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Über dieses Buch

Im dritten Band der Schriftenreihe der SRH Fernhochschule präsentieren Dozentinnen und Dozenten 10 wissenschaftliche Beiträge mit praxisnahen Bezügen. Sie geben Antworten auf aktuelle Fragestellungen zum Thema Nachhaltigkeit in ausgewählten Bereichen. Dabei wird ein breites Spektrum beleuchtet, das von der nachhaltigen Unternehmensstrategie und -kommunikation über den nachhaltigen Konsum bis zur Nachhaltigkeit von Forschungsdaten reicht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht in der unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie

Die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht bedeutet, dass sich Unternehmen aktiv mit den menschenrechtlichen Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf das Umfeld und die Gesellschaft entlang der Lieferkette auseinandersetzen müssen. Auf Grundlage der ermittelten Risiken und Auswirkungen sollen Unternehmen geeignete Prozesse menschenrechtlicher Sorgfalt implementieren bzw. ausbauen. Unternehmen werden konkret für diese Auseinandersetzung in die Verantwortung genommen und können bei Verletzung der Sorgfaltspflicht rechtlich belangt werden. Der Beitrag zielt auf eine Analyse der menschenrechtlichen Sorgfalt als Teil der unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie ab. Theoretische Grundlagen werden dargelegt und der Umgang mit der menschenrechtlichen Sorgfalt anhand des Beispiels eines deutschen mittelständischen Unternehmens erläutert.
Theresa Bauer

Nachhaltige Personalführung in der digitalisierten Industrie

Von der Theorie zur innovativen Methode
Die Digitalisierung ist in alle Bereiche unserer Lebenswelt vorgedrungen und stellt eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Dieser zunehmende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien beeinflusst die Art, wie wir kommunizieren, konsumieren, produzieren und arbeiten (vgl. Bitkom 2016). Neue, zunehmend digitalisierte Formen des Produzierens und des Arbeitens wirken sich auch auf die Anforderungen an die Personalführung in kleinen und mittleren Unternehmen aus. Ein kooperativer Führungsstil kann dazu beitragen, veraltete Strukturen im Unternehmen aufzubrechen und das gestalterische und kreative Potenzial der Belegschaft für Innovationsprozesse zu nutzen. Für eine nachhaltige Personalführung ist dabei entscheidend, dass sie einer Gesamtstrategie folgt, die sowohl die Unternehmensführung als auch die Belegschaft integriert und die als iterativer Prozess angelegt ist, um dauerhaft im Unternehmen zur Anwendung kommen zu können.
Paul Bittner, Frauke Remmers

Mehr als Nachhaltigkeitskommunikation

Auf dem Weg zu einer nachhaltigkeitsintegrierten Unternehmenskommunikation
Die Ansprüche an Unternehmen, wie sie handeln und wie sie produzieren sollen, sind am Wachsen. Unternehmen haben erkannt, dass sie sich für einen langfristigen Erfolg ihrer Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft stellen und dies ebenso kommunizieren müssen. Doch ist das Selbstverständnis dieser Kommunikation als nachhaltiger Kommunikation bis heute kaum Gegenstand der Fachdiskussion. Der vorliegende Beitrag stellt daher die normativen Ansprüche an eine nachhaltige Auftragskommunikation in den Mittelpunkt. In diesem Spannungsfeld werden die identitäts- und gesellschaftskonstitutive Funktion kommunikativer Prozesse und – untrennbar damit verbunden – die stofflichen oder energetischen Aspekte der Unternehmenskommunikation untersucht und diskutiert. Ebenso diskutiert werden die Rahmenbedingungen, in denen normative Kriterien für die Unternehmenskommunikation und praxisorientierte Ansätze für eine nachhaltigkeitsunterstützende Unternehmenskommunikation entwickelt werden können. Grundlagen der Diskussion bilden zum einen der Ansatz der funktionalen Public Relations als Unterstützungs-funktion, zum anderen die Theorie der Nachhaltigkeitsökonomie, das Vorrangmodell der Nachhaltigkeit sowie das nachhaltige kommunikative Handeln innerhalb der Ökonomie der Aufmerksamkeit.
Angela Bittner-Fesseler, Johann Ferdinand Weicht

