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05.12.2016 | Nachhaltigkeit | Interview | Onlineartikel

"Acht Kriterien für verantwortliche Forschungsprozesse"

Autor:
Günter Knackfuß
3 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Dipl.-Ing. Cornelia Reimoser

ist die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Fraunhofer Gesellschaft.

Die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Fraunhofer-Gesellschaft, Cornelia Reimoser, erklärt die Hintergründe zum "Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen".

Springer Professional: An welche Zielgruppe wendet sich die von ihnen wissenschaftlich betreute Handreichung?

Cornelia Reimoser: Sie richtet sich an die Leitungsebene von Forschungseinrichtungen, also Institutsleitungen oder Vorstände und natürlich auch an all jene, die an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Thematik interessiert sind. Daneben werden zielgruppenspezifische Informationen für Wissenschaftler/innen sowie Bau- und Personalverantwortliche in Form von fact sheets über eine Website (www.nachhaltig-forschen.de) zur Verfügung gestellt.

Welche Schwerpunkte setzt sich die Wissenschaft für eine nachhaltige Forschung?

Die Gestaltung der Forschungsprozesse – zunächst unabhängig vom Forschungsgegenstand und daher anwendbar auf die Breite unserer Themenfelder – wurde sehr intensiv bearbeitet. Ergebnis ist ein Reflexionsrahmen, der acht Kriterien für gesellschaftlich verantwortliche Forschungsprozesse umfasst und damit das "Wie" der Forschung systematisiert. Er adressiert Anforderungen bezüglich gesellschaftlicher Verantwortung in Forschungsprozessen aller Forschungsfelder und erfordert eine Auseinandersetzung mit möglichen Zielkonflikten. Zu den Kriterien gehören u.a. Ethik, Integrative Herangehensweise, Interdisziplinarität und Nutzerorientierung.

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Forschung für Nachhaltigkeit

Das Leitbild eines innovativen Deutschlands prägt die Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung. Ziel ist, Deutschland auf dem Weg zum Innovationsführer in Europa und der Welt voranzubringen. 


Während des dreijährigen Diskussionsprozesses gab es auch kritische Stimmen…

Selbstverständlich! Aber Kritik ist natürlich auch immer ein Ansporn zu zeigen, dass es geht: drei so große Organisationen wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Leibniz-Gemeinschaft können gemeinsam ein Ergebnis erzielen, das trotz der Unterschiede in Organisationskultur, Mission und Struktur aussagekräftig und konkret ist.

Wie soll das "Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen", kurz LeNa-Projekt jetzt umgesetzt werden?

Die jeweiligen Verantwortlichen in den Organisationen werden sich mit der Umsetzung beschäftigen – wir fangen nicht bei Null an, dennoch beinhaltet der Ansatz auch wirklich Neues. Der Herausforderung, wie etwa die acht Kriterien des Reflexionsrahmens tatsächlich in den Forschungsprozess integriert werden und welche internen Anreiz- und Qualifizierungssysteme dafür notwendig sind, wird sicher in jeder Einrichtung anders begegnet. Wir haben vor, einen Austausch über unsere Umsetzungsstrategien zu pflegen, um uns gegenseitig zu beflügeln. Veränderungsprozesse benötigen viele Jahre, sind eventuell auch unbequem und aufwendig. Wir brauchen Leuchttürme ebenso wie Ausdauer.

Inzwischen wurde auch eine neue Initiative gestartet für nachhaltige Hochschulen. Wie hängt dies mit ihrem Projekt zusammen?

Wir sind über gemeinsame Berufungen, Kooperationsprojekte und die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses eng mit Hochschulen verknüpft. Der gemeinsame Nenner ist die Forschung, es wäre natürlich optimal, ein ähnliches Verständnis zu haben. Das Hochschulprojekt wird die Diskussion in der Forschungscommunity mit Sicherheit um einen spannenden Beitrag bereichern – darauf freue ich mich sehr, denn die Verantwortung für eine Nachhaltige Entwicklung sollte ein forschungspolitisches Thema bleiben, das weiterhin in Eigenverantwortung gestaltet wird. Die beiden Projekte können sich gegenseitig in vieler Hinsicht befruchten.

Sie haben für die Fraunhofer-Gesellschaft den ersten Nachhaltigkeitsbericht erarbeitet. Was kennzeichnet diese Analyse vor allem?

Unser Bericht leitet sich nicht aus einer ökologisch orientierten Umweltberichterstattung ab, sondern setzt auf eine langfristige Integration von Nachhaltigkeit in unsere Corporate Governance. Die Beschäftigung damit war auch Ausgangspunkt für das LeNa-Projekt: Wir wollten ein breites Verständnis für den Nachhaltigkeitskontext in Bereichen wie etwa "Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft", "Ethik", "Compliance" oder "Personalentwicklung" herstellen – das ist auch gelungen. Kürzlich haben wir unseren zweiten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. 

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