Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Der Band versammelt zentrale Befunde abgeschlossener Forschungsarbeiten zur Frage der Entwicklung des globalen Nachhaltigkeitsdiskurses. Welche Narrative, Strategien, Ziele und Werte bestimmen den Kampf um Definition und Ausgestaltung nachhaltiger Politik? Welche Transformationsprozesse sind erkennbar, werden initiiert, gefordert oder bekämpft? Und welche Bedeutung kommt hierbei wirtschaftswissenschaftlichen Konzepten zu Wirkung und Relevanz von Wirtschaftswachstum sowie den hieran geäußerten Kritiken zu?
Um diese Fragen zu beantworten, werden verschiedene Arenen des deutschsprachigen Nachhaltigkeitsdiskurses – Arbeit, Bildung, „Entwicklung“, Ethik, Transformation – detailliert rekonstruiert, um auf Grundlage der daraus resultierenden Gesamtschau des ökologisch-ökonomisch-politischen Systems die gegenwärtig hegemonialen Handlungsregeln und -logiken zu erkennen und kritisch zu reflektieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Warum Nachhaltigkeit, Postwachstum, Transformation?

Zusammenfassung
Unterliegt die wirtschaftliche Aktivität der Menschheit ökologischen Grenzen, oder lassen sich Produktivität und ökonomische Wertschöpfung fortlaufend und unendlich steigern? Zu dieser Frage tobt spätestens seit Anfwang der 1970er Jahre ein diskursiver Kampf, der für die Zukunft der Menschheit wie der gesamten Biosphäre von entscheidender Bedeutung ist.
Ulrich Roos

Umweltethische Reflexionen

Frontmatter

Frugalität und Spiritualität für nachhaltige Lebensweise im 21. Jahrhundert

Zusammenfassung
Das Wachstums- und Konsumparadigma der Wirtschaft ist ein starker Faktor für Klimawandel und Umweltschäden. Darüber hinaus fördert es jedoch auch sozio-psychologische Auswirkungen wie Depressionen, Burnout oder Entfremdung. Es wird argumentiert, dass Entfremdung ihrerseits dazu beiträgt, dass ökologische Konsequenzen leichtfertig ausgeblendet werden und das Individuum entgegen seinen ethischen Werten handelt. In diesem Beitrag werden Frugalität als Tugend der Genügsamkeit im Konsum materieller und immaterieller Güter sowie kosmologische Weltsicht, nach der der Menschen in die Natur anstatt über sie herrschend gedacht wird, als Alternativen zum durch Konsum definierten Leben dargelegt. Durch sie kann eine Weltbeziehung hergestellt werden, die ganzheitlich nachhaltigen Lebensstil ermöglicht.
Hannah Witt

Degrowth und der (Eigen-)Wert der Natur

Eine kritische Reflexion umweltethischer Positionen in der Degrowth-Bewegung und der Versuch eines Plädoyers für eine holistische Umweltethik
Zusammenfassung
Degrowth fordert eine sozial-ökologische Transformation hin zum guten Leben für Alle. Während sich die Bewegung mit einem intra- und intergenerationellen Gerechtigkeitsanspruch bei der sozialen Frage klar positioniert, werden die normativen Grundlagen der ökologischen Dimension seltener thematisiert. Möchte Degrowth auch die ökologische Frage ernst nehmen und dem Prinzip der starken Nachhaltigkeit gerecht werden, müssen zugehörige umweltethische Argumente und Konzepte intensiver berücksichtigt, diskutiert und offengelegt werden. Dieser Aufsatz betrachtet Beiträge, die sich konkreter mit möglichen Positionen, Konzeptionen und Narrativen einer Degrowth-Umweltethik befassten. Aufbauend auf einer kritischen Reflexion jener Beiträge und ihrem Potential für einen Wandel unserer mentalen Infrastrukturen, wird die Position einer holistischen Degrowth-Umweltethik vorgeschlagen und beleuchtet.
Marius Thomay

Analyse diskursiver Positionen

Frontmatter

Bildung für Wachstum? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der deutsche Wirtschafts- und (Post)Wachstumsdiskurs

