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11.02.2022 | Nachhaltigkeit | Interview | Online-Artikel

In eigener Sache

"Eine grenzenlose Technologieoffenheit ist jetzt gefragt"

3:30 Min. Lesedauer
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Autor: Redaktion ATZ|MTZ

Dr. Stefanie Wolff, Programm-Managerin Elektromobilität bei der deutschen Fördergesellschaft NOW GmbH (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie), ist Jury-Mitglied beim Sustainability Award 2022 von ATZ|MTZ und Arthur D. Little. In diesem Kurzinterview spricht sie darüber, was für eine echte Nachhaltigkeit im Mobilitätssektor geschehen und warum grenzübergreifend gedacht und gehandelt werden muss. 

ATZ|MTZ: Frau Wolff, warum ist das Thema Nachhaltigkeit so wichtig in der Automobil- und Mobility-Industrie?

Stefanie Wolff: In den letzten 30 Jahren sind die CO2-Emissionen des deutschen Verkehrssektors beinahe unverändert geblieben, trotz energieeffizienterer Antriebstechnologien und Abgasreinigungen. Zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung sind bis 2030 15 Millionen Elektro-PKW auf Deutschlands Straßen zu bringen. Es liegt jetzt an der Industrie, die Skaleneffekte der inzwischen umfangreichen und ansprechenden Angebotspalette in niedrigere Kundenpreise umzusetzen. Das Angebot und die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur ist flächendeckend zu erweitern. Nur mit einer gut ausgebauten Infrastruktur können wir die Menschen von der Elektromobilität begeistern. Neben dem breiten Markthochlauf der batterieelektrischen Elektromobilität sind erneuerbare Kraftstoffe ein entscheidender Hebel zur Treibhausgasminderung im Verkehr. Diese sollten insbesondere in schwer elektrifizierbaren Verkehrssektoren wie dem Luft- und Seeverkehr zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wird auf Verkehrsvermeidung und -verlagerung gesetzt. Die Industrie ist dabei EU-weit gefordert, denn Mobilität macht nicht an den Grenzen halt. Eine grenzenlose Technologieoffenheit ist jetzt gefragt.

Was sind in Ihren Augen die größten Hebel und Chancen für mehr Nachhaltigkeit in der Automobil-Industrie?

Für die Erreichung der Klimaziele ist der größte Hebel, dass die CO2-Flottengrenzwerte eingehalten und die somit faktischen Zulassungsverbote für Verbrenner in der EU ernst genommen werden. Denn zwei Drittel der in Deutschland produzierten Fahrzeuge werden in EU-Länder exportiert, die bereits nationale Pläne für Zulassungsverbote von Verbrennungskraftmaschinen erlassen. Dazu sollten die Produktionskapazitäten von E-Fahrzeugen erhöht, die Produktpalette vervielfältigt und der Vertrieb von E-Fahrzeugen gestärkt werden, inklusive Aus- und Weiterbildung des Personals. Zudem sollten die Kundenwünsche nach klimafreundlichen Antrieben stärker berücksichtigt und Kosten-, steuerliche sowie Umweltvorteile als Verkaufsargumente genutzt werden. Um die finanzielle Vorteilhaftigkeit von Elektrofahrzeugen gegenüber Verbrennungsfahrzeugen zu verdeutlichen, sollte statt des Kaufpreises die Gesamtkosten der Fahrzeugnutzung, die Total Cost of Ownership TCO, aufgezeigt werden. 

Der Verkaufsfokus ist außerdem nicht allein auf große Fahrzeuge mit hohen Reichweiten auszurichten. Vielmehr sollten Fahrzeuge entwickelt werden, die den Markterfordernissen entsprechen. Durchschnittlich werden in Deutschland am Tag 37,8 km mit einem Auto zurückgelegt. Große Reichweiten werden nur selten benötigt. Dazu ist eine Teilnahme der Industrie an der im Koalitionsvertrag vereinbarten Strategieplattform "Transformation Automobilwirtschaft" erforderlich. 

Die Weiterentwicklung des Recyclings von Komponenten und Systemen batterieelektrischer Fahrzeuge sowie von innovativen Ladetechnologien ist für eine langfristig nachhaltige Kreislaufwirtschaft – Stichwort Ressourcenverfügbarkeit – unabdingbar. Zudem leisten bidirektionales Laden und die Nutzung der E-Fahrzeuge als Energiespeicher perspektivisch einen wichtigen Beitrag innerhalb der Stromnetze zur Sektoren- und Netzkopplung.

Was erwarten Sie vom diesjährigen Sustainability Award?

Ich freue mich auf spannende Vorschläge, die in die Tat umgesetzt werden, ohne nur leere Worte zu bleiben. Es ist besser gut zu handeln als gut zu reden.

Zur Person

Stefanie Wolff, promovierte Energieökonomin, ist Programm-Managerin Elektromobilität bei der NOW GmbH, der Umsetzerin von Bundesförderprogrammen im Bereich nachhaltige Mobilität und Energieversorgung. Als E-Mobilitätsexpertin liegt ihre Expertise an der Ladesäule, der Schnittstelle von Energie- und Verkehrswende und in der Energieverhaltensökonomik. Ihr vielschichtiges verkehrs- und energieökonomisches Fachwissen fußt auf internationalen sowie interdisziplinären Forschungsprojekten an der RWTH Aachen. Im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr verantwortet sie bei der NOW die wissenschafts- und umsetzungsorientierte Perspektive der Marktvorbereitung und -aktivierung batterieelektrischer Mobilität, insbesondere die Elektrifizierung von Flotten in gewerblicher und kommunaler Anwendung.

Alle Informationen... 

... zum Sustainability Award in Automotive 2022 finden Sie auf unserer Awardseite und auf der Webseite von Arthur D. Little. Die Bewerbungsphase für Unternehmen läuft bis zum 28. Februar.

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