Studie zur Rezeption des Modells der „Lernenden Organisation“ nach Senge bei Mitarbeitern und Führungskräften in einem Unternehmen des öffentlichen Dienstes

Ausgangsüberlegung für die Durchführung der hier vorgestellten Studie war es, ein Modell zu untersuchen, das für eine nachhaltige Organisationsentwicklung in allen relevanten Bereichen der Organisation fruchtbar gemacht werden kann. Aus verschiedenen Vorüberlegungen heraus wurde hierzu das Konzept der „Lernenden Organisation“ nach Peter M. Senge aufgegriffen. Ziel der vorliegenden Studie war es dabei, eine empirische Untersuchung zur Rezeption des Modells der „Lernenden Organisation“ bei Mitarbeitern und Führungskräften in einem Unternehmen des öffentlichen Dienstes durchzuführen. Aus den zentralen theoretischen Begriffen und Konzepten Senges wurden 47 beobachtbare Indikatoren abgeleitet und operationalisiert, aus denen ein Fragebogen mit zweiteiliger Fragestellung erstellt wurde. Erhoben wurde die Rezeption der Organisationsmitglieder sowohl hinsichtlich der Wahrnehmbarkeit als auch hinsichtlich der Relevanzeinschätzung der operationalisierten Phänomene. Wahrnehmbarkeit bedeutete dabei, inwieweit das eine oder andere Konzept aus Senges Modell aus der Sicht der Befragten in der Organisation bereits thematisiert oder gar umgesetzt wird, die Relevanzeinschätzung bezog sich darauf, für wie wichtig die Organisationsmitglieder die Realisierung und Umsetzung der zentralen Konzepte zur Lernenden Organisation halten. Zusätzlich wurde die Frage untersucht, ob statistisch signifikante Unterschiede in der jeweiligen Einschätzung der beiden Befragtengruppen „Mitarbeiter mit Führungsverantwortung“ und „Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung“ bestehen. Die vorliegenden Ergebnisse belegen die hohe Praxisrelevanz, die Senges Werk „Die fünfte Disziplin“ auch heute noch zukommt – 27 Jahre nach dessen erster Publikation – und dass dieser Ansatz aus der Sicht der Befragten sehr hilfreich erscheint, um die gesamte Organisation nachhaltig zu entwickeln.
Daniel Gansmeier, Rudolf Forsthofer

Konsumentenverhalten im Wertewandel unserer Gesellschaft

Implikationen und Herausforderungen für den Wein- und Kulinarik-Tourismus
Dieser Beitrag diskutiert das touristische Themenfeld, inwieweit ein nachhaltiger Kulturtourismus (zu welchem der Wein- und Kulinarik-Tourismus zu zählen ist) mit dem Wertewandel in unserer Gesellschaft vereinbar ist.
Gerade der Bereich der „Interkulturellen Kompetenz“ spielt eine entscheidende Rolle, inwiefern eine nachhaltige Entwicklung dieser Ausprägung des Kulturtourismus möglich ist und wie der Wein- und Kulinarik-Tourismus dazu beitragen kann, die Kultur fremder Länder kennenzulernen und die persönliche Bildung nachhaltig zu erweitern oder zu vertiefen. Zudem wird der Aspekt des Netzwerkmanagements aufgegriffen und im Beitrag dargestellt und diskutiert, dass gerade die Einbindung und Analyse von relevanten Kooperationsunternehmen innerhalb der touristischen Leistungskette von immenser Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung des Wein- und Kulinarik-Tourismus ist.
Philip Griesser