Zusammenfassung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist die größte staatliche Institution in der deutschen Bildungs- und Forschungslandschaft. Sein Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung ist nicht zu unterschätzen. Das macht eine wissenschaftliche Untersuchung äußerst spannend. Mit Blick auf die Frage –Bildung für Wachstum?– beschäftigt sich dieser Beitrag mit den Positionierungen des BMBF hinsichtlich Wirtschaft und Wachstum und untersucht, inwiefern alternative Wirtschaftsweisen von diesem in den Diskurs gebracht werden. Hierfür wurden die Maßnahmen, Zielsetzungen und Äußerungen im Bereich „Bildung und Forschung für nachhaltige Entwicklung“ mit der Grounded Theory analysiert. Die Ergebnisse zeigen auf, dass das BMBF dem Leitbild einer sogenannten Green Economy und dementsprechend einer wachstumsorientierten Agenda folgt, bei welcher Ökonomie und Ökologie zusammengedacht werden.
Georgina Phillips

Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit im Diskurs über die Digitalisierung im Bildungssystem

Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Digitalisierungsreform im deutschen Bildungssystem im Kontext von ökonomischem Wachstum und ökologischer Nachhaltigkeit. Zur Annäherung an das Thema werden die bisherige Entwicklung des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht sowie zugrunde liegende bildungspolitische Zielsetzungen untersucht. Die Forschende greift dazu auf das Forschungsprogramm der Wissenssoziologischen Diskursanalyse zurück. Nach einer sequenzanalytischen Auswertung von Texten und Interviews mithilfe der Grounded Theory konnten folgende Schlussfolgerungen gezogen werden: Erstens, dass Wachstum ein zentrales Gesellschaftsziel darstellt und dies auch im Zuge der Digitalreform verfolgt wird und zweitens Nachhaltigkeit dem hingegen kein primäres Ziel ist. Und schließlich, dass die Machtmechanismen, die hinter dem Wachstumszwang stehen, eine Ausrichtung auf Nachhaltigkeit verhindern.
Lea Rahman

Königsweg Vollbeschäftigung? Argumente und Handlungsregeln der deutschen Bundesregierung(en) im Diskurs zur Zukunft der Arbeit und die aktuelle (Post-)Wachstumsdebatte

Zusammenfassung
Der Vergleich der in den Jahren 2001 und 2017 von den deutschen Bundesregierungen veröffentlichten Armuts- und Reichtumsberichte zeigt, dass diese fast gänzlich unverändert vom Narrativ geprägt sind, der Sozialstaat müsse nach der Devise „Fördern und Fordern“, trotz Prekarisierung und Ausweitung des Niedriglohnsektors, als Garant für die Reduktion von Armut und Arbeitslosigkeit sowie die Erreichung eines Zustands der Vollbeschäftigung als Königsweg zur Wohlstandssicherung gelten. Die dort unterstellte positive Wechselwirkung von Wirtschaftswachstum und hohen Beschäftigungszahlen führt dazu, dass trotz steigender Einkommens- und Vermögensungleichheit alternative politische Stellschrauben ähnlich aus dem Blick geraten wie Postwachstumsideen, ökologische Folgen eines ungebremsten Wachstums sowie der gesellschaftliche und individuelle Sinn von Arbeit.
Daniel Hegemann

Eine Rekonstruktion des Wohlstands- und Wachstumsbegriffs der deutschen Bundesregierung anhand der Jahreswirtschaftsberichte von 2006 und 2016

Zusammenfassung
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, den Wandel der Wachstumsausrichtung und des Wohlstandsverständnisses der deutschen Bundesregierung zwischen 2006 und 2016 zu rekonstruieren. Besonders seit der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 nahm die Kritik am uneingeschränkten Streben nach Wirtschaftswachstum stark zu. Diesbezüglich entstand auch die Forderung, soziale und ökologische Aspekte von Wohlstand stärker in der Ausgestaltung der Politik zu berücksichtigen. Der bisherige Wohlstandsindikator BIP sei diesbezüglich zu eindimensional. Kurz darauf räumte die Bundesregierung öffentlich ein, über einen neuen Wohlstandsindikator, anstelle des BIPs, nachzudenken und präsentierte schließlich ein neues Indikatorensystem. Das Erkenntnisinteresse der Arbeit lag darauf aufbauend darin, zu untersuchen, inwiefern sich in der Folge dieser Ereignisse der Stellenwert von Wirtschaftswachstum und den verschiedenen Wohlstandsdimensionen in der Ausgestaltung der deutschen Politik gewandelt hat. Hierzu wurden die Jahreswirtschaftsberichte der Bundesregierung von 2006 und 2016 unter Rückgriff auf die Grounded Theory Methodologie untersucht. Die Analyse ergab, dass das Wachstumsverständnis in diesem Zeitraum weitgehend gleichgeblieben ist und elementar zur deutschen Wirtschaftspolitik gehört. Allerdings betonte die Bundesregierung 2016 neben der Höhe des Wachstums auch dessen Qualität stärker berücksichtigen zu wollen. In Bezug auf den Wohlstandsbegriff zeigte die Analyse, dass die Bundesregierung 2016 ein deutlich ausdifferenzierteres und weniger materiell fixiertes Wohlstandsverständnis kommunizierte. Von einer umfassenden sozial-ökologischen Transformation kann aber trotzdem nicht gesprochen werden.
Manuel Tobias Eberhardt

