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31.01.2018 | Nachhaltigkeit | Im Fokus | Onlineartikel

Konsum als Hemmschuh für nachhaltigen Fortschritt

Autor:
Matthias Schwincke
3 Min. Lesedauer

Die UN-Agenda 2030 ist seit 2015 eine beschlossene Sache. Doch welcher Weg führt zum Erfolg? Deutsche Wissenschaftler haben dafür die Nachhaltigkeitsziele genauer unter die Lupe genommen.

Seit September 2015 steht der globale Fahrplan für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 fest. Die von allen Staaten der Welt beschlossene UN-Agenda "Transforming Our World" umfasst allerdings nicht weniger als 17 übergeordnete Ziele, die aus 169 spezifischen Zielen bestehen. Negative und positive Wechselwirkungen innerhalb und zwischen einzelnen Zielen beinhalten eine zusätzliche Herausforderung. 

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2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

DAS KONZEPT DER NACHHALTIGKEIT

„Nachhaltigkeit“ ist der zentrale Begriff der Studie. Zunächst wird als Ausgangspunkt das Nachhaltigkeitsverständnis der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt. Anschließend werden die Bezüge der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie kritisch gewürdigt.


Für eine erfolgreiche politische Umsetzung ist eine genaue Kenntnis dieser potenziellen Synergien und Konflikte daher von größter Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat ein Team von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals eine umfassende und datengestützte Untersuchung zu den Wechselwirkungen der UN-Nachhaltigkeitsziele unternommen.

Pionier-Studie zur UN-Agenda 2030

Die 10-seitige Veröffentlichung mit dem Titel "A Systematic Study of Sustainaible Development Goal (SDG) Interactions" liefert die erste vollständige Quantifizierung von Synergien und Konflikten innerhalb und zwischen den SDGs. Auf der Basis von UN-Daten zu 122 Indikatoren für 227 Länder zwischen 1983 und 2016 kommt die PIK-Analyse dabei unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Innerhalb der SDGs gibt es global betrachtet weit mehr positive als negative Wechselwirkungen, vor allem bei den Zielen "Keine Armut" (SDG 1), "Gesundheit und Wohlergehen" (SDG 3), "Hochwertige Bildung" (SDG 4), "Weniger Ungleichheiten" (SDG 10), "Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion" (SDG 12) und "Maßnahmen zum Klimaschutz" (SDG 13).
  • Zwischen den einzelnen SDGs zeigen sich weltweit gesehen sowohl positive als auch negative Interaktionen. Die Ziele "Keine Armut" (SDG 1) und "Gesundheit und Wohlergehen" (SDG 3) besitzen eine positive Beziehung mit den meisten anderen Zielen. Die SDG "Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion" (SDG 12) sowie  "Leben an Land" (SDG 15) stehen mit anderen Zielen zumeist in einem Spannungsverhältnis.
  • Auch auf Länderebene überwiegen die positiven Wechselwirkungen zwischen den SDGs. Der Anteil der Synergien beträgt in allen untersuchten Staaten über 40 Prozent, in 70 Staaten sogar über 60 Prozent. Der Anteil der Zielkonflikte liegt in fast allen Staaten unter 50 Prozent, in 140 Staaten unter 40 Prozent.
  • In der Länderperspektive besitzt das Ziel "Gesundheit und Wohlergehen" (SDG 3) die meisten positiven Wechselbeziehungen mit anderen Nachhaltigkeitszielen. Der potenziell größte Positivhebel besteht dabei zwischen den Zielen "Gesundheit und Wohlergehen" und "Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen" (SDG 3 und 6), mit einer möglichen Auswirkung auf rund 3 Milliarden Menschen.
  • Der größte vermeintliche Zielkonflikt besteht zwischen den Zielen "Gesundheit und Wohlergehen" und "Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion" (SDG 3 und 12). In 121 Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von insgesamt 3,4 Milliarden Menschen rangiert dieser an oberster Stelle.

Deutschland in sehr guter Startposition

Im Rahmen der länderspezifischen Auswertung nahmen die PIK-Wissenschaftler auch Deutschland unter die Lupe. Da für einige Indikatoren keine UN-Daten vorliegen, fehlt zwar ein vollständiges Bild. Auf der verfügbaren Basis zeigen sich jedoch ebenfalls zumeist Synergien innerhalb und zwischen SDGs. Dies gilt vor allem für acht der insgesamt siebzehn Nachhaltigkeitsziele, darunter auch die global eher mit Konfliktpotenzial behafteten Ziele "Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion"  und "Leben an Land" (SDGs 12 und 15). Damit befindet sich Deutschland zumindest in einer sehr guten Startposition für eine erfolgreiche Umsetzung der Agenda 2030. Ob eine unveränderte Fortsetzung der bisherigen Anstrengungen allerdings ausreichen wird, lässt sich noch nicht beantworten. Einen wichtigen Erfolgsfaktor in diesem Zusammenhang beleuchtet die Springer-Autorin Rosemarie Stibbe im Buchkapitel Globales Life-Cycle-Controlling (LCC): Footprint-Indikatoren erobern die Praxis. Demnach hängt eine erfolgreiche SDG-Umsetzung auch an der Sicherstellung der Makro-Meso-Mikro-Kompatibilität der eingesetzten Indikatoren bzw. einer zielorientierten vertikalen und horizontalen Koordination sämtlicher Entscheidungsebenen sowie an einem konsequenten Fortschritts-Controlling.

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