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Über dieses Buch

Dieses Buch richtet sich an alle, die das Thema Nachhaltigkeit in der Lehre behandeln möchten. Es trägt zum Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen Lehrenden und Wissenschaftlern bei, und stellt erfolgreiche Ansätze vor, wie das Thema Nachhaltigkeit in der Lehre vermittelt werden kann. An zahlreichen Hochschulen gibt es bereits interessante und attraktive Lehrangebote zu Nachhaltigkeit. Dabei sollte es nicht nur um die Vermittlung von Sachwissen gehen. Nachhaltigkeit in der Lehre beinhaltet, dass sowohl Wissen als auch pragmatische Handlungskompetenzen bei den Studierenden durch inter-, trans- und multidisziplinäre Ansätze gefördert werden. Gerade jetzt, da die Staaten weltweit anstreben, die UN Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, ist es dringend erforderlich, dass Nachhaltigkeit in der Lehre durch eine Kombination von Theorie und Praxis eingeführt wird. Hier setzt diese Buch an und zeigt neue Wege auf, wie das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich in der Lehre vermittelt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Identifizierung und Überwindung von Barrieren für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung an Universitäten: von Studienplänen bis zur Forschung

Obwohl es in den vergangenen 15 Jahren nachweisbare Fortschritte auf dem Gebiet der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung gegeben hat, sind noch immer zahlreiche Herausforderungen zu überwinden. Zu erwähnen ist hier eine bessere Integration der Nachhaltigkeit in den Studienplan, die Forschung und vor allem ganzheitlich in ihre Systeme. In diesem wissenschaftlichen Artikel werden die wesentlichen Hindernisse für die Einbeziehung einer nachhaltigen Entwicklung an Universitäten analysiert. Er informiert über eine empirische Studie, die weltweit an Universitäten durchgeführt wurde, bei der einige der wichtigsten Barrieren ermittelt wurden. Es empfiehlt sich, diese Barrieren nicht nur als Hindernisse, sondern gleichzeitig als unternehmerische Chancen zu betrachten und entsprechend anzugehen.

Walter Leal Filho

Kapitel 2. Inter- und transdisziplinäre Integration von Wissen über sozial-ökologische Systeme als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung: das interdisziplinäre Seminar „Städte und Wasser“

Zur Identifizierung und Umsetzung nachhaltiger Handlungsoptionen ist eine transdisziplinäre Wissensintegration notwendig, die im Rahmen partizipativer Prozesse (PP) erfolgt. Dabei ist eine interdisziplinäre Wissensintegration zwischen den problemrelevanten wissenschaftlichen Disziplinen Grundlage für eine Integration mit sektoralem Stakeholderwissen. Beispiele sind das Management von Risiken des Klimawandels und das Wassermanagement. Um Studierende verschiedener Fächer zu einer transdisziplinären Wissensintegration zu befähigen, wurde an der Goethe-Universität Frankfurt ein interdisziplinäres Seminar mit dem Titel „Städte und Wasser: Sozial-ökologische Systeme im Wandel (gestern und morgen)“ durchgeführt. Dabei sollten die Studierenden sich mit Inhalten und Herangehensweisen fremder Disziplinen auseinandersetzen, Erfahrung mit interdisziplinärer Kooperation machen, integratives Systemdenken einüben sowie mit Methoden transdisziplinärer Wissensintegration in PPs vertraut werden. In interdisziplinären Gruppen (vorwiegend aus Umweltwissenschaftler_innen und Ethnolog_innen), die sich mit jeweils einer Stadt befassten, erarbeiteten die Studierenden im ersten Teil des Seminars die historische Entwicklung des (wasserbezogenen) sozial-ökologischen Systems in diesen Städten (Amman/Jordanien, Dar es Salaam/Tansania und Varanasi/Indien). Im zweiten Teil entwickelte jede Gruppe basierend auf einer Stakeholderanalyse ein Design für einen PP in der jeweiligen Stadt, in dem Handlungsoptionen für ein nachhaltiges Wassermanagement identifiziert werden sollten. Die Evaluierung des Seminars mithilfe eines Fragebogens und eines mündlichen Austauschs ergab, dass die Lernziele erreicht wurden. Die Studierenden bewerteten ihre Erfahrungen mit der Interdisziplinarität als positiv. Sie lernten theoretische Grundlagen und praktische Methoden transdisziplinärer Wissensintegration kennen und fühlten sich am Ende des Seminars in der Lage, selbst PPs zu konzipieren. Diese Kompetenz ist beruflich relevant, da es zur Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung notwendig sein wird, viele PPs zu unterschiedlichen Problemfeldern durchzuführen.

Petra Döll, Karl-Heinz Cless

Kapitel 3. DISKURS-ARENA: Nachhaltigkeit und Ethik in der Lehrerbildung

Das Ziel des Projekts DISKURS-ARENA ist es, über die Integration von Nachhaltigkeit und Ethik in die Ausbildung von Lehramtsstudierenden diese – und damit indirekt ihre Schüler_innen – auf die ökosozialen Herausforderungen einer globalisierten Welt vorzubereiten. Das Konzept der DISKURS-ARENA lehnt sich an den von Jürgen Habermas geprägten Diskursbegriff an und folgt damit der Annahme, dass die Vermittlung von Ethik vor allem der Einübung von Diskursfähigkeit in Diskurs-Arenen bedarf. Deshalb sollen Nachhaltigkeit und Ethik in einem breiten, interdisziplinären Veranstaltungsangebot auf unterschiedliche Art und aus vielen unterschiedlichen fachlichen Perspektiven integriert werden. Mit diesem interdisziplinären Ansatz verbinden sich drei grundlegende Chancen für die Lehrerbildung: Erstens ermöglicht er die ethische Bildung der Lehramtsstudierenden, indem er die fachwissenschaftliche Ausbildung mit didaktischer Reflexion um eine ethische Komponente erweitert. Zweitens trägt er zu einer Professionalisierung der Lehrenden bei, da die Entwicklung einer situationsangemessen authentischen Rolle aufgrund der Wirkung der Lehrerpersönlichkeit im Unterrichtsprozess auf die Schüler_innen für die Bildung für nachhaltige Entwicklung als unverzichtbar gelten muss. Drittens erhalten die Studierenden die Möglichkeit, in einer interdisziplinären Veranstaltung auf die Aufgaben innerhalb des Konzepts von Bildung für nachhaltige Entwicklung vorbereitet zu werden. Darum beschäftigen sie sich eingehend, kritisch und multiperspektivisch mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen unserer Zeit und reflektieren intensiv die eigenen Lebensstile. Diese Ziele werden durch die theoretische Grundlagenvermittlung, die praktische Durchführung im konkreten Veranstaltungsangebot, durch intensive Phasen der Reflexion sowie den engen Berufsfeldbezug erreicht. Dabei wird intensiv mit Partnern an der Universität und in der Zivilgesellschaft zusammengearbeitet.

