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Über dieses Buch

Fünf Jahre bevor die Millennium Development Goals 2015 erreicht werden sollen, sind angesichts der Probleme der „entwickelten“ Staaten durch die Finanz- und Wirtschaftskrise nachhaltige Entwicklungsperspektiven für den globalen Süden in den Hintergrund getreten. Doch gerade jetzt, in dieser globalen Umbruchphase, ist das Thema nachhaltige Entwicklung von herausragender Relevanz. Der vorliegende Band analysiert die Bedeutung und die Facetten der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit, zeigt strukturelle Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung auf und diskutiert deren Förderung durch internationale Zusammenarbeit. Dabei nähern sich Experten, Wissenschaftler und Praktiker aus der Entwicklungszusammenarbeit aus verschiedenen Blickwinkeln einzelnen Aspekten des komplexen Themenfelds an. Auf diese Weise befasst sich der Sammelband mit den wichtigsten Konzepten und drängendsten strukturellen Problemen aktueller Entwicklungspolitik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung: Nachhaltigkeit, Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit

Frontmatter

Nachhaltigkeit. Begriff und Bedeutung in der Entwicklungszusammenarbeit

Seit dem Beginn der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) hat sich der Umgang mit ihr deutlich gewandelt. Ging es in ihren Anfängen in den 1960er Jahren hauptsächlich um „Hilfe“ für eine nachholende Entwicklung so genannter „Entwicklungsländer“ (EL) ökonomische Faktoren betreffend, so setzt sich seit den 1990er Jahren zusehends eine Herangehensweise durch, welche sich an dem holistischen Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Dabei sollen in der Praxis der EZ neben ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden.
Jan Per Bethge, Nora Steurer, Marcus Tscherner

Entwicklung und Nachhaltigkeit. Kritische Betrachtung von zwei dehnbaren Konzepten

Die vielleicht drängendsten Probleme unserer Zeit sind die aus der Balance driftenden globalen, regionalen und lokalen Ökosysteme und die „Entwicklungskrise“ sowohl in den Industriestaaten als auch in den Ländern des Südens. Die Länder des Südens sind wirtschaftlich unterentwickelt, sodass Armut und Angst herrschen; die Industrieländer sind insbesondere ökologisch und sozial unterentwickelt, was an der Zerstörung der Ökosysteme und der Störung des sozialen und wirtschaftlichen Gleichgewichts abzulesen ist. Die Herausforderung liegt demnach in der Förderung positiver Entwicklungsimpulse in den südlichen Regionen des Globus bei gleichzeitiger Neujustierung des Entwicklungsverständnisses im Norden. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung hat den – vielleicht illusorischen – Anspruch, all dies zu vereinen.
Julian König

Theorien der Entwicklungspolitik. Ein Überblick

Die Theoriebildung in der Entwicklungspolitik ist im Wesentlichen ein Phänomen, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg auftrat. Durch ihre Geburtsstunde in Zeiten des Kalten Krieges ist sie geprägt vom Ost-West-Konflikt bzw. ideologischen Positionierungen zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Entgegen allen Behauptungen ideologischer und weltanschaulicher Neutralität bei der Theoriebildung in den Sozialwissenschaften ist die entwicklungspolitische Theoriebildung politisch. Dies wird von Wissenschaftlern nicht immer zugegeben. Alle entwicklungspolitischen Theorien sind jedoch interessengeleitet: Wo die Interessen der kapitalistisch beeinflussten Theoretiker auf der Beibehaltung eines für sie vorteilhaften Status quo bestehen, bestehen die Interessen der marxistisch beeinflussten und postmodernistischen Theoretiker in einem Ersetzen des Status quo durch ein in ihrem Sinne gerechteres System, das die Interessen der sozial Schwachen berücksichtigt. Dieses immanente Charakteristikum der Entwicklungspolitik unterminiert ihren Anspruch auf Neutralität.
John Emeka Akude

Strukturelle Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung

Frontmatter

Von einer Weltwirtschaftskrise zur nächsten. Die Rolle der Weltfinanz- und Welthandelsordnung für nachhaltige Entwicklung

In der aktuellen Weltwirtschaftskrise zögerten die Regierungen der Industrieländer nicht lange, die drohende Kernschmelze des Finanzsystems mit milliardenschweren Garantien und teilweisen Verstaatlichungen von Banken abzuwenden. Außerdem setzten alle auf staatliche Konjunkturprogramme, um die Krise der Realwirtschaft einzudämmen und einer Massenarbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Damit befolgen sie die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, die am prägnantesten von John Maynard Keynes formuliert wurden. Seine „Allgemeine Theorie“ des Wirtschaftskreislaufs von 1936 hatte die inhärente Krisenanfälligkeit kapitalistischer Marktwirtschaften aufgedeckt und den Staat in die Rolle des Systemstabilisators eingesetzt.
Jürgen Wiemann

Der Klimawandel als Entwicklungshemmnis und Sicherheitsrisiko. Neue Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit

Das über die vergangenen Jahrzehnte kumulierte Wissen der Klimawissenschaften lüsst keine grundsützlichen Zweifel mehr an einem globalen, vom Menschen selbst verursachten Klimawandel zu. Erste Anzeichen der globalen Erwürmung sind bereits unübersehbar, vor allem aber für zukünftige Generationen wird der Klimawandel weltweit einschneidende Veründerungen mit sich bringen. Der vierte Sachstandsbericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) von 2007 zeigte deutlich, dass die vor allem auf die Verbrennung fossiler Rohstoffe und Landnutzungsünderungen zurückgehende durchschnittliche globale Erwürmung schon heute rund 0,8°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau betrügt (IPCC 2007a). Eine weitere Erwürmung auf etwa 2°C ist wegen der Trügheit des Klimasystems praktisch nicht mehr aufzuhalten. Daraus folgt unausweichlich, dass der Klimawandel auch die globalen Rahmenbedingungen von Wirtschaft und Politik veründern wird.
Steffen Bauer

Die Verschuldung der Entwicklungsländer und die Rolle öffentlich-rechtlicher Gläubiger

Das Überschuldungsproblem der Entwicklungsländer (EL) ist eine unendliche Geschichte, deren Lösung die im Pariser Club zusammengefassten öffentlichrechtlichen (bilateralen) und die multilateralen Gläubiger mit ihrem „Schuldenmanagement“ bislang verhindert haben. Schon 1992 wurde nachweislich von zumindest einem öffentlichrechtlichen Gläubiger erkannt, dass es sich nicht wie fälschlicherweise von den öffentlichen Gläubigern behauptet um eine Liquiditätskrise handelte, sondern um Insolvenz.
Kunibert Raffer

Kohärenz der Entwicklungspolitik. Prozesse und Herausforderungen der Policy Coherence for Development

In den Beiträgen dieses Bandes werden einige strukturelle Probleme der Entwicklungszusammenarbeit dargestellt: Steffen Bauer beschreibt, wie der anthropogene Klimawandel Entwicklungsregionen besonders betrifft und wie dies ein stark erhöhtes Konfliktpotenzial birgt. Kunibert Raffer zeigt das aus rechtsstaatlicher Sicht illegitime Verhalten öffentlich-rechtlicher Gläubiger (biund multilateraler) und fordert, auch international die rechtlichen Standards anzuwenden, die innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gelten. Jürgen Wiemann stellt die besondere Rolle des globalen Handels- und Finanzsystems heraus. Andere Beiträge beschreiben weitere konkrete Herausforderungen bei der Umsetzung von Entwicklungspolitik wie die Bedeutung von Good Financial Governance oder das in den letzten Jahren verstärkte Auftreten der Volksrepublik China als entwicklungspolitischer Akteur mit völlig anderen Standards und Herangehensweisen.
Johannes Thema

Nachhaltigkeit in der praktischen Umsetzung der Entwicklungszusammenarbeit?

Frontmatter

Die Rolle Chinas in der Entwicklungszusammenarbeit. Das Beispiel Demokratische Republik Kongo

Die Beziehungen der Volksrepublik China zu Afrika haben eine wechselvolle Geschichte. Zu Beginn der 1950er Jahre bestimmten politische Kriterien die Entwicklungshilfe. Neben ideologischen Motiven (antiimperialistisch, antikolonialistisch) spielten auch machtpolitische Erwägungen eine Rolle: Die Volksrepublik China brauchte Unterstützung, um in den Vereinten Nationen als einzige legitime Vertretung des Landes anerkannt zu werden und Taiwan zu verdrängen – was 1971 gelang. Bekanntestes Projekt dieser frühen Zusammenarbeit war die Tansania-Sambia-Eisenbahn („Tazara“). Nach dem Ende der Kulturrevolution (1976) folgte ein eher pragmatischer Ansatz. Ab 1989 verstärkte die chinesische Regierung auf der Suche nach Unterstützung gegen die internationale Isolierung nach dem Tiananmen-Massaker die Bemühungen um gute Beziehungen zu afrikanischen Regierungen (Yu 2009: 9–16; Davies 2007: 36–39).
Friedel Hütz-Adams

Nachhaltige Entwicklung braucht Good Financial Governance. Beispiele aus der Arbeit der GTZ

Good Financial Governance (GFG) ist das wertorientierte Leitprinzip der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für Reformen im Bereich öffentlicher Finanzen in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). GFG orientiert sich dabei am Leitbild nachhaltiger Entwicklung. Die zentralen Anliegen von GFG sind die verantwortungsvolle Erschließung und Verwendung der Finanzmittel durch den Staat, die Erhebung von staatlichen Einnahmen nach transparenten und gerechten Kriterien, dass öffentliche Ausgaben nachvollziehbar wie effizient geplant werden und dabei politische Prioritäten und die Bedürfnisse der Menschen widerspiegeln. Wichtige Voraussetzungen für die Verwirklichung dieser Anliegen sind eine leistungsfähige, nach den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit handelnde Verwaltung und die konsequente Bekämpfung von Korruption.
Sebastian Gehart

Evaluierung in der Entwicklungszusammenarbeit. Das Beispiel der Finanziellen Zusammenarbeit

Im Jahr 2009 wurde die Entwicklungspolitik 60 Jahre alt, wenn man die Zeitrechnung mit der Rede zum Amtsantritt des US-amerikanischen Präsidenten Truman am 20. Januar 1949 beginnt, der die Entstehung der Entwicklungspolitik zugeschrieben wird.
Eva Terberger

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