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10.01.2023 | Nachhaltigkeit | Kolumne | Online-Artikel

Energiesektor muss bei Nachhaltigkeit Vorbild sein

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verfasst von: Martin Schulz, Partner & Direktor, Leiter Solution Group Energie und Umwelt bei der Atreus GmbH

Das Jahr 2022 hat deutlich gezeigt, wie dringend die Energiewende ist. Manager und Unternehmen des Energiesektors sind gefordert, diese Transformation nachhaltig zu gestalten. Dabei spielt die Dekarbonisierung des Energiesystems eine entscheidende Rolle.

Das energiewirtschaftliche Dreieck aus Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit war selten relevanter als heute. Es gilt, zu dekarbonisieren und Energie dabei als Lebensgrundlage für private, öffentliche und Industrieverbraucher bezahlbar und sicher zu gestalten. Das globale Umbauprogramm dazu ist klar: Erforderlich sind ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, der Übertragungs- und Verteilnetze, ein verstärkter Fokus auf Energieeffizienzmaßnahmen sowie ein intelligenter Abgleich von Angebot und Nachfrage. In folgenden Bereichen liegt dabei großes Potenzial.

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Geschäftsmodell Nachhaltigkeit

Ökologische und soziale Innovationen als unternehmerische Chance

Dieses Praxishandbuch vermittelt, neben den theoretischen Grundlagen für die Bewertung von Nachhaltigkeit, eine positive Haltung zu ökologischen und sozialen Geschäftsmodellen.

Sektorkopplung

Energie muss breit gedacht und es sollte verstärkt außerhalb der Industriesilos gehandelt werden. Große Potenziale liegen in der Zusammenarbeit zwischen der Energiewirtschaft und der Industrie, zum Beispiel bei der CO2-freien Produktion, der Wohnungswirtschaft rund um lokale, autarke Versorgung sowie des Verkehrs, wenn es um Flotten als Energiespeicher geht. 

Digitalisierung und Daten

Das Nachhaltigkeitspotenzial aus verstärkter Digitalisierung, Datensammlung und KI-Algorithmen ist riesig. Intelligente Prognosen und wirtschaftliche Anreize können sowohl den Energieverbrauch massiv senken als auch die zeitliche Nutzung von Energie signifikant beeinflussen. Und neue Geschäftsmodelle werden möglich, unter anderem im Feld Energy as a Service.

Kooperationen

Gerade mittelständische Unternehmen, die Energie bis dato als reinen Zukauf betrachtet haben, können von der engen Zusammenarbeit mit Energieversorgern, Technologiefirmen und Start-ups sowie lokalen Akteuren profitieren. Darüber hinaus wird ein übergreifender Schulterschluss benötigt, um Deutschland als Industrieland weiter zu stärken. Energie ist teilweise bereits heute zur Standortfrage geworden.

Innovationen

Signifikante Investitionen in neue Technologien müssen getätigt werden, um die Effizienz und Wirkungsgrade zu erhöhen, weniger Energie zu verbrauchen und intelligente Speicherlösungen zu kreieren. Es gilt, ganzheitliche Lösungen anzustreben, die sowohl Strom als auch Wärme, also Elektrifizierung und stoffliche Energieträger wie etwa grünen Wasserstoff berücksichtigen.

Nachhaltigkeitsagenda konsequent umsetzen 

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist also kein Erkenntnisproblem. Der Weg zu bezahlbarer, zuverlässiger und nachhaltiger Energie muss konsequent weiter gegangen und dabei insbesondere ehrgeizige Ziele im Hinblick auf die CO2-Reduktion gesetzt werden. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, Nachhaltigkeitskonzepte in das Unternehmen und die Governance-Strukturen einzubetten. Zudem gilt es, die Auswirkungen des eigenen Handelns nicht nur zu verstehen, sondern auch zu messen und um die Umsetzung sicherzustellen. 

Nachhaltigkeit bedeutet Veränderungen, Chancen und Risiken, Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit sowie den Unternehmenswert zu steigern. Daher gehört Sustainability auf die Aufsichtsrat- und insbesondere auf die CEO-Agenda. Sie ist also Chef-Sache. Für das Management eines Unternehmens ergeben sich dabei viele Fragen. Der Druck, die eigene Organisation weiter zu transformieren, steigt – aber auch die Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen und dadurch entstehende Wachstumschancen zu nutzen. 

