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20.01.2015 | Motorentechnik | Interview | Onlineartikel

"Die Forschungs- und Förderungslandschaft sollte paritätischer sein"

Autor:
Richard Backhaus
2:30 Min. Lesedauer

Das Thema der Emissions- und der CO2-Reduzierung hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Jens Hadler, Geschäftsführer der APL Group, skizziert im Interview mit der MTZ seinen Weg zum nachhaltigen Antrieb von morgen.

Müsste nicht Nullemission beim Verbrennungsmotor das Ziel sein, um gegen den Vorteil des lokal emissionsfreien Fahrens beim Elektroantrieb antreten zu können?

Wenn Mobilität nachhaltig sein soll, muss sie mindestens ein Emissionsniveau entlang der gesamten Energiekette gewährleisten, das die Gesellschaft im Hinblick auf Gesundheit und Umweltbeeinflussung akzeptiert, also Zero Impact Emission. Diesem Anspruch müssen sich alle Antriebsformen stellen, sowohl der Verbrennungsmotor als auch die Elektromobilität. Für die Elektromobilität spricht neben der lokalen Emissionsfreiheit, dass nach jetzigem Wissensstand in der Gesamtkette Well-to-Wheel weniger regenerativ gewonnene Energie aufgewendet werden muss als Gesamtenergie für die Erzeugung von Kraftstoffen der dritten Generation für Verbrennungsmotoren. Wenn man den Kohlenstoff allerdings im geschlossenen Kreislauf bewegt, ist die Frage des regenerativen Energieeinsatzes sekundär, solange nicht mehr eingesetzt wird, als die Sonne liefern kann. Die Vorteile der speicherdichten chemisch gebundenen Energie bezüglich Verfügbarkeit, Infrastruktur, Reichweite und Rückwärtskompatibilität zu existenten Versorgungssystemen sprechen für eine nachhaltige Kohlenwasserstoffwirtschaft. Generell brauchen wir Lösungen für 8 Milliarden Menschen weltweit, wovon sich auch in 50 Jahren ungefähr 4 bis 5 Milliarden täglich außerhalb der Städte bewegen werden.

Wie weit sind wir von Zero Impact Emission entfernt?

Das ist auch immer eine Frage, auf welchem Emissionshintergrundniveau man sich bewegt. Bei HC- und PM-Emissionen haben wir teilweise in Megacities je nach Industrialisierung und Wetterlage den Effekt, dass moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als „Immissions-Staubsauger“ fungieren. Die Herausforderung ist, insbesondere beim Dieselmotor und überstöchiometrisch betriebenem Ottomotor, die NOx-Emission. Der Plug-in-Hybrid als das Beste beider Antriebswelten wird sich in näherer Zukunft etablieren. Der nächste Schritt wird dann sein, den Verbrennungsmotor des Plug-in-Hybridantriebs durch einen Kraftstoff der dritten Generation nachhaltig zu machen. Wenn die Emissionen des Verbrennungsmotors dann auf Zero-Impact-Niveau sind und die E-Mobilität ihre Restriktionen bezüglich Reichweite und Kosten ablegt, ergibt sich gegebenenfalls eine ganz neue Zielgruppendiskussion der beiden Antriebsarten.

Wie bewerten Sie den aktuellen Stand dieser Diskussion?

Ich glaube, wir sind im Moment deutlich zu langsam bei dieser gesellschaftlichen Überlegung unterwegs. Die Forschungs- und Förderungslandschaft bezüglich E-Mobilität und synthetischer, nachhaltiger Kraftstoffe sollte etwas paritätischer sein.

Das vollständige Interview mit Jens Hadler lesen Sie hier.

Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Jens Hadler (Jahrgang 1966) wechselte 2012 als Geschäftsführer zur APL Group. Im selben Jahr wurde Hadler zudem Geschäftsführer des Instituts für Kompetenz in AutoMobilität (IKAM) GmbH und Inhaber des Lehrstuhls für Nachhaltige Mobilität an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

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