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Über dieses Buch

Dieses Open Access Buch befasst sich mit Nachhaltiger Entwicklung unter Bedingungen eines rasanten globalen Wandels. Noch nie waren Menschen global so vernetzt und Informationen wurden so schnell um den Globus ausgetauscht wie heute, und trotzdem bestehen massive Ungleichheiten bei der gerechten Verteilung von Ressourcen, dem Schutz von Menschenrechten, dem Schutz der Natur und den gewährten Hilfestellungen bei der Anpassung an den Klimawandel. Wir greifen so stark in das Erdsystem ein, dass man zunehmend von einem durch den Menschen geprägten Erdzeitalter spricht, dem „Anthropozän“. Um die für eine Begrenzung des Klimawandels und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen unabdingbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationen durchzusetzen, müssen wir es wagen, eine andere Welt zu denken und die Schranken in unseren Köpfen hinterfragen. Eine interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung kann hierzu wichtige Beiträge liefern.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Open Access

Nachhaltige Entwicklung in einer Gesellschaft des Umbruchs – Zur Einführung

Zusammenfassung
Noch nie waren Menschen global so vernetzt, und Informationen wurden so schnell um den Globus ausgetauscht wie heute. Dies führt zu Innovationen und vielen neuen Möglichkeiten. Der schnelle Wandel birgt jedoch auch Gefahren für Mensch und Natur. Dazu zählen der globale Verlust an Biodiversität und die irreversible Erderwärmung, und auch die akute Krise durch die Corona-Pandemie ist ein Symptom derartiger Gefahren. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU 2011) und der Weltbiodiversitätsrat (IPBES 2019) fordern eine tiefgreifende gesellschaftliche Transformation in Richtung Nachhaltigkeit. Dafür braucht es auf der Ebene der Forschung mehr inter- bzw. transdisziplinäre Ansätze und damit auch neue Entwicklungen an den Universitäten. In dieser Einleitung fassen wir kurz die Beiträge von Kolleg*innen an der Goethe-Universität zu diesem Buch zusammen, welche sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit Nachhaltigkeit befassen.
Birgit Blättel-Mink, Thomas Hickler

Open Access

Risiken des Klimawandels: Wie kann man mit den vielfältigen Unsicherheiten bei Risikobewertung und Anpassung an den Klimawandel umgehen?

Zusammenfassung
Um die vielfältigen Risiken des Klimawandels zu verringern, ist es notwendig, diese in lokalen partizipativen Prozessen mit Stakeholdern und Wissenschaftler*innen zu analysieren und zu bewerten und Strategien zur Risikoverringerung entwickeln. Dabei spielen verschiedene Arten von Unsicherheiten eine wichtige Rolle und sollten explizit adressiert werden. Anhand einer Unsicherheitsklassifikation werden die für solche partizipativen Prozesse relevanten Unsicherheiten (epistemische, ontologische und linguistische Unsicherheiten sowie Uneindeutigkeit) diskutiert, und es werden Methoden zum Umgang mit diesen Unsicherheiten vorgestellt.
Petra Döll

Open Access

Climate Change, Policy, and Justice

Abstract
Climate change and climate change policy raise important issues of intergenerational and international justice. Intergenerational justice requires that CO2 emissions be halted by the middle of this century or shortly thereafter. But since human development requires energy, the elimination of emissions raises important questions of international justice. Responding adequately to climate change requires international cooperation in order to affect a rapid transition to renewable energy production and consumption and to safeguard conditions in which continued progress in human development can be made.
Darrel Moellendorf

Open Access

Sustainable use of Savanna Vegetation in West Africa in the Context of Climate and Land use Change

Abstract
West African savannas undergo severe changes due to climate change and land use pressure, resulting in degradation and biodiversity loss. These changes directly impact local rural livelihoods, as many cash poor rural communities depend on the provisioning ecosystem services of their environments. In a case study of the interdisciplinary research project UNDESERT, the increasingly challenging sustainable use of wild plant species in West African savannas was investigated. In this study, we present the results and give examples of how scientific results can serve for practical actions to foster sustainable use of important plant resources.
Karen Hahn, Anna Leßmeister

