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28.02.2019 | Motorräder | Nachricht | Onlineartikel

Zero präsentiert vernetztes Elektromotorrad SR/F

Autor:
Sven Eisenkrämer

Zero Motorcycles hat sein neues, batterieelektrisches Naked Bike SR/F vorgestellt. 81 Kilowatt Leistung, 190 Newtonmeter Drehmoment und bis zu 320 Kilometer Reichweite sollen die Märkte aufmischen.

Die kalifornische Elektomotorradschmiede Zero Motorcylces hat sein neues Modell "SR/F" vorgestellt. Das Naked Bike soll den noch sehr schmalen Nischenmarkt für Elektromotorräder beflügeln. Zero setzt mit der Technik voll auf Alltagstauglichkeit, Fahrspaß und Sicherheit. Mit dem Design eines modernen, aber nicht überdreht-futuristischen Motorrads sprechen die US-Amerikaner eine breite Zielgruppe an. Das Bike wiegt 220 bis 226 Kilogramm, 228 bis 234 Kilogramm Zuladung sind drin. Der Radstand beträgt 1.450 Millimeter, die Sitzhöhe 787 Millimeter.

Die SR/F will jedenfalls mit den "nackten" Fakten punkten: Der Zero-Elektromotor "Z-Force 75-10" leistet 81 Kilowatt (110 PS) bei 190 Newtonmetern Drehmoment, lässt das Motorrad auf maximal 200 km/h beschleunigen. Die Kraftübertragung vom bürstenlosen internen Permanentmagnetmotor erfolgt direkt ohne zwischengeschaltetes Getriebe und damit kupplungsfrei per Riemenantrieb auf die Hinterachse. Der Antriebsstrang ist entsprechend Kompakt und luftgekühlt. Als Batterie ist die "Z-Force 14.4" mit einer maximalen Kapazität von 14,4 Kilowattstunden verbaut (nominell: 12,6 Kilowattstunden). Die Ladetechnik ist mit modular erweiterbaren Bausteinen für höhere Ladeleistung angelegt. Das Standard-Modell kann der Batterie drei Kilowatt zuführen, das Premium-Modell der SR/F sechs Kilowatt. Optional kann der Kunde sechs Kilowatt Ladeleistung zukaufen. Das Upgrade kostet jedoch aufgrund seiner Komplexität, wie Brian Wismann, Zero-Vizepräsident für Produktentwicklung bei der Vorstellung in Amsterdam sagte, fast 3.000 Euro – "für die Kunden, die größten Wert auf kurze Ladedauer legen".

60 Minuten für 95 Prozent Batterieladung

Mit den sechs Kilowatt des Premium-Modells lässt sich die Batterie in etwa zwei Stunden fast voll aufladen. 95 Prozent werden beim 12 Kilowatt-Upgrade in 60 Minuten erreicht. Beim "kleinen" Standard-Modell mit drei Kilowatt werden in einer Stunde 61 Kilometer Reichweite geladen. Anschließen lässt sich die SR/F an den Typ-2-Ladestandard, hierfür hat das Motorrad eine Ladebuchse unter einer Abdeckung am "Tank".

Bis zu 320 Kilometer weit soll die SR/F mit einer Batterieladung kommen, wenn der ab Herbst 2019 optional bestellbare "Power Tank" mit verbaut ist. Ohne diesen dürfte die geschätzte Reichweite eher bei 250 bis 270 Kilometer liegen. Hochgeschwindigkeitsfahrten reduzieren das Ganze natürlich erheblich. Wie weit die Reichweite dann in der Realität ist, werden die ersten Fahrten im freien Feld zeigen.  

Konzentrische Schwingachse als Aufhängung

Zero hat bei der Fahrwerksentwicklung eine eigene konzentrische Anordnung von Motor und Schwingachse einbezogen. Damit soll eine gleichmäßige Antriebsriemenspannung und eine maximale Übertragung des Drehmoments auf das Hinterrad gewährleistet werden. Die Schwingachse lässt dem Motor laut Zero viel Raum und ermöglicht ein schlankes Fahrgestell mit Stahlgitterrohrrahmen und einer Showa-Federung. Vorne ist eine 43 Millimeter Upside-down-Gabel samt einstellbarer Federvorspannung, Druck- und Zugstufendämpfung installiert, hinten ein Gasdruck-Stoßdämpfer mit 40 mm Kolbendurchmesser, fixiertem externem Reservoir und ebenfalls einstellbarer Federvorspannung, Druck- und Zugstufendämpfung. Der vordere Federweg beträgt 120 Millimeter, der hintere 140 Millimeter.

Damit die Kraft des E-Motors geregelt auf die Räder und auf die Straße übertragen wird, arbeitet ein modernes Betriebssystem, genannt "Cypher III", mit der Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC) von Bosch zusammen. Das MSC kommt mit einem geradlinigen ABS, einer Kurvenbremskontrolle, einer Traktionskontrolle und einer Schleppmomentregelung. Das Cypher bildet den Knotenpunkt aller elektronischen Systeme des Motorrads und sorgt nicht für die fahrdynamische Regelung mit vier voreingestellten und zehn individuell einstellbaren Fahrmodi. Zwei Vierkolben-Radialsättel mit Radialhauptzylinder und 320 x 5 Millimeter Bremsscheiben am Vorderrad und ein Einkolben-Schwimmsattel mit 240 x 4,5 Millimeter Bremsschreibe hinten sorgen vom MSC geregelt für die Verzögerung.

Zero SR/F ist Teil des Internet of Things

Das TFT-LCS-Display mit 12,5-Zentimeter Bildschirmdiagonale lässt sich individuell anpassen, das Motorrad ist mit einer Cloud des Anbieters Starcom Systems verbunden und damit Teil des Internet of Things. Über eine neue App und die Cloud-Verbindung lässt sich das Motorrad via Smartphone ansteuern und individualisieren. Fahrt- und Tourendaten werden aufgezeichnet und dargestellt, der Kontakt zu Social-Media-Plattformen lässt dem Fahrer die Wahl, seine Fahrten in seinem Netzwerk zu teilen. Eine Fernwartung und Softwareupdates sind darüber ebenfalls möglich.

Elektronisch überwacht werden via Cypher III, Cloud und App die vier Hauptbereiche des Motorrads: Fahrzeugstatus und Warnmeldungen, Laden, Fahrdaten-Freigabe, System-Upgrades und -Updates. Die SR/F sendet Warnmeldungen über den Fahrzeugstatus, Ladeunterbrechungen oder Benachrichtigungen über unerwartete Bewegung und Umkippen an den Nutzer. Zusätzlich ermöglicht die "Find-My-Bike"-Funktion Motorradfahrern eine ständige Überwachung des Fahrzeugs. Per Fernsteuerung lassen sich auch diverse Ladeeinstellungen vornehmen, beispielsweise eine Ladezeitplanung. Die Zero SR/F wird in Deutschland für 20.490 Euro (Standard) und 22.690 Euro (Premium) zu bekommen sein und soll ab April bei den Händlern stehen. Mit allen möglichen Leistungsupgrades und eventuellem Zubehör sollte jedoch es nicht schwierig werden, 30.000 Euro Gesamtpreis zu erreichen. 


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