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30.12.2020 | Mobilitätskonzepte | Infografik | Onlineartikel

Individualverkehr gewinnt, ÖPNV verliert

Autor:
Christiane Köllner
3:30 Min. Lesedauer

Die Corona-Krise hat das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert. So profitiert der Individualverkehr auf Kosten des ÖPNV, wie die Continental-Mobilitätsstudie 2020 feststellt. 

Der Individualverkehr hat im Zuge der Covid-19-Pandemie massiv an Bedeutung gewonnen. Um den Kontakt zu anderen Menschen zu minimieren, sind viele mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel dagegen ist deutlich zurückgegangen. Das ist eines der Ergebnisse der Continental-Mobilitätsstudie 2020. Diese Studie führt der Automobilzulieferer seit 2011 regelmäßig durch. Befragt werden Menschen aus fünf Ländern in drei Kontinenten: China, Japan, USA, Frankreich und Deutschland.

Vor allem Asiaten nutzen seit Corona weniger den ÖPNV

Obwohl viele Menschen in der Krise deutlich weniger mobil waren als zuvor, berichtet ein großer Teil von ihnen, das Auto sogar noch mehr zu nutzen. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten in China: Fast die Hälfte der Befragten dort gibt an, mehr mit dem Auto unterwegs zu sein. In Deutschland ist es noch immer ein Viertel der Befragten. Selbst in Frankreich, wo die Bewegungsfreiheit und damit die Mobilität besonders stark eingeschränkt wurden, haben 16 Prozent der Bevölkerung das Auto häufiger genutzt als vor Beginn der Pandemie. Ähnlich verhält es sich mit dem Fahrrad, das im vergleichbaren Rahmen an Bedeutung gewonnen hat.

Ganz anders sieht es dagegen bei öffentlichen Verkehrsmitteln aus: Die Hälfte der Deutschen gibt an, dass sie weniger auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen als zuvor, in China und Japan sind es sogar mehr als die Hälfte. Einige Ergebnisse der Umfrage deuten an, dass sich diese Entwicklung auch nach der Krise verstetigt: Zwischen sechs Prozent (Deutschland) und 15 Prozent (USA) der Befragten berichten nämlich, dass sie ein Auto gekauft haben oder dies in Betracht ziehen – eine mittel- bis langfristig ausgerichtete Entscheidung. In China, wo der Anteil der Autobesitzer noch deutlich geringer ist, sind es sogar 58 Prozent der Befragten.

Sharing-Konzepte noch nicht gefragt

Weiteres Ergebnis der Studie: Neue Mobilitätskonzepte bestimmen die Diskussion um die Zukunft der Mobilität, aber nicht die Lebensrealität der meisten Menschen. Weit mehr als 80 Prozent der Befragten besitzen das Auto, mit dem sie regelmäßig fahren. Neue Sharing-Konzepte wie Ridepooling oder Ridehailing spielen bisher insgesamt keine relevante Rolle.

China könnte Elektromobilität beflügeln 

Rund ein Drittel der Befragten in Deutschland gibt an, sich den Kauf eines Elektroautos zukünftig vorstellen zu können, noch im Jahr 2013 waren dies nur 17 Prozent. Trotzdem gilt: Der Großteil der Menschen kann sich dies nicht vorstellen. Und dieser Anteil der Befragten, die sich auch zukünftig nicht vorstellen können, ein Elektroauto zu kaufen, liegt darüber hinaus in keinem Vergleichsland höher als in Deutschland (57 Prozent). In Frankreich (56 Prozent) und den USA (50 Prozent) sieht sich mindestens die Hälfte der Bevölkerung nicht in einem Elektroauto, in Japan (46 Prozent) liegt der Anteil nur unwesentlich darunter. In China können sich nur zwölf Prozent der hier Befragten nicht vorstellen, ein elektrisch angetriebenes Auto zu kaufen. Der insgesamt bedeutendste Grund, der für die meisten Menschen gegen Elektroautos spricht, ist die Reichweitenangst.

Ein nachhaltiger Push für die Elektromobilität könnte der Studie zufolge daher aus China kommen, denn: 

  • China ist seit Jahren ein zentraler Absatzmarkt für Automobilhersteller aus der ganzen Welt.
  • Die Bedeutung des Individualverkehrs hat in keinem anderen Land so deutlich zugenommen wie in China: 46 Prozent der Befragten nutzen das Auto häufiger als zuvor. In Deutschland ist dieser Anteil mit 23 Prozent halb so groß.
  • Fast 60 Prozent der Befragten geben an, ein Auto gekauft zu haben oder dies in Betracht zu ziehen.
  • Die Offenheit gegenüber Elektrofahrzeugen ist in keinem anderen Land so groß: 86 Prozent der Befragten in China geben an, sich den Kauf eines Elektroautos vorstellen zu können.

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