Eine andere Art des Wirtschaftens – Wirtschaftswachstum bei Bündnis 90/Die Grünen zwischen 1994 und 2017

Zusammenfassung
Quantitatives Wirtschaftswachstum geht mit erheblichen ökologischen Schäden einher. Aus diesem Grund wird inzwischen vermehrt eine Abkehr vom Diktum des Wirtschaftswachstums gefordert. Bündnis 90/Die Grünen (In der folgenden Arbeit wird bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen, von den Grünen gesprochen. Diese Bezeichnung hat sich medial durchgesetzt) stehen in diesem Zuge seit ihrer Gründung Wirtschaftswachstum kritisch gegenüber und fordern eine sozial-ökologische Transformation. Bei dieser Transformation steht der Bereich der Ökologie im Vordergrund. Jedoch zeigt sich, dass die Grünen statt einer vollkommenen Abwendung vom Wirtschaftswachstum zumindest derzeit auf Grünes Wachstum setzen und somit an eine Entkopplung von Ressourcenverbrauch und wirtschaftlichem Wachstum glauben. Allerdings setzen die Grünen, wie bei Vertreter*innen des Grünen Wachstums verbreitet, nicht nur auf technologischen Fortschritt, sondern sehen einen Wandel in der Gesellschaft als einen maßgeblichen Faktor für die Veränderung der Wirtschaft.
Sabrina Koch

(Post-)Wachstum in der Tagesschau? Eine Untersuchung der Berichterstattung der Nachrichtensendung Tagesschau über Wirtschaftswachstum vor dem Hintergrund der (Post-)Wachstumsdebatte

Zusammenfassung
Während die internationale Staatengemeinschaft ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaftswachstum anstrebt, um den multiplen Krisenerscheinungen unserer Zeit zu begegnen, werden seit einigen Jahren vermehrt Stimmen laut, die nur eine Abkehr vom Wachstumsdogma als zielführend erachten. Vor dem Hintergrund ebendieser Wachstumsdebatten nimmt die folgende Arbeit die medialen Darstellungsweisen von Wirtschaftswachstum in den Blick. Verschiedene Beiträge der Nachrichtensendung Tagesschau wurden unter Rückgriff auf das rekonstruktionslogische Verfahren der Grounded Theory untersucht, um herauszufinden, ob und falls ja, inwiefern sich die Berichterstattung über Wirtschaftswachstum im Laufe der letzten 25 Jahre verändert hat. Hierbei zeigte sich, dass die Tagesschau damals wie heute weitestgehend unkritisch über Wachstum berichtet und dieses nach wie vor als anzustrebendes politisches Handlungsziel darstellt.
Anna Lohs

Das hegemoniale Projekt der Bertelsmann Stiftung im Wachstumsdiskurs

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag untersucht die Position der Bertelsmann Stiftung im Wachstumsdiskurs. Der Forschende stützt sich dabei auf die Traditionslinien des Marxismus, des Poststrukturalismus, sowie der Hegemonietheorie nach Ernesto Laclau und Chantal Mouffe. Diese theoretischen Vorüberlegungen werden mithilfe der Heuristik Martin Nonhoffs, der Grounded Theory Methodology und der Lexikometrie methodisch angewandt. Auf diesem Weg rekonstruiert der Forschende das hegemoniale Projekt, das um den Knotenpunkt des Inklusiven Wachstums aufgebaut wird und in dem die ökologische Nachhaltigkeit ausgeschlossen wird. Resümierend kritisiert er den affirmativen Charakter der Hegemonieanalyse.
Yannic Hollstein

