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05.06.2024 | Nachhaltige Geldanlagen | Im Fokus | Online-Artikel

Aufsicht kritisiert Greenwashing in der Finanzbranche

verfasst von: dpa

2 Min. Lesedauer

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Die Finanzbranche soll Kapital in den grünen Wandel lenken. Doch viele Finanzprodukte halten ihre nachhaltigen Versprechen nicht, monieren Aufsichtsbehörden. Sie fordern ein strengeres Vorgehen gegen Greenwashing. 

Europas Aufsichtsbehörden stemmen sich gemeinsam gegen zunehmende Schönfärberei bei vermeintlich grünen Finanzprodukten. Banken, Versicherer und andere Finanzmarktakteure seien in der Verantwortung, Nachhaltigkeitsinformationen bereitzustellen, die "fair, klar und nicht irreführend sind", betonten die Bankenaufsicht EBA, die Versicherungsaufsicht EIOPA und die Wertpapieraufsicht ESMA am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung ihre jüngsten Analysen zu sogenanntem Greenwashing im Finanzsektor.

Geschönte Angaben bei grünen Anlagen

Die EU-Kommission will mehr Geld in grüne Anlagen lenken, um den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft zu beschleunigen. Bankberater und Versicherungsvermittler müssen daher inzwischen bei der Anlageberatung die Vorstellungen der Kundschaft beim Thema Nachhaltigkeit abfragen. Bei der Geldanlage soll es nicht mehr nur um Renditechancen und Risiko gehen, sondern auch um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung: Die Abkürzung ESG (Environmental, Social, Governance) hat Einzug gehalten.

Doch was ist tatsächlich nachhaltig, und wo gaukeln Anbieter der Kundschaft nur Umwelt- und Klimafreundlichkeit vor? Mit zunehmender Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen nimmt auch die Gefahr zu, dass Anbieter Produkte als grüner darstellen, als diese tatsächlich sind. Die Versicherungsaufsicht EIOPA warnt: "Wenn nicht gegen Greenwashing vorgegangen wird, könnte es echte Bemühungen zur Finanzierung des nachhaltigen Wandels untergraben und das Vertrauen der Verbraucher in den europäischen Versicherungs- und Rentensektor schwächen."

Zahl der Greenwashing-Fälle steigt

Die Fallzahlen im Versicherungssektor sind nach EIOPA-Angaben zuletzt gestiegen: Im laufenden Jahr hätten die nationalen Aufsichtsbehörden von fünf Mitgliedsstaaten Greenwashing-Fälle gemeldet, 2023 waren es drei. Sechs weitere nationale Aufsichtsbehörden untersuchen den Angaben zufolge derzeit potenzielle Fälle. 

Auch die EU-Bankenaufsicht EBA beobachtet ein wachsendes Greenwashing-Risiko bei Banken, Wertpapierfirmen und Zahlungsdienstleistern. Das Ergebnis der quantitativen EBA-Analyse von Greenwashing zeige eine deutliche Zunahme dieses Trends in allen Sektoren, auch bei den EU-Banken. Die Gesamtzahl der mutmaßlichen Fälle in der Europäischen Union sei im Jahr 2023 weiter gestiegen: um 26,1 Prozent im Vergleich zu 2022, teilte die EBA mit.

EU will Mindeststandards für Nachhaltigkeit

Die Analysen der Aufsichtsbehörden zu Greenwashing sind Teil einer umfassenderen Initiative. So hatte die EU-Kommission im März 2023 einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der Unternehmen bei Angaben etwa zur Klimafreundlichkeit oder Nachhaltigkeit ihrer Waren zu Mindeststandards verpflichten soll. Ziel der Brüsseler Behörde: Wer ein als umweltfreundlich beworbenes Produkt kauft, soll sicher sein können, dass das Produkt wirklich "grün" ist.

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