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30.04.2021 | Nachhaltige Geldanlagen | Nachricht | Onlineartikel

Verband prognostiziert Wachstum bei ESG-Pfandbriefen

Autor:
Jan F. Wagner
2 Min. Lesedauer

Angesichts der starken Nachfrage nach nachhaltigen Investments wollen deutsche Kreditinstitute bis 2026 deutlich mehr derartige Pfandbriefe emittieren. Das sagte Louis Hagen, Präsident des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP), bei einer virtuellen Pressekonferenz am Donnerstag.

Das Volumen von nachhaltigen, oder sogenannten ESG-Pfandbriefen, beträgt rund acht Milliarden Euro. Davon entfallen sieben Milliarden auf grüne Pfandbriefe - also Papiere die besonders energieeffiziente Gebäude finanzieren. Darüber hinaus hat ein Institut einen Pfandbrief mit einem Volumen von einer Milliarde Euro begeben, der soziale Projekte finanzieren soll. Auf die Frage, wie groß das ESG-Pfandbriefvolumen in fünf Jahren sein könnte, sagte Verbandschef Hagen, er könne keine konkrete Zahl nennen. Doch wegen der hohen Nachfrage seitens institutioneller Investoren dürfte das Volumen stark zunehmen.

Preisvorteil für Emittenten von ESG-Anleihen

Grund für die starke Nachfrage ist eine Anpassung der Anlagerichtlinien, die ein den Investoren ein viel höheres Engagement in ESG-Anleihen ermöglicht. Die Folge laut Hagen: "Während grüne Pfandbriefe oder ungedeckte grüne Schuldverschreibungen den Emittenten vor 2020 keinen Preisvorteil geboten haben, ist das heute anders. Die Preise für die ungedeckten Papiere sind schon gefallen, und das dürfte auch beim Pfandbrief tendenziell der Fall sein." 

Allerdings sieht der VDP den neuen EU-Standard für nachhaltigen Anleihen als ein Hindernis für die Verbreitung der gedeckten Variante. Der VDP beklagt etwa die erhebliche Bürokratie, die mit der Erfüllung des Standards verbunden ist. So sei beispielsweise in dem rund 500-seitigen Taxonomie-Papier festgelegt worden, wie viel Wasser die Toiletten verbrauchen sollten, damit das Gebäude als nachhaltig gilt. 

"Für eine Pfandbriefbank bedeutet die Beschaffung solcher Daten viel zu viel Aufwand", meinte dazu VDP-Geschäftsführer Jens Tolckmitt. Gleichwohl erwartet Tolckmitt wie Hagen bis 2026 ein höheres Volumen an ESG-Pfandbriefen. Zusätzlich zu der EU-Taxonomie gibt es bereits einen Branchenstandard, nachdem die Anleihen als ESG-tauglich zertifiziert werden können. 

Trotz Corona werden 2020 mehr Pfandbriefe begeben

Wie der VDP weiter mitteilte, verzeichnete Pfandbriefbanken im Corona-Jahr 2020 ein Plus von 8,7 Prozent bei den entsprechenden Emissionen auf 59,8 Mrd. Euro. Davon entfallen 40,7 Milliarden Euro auf Hypothekenpfandbriefe und weitere 19,1 Milliarden Euro auf Pfandbriefe für die Finanzierung der öffentlichen Hand.

"In der COVID-19-Krise zeigte der Pfandbrief eine deutlich bessere Performance als andere Covered Bonds: Die Spreads hatten sich zu Beginn der Pandemie nur moderat ausgeweitet und liegen bereits seit längerer Zeit wieder auf Vorkrisenniveau", sagte Hagen. "Dabei ist weiterhin eine hohe Investorennachfrage auch abseits der Zentralbanken festzustellen.“

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