Sabine Anselm, Christian Hoiß, Markus Vogt

Kapitel 4. Rollenkonflikte der Hochschullehrenden im Spannungsfeld zwischen Fach- und Orientierungswissen – Führungstheoretische Überlegungen

Nicht nur die Digitalisierung und die Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Anforderungen begründen neue Herausforderungen für die Lehre an Hochschulen und Universitäten – Gleiches gilt für die Nachhaltigkeit. Welche Auswirkungen haben diese Veränderungen auf das Rollenverständnis von Hochschullehrenden und wie können die Hochschullehrenden den Veränderungen begegnen? Zunächst ist anzunehmen, dass sich die Hochschullehrenden durch den Wandel in einem Spannungsraum zwischen Fach- und Orientierungswissen auf der einen Seite sowie Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung auf der anderen Seite wiederfinden. Ein aus dem Leadership abgeleitetes Ordnungsangebot dient hier als Grundlage und wird in Zusammenhang mit dem Spannungsraum auf die Rolle der Hochschullehrenden angewandt. Es ergibt sich ein Rollenteam, das zukünftig von den Hochschullehrenden bedient werden muss, um den Anforderungen zu begegnen. Dieses Rollenteam setzt sich zusammen aus dem „Expert“, dem „Achiever“ und dem „Catalyst“. Durch dessen Parzellierung wird es den Hochschullehrenden schließlich möglich, den Großteil des Spannungsfeldes zu bedienen und die Nachhaltigkeit im Hochschulsystem auf eine höhere Ebene zu transferieren.

Georg Müller-Christ, Merle Katrin Tegeler, Carry Luise Zimmermann

Kapitel 5. Nachhaltigkeit in den Naturwissenschaften – Beispiele und Ideen zur direkten Verknüpfung von Theorie und Praxis

Eine Verankerung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Lehre ist unerlässlich, um Studierende auf übergreifendes Denken vorzubereiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, Probleme nachhaltiger Entwicklung in interdisziplinären Zusammenhängen erkennen und beurteilen zu können. In den Naturwissenschaften ist die praktische Arbeit im Labor fester Bestandteil des Studiums. Dies bietet die Möglichkeit, von Beginn an auf mehreren Ebenen für mehr Nachhaltigkeit in der Forschung zu sensibilisieren und somit, neben theoretischen Inhalten, Folge- und Handlungswissen praxisnah zu vermitteln und beides eng aufeinander abzustimmen. Konzepte wie die der „Nachhaltigen Chemie“, „green analytics“ oder „green engineering“ sind fest in den Curricula zu etablieren und mit praktischen Beispielen zu verknüpfen. Dieser Artikel legt einen Schwerpunkt auf die „Nachhaltige Chemie“, da es hier bereits eine Vielzahl an Entwicklungen und Lösungsvorschlägen gibt, die als Vorbild für andere Bereiche dienen können. Dazu kommt die Vermittlung von Bewertungswissen und das Arbeiten in einer „nachhaltig ausgerichteten“ Umgebung von Anfang an. Als Beispiel werden die „Green lab“-Programme vorgestellt, die seit einigen Jahren an amerikanischen Universitäten fest etabliert und institutionell verankert sind. Schließlich können all diese Maßnahmen – direkt und indirekt – dazu beitragen, die Verantwortung für das eigene Tun zu schulen und Studierende empfänglicher dafür zu machen, „über den Tellerrand“ zu blicken. Darüber hinaus sollten Themen wie Technikfolgenabschätzung, Verantwortung in der Forschung und gegenüber der Gesellschaft, fächerübergreifendes Denken und die Offenheit für neue Konzepte Teil des Lehrangebots werden. Das Ziel eines modernen naturwissenschaftlichen Studiums sollte es schließlich sein, Nachhaltigkeitswissen, -kompetenzen und Bewertungswissen zu vermitteln, um entsprechende Lösungen entwickeln zu können.

Kerstin Hermuth-Kleinschmidt

Kapitel 6. Wie bildet man Change Agents aus? Lehr-Lern-Konzepte und Erfahrungen am Beispiel des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Die systematische Ausbildung von Change Agents an Hochschulen ist eine Voraussetzung für das Gelingen der Nachhaltigkeitstransformation. Der folgende Beitrag beschreibt am Beispiel des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“, der 2014 an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE Eberswalde) startete, wie die Herausforderung einer qualitativ neuartigen Ausbildung mit Blick auf Nachhaltigkeitstransformation aufgegriffen wurde und welche ersten Erfahrungen und Erfolge damit möglich waren. Zunächst werden vier aus Sicht der Autor_innen relevante Kompetenzfelder definiert: Fach- und Methodenkompetenzen, personale Kompetenzen, sozial-kommunikative Kompetenzen und Aktivitäts- und Handlungskompetenzen. Dann wird aufgezeigt, wie unter den organisatorisch-formellen Rahmenbedingungen eines berufsbegleitenden Studiengangs mit einer sehr heterogenen Zielgruppe das Studienprogramm für die Masterausbildung konzipiert ist. Das entwickelte Lehr-Lern-Konzept des Studiengangs basiert auf den Elementen Anwendungsorientierung, Praxisbezug und Persönlichkeitsentwicklung. Diese werden durch den Einbezug von Praktiker_innen in der Lehre und im Curriculum verankerte Praxisprojekte sichergestellt. Drei der sieben Module werden zur Illustration der Umsetzung des Lehr-Lern-Konzepts detailliert dargestellt. Die ersten Erfolge des Studiengangs werden anhand konkreter Projekte, die im Rahmen des Studiums bislang bearbeitet wurden, aufgezeigt. Beschränkungen und Hürden wie die Finanzierung des Studiengangs durch Studiengebühren werden diskutiert.