Im Bereich Erzeugung sind der Entwurf einer Strategie für erneuerbare Energien, die Bewertung neuer Technologien, die Erstellung zugrunde liegender Business Cases und der Aufbau eines grüneren Portfolios notwendig. Mit Blick auf die Kunden sollte die Vermarktung von grüner Energie und die Anpassung der Angebote an neue Kundenanforderungen, etwa im Bereich Energieeffizienz und Digitalisierung, im Fokus stehen. In Sachen Kreislaufwirtschaft lauten die Aufgaben: Vorrang für erneuerbare Energien, Maximierung der Wiederverwertbarkeit von Assets sowie Verwertung von Nebenprodukten. Auch im Bereich Gesundheit und Arbeitsschutz ist die Implementierung eines Managementsystems für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt zielführend und notwendig.

Es sollte eine kommunizierbare und begeisternde Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und anhand von Klimaszenario-Analysen und Resilienztests für verschiedene Zukunftsszenarien überprüft werden. So entstehen Vision, Mission und Strategie für Nachhaltigkeit sowie Leitplanken für die Transformationsagenda.

Hohes Maß an Transparenz und Kreativität erforderlich

Transparenz zu schaffen, kommt also eine entscheidende Rolle zu. Doch welche Nachhaltigkeitskennzahlen sind dafür relevant? Auf dem Weg zur Klimaneutralität ist zirkuläres "End-to-end"-Denken und -Handeln gefragt. Daher ist wichtig, vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen für die Wirksamkeit von Maßnahmen einzubeziehen und ein hohes Maß an Transparenz, Steuerungsmechanismen und Kreativität zu investieren.

Sich wissenschaftsbasierte Ziele zu setzen, erhöht den effizienten Austausch mit den Zulieferern. Durch Digitalisierung sollten Prozessdaten über alle Wertschöpfungsstufen erhoben, analysiert und bewertet werden. Auf dieser Basis können dann anspruchsvolle Ziele im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie und den Business Cases definiert werden. 

Authentisches Vorleben durch das Management ist essenziell

Ein Nachhaltigkeits-Transformationsprogramm sorgt für eine tiefgreifende Umsetzung: vom Messen zum Handeln. Um Nachhaltigkeit dabei tatsächlich in der Unternehmenskultur zu verankern, ist eine klare gemeinsame Definition von Nachhaltigkeitsmaßnahmen und deren Treibern, aber auch Management-Mitglieder, dies diese vorleben, essenziell. 

Nur so gelingt die Umsetzung auf den Ebenen Organisation, Prozesse und Kultur unter Einbeziehung aller Mitarbeitenden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass unternehmerische Entscheidungen vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit immer komplexer werden. ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) und verschärfte gesetzliche Auflagen Bestandteil fließen daher in jede Investment-Entscheidung und jeden Wertschöpfungsprozess ein. Auch Eigenkapital und Kredite zur Finanzierung von Maßnahmen erfolgen verstärkt unter ESG-Gesichtspunkten.

Nicht zuletzt gilt die Nachhaltigkeitsberichtspflicht zusätzlich für einen immer größeren Kreis von Unternehmen. Ein Reporting Dashboard mit den wichtigsten Kennzahlen sollte zur kontinuierlichen Standortbestimmung dienen, um die Auswirkungen auf Geschäftstätigkeit und den Wert für die Gesellschaft zu messen. 

Fazit: Transformationsagenda stringent angehen

Die Bedeutung einer Nachhaltigkeitsstrategie für den Energiesektor ist schon lange virulent. Die Herausforderung im ESG-Umfeld besteht daher nicht in einem Erkenntnisproblem, sondern in einer stringenten und mutigen Umsetzung einer Transformationsagenda. Dabei muss das Thema ein CEO- beziehungsweise Management-Thema und im Unternehmen durchgängig verankert sein. Nur so kann der Energiesektor industrieübergreifend eine Vorbildrolle beim Thema Nachhaltigkeit einnehmen.

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