Zum Inhalt

Nachhaltigkeit im Sport

Das Lehrbuch für Studierende und Fachkräfte der Sport- und Nachhaltigkeitswissenschaften

  • 2025
  • Buch
insite
SUCHEN

Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch richtet sich an Studierende und Fachkräfte der Sportwissenschaft, Trainer und Trainerinnen, Sportler und Sportlerinnen, Verbände, staatliche Organisationen und Unternehmen im Sportbereich, die an einem tiefgreifenden, evidenzbasierten und gut verständlichen Einblick in die facettenreichen Verbindungen zwischen Nachhaltigkeit und Sport interessiert sind.

Folgende Themengebiete werden im Detail behandelt:

Strategien zur ganzheitlichen Nachhaltigkeit im Sport Outdoorsport und Nachhaltigkeit Steuerung und Management von Umweltverhalten im Sport Nachhaltigkeit bei Sportveranstaltungen und Mega-Events Nachhaltigkeit bei Sportstätten und im Sporttourismus Auswirkung der Klimakrise auf die Gesundheit von Sportlern und Sportlerinnen Soziale und innere Nachhaltigkeit (Achtsamkeit, Selbstmitgefühl, Resilienz und Charakterstärken) Implementierung von Nachhaltigkeit in der Praxis: Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kinder- und Jugendsport, Nachhaltigkeit in der Sportartikelindustrie, im Sportmarketing und in Sportverbänden

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Nachhaltigkeit und Sport
Zusammenfassung
 Der Sport ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft und spiegelt gesellschaftliche Strömungen deutlich wider. Von daher ist ein Buch über Nachhaltigkeit und Sport mehr als ein weiteres Buch zum Thema „Sport“. Es ist ein Buch darüber, wie wir in einem Teilbereich unserer Gesellschaft Nachhaltigkeitsbestrebungen umsetzen können. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung der Nachhaltigkeit im Sport. Wichtig ist auch der Bezug zur Inneren Nachhaltigkeit.
Ralf Roth, Petra Jansen