Benjamin Nölting, Nadine Dembski, Jens Pape, Peter Schmuck

Kapitel 7. Vernetzung und Weiterentwicklung des Wissenspools zu Nachhaltigkeit in Theorie und Praxis: Umsetzung des Teaching-Research-Practice Nexus an der Hochschule Magdeburg-Stendal

Obwohl es bereits an zahlreichen Hochschulen interessante Lehrangebote zu Nachhaltigkeit gibt, besteht nach wie vor ein unzureichender Einbezug der in den letzten Jahren in der Praxis erarbeiteten Erfahrungen. Zahlreiche Behörden und Ingenieurbüros führen bereits praktische Anwendungen zur Implementierung nachhaltiger Planungslösungen durch, deren Ergebnisse und Erfahrungen in der akademischen Lehre multipliziert werden sollten. Insbesondere betrifft dies die Bereiche Integriertes Wasser- und Abfallmanagement, Ökosystemrenaturierung und Ökosystemleistungen, aber auch nachhaltiges Landmanagement und den Water-Energy-Food Nexus. Den Rahmen für die inhaltliche Planung bildet die Mitteilung der EU-Kommission vom 06.05.2013 „Grüne Infrastruktur (GI) – Aufwertung des europäischen Naturkapitals“. Dabei spielt im Zusammenhang mit der Vermittlung des Wissens zu Nachhaltigkeit nicht nur der bekannte Teaching-Research Nexus (TRN) eine maßgebliche Rolle, sondern auch die Ergänzung durch die Praxis, weil in der Wirtschaft insbesondere in den letzten Jahren oftmals ein System selbstlernender Wissenserweiterung praktiziert wird. Der TRN ist im Hinblick auf den dreipoligen Nachhaltigkeitsansatz erweiterbar, um den Bezug zur Praxis hinreichend zu berücksichtigen. Daher schlagen wir als Rahmenansatz für die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der angewandten Lehre in Anlehnung an das „research-teaching-practice triangle“ nach Kaplan (1989) die Begrifflichkeit Teaching-Research-Practice Nexus (TRPN) vor. Für die praktische Umsetzung wurde an der Hochschule Magdeburg-Stendal das Projekt „Umweltmanagement und Umweltzertifizierung in Theorie und Praxis“ realisiert, an dem die Studierenden mit großem Interesse teilnahmen, da es darum geht, den eigenen lebensweltlichen Kontext des Studiums mit Bezug auf das Umweltmanagement in der eigenen Institution in die wissenschaftlich fundierte fachliche Ausbildung zu integrieren.

Petra Schneider, Gilian Gerke, Lukas Folkens, Michelle Busch

Kapitel 8. Nachhaltigkeit durch die partizipative Entwicklung von Kompetenzprofilen implementieren

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Hochschullehre implementieren lässt. Dabei wird zunächst aufgezeigt, welche Rolle das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung in den hochschulpolitischen Entwicklungen seit dem Bologna-Prozess spielt. In diesem Zusammenhang wird die herausragende Bedeutung kompetenzorientierter Lehre herausgearbeitet, um schließlich die damit einhergehenden notwendigen hochschuldidaktischen Veränderungen im Sinne des Change Management als Changeprozess zu interpretieren. Den Reformprozess der Hochschulen als Changeprozess begreifend, wird deutlich gemacht, dass die Partizipation der Lehrenden innerhalb dieses Veränderungsprozesses von besonderer Bedeutung ist. Entsprechend dieser herausragenden Bedeutung eines partizipativen Vorgehens lässt sich die Erstellung eines Kompetenzprofils, wie dem Kompetenzprofile Nachhaltigkeit, welches im Folgenden vorgestellt wird, als ein starkes Werkzeug zur Implementierung von Nachhaltigkeit (Der Begriff Nachhaltigkeit wird im Folgenden als Kurzform für „nachhaltige Entwicklung“ verwendet.) verstehen. Begleitet wird die Vorstellung dieses Vorgehens von konkreten Beispielen und Narrativen innerhalb des Implementierungsprozesses der Hochschule München. Mithilfe dieser Narrative wird gezeigt werden, wie die partizipative Erstellung der Kompetenzprofile im Sinne einer bewusstseinsbildenden Maßnahme Zugänge zu Lehrenden und Fakultäten geschaffen hat und wie die Entwicklung eines Kompetenzprofils Nachhaltigkeit als Anker für die Lehrentwicklung hin zu einer Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden kann.

Sascha Zinn

Kapitel 9. Wie E-Learning für Theologen in Afrika zur Erreichung der Sustainable Development Goals beitragen kann

Die Sustainable Development Goals (SDGs) einigen universelle Ziele. Diese wiegen schwer, während sie keinerlei ethische Anleitung bieten. Eine Möglichkeit, diese Leere zu füllen, ist, sie mit einem glaubensbasierten Narrativ zu erzählen. Wir präsentieren unseren Ansatz zum „Ownership-inspired Behavior-driven Development“ als eine Strategie für eine E-Learning-Governance für Länder des Globalen Südens und führen eine Android App ein, um E-Learning basierend auf den SDGs innerhalb theologischer Lehre auch in abgelegenen Regionen Afrikas zu ermöglichen. Basierend auf einem stufenförmigen Curriculum für die Ausbildung zukünftiger Kirchenführer_innen hat die britisch-dänische „Faith-based Organization“ (FBO) Relay Trust ein theoretisches Framework entworfen, das den Transfer von einer hierarchischen Governance-Struktur, die sich in vielen afrikanischen Ländern findet, in ein dynamisches E-Learning-Netzwerk ermöglicht.

Judith Gottschalk, Nicolai Winther-Nielsen

Kapitel 10. Praxisprojekte zum Nachhaltigkeits- und Risiko-Management – Design und Erfahrungen im Master-Studiengang RASUM

Wie schaffe ich es, im Akkreditierungs-Sudoku die Inhalte unterschiedlicher Module so zusammenzuführen, dass die Studierenden möglichst gut darauf vorbereitet sind, in Wirtschaft und Gesellschaft Veränderungsprozesse in Richtung Nachhaltiger Entwicklung voranzubringen? Diese Frage stellte sich, als das Team aus den Sozial- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Darmstadt daran ging, den Studiengang „Risk Assessment and Sustainability Management“ (RASUM) zu konzipieren, der sich vornehmlich an Absolventen mit ingenieur- und naturwissenschaftlichem sowie wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund richtet. Die Antwort auf diese Frage ist das auf zwei Semester angelegte „Praxisprojekt“ (20 CP); es bündelt die fachlichen Inhalte und bringt die Studierenden in eine sehr spezifische Handlungskonstellation, die einerseits Fachwissen mit Teamarbeit verknüpft, andererseits aber auch für eine starke Motivation aller Beteiligten sorgt. Dem dient das mehrstufige Design des Praxisprojektes. Es ist angelegt auf ein realitätsnahes Zusammenspiel von „Auftraggeber“, weiteren Praxispartnern und dem Team der Studierenden. Dieser Zuschnitt gewährleistet, dass der Auftraggeber sich stark in das Projekt einbringt und auch die anderen Akteur_innen der Lieferkette für die Mitwirkung gewinnt. Die Studierenden sind dementsprechend mit hohem Engagement bei der Sache und lernen, mit den Praxispartnern zu kooperieren und sich als Team zu organisieren, um im Projektablauf immer wieder nachzusteuern. Das Papier beschreibt das Konzept, das institutionelle Design und erste Erfahrungen mit den Praxisprojekten.

