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Nachhaltige Unternehmen performen besser

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Haben Unternehmen Nachhaltigkeit umfassend in ihre Geschäftsmodelle und die Organisation integriert, profitieren sie von einer deutlich positiveren Geschäftsentwicklung als die nicht-grüne Konkurrenz, ergibt eine Studie.

Nachhaltiges Wirtschaften steht nicht im Widerspruch zu Gewinn und Wachstum. 


Umwelt- und Klimabewusstsein lohnt sich. Und zwar nicht nur für die Gesellschaft oder die Natur, sondern auch für jene Unternehmen, die sich voll und ganz der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Das ist das Kernergebnis der Studie "Tech for Progress 360: Accelerating climate action with data-led insight", für die der Professional-Service Dienstleister Genpact im Herbst 2021 Führungskräfte global ausgerichteter Unternehmen befragte. Knackpunkt beim Erreichen von ehrgeizigen Klimazielen ist der konsequente Einsatz von Technologie.

Empfehlung der Redaktion

2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

Nachhaltigkeitsreporting 4.0

Reporting wird zu einem Dreh- und Angelpunkt der Transformation. Denn vor dem Hintergrund der EU-Strategie zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wird künftig kein Geschäft mehr ohne den Nachweis nachhaltigen Handelns erfolgreich sein. 

Technologien bringen Sustainable Leader nach vorne

Die Online-Erhebung mit rund 510 Teilnehmenden aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Australien, Japan und Kanada ergab, dass 58 Prozent der nachhaltig agierenden Unternehmen für die vergangenen beiden Jahre eine gute Geschäftsentwicklung verzeichnen können. Bei den wenig grünen Firmen trifft das nur auf 40 Prozent zu. Sustainable Leader haben auch bei der Einführung neuer Technologien die Nase vorn. Rund 70 Prozent gaben an, damit ökologische und nachhaltige Praktiken vorangetrieben zu haben. 

Die Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) hat bereits die Hälfte der ökologisch ausgerichteten Unternehmen erkannt, die Vorteile von Advanced Analytics immerhin 40 Prozent. Nachhaltigkeitsanfänger setzen dagegen deutlich seltener auf den Wert moderner Technologien zum Erreichen von ESG-Zielen (40 Prozent). Dies verdeutliche nach Interpretation der Studienexperten die Kluft zwischen Führungskräften, die es verstehen, mit KI, Daten und Analytics bleibende Werte für ihre Unternehmen zu schaffen und Führungskräften, denen dieses Bewusstsein fehlt. Und auch der Ländervergleich offenbart, wo die Hausaufgaben der Unternehmen für Umwelt, Soziales und eine verantwortungsvolle Unternehmungsführung (ESG) noch nachgebessert werden müssen.

Deutsche Unternehmen erkennen ihre Potenziale nicht

So fällt auf, dass das Thema ESG-Reporting in Deutschland zwar überdurchschnittlich wichtig ist, es jedoch seltener verbindliche Ziele gibt, mit denen Kennzahlen abgeglichen werden. Überdurchschnittlich ist auch die Häufigkeit, mit der Befragte aus Deutschland Vorschriften und Regularien als maßgebliche Treiber für datengestützte ESG-Initiativen nennen (32 Prozent). Das Thema Return of Investment (ROI) spielt in Deutschland außerdem eine größere Rolle als in anderen Ländern. An erster Stelle der Technologien rangiert für die Hälfte der aus Deutschland Befragten die Künstliche Intelligenz – so sehen das nur noch die Teilnehmer aus den USA. Advanced Analytics belegt in Deutschland allerdings nur Platz vier von fünf vorgeschlagenen Technologien. 