Ökologische und ökonomische Aspekte der Nachhaltigkeit im Sport

Frontmatter
2. Die Strategie als Schlüssel zu ganzheitlicher Nachhaltigkeit im Sport
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird Nachhaltigkeit im Sinne der Generationengerechtigkeit aus der Brundtland-Definition verstanden und in Bezug zum Prinzip der starken Nachhaltigkeit unter Einhaltung der planetaren Grenzen gestellt. Anschließend wird die Entwicklung beschrieben, wie sich der Sportsektor von isolierten Einzelmaßnahmen hin zu einer strategischen und integrativen Nachhaltigkeitsgestaltung bewegt. Die Relevanz einer fundierten Nachhaltigkeitsstrategie wird mithilfe von wesentlichen Mehrwerten einer strategischen Herangehensweise hervorgehoben. Der Hauptteil bezieht sich auf die zentralen Elemente einer Nachhaltigkeitsstrategie, wobei immer wieder der Bezug zum Sport hergestellt wird. Zunächst werden spezifische Leitprinzipien genannt, die für eine erfolgreiche Nachhaltigkeitsstrategie relevant sind, darunter Verantwortlichkeiten sowie Verbindlichkeiten, Evaluation und die Einbeziehung relevanter Akteure. Diese und weitere Prinzipien sind entscheidend, um langfristige Ziele zu definieren und Nachhaltigkeit fest in der Organisationsstruktur zu verankern. Anschließend wird der Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt, der sich im Grundsatz für alle Sektoren ähnlich darstellt. So umfasst eine Nachhaltigkeitsstrategie neben einer Einleitung, Vision und Bestandsanalyse vor allem das Handlungsprogramm, das unter anderem strategische und operative Ziele sowie einen Maßnahmenplan beinhaltet. Das Kapitel schließt mit einer Auswahl an Beispielen von Sportorganisationen ab, die bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet haben oder aktuell daran arbeiten.
Alice Berger, Klaus Reuter
3. Outdoorsport und Sportökologie
Zusammenfassung
Mit fortschreitender Urbanisierung und Digitalisierung gewinnt Outdoorsport als aktive Form der Erholung weiter an Bedeutung. Damit er auch in sensiblen Naturräumen möglich bleibt, müssen seine Umweltauswirkungen analysiert und passende Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Erfolgreiche Ansätze zeigen sich in der räumlichen und zeitlichen Steuerung sportlicher Aktivitäten sowie in der aktiven Einbindung der Sporttreibenden. Werden Managementstrategien interdisziplinär, partizipativ und verbindlich gestaltet, kann Outdoorsport zu einer nachhaltigen Transformation unserer Gesellschaft beitragen. Voraussetzung dafür ist nicht nur die Anpassung strukturelle Rahmenbedingungen, sondern vor allem verantwortungsvolles Handeln aller beteiligten Akteure.
Ralf Roth, Stefan Türk
4. Sportökonomie: Steuerung und Management von Umweltverhalten im Sport
Zusammenfassung
Die Sportökonomie befasst sich mit dem Wohlbefinden von Menschen und deren Entscheidungsprozessen unter Ressourcenknappheit. Sie kann folglich auch dazu beitragen, umweltfreundliches Verhalten oder eben auch die Nichtumsetzung von Umweltmaßnahmen im Sport zu erklären. So leistet sie einen Beitrag, in den Bereichen Transport und Mobilität, Wasser- und Energieverbrauch, Konsum sowie Recycling die treibenden Faktoren zu identifizieren und darauf basierend auszubuchstabieren, wie umweltfreundliche Verhaltensweisen gefördert werden können. Außerdem kann durch die Monetarisierung von Umweltauswirkungen die Höhe möglicher Kompensationszahlungen für negative Umweltexternalitäten abgeschätzt und damit auch Umweltverhalten gesteuert werden. Neben theoretischen Konzepten, die anhand praktischer Beispiele erläutert werden, präsentiert das Kapitel auch relevante Forschungsergebnisse und praxisnahe Ansätze für die Steuerung und das Management von Umweltverhalten im Sport. Es bietet somit wertvolle Einblicke für Sportaktive, Sportstudierende und im Sportsektor Tätige, die umweltfreundliches Verhalten fördern und effektiv steuern wollen.
Pamela Wicker, Christian Zierke
5. Sportveranstaltungen – Nachhaltigkeit steuern, umsetzen und messen
Zusammenfassung
In einer Zeit, in der ökologische und soziale Verantwortung zunehmend in den Mittelpunkt rücken, sollten Sportveranstalter ihre Veranstaltung nutzen, um nachhaltige Entwicklung zu fördern und Risiken für Umwelt und Gesellschaft zu minimieren. Dieser Artikel thematisiert die Anforderungen an ein Nachhaltigkeitsmanagement bei Sportveranstaltungen, basierend auf den Erkenntnissen des Projekts Nachhaltige Sport[groß]veranstaltungen in Deutschland.