Martin Führ, Silke Kleihauer, Pieter van der Veen

Kapitel 11. Aktivierende Ringvorlesung mit begleitender Konzept-Werkstatt Herausforderung: Nachhaltige Entwicklung – Klimaschutz in und um Darmstadt

Wie gelingt es, in eine Ringvorlesung einen roten Faden einzuweben und die Studierenden zu gewinnen, in interdisziplinären Teams für konkrete Praxisprobleme vor Ort umsetzungstaugliche Lösungen zu entwickeln? Vor dieser Frage stand die statusgruppenübergreifende „Initiative: Nachhaltige Entwicklung in der Hochschule Darmstadt – Lehre, Forschung, Betrieb“ (I:NE), als sie sich nach ihrer Gründung im Mai 2016 daran machte, ein Lehrkonzept zu entwickeln: Es kombinierte die „klassische“ Ringvorlesung (60–80 Studierende) mit einem Begleitseminar (35 Teilnehmende); beides floss zusammen im Abschluss der Ringvorlesung, wo die Studierenden dem Oberbürgermeister der Stadt in einem brechend vollen Hörsaal konkrete Handlungsvorschläge unterbreiteten. Das Zusammenspiel von Ringvorlesung und Begleitseminar schafft eine Dramaturgie, die auf den Abschlusstermin zusteuert. Die Ringvorlesung, an deren Konzeption I:NE-Studierende von Anfang an beteiligt sind, vermittelt Wissen und schafft Raum für kritische Nachfragen („Was bedeutet das konkret für uns als Studierende in Darmstadt?“). Das Begleitseminar – geleitet im Team-Teaching (Ingenieur/Jurist) – erlaubt es, die Vorträge vorab zu diskutieren; zudem haben die Studierenden dort die Aufgabe, Plakate zu konkreten Problemkonstellationen zu entwickeln. Die Arbeit der interdisziplinären Studierenden-Teams orientiert sich an dem methodischen Grundraster der „Delta-Analyse“. Das Begleitseminar ist damit nicht nur eine Konzeptwerkstatt, sondern vermittelt zugleich Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. Praxisakteure als Vortragende schärfen den Blick der Studierenden auf die Verwirklichungsbedingungen und stärken ihre Argumentation gegenüber dem Stadtoberhaupt in der Schlussveranstaltung. Das Paper untersucht, ausgehend von Rückmeldungen aller Beteiligten, die Erfolgselemente und fragt, wie sich dieses Konzept verstetigen lässt und dabei thematisch aktuell und flexibel bleibt.

Sven Linow, Martin Führ, Silke Kleihauer

Kapitel 12. Transdisziplinarität und Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Lehre an der Universität Tübingen: Konzeptionelle Fragen mit Bezug auf Lehraktivitäten des „Energielabors Tübingen“

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit konzeptionellen Fragen zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und transdisziplinärer Wissenschaft (TD) in der praxisnahen universitären Lehre. Im Fokus steht dabei das Reallaborprojekt „Energielabor Tübingen“ mit den dort durchgeführten Lehr- und Forschungsaktivitäten. Die Autoren greifen zum einen auf erste Erfahrungen aus der Lehrpraxis zurück und zeigen, wie Konzepte der BNE innerhalb der fachlichen Lehrer_innenbildung angewandt werden können. Dabei geht es insbesondere um das Verhältnis von Theorie und Praxis sowie verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten. Zum anderen werden erste konzeptionelle Überlegungen zur Verknüpfung von BNE und TD vorgestellt und vor dem Hintergrund des Konzepts der Gestaltungskompetenz erläutert. Allgemein wird also der Frage nachgegangen, wie die Konzepte BNE und TD im Rahmen von (transdisziplinären) Lehrveranstaltungen verknüpft werden können und welche Chancen und Herausforderungen sich dadurch ergeben. Ausgehend von diesen Überlegungen werden Kriterien und Anforderungen für gute transdisziplinäre Lehre vorgestellt und diskutiert. Die Spanne reicht dabei von der Behandlung ethischer Fragestellungen zum Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung, über die Einbettung von außeruniversitären Akteuren bis hin zu spezifischen Produkten und Leistungsnachweisen innerhalb transdisziplinärer Lehrveranstaltungen.

Marius Albiez, Andri König, Thomas Potthast

Kapitel 13. Lehre heute für die Herausforderungen von morgen: Studium Oecologicum und Bildung für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Tübingen

Damit die (jeweils) junge Generation den sozialen, ökologischen, ökonomischen und kulturellen Herausforderungen von heute und morgen kompetent begegnen kann, ist das handlungsorientierte und handlungsorientierende Wissen um Nachhaltige Entwicklung unerlässlich. Den Hochschulen wird eine entscheidende Rolle bei einer solchen Bildungsaufgabe zugesprochen. Die Agenda 2030, das UNESCO-Weltaktionsprogramm und seine nationalen Umsetzungsmaßnahmen können für die Hochschulen hierbei richtungsweisend sein. Die konkrete Ausgestaltung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) wird sich in jeder einzelnen Hochschule an ihren eigenen Besonderheiten orientieren. Nichtsdestotrotz können die Hochschulen voneinander profitieren, nicht zuletzt durch den Austausch über erfolgreiche Umsetzungsmaßnahmen und Strategien zur BNE. Dieser Beitrag reflektiert über die BNE an der Universität Tübingen anhand des innovativen Lehr-Lern-Programms des „Studium Oecologicum“. Des Weiteren werden Strukturen und Akteure diskutiert, die für die Verankerung einer BNE an Universitäten notwendig sind, um die Verbindung zwischen innovativen Formaten überfachlicher und fachbezogener BNE zu stärken. In Tübingen hat sich gezeigt, wie erfolgreich studentisches Engagement als bottom up Pionierarbeit sein kann. Capacity building sowie die Erhöhung der Sichtbarkeit von BNE-Angeboten und die Schaffung von Vernetzungsstrukturen sind Schlüsselmaßnahmen für die weitere Implementierung. Die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen und Fragen zu Freiheit in gesellschaftlicher Verantwortung mit Blick auf Forschung und Lehre gehört zu den Herausforderungen bei einer ganzheitlichen Implementierung von BNE an Hochschulen.