Nachhaltiges Lernen durch Online-Communities

Eine empirische Untersuchung zur Lernmotivation und Lebensbewältigung durch die Studyblr-Community
Das Konstrukt der Nachhaltigkeit wird in erster Linie oft mit der Ökologie oder der Wirtschaft assoziiert, allerdings kann sich Nachhaltigkeit auch auf das individuelle Lernen des Menschen beziehen. Nachhaltigkeit kann in diesem Zusammenhang bedeuten, Kompetenzen aufzubauen, damit diese für die Bewältigung von unterschiedlichen Herausforderungen verfügbar sind. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts erfolgte eine empirische Untersuchung der Studyblr-Community. Ziel war es herauszufinden, welchen Einfluss die Interaktionen in der Online-Community auf die Lernmotivation und auf die Kompetenzen zur Lebensbewältigung ihrer Mitglieder haben.
Hoang Long Nguyen, Angela Teichert

Welchen Beitrag können onlinebasierte Matching-Systeme für mehr Nachhaltigkeit im Recruiting leisten?

Kriteriumsvalidierung eignungsdiagnostischer Tests des Matching-Anbieters Talerio
Personalsuche und -auswahl im Bereich des E-Recruitings haben sich in den letzten Jahren aufgrund stetig fortschreitender Technologien rasant verändert, wobei auch auf die Nachhaltigkeit der eben erwähnten Prozesse verstärkt Wert gelegt wird. Ein Beispiel dafür sind sogenannte HR-Matcher, mit deren Hilfe die Passungsermittlung zwischen potenziellen Kandidaten und möglichen Arbeitgebern technologiegestützt vorgenommen werden kann, um Personalbedarfe möglichst langfristig und somit nachhaltig zu decken. Unter den HR-Matchern kann zwischen kennenlern- und einblicksorientierten, Algorithmus-basierten und eignungsdiagnostisch orientierten Matching-Konzepten unterschieden werden. Zu Letzteren gehört der Ansatz des Anbieters Talerio, dessen eignungsdiagnostisches Testverfahren auf seine Kriteriums-validität hin genauer analysiert wurde. Überprüft wurde, inwieweit das Testverfahren dazu geeignet ist, Aussagen über den Ausbildungserfolg zu treffen. Dafür wurde unter anderem untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen den im Testverfahren erzielten Ergebnissen auf der einen und Studienleistungen in Form von Noten auf der anderen Seite besteht. Im Rahmen dieser Validierungsstudie mit einer Stichprobengröße von N = 64 konnte ein mittlerer Zusammenhang (r = .40; p = .01) nachgewiesen werden. Als limitierende Aspekte sind zu nennen, dass für die Durchführung der Studie lediglich Studierende einer Hochschule berücksichtigt wurden, die Stichprobengröße eher gering ist und die Durchführungsobjektivität des Verfahrens durch verschiedene Aspekte eingeschränkt wird.
Christina Nobbe, Lars J. Jansen

Nachhaltiges Employer Branding in der Finanzbranche

Eine explorative Studie zu den Unterschieden zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Verwaltung
In der Finanzbranche kämpfen privatwirtschaftliche Unternehmen wie Banken, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Unternehmensberatungen und finanzmarktnahe öffentliche Arbeitgeber wie die Deutsche Bundesbank oder die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht um die besten Talente, die eine Karriere im Umfeld der Finanzmärkte anstreben. In Anbetracht des vergleichsweise eingeschränkten Handlungsspielraums der öffentlichen Verwaltung stehen in dieser Konkurrenzsituation insbesondere öffentliche Arbeitgeber vor besonderen Herausforderungen. Um sich in diesem Umfeld mittelbis langfristig als attraktiver Arbeitgeber positionieren zu können, bedarf es im Rahmen des Employer Brandings einer nachhaltig auf die Zielgruppe ausgerichteten Arbeitgebermarke. Ein Ansatz für die nachhaltige Konzeption der Arbeitgebermarke liegt in der Analyse der Werthaltungen der anzusprechenden Zielgruppen und der stringenten Ausrichtung der Marke an den bei der Zielgruppe ausgeprägten Werten. In dieser Studie wird explorativ untersucht, obes hinsichtlich der Werthaltungen signifikante Unterschiede zwischen Young Professionals in der finanzmarktnahen Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung geben könnte. Zu diesem Zweck wurden für n = 77 Personen die individuellen Werthaltungen auf Grundlage von Schwartz’ Wertetheorie erhoben. Zur Erhebung der Wertetypen wurde die deutsche Kurzskala SSVS-G verwendet. Die inferenzstatistische Untersuchung der erhobenen Daten zeigt, dass ein Unterschied hinsichtlich der Werthaltungen zwischen Young Professionals in der finanzmarktnahen Privatwirtschaft und öffentlichen Verwaltung bestehen könnte. Dieser könnte vor allem auf unterschiedliche Ausprägungen der Wertetypen Macht, Universalismus und Sozialität zurückzuführen sein (p = .004, p = .003 bzw. p = 0.40). Einschränkend ist auf die vergleichsweise geringe Stichprobe und die ungleiche Verteilung der Befragten hinsichtlich ihrer aktuellen Beschäftigung in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung hinzuweisen. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich gleichwohl Indikatoren für Unterschiede in den Werthaltungen der Zielgruppen ableiten, auf deren Grundlage Handlungsempfehlungen für ein nachhaltiges und erfolgreiches Employer Branding definiert werden können.
Fabian Scharf, Lars J. Jansen