Open Access

Umkämpfte Nachhaltigkeit – vergessene Leiblichkeit. Der Fall der Wildpferde in Namibia

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert Konflikte um nachhaltigen Naturschutz. Er zeigt erstens, inwiefern diese in divergierenden Vorstellungen von Natur gründen, z. B. welche Tiere lokale Ökosysteme repräsentieren (dürfen), zweitens, dass Diskursanalysen diese Konflikte nicht hinreichend erfassen, da sie eine agency of nature ausblenden (müssen), und drittens, dass Naturschutzkonflikte immer auch inkorporierte Praxis sind, wenn z. B. die verinnerlichte Normativität von Nachhaltigkeit mit der leiblichen Erfahrung der Arbeit mit Tieren in Widerspruch tritt. In den dominierenden Rationalitäten von Nachhaltigkeit findet diese Dimension keinen Platz.
Robert Pütz, Antje Schlottmann

Open Access

Der Mensch und der Rhein

Zusammenfassung
Der Rhein und seine Zuflüsse zeigen eine wechselvolle hydrologische, biologische und kulturelle Geschichte. Menschen leben seit mindestens 600.000 Jahren am Flusssystem. Das Kapitel beleuchtet ihre wechselvolle Beziehung zum Rhein, der für sie Barriere, Grenze oder Verteidigungslinie, Nahrungslieferant, Waren- und Personentransportweg, Vorfluter für Abwässer, Energiequelle oder eine Region für Freizeittourismus war. Wechselnde gesellschaftliche Ziele haben Sichtweisen und Nachhaltigkeitskonzepte für Fluss und Landschaft geprägt und immer wieder modifiziert.
Bruno Streit

Open Access

Nachhaltige Entwicklung als Strategie der Völkergemeinschaft zur Überwindung der „Grenzen des Wachstums“. Ein kritisch-historischer Abriss

Zusammenfassung
Nachhaltige Entwicklung ist ein politisches Leitbild, auf welches sich die Völkergemeinschaft in den 1980er Jahren verständigt hat, um der von vielen Wissenschaftler*innen konstatierten ökologischen Krise sozial und ökonomisch verträgliche Lösungen entgegenzusetzen. Das Leitbild basiert auf der freiwilligen Selbstverpflichtung der Länder und so wundert es nicht, dass die Erfolge in Richtung gerechte Verteilung inter- und intragenerationaler Lebensbedingungen bis dato eher bescheiden ausfallen. In einem historischen Abriss werden die politischen und wissenschaftlichen Facetten des Leitbildes ausbuchstabiert und einer kritischen Analyse unterzogen.
Birgit Blättel-Mink

Open Access

Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung – Methoden, Kriterien, gesellschaftliche Relevanz

Zusammenfassung
Transdisziplinäre Forschung gewinnt immer stärker an Bedeutung, insbesondere in der Nachhaltigkeitsforschung. Hier geht es darum, komplexe gesellschaftliche Probleme wissenschaftlich fundiert zu gestalten und dabei die unterschiedlichen Interessen, Erwartungen und Wissensbestände der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure systematisch in den Forschungsprozess zu integrieren. In diesem Beitrag wird dargelegt, was die Charakteristika der Nachhaltigkeitsforschung sind, welchen Anforderungen sie sich stellen muss, warum Transdisziplinarität der geeignete Forschungsmodus dafür ist und was ein gutes, d. h. kritisch geprüftes transdisziplinäres Forschungsdesign ausmacht. Letzteres ist von besonderer Bedeutung, da Qualitätsstandards für transdisziplinäre Forschung noch nicht abschließend innerwissenschaftlich ausgehandelt sind. Der Beitrag gibt eine Antwort auf die Frage, wie sich in einer solchen, kritisch angelegten transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Relevanz verbinden lässt und welche Kriterien für die Qualität des Forschungsproblems, des Forschungsprozesses und der Forschungsergebnisse gelten sollten.
Thomas Jahn

Open Access

Transformation and Contestation. Learning from Actors and Socio-political Engagements in Transformative Science

