OEMs die Mobilitätslösungen der Start-ups in ihre eigene Markenwelt integrieren. Dabei können Kooperationen mit Start-ups den OEMs auch dabei helfen, ihre eigene Innovationskultur zu verbessern. Springer-Autor Stephan Grabmeier schlägt im Kapitel Lernen von den Kleinen: Start-ups als Leadership-Vorbild für Großunternehmen aus dem Buch HR-Exzellenz daher einen Orientierungsrahmen für Unternehmen vor, den sogenannten Haufe-Quadranten. Das Modell soll Organisationen helfen, ihre Transformation sowohl organisatorisch als auch kulturell zu gestalten und ein neues Betriebssystem zu implementieren. Nur so könnten Unternehmen den veränderten Rahmenbedingungen und den zunehmend dynamischen Märkten trotzen.

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