Zunächst werden die Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales und Ökonomie – in einem ganzheitlichen Ansatz erläutert. Darauf aufbauend wird anhand eines systematischen Vorgehens aufgezeigt, wie Nachhaltigkeitsmanagement bei Sportveranstaltungen gelingen kann. Dazu werden die wesentlichen Schritte im Bereich des Steuerns, Umsetzens und Messens dargelegt und anhand von Beispielen praxisnah verdeutlicht. Schließlich werden Herausforderungen bei der Implementierung eines Nachhaltigkeitsmanagements beleuchtet und erste Lösungsansätze vorgeschlagen.
Der Beitrag bietet praktische Empfehlungen für die Gestaltung zukunftsfähiger und verantwortungsvoller Sportveranstaltungen.
Lena Bernheine, Verena Römisch
6. Grüne Spiele, rote Bilanz? Die (Nicht-)Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele
Zusammenfassung
Dieses Kapitel thematisiert die Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele und beleuchtet die Diskrepanz zwischen Versprechen und der Realität von Mega-Events. Es wird auf die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Olympischen Spiele eingegangen und kritisiert, dass die öffentlichen Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit oft nicht mit den tatsächlichen Ergebnissen übereinstimmen. Obwohl Umweltfragen häufig im Vordergrund stehen, betont der Text die Bedeutung der sozialen Nachhaltigkeit, die oft vernachlässigt wird. Hierbei geht es darum, wie die Olympischen Spiele langfristig positive soziale Effekte haben können, etwa durch die Förderung der sozialen Gerechtigkeit, die Teilhabe der lokalen Bevölkerung und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Trotz der Behauptungen, dass die Spiele zunehmend „grüner“ würden, zeigt der allgemeine Trend, dass es an tiefgreifenden Reformen fehlt. Abschließend plädiert der Text für einen dreifachen Ansatz der Nachhaltigkeit, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimensionen umfasst, um sicherzustellen, dass zukünftige Olympische Spiele mit langfristigen positiven Auswirkungen geplant und durchgeführt werden.
Sven Daniel Wolfe, David Gogishvili, Martin Müller
7. Nachhaltigkeit im Sporttourismus
Zusammenfassung
Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung und Implementierung von Nachhaltigkeit im Sporttourismus. Der Sporttourismus hat in den letzten Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen und bringt sowohl ökonomische Vorteile als auch ökologische und soziale Herausforderungen mit sich. Das Kapitel stellt die grundlegenden Konzepte der Nachhaltigkeit und deren Relevanz im Kontext des Sporttourismus vor. Es wird aufgezeigt, wie nachhaltige Praktiken in verschiedenen Bereichen des Sporttourismus integriert werden können, um für Nachfrager attraktive Angebote zu entwickeln. Anhand zweier Fallstudien aus dem Tauchtourismus und dem Inseltourismus wird aufgezeigt, welche Potenziale durch die Entwicklung von nachhaltigen Angeboten im Sporttourismus erschlossen werden können und wie eine konkrete Umsetzung aussehen kann. Das Kapitel schließt mit Empfehlungen für zukünftige Forschung und Praxis, um den Weg zu einer nachhaltigeren Entwicklung im Sporttourismus zu ebnen.
Alexander Hodeck, Claude Sobry, Derek van Rheenen, Olivier Naria
8. Die Bedeutung nachhaltiger Sportstätten
Zusammenfassung
In Deutschland existieren ca. 66.000 Sportplätze (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [BMWi], 2012). Kommunen tragen größtenteils die Investitions- und Betriebskosten (BMWi, 2012). 59 % der befragten Kommunen im KfW-Kommunalpanel nennen einen „gravierenden“ und „nennenswerten Rückstand“ in den Investitionen in Sportanlagen (Raffer, Scheller & von Zahn 2025).
Horst und Messari-Becker (2021) erklären, dass Sportanlagen neben soziokulturellen Aspekten „auch aus Sicht des gebäudebezogenen Umwelt- und Klimaschutzes eine besondere Bedeutung“ (Horst & Messari-Becker, 2021, S. 12) haben. Nur durch eine ganzheitliche Betrachtung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten können gesellschaftliche Anforderungen erfüllt werden, z. B. an die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse, der Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts oder der Gesundheit der Bevölkerung.
Jutta Katthage