Abstract
The chapter presents the design and content of a sustainability research project in the humanities and the social sciences, as well as some methodological and theoretical guidelines from two different transformational frameworks that were assessed in the project. It then outlines the tension that emerges when we consider transformation from the point of view of processes and try to integrate the role of agency, especially of actors that contest structures or processes rather than initiating or supporting them. It finally explores how this tension challenges the assessed frameworks and which aspects of them can be stressed in order to face the challenge.
Rosa Sierra

Open Access

Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

Eine Vorstellung der inter- und transdisziplinär arbeitenden Nachwuchsgruppe „PlastX“
Zusammenfassung
Stellt Plastik ein Risiko für unsere Umwelt dar? Wie finden wir einen besseren Umgang mit einem Material, das so viele Bereiche unseres Alltags durchdrungen hat? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die inter- und transdisziplinär arbeitenden Nachwuchsgruppe „PlastX – Plastik in der Umwelt als systemisches Risiko“. Der Beitrag stellt die unterschiedlichen Forschungsfelder (Mikroplastik, Meeresmüll, Verpackungen und Bioplastik) vor. Der Ansatz der systemischen Risiken wird als integrative Perspektive diskutiert.
Johanna Kramm, Carolin Völker

Open Access

Die Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating (FG EÖR) am Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität Frankfurt

Zusammenfassung
Der Beitrag informiert über die Arbeit der Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating der Goethe-Universität in Frankfurt. Die Gruppe war interdisziplinär, interkulturell, ökumenisch und transdisziplinär zusammengesetzt. Sie hat als erste bereits in den 90-er Jahren anhand einer Wertbaumanalyse eine wissenschaftlich gestützte Kriteriologie zur Bewertung von Kapitalanlagen, den sogenannten Frankfurt-Hohenheim Leitfaden (FHL) entwickelt. Der FHL wurde gemeinsam mit einer Ratingagentur, nämlich der oekom research GmbH in München, in ein Ratingkonzept übertragen, nämlich das Corporate Responsibility Rating (CRR). Der Beitrag informiert über die Entwicklung, Anwendung, Grenzen und die mögliche Weiterentwicklung des Konzeptes. Inzwischen wird das CRR weltweit umgesetzt.
Johannes J. Hoffmann

Open Access

Ars Longa. Kunst und Nachhaltigkeit

Zusammenfassung
Welchen Beitrag kann zeitgenössische Kunst zu einer sozial-ökologischen Nachhaltigkeitsperspektive leisten? Dieser Frage geht der Beitrag ausgehend von künstlerischen Projekten nach, die in Feldern operieren, in denen die drei Säulen des bekannten Nachhaltigkeits-Modells – Umwelt, Soziales und Wirtschaft – gleichermaßen relevant sind: in der Forstwirtschaft („Bäume pflanzen“) und in der Imkerei („Bienen züchten“). So entstehen in der Kunst Bilder, die nicht nur zur Vermittlung entsprechender Einsichten in für ein nachhaltiges Denken und Handeln relevante Zusammenhänge beitragen, sondern darüber hinaus je auf ihre Weise zum aktiven sozial-ökologischen Engagement einladen.
Verena Kuni

Open Access

Ökologischer Imperativ, Nachhaltigkeit, Planetare Grenzwerte und „One Health“ –Zielfunktionen für ein zukunftsfähiges Geoengineering

Zusammenfassung
Der Mensch greift seit jeher in das Systemgefüge der Erde ein, doch seit dem Neolithikum entwickeln sich diese Eingriffe zunehmend zu einer nicht nachhaltigen Ausbeutung der Natur. Durch die gravierenden rasanten Veränderungen im Anthropozän wird ein modernes Erdsystem-Management oder Geoengineering, das die „Permanenz echten menschlichen Lebens“ (Hans Jonas) sichert, nun zu einer dringenden Herausforderung. Dafür müssen zunächst gültige Zielgrößen definiert werden, die fortlaufend immer wieder im wechselseitigen Abgleich der aus dem Management-System resultierenden Folgen angepasst werden müssen. Für ein solches weltweit wirkendes System sind sowohl technische als auch ökonomische und politische Werkzeuge notwendig, die durch eine umfassende Governance gesteuert werden.
Volker Mosbrugger
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