Nachhaltigkeit von Forschungsdaten

Nutzung von Sozialforschungsdaten für die Sekundäranalyse am Beispiel des Themas „nachhaltiger Konsum“
Die Digitalisierung und die Sammlung großer Datenmengen (Big Data) schreiten in allen Bereichen des wirtschaftlichen und privaten Lebens voran. Für die Forschungscommunity bietet dabei das elektronische Registrieren und Archivieren von Daten nicht nur die Möglichkeit, auf große Datensätze zurückgreifen zu können, sondern diese auch mehrfach unter verschiedenen Forschungsperspektiven zu analysieren. Auch mit hohem personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwand erhobene sozialwissenschaftliche Daten werden zunehmend zur Weiter- und Nachnutzung anderen Forschern zur Verfügung gestellt. Diese nachhaltige Nutzung von Forschungsdaten schont Ressourcen und ermöglicht zusätzlich den dauerhaften Zugriff auf einmalige historische Daten. Voraussetzung zur Nutzung dieser Sekundärdaten ist eine ausführliche Dokumentation der Entstehungsbedingungen, Stichproben und Messverfahren. Datenarchive, Forschungsdatenzentren und Datenservicezentren übernehmen die Aufgabe, für angemessene Bereitstellungsbedingungen zu sorgen, den dauerhaften Zugang zu gewährleisten und die Nutzer bei der Datensuche und -analyse zuunterstützen. Anhand einer Onlinerecherche im GESIS Datenbestandskatalog wird beispielhaft die Recherche nach Daten zum „nachhaltigen Konsum“ dargestellt. Verbunden mit den Vorteilen der Nutzung gespeicherter Daten ist dabei auch der Appell an alle Forscher, ihre eigenen Daten anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen.
Anja Tausch

Persönlichkeit und nachhaltiges Konsumverhalten

Die Rolle von Persönlichkeitsdimensionen auf individuelle Kaufentscheidungen
Der Beitrag diskutiert individuelles Nachhaltigkeitsverhalten aus einer persönlichkeitspsychologischen Perspektive. Die bisherige Forschung zu nachhaltigen Konsumhandeln hat vor allem Werte, Einstellungen, Normen und soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht und Einkommen als Prädiktoren für individuelles Nachhaltigkeitsverhalten im Blick. Auf psychologischer Grundlage ermittelte Persönlichkeitsmerkmale können nun weitere Erklärungen für nachhaltiges Konsumentenverhalten liefern. Die einzelnen Merkmalsdimensionen der Big-Five-Taxonomie können genutzt werden, um spezifische Werteorientierungen und Umwelthandlungen zu erklären und vorhersagen zu können. Anhand der dokumentierten Forschungsergebnisse kann deutlich gezeigt werden, dass bestimmte individuelle Ausprägungen in Persönlichkeitseigenschaften wie Verträglichkeit und Offenheit für Erfahrungen mit spezifischen nachhaltigkeitsorientierten Grundhaltungen und einer erhöhten Achtsamkeit für Umweltbelange in systematischer Beziehung stehen.
Falk Tennert
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