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten gelte es, ESG-Risiken, die sowohl einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt als auch die eigene Zukunftsfähigkeit und Rentabilität haben, zu identifizieren, managen und minimieren, raten die Experten. Die Kombination von Advanced Analytics, KI und Automatisierung mit menschlichem Urteilsvermögen spiele dabei eine entscheidende Rolle. Dass Unternehmen ohne Data & Analytics in puncto Nachhaltigkeit nur schwer von der Stelle kommen werden, bestätigt auch die Studie "Nachhaltigkeit durch Digitalisierung" von F.A.Z. Research. Die 266 online befragten Entscheiderinnen und Entscheider aus Wirtschaft und Verwaltung finden außerdem, dass Potenziale beim automatisierten Erfassen und Überwachen von Daten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht ausgeschöpft sind. Fehlt Unternehmen der Überblick über ihre Umweltrisiken und verspielen sie damit Wettbewerbsvorteile?

Nachhaltigkeitsdaten erfassen und auswerten

"Intrinsisch motiviert und aus Gewohnheit", so sollten sowohl die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen als auch modernes Reporting im Mindset von verantwortungsvoll agierenden Unternehmen verankert werden, findet Springer-Autor Thorsten Grantner im Buchkapitel "Vom Managementsystem zur integrierten Berichterstattung" (Seite 192). Vorausgesetzt wird ein ernsthaftes Interesse am Bewältigen sozialer und ökologischer Hausforderungen. Das Erfassen und Analysieren von aktuellen, relevanten und aussagekräftigen Daten müsse den gleichen internen Stellenwert erhalten wie das Managen finanzieller Leistungskennzahlen. Gelingt das und wird die Steigerung der ökologischen und sozialen Wertschöpfung zum Unternehmensziel einer Organisation, dann hat sie den Wandel zum "For-Purpose-Unternehmen" (Seite 178) vollzogen. Praktische Unterstützung liefern dabei Managementsysteme zur integrierten Berichterstattung. 

Umweltrelevante Daten effizient erheben

Wie Unternehmen, vor allem die sogenannten Nachhaltigkeitsanfänger, ihre umweltrelevanten Daten effizient erheben und als Gewohnheit im Unternehmen implementieren können, zeigt das folgende schrittweise Vorgehen (Seite 181):

  1. Die für die Organisation und ihre Stakeholder wesentlichen Daten inklusive deren Nutzen sowie erwartete und benötigte Aussagekraft im Vorfeld korrekt festlegen;
  2. Entstehungsorte und -zeitpunkte der Daten identifizieren;
  3. Datenerhebung während der laufenden Prozesse so stark automatisieren beziehungsweise digitalisieren wie möglich;
  4. den Mitarbeitenden den Sinn und Wert der digitalisierten oder automatisierten Datenermittlung erläutern;
  5. Beschäftigten den Spaß bei der Datenerhebung vermitteln, wenn Daten händisch erhoben werden;
  6. die Datensammlung und deren Zusammenführung möglichst automatisieren;
  7. Datenanalysen regelmäßig durchführen;
  8. die Analyseergebnisse plausibilisieren;
  9. regelmäßig in kurzen Abständen durch das Top-Management bewerten, Maßnahmen ableiten und
  10. darauf aufbauend die Berichterstattung generieren, die idealerweise bereits digitalisiert während der Schritte 6, 7, 8 und 9 in den Bericht einfließen.
  11. Zudem ist es hilfreich, regelmäßig Schritt 1 zu reflektieren, mit Fragen wie: Was wollten wir eigentlich herausfinden? Bringen uns diese Ergebnisse weiter? Welchen Wert erzeugen diese Ergebnisse für unsere Stakeholder?

Übrigens: Welchen Beitrag leisten Sie derzeit zur Erzielung von tatsächlicher Nachhaltigkeit, fragt Springer-Autor Ralph Thurm. In seinem Buchkapitel klärt er auf über Ratings, Rankings und Indices als "Übersetzungsleistung der Unternehmensperformance" und zum Ermöglichen von Benchmarks. Die wiederum würden auch als kommerzielle Produkte und Entscheidungskriterium zur Anlagenunterstützung von Investoren und Kapitalgesellschaften genutzt. "Eine Aussage zum Grad der Nachhaltigkeit der Unternehmen ist damit nicht möglich. Dies liegt einfach an der Prolongation der ESG-Daten in den Bereich des Benchmarkings." (Seite 197).

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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