Nachhaltigkeit und Sport auf der individuellen Ebene

Frontmatter
9. Auswirkungen der Klimakrise auf die Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern
Zusammenfassung
Im folgenden Kapitel werden zunächst die wichtigsten erwarteten Klimaveränderungen und die daraus resultierenden direkten und indirekten Risiken für die Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern besprochen. Als direkte Auswirkungen auf den Sport werden Hitzerisiken, Unfall- und Verletzungsrisiken sowie UV-Risiken beschrieben. Als indirekte Auswirkungen des Klimawandels sind im Sport inhalative Risiken (durch Ozon, Feinstaub und Pollen), Infektions- und Vergiftungsrisiken (z. B. durch Vektoren wie Zecken und Stechmücken sowie durch wasserbürtige Infektionen) sowie mentale Risiken relevant. Im Anschluss folgen konkrete Empfehlungen für eine nachhaltige sportspezifische Adaptationsstrategie an den Klimawandel, welche u. a. technisch-bauliche, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen sowie darüber hinaus flankierende Querschnittsmaßnahmen umfasst.
Sven Schneider, Xenia Rolof
10. Nachhaltige, vegane Ernährung im Sport zwischen Fakt und Fiktion – Ein Spannungsfeld zwischen Evidenz und Eminenz
Zusammenfassung
Vegane Ernährung boomt in der Bevölkerung und im Sport, gilt als nachhaltig, aber nicht immer als gesund oder für den Sport geeignet, denn: Ähnlich wie im Fußballsport, wo jeder Fan ein „Experte“ ist, glauben viele auch bei veganer Ernährung bestens Bescheid zu wissen. Dieses Buchkapitel stellt Überlegungen zur Nachhaltigkeit im Allgemeinen und im Sport an. Es beleuchtet (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) eine stark unterschätzte und oft unbeachtete – wenngleich bereits überzeugende – Beweislage bzgl. veganer Ernährung im Sport und präsentiert Ergebnisse vielfältiger aussagekräftiger Studien und Fallstudien, Übersichtsarbeiten, und Positionspapiere im Spannungsfeld der belastungsinduziert adäquaten Proteinzufuhr und möglicher Vor- und Nachteile. Es erläutert, warum Nachhaltigkeit am eigenen Teller beginnt und insbesondere eine vegane Ernährung den größten Hebel und gleichzeitig die stärkste Einzelmaßnahme für nachhaltiges Handeln auf persönlicher Ebene darstellt. Das Kapitel fasst Argumente für eine vegane Ernährung im Sport zusammen und schließt mit einer Take-Home-Message und einem Ausblick.
Katharina C. Wirnitzer
11. Soziale Nachhaltigkeit im Leistungssport: Barrieren bei der Prävention interpersoneller Gewalt und Förderung von mentaler Gesundheit
Zusammenfassung
Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung sozialer Nachhaltigkeit im Leistungssport, insbesondere die Prävention interpersoneller Gewalt und die Förderung mentaler Gesundheit. Interpersonelle Gewalt umfasst psychische, physische und sexuelle Gewalt sowie Vernachlässigung, wobei psychische Gewalt am häufigsten auftritt, mit Prävalenzraten zwischen 64,8 % und 75 %. Zu den Risikofaktoren zählen persönliche und strukturelle Merkmale wie Machtgefälle und hierarchische Strukturen im Sport. Mentale Gesundheit geht über das Fehlen von Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen hinaus und schließt das Wohlbefinden mit ein. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein substanzieller Anteil von Leistungssportlerinnen und Leistungssportler von Symptomen psychischer Erkrankungen betroffen ist, wobei die Raten gleich hoch sind wie in der Allgemeinbevölkerung. Nebst allgemeinen Risikofaktoren wie ineffektive Bewältigungsstrategien und fehlender sozialer Rückhalt sind Sportlerinnen und Sportler auch sportspezifischen Risikofaktoren wie Verletzungen und Leistungsdruck ausgesetzt. Die Themen interpersonelle Gewalt und mentale Gesundheit haben in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen, was sich in zahlreichen Positionspapieren und in der Umsetzung von Maßnahmen wie anonymen Meldestellen für ethische Verstöße widerspiegelt. Dennoch bestehen erhebliche Herausforderungen bei der Verwirklichung sozialer Nachhaltigkeit im Leistungssport, da individuelle (z. B. fehlendes Wissen) und systemische Barrieren (z. B. kulturelle Normen) die Umsetzung behindern. Das Kapitel stellt sechs Strategien zur Überwindung dieser Barrieren vor: verpflichtende Schulungsprogramme zur Sensibilisierung, die Etablierung einer offenen Fehlerkultur, die Ernennung verantwortlicher Personen für ethische Fragen und mentale Gesundheit, die Einführung von Anreizsystemen zur Förderung der Teilnahme an Präventionsmaßnahmen, Lobbyarbeit für verbindliche ethische Standards sowie die Organisation von Workshops und Foren für offenen Austausch. Diese Ansätze bieten Sportorganisationen praktische Lösungen zur Überwindung von Barrieren und fördern die soziale Nachhaltigkeit im Leistungssport.
Laurie Schwab, Philipp Röthlin
12. Resilienz im Sport
Zusammenfassung
Resilienz, verstanden als die Fähigkeit, Herausforderungen und Rückschläge erfolgreich zu bewältigen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen, spielt im Sport eine zentrale Rolle. In diesem Subkapitel wird die Bedeutung von Resilienz im sportlichen Kontext untersucht und es werden Methoden vorgestellt, die Athletinnen und Athleten helfen, ihre psychische Resilienz zu stärken. 
Zunächst werden dazu die theoretischen Grundlagen und die Definition des Resilienzbegriffs erläutert. Anschließend wird auf spezifische Faktoren eingegangen, die die Resilienz von Sportlerinnen und Sportlern beeinflussen, darunter Eigenverantwortung, Akzeptanz, soziale Unterstützung und Erholungsfähigkeit. Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse, welche Methoden gezielt zur Förderung der Widerstandsfähigkeit im Sport eingesetzt werden können.
Des Weiteren wird die Rolle von Trainern und Trainerinnen, Sportpsychologen und Sportpsychologinnen und des sozialen Umfelds beleuchtet, die einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung und Unterstützung der Resilienz leisten können. Das Kapitel schließt mit einer Diskussion über die langfristigen Vorteile einer hohen Resilienz für die sportliche Karriere und das allgemeine Wohlbefinden. Die vorgestellten Konzepte und Methoden sollen dazu beitragen, die innere Nachhaltigkeit im Sport zu stärken und Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu dauerhaftem Erfolg und Wohlbefinden zu unterstützen.
Jana Strahler, Carolin Krupop
13. Achtsamkeit im Sport
Zusammenfassung
Dieses Kapitel beleuchtet die Anwendung und die Vorteile von Achtsamkeit im Sport. Zu Beginn wird das Konzept der Achtsamkeit als bewusste, nicht wertende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment mit Wurzeln in der buddhistischen Meditation und einer zunehmenden Integration in die Sportpsychologie eingeführt. Achtsamkeit hat sich zu einem zentralen Ansatz im Sport entwickelt, um mentale Stärke, emotionale Balance und Konzentration zu fördern. Historisch betrachtet hat Achtsamkeit durch ihre Übernahme in westliche psychotherapeutische Ansätze wie die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion und die Akzeptanz- und Commitment-Therapie an Relevanz gewonnen und wurde speziell für den sportlichen Kontext adaptiert. Verschiedene Achtsamkeitstrainingsprogramme, darunter der Mindfulness-Acceptance-Commitment Approach, das Mindful Sports Performance Enhancement und das Berliner Achtsamkeitstraining zur Leistungsoptimierung, wurden entwickelt und zielen darauf ab, Athletinnen und Athleten durch spezifische Techniken wie Achtsamkeitsmeditation, Körperwahrnehmung und Akzeptanz unangenehmer Emotionen zu unterstützen. Die Wirkmechanismen der Achtsamkeit im Sport umfassen insbesondere die Verbesserung der Aufmerksamkeitsregulation, der Emotionsregulation, die Förderung des Flow-Zustands sowie neurophysiologische Veränderungen im Gehirn, die zur Resilienz und verbesserten Stressbewältigung beitragen. Einige Studien deuten auf die Wirksamkeit von Achtsamkeitstraining im Sport hin, insbesondere hinsichtlich einer verbesserten Aufmerksamkeitssteuerung, gesteigerter emotionaler Stabilität und häufigerem Erleben des Flow-Zustands sowie einer verbesserten sportlichen Leistung. Bekannte Athletinnen und Athleten wie Novak Djokovic und Malaika Mihambo zeigen, wie Achtsamkeitstechniken erfolgreich zur Steigerung der mentalen Stärke eingesetzt werden können. Eine erfolgreiche Implementierung von Achtsamkeit im Sport erfordert jedoch eine kontinuierliche Praxis, die idealerweise bereits in frühen Jahren beginnt und systematisch trainiert wird, um langfristig Gelassenheit und Resilienz aufzubauen.
Darko Jekauc, Milana D’Agostino
14. Selbstmitgefühl im Sport
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird die Bedeutung des Selbstmitgefühls dargestellt. Zu Beginn wird das Konstrukt und seine Abgrenzung zu ähnlichen Konzepten erwähnt. Es wird darauf eingegangen, zu welchen Konzepten Selbstmitgefühl in Beziehung steht. In einem weiteren Abschnitt wird die wissenschaftliche Evidenz für das Selbstmitgefühl im Sport beschrieben. Bei den meisten Untersuchungen handelt es sich um korrelative Studien. Im darauffolgenden Abschnitt werden zwei praktische Übungen des Selbstmitgefühls im Sport dargestellt. Das Kapitel schließt mit der Darstellung der Potenziale und der Limitationen im Sport.
Petra Jansen
15. Charakterstärken im Sport
Zusammenfassung
Die Bedeutung eines starken Charakters wird im Sport häufig diskutiert. Eigenschaften wie Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen, Teamgeist oder Führungsstärke gelten als wichtige Voraussetzungen für sportlichen Erfolg. Eine allgemeine Klassifizierung solcher positiven Eigenschaften findet sich in der Positiven Psychologie im Modell der Charakterstärken von Peterson und Seligman (2004). Nach einer Einführung in dieses Modell konzentriert sich das Kapitel auf die vorliegenden Forschungsergebnisse zu Charakterstärken im Zusammenhang mit Wohlbefinden und Leistung in verschiedenen Alters- und Lebensbereichen. Auf Grundlage dieser empirischen Befunde werden die Bedeutung von Charakterstärken im Sport sowie forschungs- und praxisbezogene Implikationen diskutiert. Dabei wird hervorgehoben, dass die Förderung der Charakterstärken nicht nur die Leistungsfähigkeit von Sportlerinnen und Sportlern steigern, sondern auch zur positiven Persönlichkeitsentwicklung und mentalen Gesundheit beitragen kann.
Nina Ramona Riedl, Stefanie Klatt

Nachhaltigkeit verstehen und implementieren – Impulse aus unterschiedlichen Bereichen

Frontmatter
16. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Kinder- und Jugendsport: Bewegen, Bilden, Beteiligen
Zusammenfassung
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein relevantes Zukunftsthema im Kinder- und Jugendsport. Im Rahmen des Kapitels werden zunächst die allgemeinen Potenziale von Sportvereinen sowie Bewegung, Spiel und Sport (BeSS) für eine BNE aufgezeigt. Im Zentrum steht die Vermittlung von Gestaltungskompetenz (Sach- und Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz), die im Kontext von BeSS erworben werden. Zudem wird die pädagogische Verankerung von BNE-Inhalten durch sport- und spielbasierte Methoden erläutert. Darauf aufbauend wird dargelegt, wie Sportvereine einen Beitrag zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) leisten können. Wesentliche Bezüge zum UNESCO Programm „BNE 2030“ und der konkrete Beitrag der Deutschen Sportjugend (dsj) zur Umsetzung der dort aufgeführten fünf Handlungsfelder schließen sich an. Ebenso werden erste Überlegungen zur Qualifizierung im Bereich BNE von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen und dem haupt- und ehrenamtlichen Personal angestellt. Das Kapitel schließt mit der Darstellung des Potenzials und der Herausforderungen hinsichtlich der Verankerung von BNE-Inhalten im Kinder- und Jugendsport.
Karen Petry, Katharina Morlang, Laura van Zantvoort
17. Nachhaltige Sportartikel – Gutes Equipment, gutes Gewissen?
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird beleuchtet, ob und wie die Unternehmen ihre Verantwortung für Menschenrechte und Umwelt- und Verbraucherschutz im Sportartikelbusiness wahrnehmen, und was noch zu tun ist, um Nachhaltigkeit stärker in den Geschäftsmodellen zu verankern. Viele Unternehmen kümmern sich hauptsächlich um ihren größtmöglichen wirtschaftlichen Erfolg. Dies führt dazu, dass der Planet am Limit ist, die globalen Ungerechtigkeiten himmelschreiend und die gesellschaftlichen Systeme auf der Kippe. Es wird eine sozial-ökologische Transformation benötigt. In diesem Artikel wird beleuchtet, was diese Transformation für die Sportartikelindustrie bedeutet. Nach einem kurzen Abriss über die Geschichte der Sportartikelindustrie steht die Bedeutung der Nachhaltigkeit für die Sportartikelindustrie im Mittelpunkt, mit Beispielen aus dem Unternehmen Vaude.
Hilke Anna Patzwall, Maité Angleys
18. Impulse aus der Perspektive von Sportverbänden
Zusammenfassung
Der praktisch orientierte Beitrag beleuchtet die Integration von Nachhaltigkeit in den organisierten Sport, fokussiert auf Sportverbände, ihre spezifischen Handlungsmöglichkeiten und Nachhaltigkeit als Chance für den Sport. Ausgehend von einem ganzheitlichen Verständnis von Nachhaltigkeit im Sport wird die Rolle der Sportorganisationen in Bezug auf ihre Wirkungskreise skizziert. Direkte und indirekte Einflussmöglichkeiten im eigenen Sport sowie auf die damit verknüpften positiven und negativen Auswirkungen (Hand- bwz. Fußabdruck) stecken den Handlungsspielraum der Verbände ab, wobei dem organisierten Sport als Multiplikator für Bewusstseinsbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung eine besondere Bedeutung zukommt. Eine authentische und wirksame Kommunikation zu Nachhaltigkeit und verknüpftem Engagement der eigenen Organisation bildet eine eigene Herausforderung. Im Zuge der Relevanz und steigender Verpflichtungen für Unternehmen wird Nachhaltigkeit und verbundenes Storytelling für Sportorganisationen im Rahmen von Partnerverträgen und eigenen Berichtspflichten immer wichtiger, um sich erfolgreich zu positionieren. Eine integrative Einbindung als Querschnittsfunktion und Verantwortung im höheren Management auf Ebene der Organisation sind dabei die Voraussetzung für ein funktionierendes Nachhaltigkeitsmanagement. Praxiserfahrungen des Deutschen Fußball-Bundes und des Deutschen Skiverbands geben zusätzliche Einblicke in strategische und operative Umsetzungen in Sportverbänden.
Lilli Schmitt, Stefanie Schulte
19. Nachhaltigkeit im Sport am Beispiel des Unternehmens SPORTFIVE Germany GmbH
Zusammenfassung
SPORTFIVE ist eine global agierende Sportmarketingagentur, deren Kerngeschäft die Vermittlung von Partnerschaften im Sport zwischen Rechtehaltern (Vereine, Verbände, Athleten und Athletinnen) und Unternehmen ist. Seit dem Jahr 2022 hat SPORTFIVE es sich u. a. zur Aufgabe gemacht, die Strahlkraft, Reichweite und Kraft des Sports zu nutzen, um nachhaltigere Partnerschaften zu kreieren, umzusetzen und zu aktivieren. Dabei möchte SPORTFIVE einerseits Rechtehalter und Unternehmen unterstützen, Partnerschaften nachhaltiger zu gestalten, andererseits auch seiner eigenen unternehmerischen Verantwortung nach innen und außen gerecht werden und nachhaltige Wirkung erzielen. Dieser Artikel gibt einen Überblick darüber, wie SPORTFIVE versucht, in die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit in Partnerschaften zwischen dem Sport und der Wirtschaft zu etablieren.
Max Sorst
Backmatter
Titel
Nachhaltigkeit im Sport
Herausgegeben von
Petra Jansen
Ralf Roth
Copyright-Jahr
2025
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-71203-0
Print ISBN
978-3-662-71202-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71203-0

Die PDF-Dateien dieses Buches wurden gemäß dem PDF/UA-1-Standard erstellt, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Dazu gehören Bildschirmlesegeräte, beschriebene nicht-textuelle Inhalte (Bilder, Grafiken), Lesezeichen für eine einfache Navigation, tastaturfreundliche Links und Formulare sowie durchsuchbarer und auswählbarer Text. Wir sind uns der Bedeutung von Barrierefreiheit bewusst und freuen uns über Anfragen zur Barrierefreiheit unserer Produkte. Bei Fragen oder Bedarf an Barrierefreiheit kontaktieren Sie uns bitte unter accessibilitysupport@springernature.com.