Carla Herth, Anna Petrlic, Thomas Potthast

Kapitel 14. Nachhaltiges Personalmanagement – Konzeption eines interdisziplinären und organisationsübergreifenden Ansatzes zur Vermittlung von Nachhaltigkeitsaspekten in Lehre und Weiterbildung

Vor dem Hintergrund, dass aktuell erstmals konzeptionelle Grundlagen für ein Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungseinrichtungen entwickelt worden sind (Fraunhofer-Gesellschaft et al. 2016; Kurz et al. 2017), sollen nun diese Ergebnisse in die Konzeption eines interdisziplinären und organisationsübergreifenden Ansatzes zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Lehre und Weiterbildung einfließen. Die empirische Grundlage bildet eine qualitative, organisationsethnografische Fallstudie, in der die Autoren die Deutungen von Experten und Expertinnen sowie deren Betriebs- und Alltagswissen in Bezug auf ein nachhaltiges Personalmanagement untersuchen. Auf Basis der daraus entwickelten praktischen Implementierungsmöglichkeiten in außeruniversitären Forschungseinrichtungen soll nun ein Ansatz entwickelt werden, um die Ergebnisse auf die Lehre in Hochschulen und die innerorganisatorische Weiterbildung von Forschungseinrichtungen zu übertragen.

Lisa Kurz, Larissa Jost, Karsten Roth, Peter Ohlhausen

Kapitel 15. Wissen anwenden und Handlungskompetenz erfahren – Mastermodul „Nachhaltigkeit & Mobilität“

Das Lehrkonzept des Mastermoduls „Nachhaltigkeit & Mobilität“ zielt – aufbauend auf bereits vorhandene Fach- und Methodenkompetenz – neben der reinen Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Methoden besonders auf die Erweiterung persönlicher und sozialer Kompetenzen ab und orientiert sich damit an der Aufgabe, verstärkt Schlüsselkompetenzen zu trainieren sowie Verantwortlichkeiten für Entscheidungen und eigenes Handeln zu erkennen und zu übernehmen. Eine interdisziplinäre Zusammensetzung der Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen sowie mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen und Einstellungen bereichert die Durchführung der Lehrveranstaltungen, erweitert den Horizont der inhaltlichen und emotionalen Auseinandersetzungen, fördert den Erfolg des Konzepts, erhöht aber gleichzeitig auch den Anspruch an Entwicklung und Umsetzung des Lehrkonzepts. Das Ergebnis einer qualitativen Studie, die die biografische Entfaltungsgeschichte von Engagement bei jungen Erwachsenen untersucht, belegt, dass nachhaltig (im Sinne von langfristig) wirkende Bindungsfaktoren für engagiertes Verhalten vor allem in Zusammenhang mit praktischen und handlungsorientierten Lernerfahrungen entstehen und nicht allein durch die Vermittlung theoretischer Wissensinhalte angeregt werden können. Dies wird konsequent verfolgt durch die eigenständige Bearbeitung von Projekten durch die Studierenden zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen in Kooperation mit lokalen Nachhaltigkeitsinitiativen sowie dem universitären Nachhaltigkeitsbüro.

Hartwig Haase, Henning Strubelt, Anna Maria Theren

Kapitel 16. Qualifikationsziele von Lehrangeboten zu Nachhaltigkeit. Ein Blick in die Hochschulpraxis in Deutschland und der Schweiz

Dieser Beitrag befasst sich mit der Wahl von Qualifikationszielen für Studienangebote, die Studierenden aller Fachrichtungen ermöglichen sollen, eine Zusatzqualifikation zu Nachhaltiger Entwicklung zu erwerben. Solche Studienangebote sehen sich zum einen mit der Herausforderung konfrontiert, dass aufgrund ihres geringen Umfangs nur eine kleine Menge an Lerninhalten vertiefbar ist. Zum anderen stehen sie vor der Herausforderung, dass sowohl die Gruppe der Studierenden als auch die Gruppe der Dozierenden heterogen ist. Diesen Herausforderungen gilt es bei der curricularen Entwicklung solcher Studienangebote durch die Wahl der Qualifikationsziele sowie durch die strukturelle und methodische Gestaltung des Studienangebots gerecht zu werden. In der Studie, von der hier berichtet wird, wurde der Frage nachgegangen, wie Studienangebote an verschiedenen Universitäten mit diesen Herausforderungen umgegangen sind. Es wurden acht Studienangebote untersucht. Dazu wurden Experteninterviews mit den Verantwortlichen der Studienangebote sowie Dokumente mit Beschreibungen der Studienangebote mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass bei der curricularen Gestaltung dieser Studienangebote zwei Typen von Qualifikationszielen gewählt wurden und dass diese Wahl mit bestimmten Entscheidungen über die strukturelle und methodische Gestaltung der Studienangebote einhergeht. Darüber hinaus zeigt sich, dass die curriculare Gestaltung der Studienangebote wesentlich beeinflusst ist auch von lokalen Rahmenbedingungen der Hochschule zum einen und vom wissenschaftlichen Hintergrund der Verantwortlichen zum anderen. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden die in der Literatur vorgeschlagenen Orientierungspunkte für die curriculare Bestimmung solcher Qualifikationsziele mit Blick auf ihre Eignung diskutiert. Dabei wird unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die Studienangebote an den verschiedenen Universitäten gerade auch die Diversität des Nachhaltigkeitsdiskurses widerspiegeln sollen oder ob ein allgemeingültiger Referenzrahmen für die zu erwerbenden Kompetenzen anzustreben ist. Abschließend werden Überlegungen dazu angestellt, welche Beiträge solche Studienangebote zu einer Nachhaltigen Entwicklung leisten können.

Corinne Ruesch Schweizer, Antonietta Di Giulio, Patricia Burkhardt-Holm

Kapitel 17. Lernendenzentrierung und Kompetenzorientierung im Online-Kurs „Sustainable Energy for SIDS“

Das L3EAP-Konsortium produzierte und führte im Jahr 2016 einen sechswöchigen offenen Online-Kurs zum Thema „Sustainable Energy for SIDS“ mit rund 1100 Teilnehmern gemeinsam mit der Hamburg Open Online University (HOOU, www.hoou.de) durch. Ziel war es, eine heterogene internationale Teilnehmergruppe mit theoretischen Konzepten, methodischen Ansätzen und konkreten realitätsnahen Praxisbeispielen vertraut zu machen.

