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23.10.2019 | Nachhaltigkeit | Im Fokus | Onlineartikel

Finanzbranche muss Strategien auf Nachhaltigkeit trimmen

Autoren: Christoph Betz, Thilo Kasprowicz, Markus Quick, Maren Schmitz, Dr. Sebastian Rick, Dr. Roman Schulze und Gerald Rosenfeld (alle Partner, Senior Manager oder Manger im Bereich Financial Services bei KPMG)

Der Klimawandel könnte nach jüngsten Berechnungen weltweit bis zu 550 Billionen US-Dollar kosten. Finanzakteure müssen daher künftig Nachhaltigkeitsrisiken stärker berücksichtigen und ihre Strategien kritisch hinterfragen.

Laut Merkblatt der Bafin von Ende September umfassen Nachhaltigkeitsrisiken neben Ereignissen oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung auch klimabezogene Risiken in Form von physischen und Transitionsrisiken ein. Erste entstehen als direkte und indirekte Folgen sowohl aus einzelnen Extremwetterereignissen als auch langfristigen Veränderungen klimatischer und ökologischer Bedingungen. Zweite sind Folge von Anpassungsprozessen bei der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft und einer damit verbundenen Verdrängung kohlenstoffintensiver Technologien sowie der Verteuerung oder Verknappung fossiler Energieträger.

Allen ist jedoch gemein, dass sie sich auf die klassischen Risiken des Finanzsektors wie etwa Kredit-, Marktpreis- und Liquiditätsrisiken auswirken und auch auf die Reputation der Finanzinstitute niederschlagen können. Das ist etwa der Fall, wenn Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen mit hohen Nachhaltigkeitsrisiken bestehen, die bei Kunden oder Mitarbeitern den Eindruck hinterlassen, dass nur unzureichende Nachhaltigkeitsanstrengungen unternommen werden.

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Bafin-Merkblatt liefert mögliche Lösungen

Das Bafin-Schreiben liefert zwei mögliche Ansätze zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. Entweder kann eine eigenständige Strategie entwickelt oder bestehende Strategien entsprechend um Nachhaltigkeitsaspekte ergänzt werden. Der erste Ansatz wirkt sich besonders positive auf die Reputation aus, da das Unternehmen ein klares Zeichen nach innen und außen sendet und einen bewussten Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken untermauert. Klar ist, dass sich die neue Strategie deutlich von den bisherigen Unternehmensleitsätzen abgrenzen muss. Eine Integration in bestehende Strategien vermeidet solche Überschneidungen, wird aber im Zweifel den Charakteristika von Nachhaltigkeitsrisiken nicht ausreichend gerecht.

Welcher Weg der bessere ist, bedarf einer rumfassenden Überprüfung der Geschäfts- und Risikostrategie. Für die das Bafin-Merkplatt eine Checkliste enthält:

Leitfragen der Bafin  

Geschäftsstrategie

  • Welche Geschäftsfelder sind einem transitorischen Risiko ausgesetzt? Ist das Risiko wesentlich?
  • Sollen die betroffenen Geschäftsfelder fortgeführt, eingeschränkt oder umgestaltet werden?
  • Soll gegenüber Kunden mit wesentlichen Nachhaltigkeitsrisiken in einen Dialog eingetreten werden, wie solche Risiken in Zukunft gemindert oder abgebaut werden können?
  • Ergeben sich aus den physischen oder transitorischen Risiken und dem stärkeren Nachhaltigkeitsbewusstsein von Investoren und Kunden notwendige beziehungsweise sinnvolle Anpassungen des Geschäftsmodells?

Risikostrategie

  • Hätte es nachteilige Auswirkungen auf verbindlich vorgegebene Kennzahlen wie etwa Kapitalquoten, wenn sich Nachhaltigkeitsrisiken realisieren würden?
  • Welche Stresstests einschließlich Szenarioanalysen wurden zu Nachhaltigkeitsrisiken durchgeführt?
  • Wie ist mit dem Zeithorizont von physischen und Transitionsrisiken umzugehen?
  • Können die Prozesse zur Identifikation, Messung, Steuerung und Berichterstattung von Nachhaltigkeitsrisiken systematisch oder punktuell verbessert werden?

Verantwortlichkeiten klar kommunizieren

Die Verantwortung für die Geschäfts- und Risikostrategie sowie deren Kommunikation und Umsetzung liegt bei der Geschäftsleitung. Dies umfasst unter Umständen auch die Erstellung eines angemessenen Notfallplanes. Daher ist es essenziell, dass die Geschäftsleitung ihr Verständnis für signifikante Nachhaltigkeitsrisiken einschließlich der physischer und Transitionsrisiken stetig weiterentwickelt.

Neben der Geschäftsleitung liegt das Nachhaltigkeitsmanagement auch in den Bereichen Controlling, Compliance und der Internen Revision. Wichtig ist, hier klare Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zu benennen und im Rahmen der Organisationsrichtlinien zu dokumentieren sowie in die bestehende Prozesslandschaft zu integrieren. Dies umfasst beispielsweise den gesamten Prozess der Vergabe von Krediten, der Investitionsentscheidungen oder der Auslagerung von Dienstleistungen sowie den anschließenden Kontroll- und Prüfungshandlungen.

Für eine klare Positionierung in der internen und externen Wahrnehmung spielt aber auch eine  transparente Kommunikation eine wichtige Rolle. Hierzu gehört neben dem Ausschluss bestimmter Geschäfte auch das Vorleben des Managements in der täglichen Geschäftspraxis.

Risiko-Controlling hat zentrale Rolle

Die zentrale Rolle kommt allerdings dem Risiko-Controlling zu. Im Vordergrund steht dabei das Management von extern auf die Finanzakteure wirkenden Nachhaltigkeitsrisiken. Die Finanzaufsicht erwartet, dass alle Finanzmarktakteure intensiv und umfassend mit deren Art und Wirkung von auf alle bekannten Risikoarten befassen, ohne dabei den Fokus auf rein finanzielle Auswirkungen auf die Aktiv- und Passivseite einzuschränken. Nachhaltigkeitsrisiken sind folglich in die bestehende Risikolandschaft zu integrieren, um daraus ein neues Risikoprofil abzuleiten.

Zur Steuerung und Begrenzung von Nachhaltigkeitsrisiken im Rahmen von Anlage- und Kreditentscheidungen sowie dem Zeichnungsprozess von Versicherungsrisiken führt die Bafin beispielhaft die folgenden Methoden an:

  • Ausschlusskriterien und Limits auf Basis von eigenen Nachhaltigkeitskriterien für das Eingehen von Geschäftsbeziehungen
  • Positivlisten über bevorzugte Unternehmen, welche die internen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen
  • Best-in-Class Ansatz wonach nur Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen unterhalten werden, welche eigene Nachhaltigkeitskriterien besser als der Rest der Branche umsetzen
  • Normenbasiertes Screening greift die Aspekte der vorgenannten Methoden auf, jedoch werden statt intern definierter Kriterien international anerkannte Kriterien verwendet
  • Im Rahmen des Impact Investing wird ausschließlich in Unternehmen investiert, welche einen positiven Umwelt- und/oder Gesellschaftsbeitrag erzielen wollen
  • Aktives Engagement von Kundenbeziehungen über Dialoge mit Geschäftspartnern oder das Ausüben von Stimmrechten mit dem Ziel einer stärkeren Fokussierung auf Nachhaltigkeit

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