Zertifizierter Umweltschutz? Zur Rekonstruktion des Nachhaltigkeitsbegriffs von EMAS

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird der Nachhaltigkeitsbegriff des Umweltmanagement- und Öko-Audit-Systems EMAS rekonstruiert. In der Studie werden zunächst historisch spezifische Nachhaltigkeitsverständnisse reflektiert sowie der Forschungsstand zu EMAS im Kontext von Nachhaltigkeit aufgearbeitet. Im Anschluss an eine ontologische, epistemologische und eine ethische Reflexion wird dann die Auswahl der Methode (Grounded Theory) begründet, mit der die für das Forschungsvorhaben ausgewählten Textdokumente analysiert wurden. Daraufhin werden im Befundekapitel die Ergebnisse der Analyse zu der Hauptthese hin verdichtet, dass es sich bei EMAS um ein rein marktlogisches Instrument handelt, das keinen Nachhaltigkeitsbegriff in die Praxis teilnehmender Unternehmen implementiert.
Moritz Harzbecher

Neue Wege in der Afrika-EU-Partnerschaft? Eine Untersuchung zu Handlungsregeln mit Bezug zu Wachstum

Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich der Afrika-EU-Partnerschaft, die als Kooperationsformat seit 2007 zwischen der Afrikanischen und der Europäischen Union besteht. Er rekonstruiert die grundlegenden Handlungsregeln der Partnerschaft zum Thema Wachstum und argumentiert, dass diese auch den politischen Dimensionen dieser Zusammenarbeit zugrunde liegen. Als zentrale Handlungsregel stellt sich dabei die investitionsbasierte Entwicklung heraus, die den Fokus auf die Verantwortung und Gestaltungsinteressen privatwirtschaftlicher Investoren für die zukünftige Entwicklung der beiden Staatenverbünde, insbesondere bei den Themen Armutsreduktion und Nachhaltigkeit legt.
Mareike Edler

Wachstumsnarrative entwicklungspolitischer Bildungsarbeit im Globalen Norden am Beispiel von „Brot für die Welt“ im zeitlichen Vergleich

Zusammenfassung
„Brot für die Welt“ als kirchliche NGO formt und beeinflusst Diskurse um Entwicklung und Wachstum. In ihrer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit sollen Akteur*innen des Wandels zu einer gerechten, friedlichen, Einen Welt angesprochen werden: Politik und Zivilgesellschaft müssen Lebensstil und Konsumverhalten nachhaltig ändern. Während in den 1990er Jahren noch einseitige, neokoloniale Perspektiven auf Entwicklung galten und anderes Wachstum, aber keine Abkehr davon gefordert wurde, wandeln sich im zeitlichen Verlauf die Narrative. Ab den 2010er Jahren wird das omnipräsente Heilsversprechen Wirtschaftswachstum ökologisch, sozial und entwicklungspolitisch kritisiert und Entwicklungsbedarf auch im Globalen Norden, ganz im Sinne der SDGs, gesehen. Zudem wendet sich „Brot für die Welt“ Ideen des Postwachstums im Sinne einer allumfassenden sozial-ökologischen Transformation zu.
Henriette Friederike Seydel

Qualitatives Wachstum in der Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel der KfW Entwicklungsbank

Zusammenfassung
Wachstum als Mittel zur Reduktion von Armut in Ländern des Globalen Südens bestimmt seit dem Zweiten Weltkrieg den Diskurs der Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Der Anspruch, Wachstum zu steigern, ist in den letzten Jahren zwar durch das Konzept qualitativen Wachstums differenzierter geworden, die Wirkungszuschreibung ist jedoch konstant geblieben. Wirtschaftswachstum wird seit Beginn der Entwicklungspolitik in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Synonym für Entwicklung verstanden (Trefs et al. 2009, S. 1). Die nachfolgende Forschung untersucht das Verständnis von Qualitativem Wachstum der KfW Entwicklungsbank in den Zeiträumen 1994–1996 und 2010–2015. Da sich die KFW Entwicklungsbank, so wie auch andere entwicklungspolitische Institutionen, den prominenten Begriff Pro Poor Growth (PPG) zu Eigen gemacht hat, soll gerade diese Definition in Bezug auf qualitatives Wachstum untersucht werden. Folgende Frage steht im Zentrum der Arbeit: Kann qualitatives Wachstum pro poor sein und unter der Berücksichtigung eines multidimensionalen Verständnisses von Armut umgesetzt werden? Die KfW Entwicklungsbank begründet ihre Relevanz als politische und insbesondere staatliche Förderbank in ihrer mehr als 50 Jahre zurückgehenden Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesregierung. Im Auftrag der Bundesregierung verwaltet und prüft die KfW Entwicklungsbank Fördergelder- und Projekte in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (KFW Entwicklungsbank 2016a).
Julia Schönborn