Ellen Pflaum, Franziska Wolf

Kapitel 18. Werte entwickeln für nachhaltiges Denken und Handeln – Bachelormodul „Nachhaltige Entwicklung“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Das Bachelormodul „Nachhaltige Entwicklung“ an der OvGU wird interdisziplinär für Studierende der Fakultäten Maschinenbau, Humanwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften angeboten. Inhaltlich beginnt es mit einer Grundlagenvermittlung, bei der die Studierenden in Gruppenarbeit die ausgegebenen Themen als Initialvortrag erarbeiten und seminaristisch mit ihren Kommilitonen diskutieren (Inverted Classroom oder auch umgedrehter Unterricht). Unterstützt werden die Studierenden hierbei durch Kurse der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit und weitere über die Lernplattform Moodle bereitgestellte Inhalte. Die Dozenten geben durch ein Koreferat Feedback und ergänzen die behandelten Themen (Blended Learning). Die ausgearbeiteten Inhalte werden anschließend zur Vertiefung im Selbststudium über Moodle bereitgestellt. Im zweiten Modulteil werden eigene Handlungs- und Wirkungsoptionen durch vier footprintorientierte Bereiche thematisiert. Dabei sollen die Studierenden neben Effizienz vor allem Suffizienz und Konsistenz als Nachhaltigkeitsstrategien kennenlernen. Für ein besseres Verständnis der Arbeit und des Wirkens von freiwilligen Initiativen auf den unterschiedlichen Gebieten der Nachhaltigkeit ist ein Kurzpraktikum fester Modulbestandteil. Die Studierenden sollen dabei einen Einblick in die Ziele und das Selbstverständnis der Gruppen erhalten, organisatorische Hintergründe kennenlernen sowie motiviert werden, sich selbst zu engagieren. Hierfür wird sowohl mit lokalen und deutschlandweiten Initiativen als auch eng mit dem Nachhaltigkeitsbüro der Otto-von-Guericke-Universität zusammengearbeitet. Die bisherigen positiven Rückmeldungen der Studierenden bestärken die Dozierenden, die Lehrveranstaltung in diesem Format anzubieten und ständig weiterzuentwickeln.

Henning Strubelt, Hartwig Haase

Kapitel 19. Seminarkonzept: „Nachhaltigkeit natürlich erleben“ (Universität Hamburg)

Der positive Wert von Nachhaltigkeit ist kaum umstritten. Doch trotz eines größer werdenden Wissens über Nachhaltigkeit spiegelt sich dieses meist nicht in unserem Verhalten wider. Reine Wissensvermittlung scheint nicht auszureichen. Wir haben uns daher die Frage gestellt: Wie können Menschen zu einem nachhaltigen Leben motiviert werden? In einem interdisziplinären Seminarprojekt haben wir 2016 erstmalig versucht, dieser Problematik zu begegnen. Mit 18 Studierenden aus 10 verschiedenen Studiengängen verbrachten wir acht Tage in der norwegischen Wildnis, um über Selbsterfahrungsübungen in der Natur die menschliche Motivation zu nachhaltigem (oder auch nicht-nachhaltigem) Verhalten besser zu verstehen. Der direkte Kontakt und die Beziehung zur Natur haben in der Geschichte der Nachhaltigkeit schon immer eine große Rolle gespielt (z. B. Emerson, 1836; Muir, 1901; Leopold, 1949; Edwards, 2005). Und nach Deci und Ryans Selbstbestimmungstheorie der Motivation (Deci & Ryan, 1993) ist für die Ausübung menschlichen Verhaltens von entscheidender Bedeutung, inwieweit dieses Verhalten von außen vorgegeben ist oder aus eigenen inneren Impulsen heraus entsteht. Weil sich Mensch-Natur-Beziehung und innere Motivationsimpulse nur schwer (oder gar nicht?) aus Büchern oder PDFs anlesen lassen, wagten wir den Versuch eines Selbsterfahrungsseminars in der Natur. Dieses Seminarkonzept entstand in der studentisch geführten AG „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ an der Universität Hamburg. Die Ergebnisse zeigen psychologische Veränderungen bei den teilnehmenden Studierenden in den Bereichen Naturverbundenheit, Achtsamkeit und menschliche Werte. Die Studierenden erstellten in diesem Seminar ein Video. Dieses findet sich auf youtube.com unter dem Titel „Seminar ‚Friluftsliv‘ – Nachhaltigkeit durch Bewegung in der Natur natürlich erleben“ oder direkt per Link:https://www.youtube.com/watch?v=l5XMh5rGKsE.

Bijan Ghaffari

Kapitel 20. „Nachhaltigkeit lehren lernen“ – Innovative interdisziplinäre Lehr-Lern-Formate in der Lehramtsausbildung an Pädagogischer Hochschule und Universität Heidelberg

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gilt als Schlüssel für eine langfristige Verankerung der Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. Für eine erfolgreiche Implementierung dieser Ziele kommt der Ausbildung von Lehrkräften eine besondere Bedeutung zu. In einem hochschulübergreifenden Seminar von Pädagogischer Hochschule Heidelberg und Universität Heidelberg werden in Kooperation Lehramtsstudierende zu Nachhaltigkeits-Coaches ausgebildet, die ihr Wissen in ausgewählten Projektschulen an Schulklassen weitergeben.

Julia Mrazek, Alexander Siegmund, Christine Fischer, Nicole Aeschbach

Kapitel 21. Nachhaltige Entwicklung begeisternd lehren! Drei Good-Practice-Vorschläge aus der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU)

Erfolgreiche Integration von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Hochschullehre, die darauf abzielt, die Studierenden bei der Entwicklung von Orientierungswissen und Gestaltungskompetenz zu unterstützen, erfordert aktivierende, inter- und transdisziplinäre sowie reflexive Lehrformate. Der Erfolg hängt u. a. davon ab, ob Lehrformate geschickt in Curricula und in die externe Nachhaltigkeitskommunikation integriert werden können. An der HfWU wird dies vielfältig, auch in interkulturellen Formaten und unter Einbindung zentraler Anspruchsgruppen, Unternehmen und Verbände, umgesetzt. Unser Beitrag zeigt Erfolgsfaktoren und Konfliktpunkte anhand von drei Beispielen auf: 1.Das Projekt PHOENIX (Problemorientierte Hochschullehre im Nachhaltigkeitskontext) setzt BNE didaktisch innovativ in 20 konkreten transdisziplinären Projekten um, die in die Curricula integriert sind. PHOENIX ist dabei ganzheitlich auf den Lehr-Lern-Prozess ausgerichtet. Kommunale Anspruchsgruppen werden beteiligt, hochschuldidaktische Fortbildung angeboten.2.Die transdisziplinären Sommerakademien für Nachhaltige Entwicklung, die die HfWU in Kooperation mit der BUNDjugend Baden-Württemberg und lokalen Praxisakteur_innen durchführt, zeichnen sich durch die Integration der Methoden von Jugendverband, Hochschule und lokaler Expertise sowie eine abwechslungsreiche Gestaltung von Theorie-, Praxis- und Reflexionsphasen aus.3.Bei der internationalen Sommerschule „Innovation for Sustainability“ (IfS) wird das aktivierende Lehrformat des forschenden Lernens in interkulturell gemischten Forschungsgruppen umgesetzt. In Zusammenarbeit mit Partnerhochschulen in den USA und Mexiko werden Herausforderungen und Chancen Nachhaltiger Entwicklung im Rahmen von acht Unternehmensbesuchen erforscht.Die drei Beispiele zeigen, dass die erprobten Methoden und Formate von Studierenden und Lehrenden nicht nur gut angenommen wurden, sondern auch in die Curricula eingebunden (wenn angestrebt), von der Hochschulleitung unterstützt und nach außen hin sichtbar positioniert werden konnten.

Jochen Fehling, Hannah Seyfang, Christian Arndt

Kapitel 22. Kollaborative Kurzfilmproduktion als innovativer Ansatz in der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg

Eine Herausforderung im Bereich der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung (HBNE) besteht darin, Lernformate zu entwickeln und Lernsettings zu gestalten, die den veränderten Lernstilen junger Menschen Rechnung tragen und wirksam Lernprozesse zu initiieren vermögen. Ein medienpädagogischer Ansatz ist das Filmemachen. Die Lernwirkung der aktiven Beteiligung an Filmprojekten konnte in den vergangenen Jahren intensiver erforscht und belegt werden, ist jedoch bislang kaum in die Praxis von HBNE diffundiert. Dieser Beitrag ist ein Werkstattbericht. Er stellt einen Lehransatz dar, in dessen Rahmen Studierende im ersten Semester dazu befähigt werden, im Erzählformat des Storytelling konzipierte Kurzfilme auf dem eigenen mobilen Endgerät zu erstellen. In der Kombination von forschendem Lernen und ästhetischer Praxis nutzen die Studierenden ihre Mobiltelefone, um die Klimakrise und ihre gesellschaftlichen Folgen zu untersuchen und in Filmen wirksame Handlungsansätze zu entwickeln und zu verbreiten. Die in diesem Prozess entstehenden Produkte und die Reflexionen der Beteiligten deuten das Potenzial des Ansatzes für eine HBNE an, die nicht nur kognitive Kompetenzen, sondern umfassende Persönlichkeitsentwicklung und die Entfaltung von „Change Agency“ und „Chairpersonship“ zu fördern beansprucht.

Joerg Altekruse, Daniel Fischer, Teresa Ruckelshauß

Kapitel 23. Lernfilme in der Nachhaltigkeitsbildung mithilfe der Legetechnik – Erfolgsfaktoren aus technischer und didaktischer Perspektive

Der Beitrag stellt die Erfolgsfaktoren bei der Konzeption und Erstellung von Lernfilmen mithilfe der Legetechnik aus technischer, lernpsychologischer und methodisch-didaktischer Sicht dar. Er zeigt, dass sich durch den Einsatz dieser Methode die Chance ergibt, authentische und aktivierende Lernfilmformate für den Einsatz in der Nachhaltigkeitsbildung zu entwickeln und umzusetzen. Insbesondere die einfache und kostengünstige Produktion der Lernfilme eröffnet neue Potenziale für die Hochschullehre. Neben einer theoretischen Fundierung der Methode werden im vorliegenden Beitrag konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung in der Praxis gegeben.

Marios Karapanos, Thomas Borchert, Linda Heise, André Schneider

Kapitel 24. Weiterbildungsmaterialien zu den Themen Energie, BWL und Klimawandel gefördert durch das Bundesumweltministerium

Der Klimawandel und die Energiewende fordern die Betriebswirtschaftslehre als Ganze heraus. Ein umfassender Ansatz einer energieorientierten BWL systematisiert die Herausforderungen und entwickelt die Methoden (den „Werkzeugkasten“) funktions- und branchenübergreifend weiter. Das Projekt „RessourceAdapt“ stellt Lehr- und Weiterbildungsmaterial zu diesem umfassenden Ansatz sowie zum Klimawandel für Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Graduiertenschulen bereit. Zielgruppen sind Studierende und ausgebildete Betriebswirte, die sich mit dem Thema Energie auseinandersetzen sollen, aber auch Ingenieure und andere Berufsgruppen, die mehr über BWL und die betrieblichen Funktionen lernen wollen. Neue Medien und Formate erreichen die Zielgruppen auf innovative Weise: Tutorials, Dokumentationen mit Unternehmenspartnern und perspektivisch sogar Spielfilmanteile sind in Realisierung bzw. Planung.

Johannes Kals, Johanna Kunzendorff

Kapitel 25. Nachhaltigkeit in der Designausbildung: Potenziale für transdisziplinäre Forschung

Design steht in der Wahrnehmung von außen und auch in seinem Selbstverständnis als Profession heute zwischen zwei Polen. Einerseits dient es der Entwicklung immer neuer Produkte und Dienstleistungen, zwar meist mit dem Anspruch des Erzielens von Verbesserungen, mitunter aber auch nur mit dem Resultat der oberflächlichen Kosmetik oder Variation zur Steigerung des Konsums. Andererseits hat es sich zu einer ernsthaften Disziplin entwickelt, die einen Beitrag zur Bearbeitung und bestenfalls zur Lösung der drängenden Probleme unserer Zeit zu leisten bereit ist, darunter auch die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Der Beitrag beschreibt zunächst einige der Rollen, die Design in seiner relativ kurzen Historie eingenommen hat, und deren Niederschlag in der gegenwärtigen Designausbildung. Die unterschiedliche Adressierung von Problemstellungen der Nachhaltigkeit wird dabei anhand von Beispielen aufgezeigt. Designpraktiken und -strategien, die Nutzer in den Mittelpunkt rücken und in den Designprozess integrieren, weisen Schnittmengen mit der transdisziplinären Forschung auf. Diese Überschneidungen werden identifiziert und Potenziale des Designs für einen fruchtbaren Beitrag in diesem Forschungsmodus herausgearbeitet.

Matthias Held

Kapitel 26. Das Projektstudium „Lehre für eine nachhaltige Universität“ an der Universität Kassel – eine interdisziplinäre Lehr- und Lernmethode zum Themenkomplex Nachhaltigkeit an der Hochschule

Seit dem Sommersemester 2012 wird an der Universität Kassel das Projektstudium „Lehre für eine nachhaltige Universität“ angeboten. Ziel des Projektstudiums ist es, die Nachhaltigkeit der Universität zu verbessern. Durch die aktive Beteiligung und Einbeziehung der Studierenden in die Entwicklung des hochschulinternen Umweltschutzes wird Studierenden Umweltbewusstsein und Sensibilisierung für nachhaltiges Handeln und den Umgang mit Ressourcen vermittelt. Durch die Kombination von Theorie und Praxis und den partizipativen Ansatz werden die Studierenden darüber hinaus optimal auf die Herausforderungen des Berufslebens vorbereitet. Das Projektstudium wird sowohl von den Studierenden als auch von den Dozent_innen als Bereicherung angesehen. Das Thema „Nachhaltigkeit“ wird durch die Zusammenarbeit auf interdisziplinärer Ebene von vielen Seiten betrachtet und in das Umweltbewusstsein gerufen.

Nadine Chrubasik, Julia Fink

Kapitel 27. Herausforderung transdisziplinäre Lehre: Aufbau des praxisorientierten Master-Studiengangs RASUM an der Hochschule Darmstadt

Nachhaltige Entwicklung bedeutet Veränderung. Menschen müssen diese Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft auf den Weg bringen. Das dafür erforderliche „Handwerkszeug“ zu vermitteln, ist Aufgabe der nachhaltigkeitsorientierten Hochschullehre. Sie hat die Studierenden zu befähigen, Problemstellungen disziplinenübergreifend zu erfassen, wobei die relevanten Akteur_innen von Anfang an einzubeziehen sind. Zu berücksichtigen sind dabei die Erkenntnisse und Methoden der Transformations- und der transformativen Forschung. Dementsprechend integriert der Masterstudiengang „Risk Assessment and Sustainability Management“ (RASUM) der Hochschule Darmstadt – gestützt auf einen transdisziplinären Forschungsansatz – Orientierungswissen, Systemwissen und Transformationswissen in vier Strukturelementen, in deren Zusammenspiel es darum geht, transformatives Wissen zu gewinnen: 1.Normative Orientierung im Hinblick auf individuelle und organisationale Verantwortung: Vermittelt die Fähigkeit, normative (ethische und rechtliche) Anforderungen an Transformationsprozessen zu bestimmen und zu begründen.2.Theorien und Methoden: Vermittelt Theorien und Methoden im Hinblick auf Fragen der Risikoabschätzung und des Nachhaltigkeitsmanagements.3.Transdisziplinäre Integration: Vermittelt strategische und operative Fähigkeiten im Hinblick auf die Gestaltung gesellschaftlicher und betrieblicher Veränderungsprozesse und entwickelt gemeinsam mit den Praxisakteur_innen transformatives Wissen.4.Disziplinen- und handlungsfeldübergreifende Verständigung: Vermittelt die Fähigkeit, unterschiedliche disziplinäre und professionelle „Denkstile“ und Verhaltensmuster in der eigenen Wahrnehmung, aber auch bei den anderen Beteiligten in Forschung und Praxis zu erkennen, um mit diesen entsprechend zu kommunizieren und zu kooperieren. Das Studienangebot führt die in den Strukturelementen erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse in einem auf zwei Semester angelegten Projekt mit Praxispartner_innen zusammen. Die bisherigen Rückmeldungen der Studierenden und der beteiligten Unternehmen an den Praxisprojekten zeigen, dass es im ersten Jahrgang durchaus gelungen ist, die gesetzten Ziele zu erreichen. Über Feedbackrunden mit Studierenden und Klausur-Tagungen mit den Lehrenden sind gute Strukturen für eine permanente Weiterentwicklung des Studiengangs aufgebaut.

Silke Kleihauer, Martin Führ

Kapitel 28. Introspektion und Bildung für nachhaltigen Konsum: Ein Lehr-Lern-Format zur systematischen Selbsterforschung in der Auseinandersetzung mit Argumenten zum Konsum tierischer Produkte (Leuphana Universität Lüneburg)

Der Konsum tierischer Produkte ist aufgrund der ökologischen Konsequenzen der Herstellung tierischer Lebensmittel ein bedeutsames Thema für eine hochschulische Bildung für nachhaltigen Konsum. Nichtsdestotrotz ist eine Thematisierung der Problematik in der Hochschullehre mit Schwierigkeiten verbunden, die vor allem auf deren affektiv-moralische Aufgeladenheit zurückzuführen ist. Der vorliegende Beitrag stellt ein Lehr-Lern-Format vor, welches an der Leuphana Universität Lüneburg entwickelt und im Wintersemester 16/17 erstmals mit Bachelor- und Masterstudierenden erprobt wurde. Das Seminar stellte einen Versuch dar, eine rein diskursive Beschäftigung mit dem Konsum tierischer Produkte um Zugänge zu affektiv-motivationalen Einflussfaktoren zu ergänzen, die im Rahmen der Beschäftigung mit Gründen für den Konsum tierischer Produkte aufkommen. Dies geschah durch den Einsatz von Achtsamkeitsmeditationen sowie die Vermittlung introspektiver Methoden (Forschungstagebücher, elicitation interviews, Interpretativ-Phänomenologische Analyse), um die eigenen Emotionen und Motivationen im Hinblick auf den Konsum tierischer Produkte selbstreflexiv beobachten und systematisch-kontrolliert analysieren zu können. Der Beitrag liefert empirische Hinweise darauf, dass das Lehr-Lern-Format bei Studierenden die Fähigkeit zur forschenden Auseinandersetzung mit Werthaltungen, Affekten und unreflektierten Handlungsroutinen fördern und dadurch den Erwerb von Gestaltungskompetenzen für nachhaltigen Konsum in Bezug auf den Konsum tierischer Produkte anregen konnte.

Pascal Frank, Daniel Fischer
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