Analyse transformativer Praxis

Frontmatter

Indigene Philosophie und Widerstandstechniken als Labor weltgesellschaftlicher Transformation

Zusammenfassung
Der zivilgesellschaftliche Widerstand der indigenen Gemeinschaft der Teriben gegen das Staudammprojekt El Diquís in Costa Rica bewirkte aufgrund der Vielfältigkeit der Akteur*innen, des mannigfaltigen Widerstandsrepertoires und deren gemeinsamen Denk- und Handelsweisen den Baustopp des Energie- und Entwicklungsprojektes. Auch die Verbesserung der Qualität der Demokratie in Costa Rica, sowie der innerstaatliche Diskursanstoß über Minderheitenrecht in neoliberalen Wirtschaftsstrukturen, zeigen dabei das transformative Potenzial von (zivil-)gesellschaftlichen Widerständen. Die kollektive Denk- und Handelsweise sowie das holistische Naturverständnis aus der indigenen Philosophie beeinflussten die Motivation und Zielsetzung des Widerstandes. Art und Struktur des Widerstandes und die Konstellation der Akteur*innen können als ein wesentliches transformatives Element bewertet werden.
Deborah Düring

Yes, we camp for climate action. Die Klimacamps im Rheinland als Orte des Protests und transformative Möglichkeitsräume

Zusammenfassung
Klimacamps sind Orte des Protests gegen klimaschädliche Industrien und unzureichende Politik sowie transformative Möglichkeitsräume, in denen alternative Praktiken im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation erprobt und erlernt werden können. Der Beitrag untersucht beispielhaft das Klimacamp im Rheinland (2017) und diskutiert, inwiefern die Praxis im Sinne präfigurativer Politik auf eine sozial-ökologische Transformation hinweist. Die Forderung nach einer sozial-ökologischen Transformation, nach einem grundlegenden Wandel gesellschaftlicher Verhältnisse und des Naturverhältnisses, wird hier als Antwort auf die mannigfaltigen Symptome einer multiplen Krise verstanden.
Julia Hübinger

Das Grandhotel Cosmopolis als transformativer Möglichkeitsraum. Einblicke in eine aktivistische Stadtforschung

Zusammenfassung
Der Beitrag gibt Einblicke in einen andauernden, praxisbegleitenden Forschungsprozess eines sozialen Experiments. Aus einem Selbstverständnis als aktivistische Forscherin untersucht die Autorin auf methodologischer Basis der Situationsanalyse nach Adele Clarke den kollektiven (raumbetonten) Sinnformungsprozess des Grandhotel Cosmopolis in Augsburg. Dabei fasst sie die Bedingungen, die das Projekt im Spannungsfeld zwischen Einhegung und Eröffnung zum transformativen Möglichkeitsraum machen. Das sensibilisierende Konzept des transformativen Möglichkeitsraumes entwickelt sie auf der Basis aktueller Ansätze aus der Diskussion um eine Demokratisierung von Stadtentwicklung, die insbesondere über Argumente aus dem Postwachstumsdiskurs ergänzt werden. Darüber wird das Konzept für eine kritisch-feministische, transformative Stadtforschung anschlussfähig und über den empirischen Bezug auf den untersuchten Raumformungsprozess verdichtet. Transformative Potenziale der alltäglichen Re-Produktion des Ortes durchziehen eine Geschichte des Grandhotel Cosmopolis’ voller Widersprüche und Deutungskämpfe und eröffnen weiterreichende Fragen zu dessen Zukunftsfähigkeit und Bedeutung als sozialer Raum präfigurativer Politik. Die theoretisch-methodologische Vermittlung zwischen den Themen aktivistische Stadtgestaltung, Postwachstum und transformative Forschung mündet in einer Skizzierung der Untersuchungsergebnisse, die auch ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse zugänglich sein soll.
Julia Costa Carneiro

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise