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27.02.2019 | Nachhaltigkeit | Interview | Onlineartikel

"Investitionen in die Infrastruktur können für eine Spitzenreiterrolle Berlins sorgen"

Autor:
Nico Andritschke
Interviewt wurde:
Jürgen Besler

Jürgen Besler ist Geschäftsführer der infrest - Infrastruktur eStrasse e. V. in Berlin.

Die Infrastrukturen Berlins wachsen stark. Bis 2024 werden 5,3 Milliarden Euro in die Verkehrs-, Ver- und Entsorgungsnetze investiert. Herausforderungen und Chancen beim Ausbau benennt Jürgen Besler vom Verein Infrest.

Springer Professional: Berlin wächst weiter und benötigt dafür langfristig eine belastbare und effiziente Infrastruktur. Diese gelangt bereits jetzt schon im Alltag oftmals an ihre Grenzen. Welchen Herausforderungen sieht sich die Stadt gegenüber und wie will sich die Stadt darauf einstellen?

Jürgen Besler: In den Jahren des Sparkurses hat die Infrastruktur in Berlin von der Substanz gelebt. Dazu kamen weitere Rahmenbedingungen, beispielsweise längere Bearbeitungsfristen bei Anord­nungen. Ob Straßen, Brücken, Ver- und Entsorgungsnetze oder der öffentliche Personen­nahverkehr, überall existiert ein Nachholbedarf für Sanierungen und nun Herausforderungen zum Ausbau in der wachsenden Stadt. Aktuell besteht nun die Herausforderung, ein großes Wachstum sowie den Sanierungs­bedarf in den Ver- und Entsorgungsnetzen und der Verkehrswende erfolgreich zu gestal­ten sowie Zukunftsthemen wie den Breitband- und Mobilfunkausbau in Berlin zu bewältigen. Dieses kann nur gelingen, wenn sich alle Akteure in Politik, Verwaltung und Wirtschaft über die Größe der Aufgaben im Klaren sind und die notwendigen Schlüsse daraus ziehen und offen kommunizieren. Letztendlich sind ausreichende und stetige Planungs- und Baukapazitäten sowie Erlaubniskapazitäten in den Behörden und effiziente, abgestimmte digitale Prozesse von den Bauherren bis hin zur Verwaltung die Voraussetzung.

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Wie hoch ist der erforderliche Investitionsbedarf in Verkehrs- sowie Ver- und Entsorgungsnetze und was sind die wichtigsten Projekte?

Die im Verein Infrest – Infrastruktur eStrasse organisierten Infrastrukturunternehmen wie die Berliner Verkehrsbetriebe, Berliner Wasserbetriebe, NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, Stromnetz Berlin und die Wärme Berlin planen im Zeitraum 2019 bis 2024 rund 5,3 Milliarden Euro in die Infrastruktur zu investieren. Darüber hinaus werden das Land Berlin sowie die Bezirke hunderte Millionen Euro für die Sanierung von Straßen, Brücken oder dem Neubau von Radverkehrsanlagen bereitstellen. Die Infrest – Infrastruktur GmbH schafft die digitalen Voraussetzungen dazu.

Ob Smart City, Nachhaltige Stadt oder Europäische Stadt. Es gibt vielfältige Ansätze und Konzepte für eine Stadtentwicklung. Wie muss eine moderne Infrastruktur beschaffen sein, um auf künftige Herausforderungen vorbereitet zu sein?

Sie braucht vorausschauende, transparente und verlässliche Voraussetzungen, eine enge Verzahnung der Beteiligten sowie konzeptionelle Betrachtungen für die Zukunft. Ein Beispiel kann dieses darstellen: Wo werden eine große Anzahl von Wohneinheiten errichtet, wie können diese infrastrukturell angeschlossen werden beziehungsweise Ver- und Entsorgungsnetze innerhalb der bestehenden Infrastruktur vorausschauend verstärkt beziehungsweise ausgebaut werden, um hier diese zuverlässig termingemäß anzuschließen. Bei dieser Betrachtung werden die Verzahnungen der Smart City zu Wirtschaft, Technik und Mensch die miteinander vernetzt sind, nicht weiter betrachtet. Auch die Fortschritte und Innovationen an den drei Säulen Ökonomie, Ökologie, Soziales und deren Nachhaltigkeit sowie Zukunftsfähigkeit zur Verbesserung der Lebensqualität sind in der Beantwortung außen vor. Ein in 2018 gegründeter Arbeitskreis aus verschiedenen Partnern befasst sich gerade damit, Smart City in Berlin zu beschreiben. 

Welche Chancen können sich aus dem urbanen Wachstumsprozess ergeben?

Es ergibt sich die Chance, dauerhaft die Grundlagen für eine ökonomisch starke Zukunft Berlins zu legen. Die Investitionen sollen dauerhaft die Basis schaffen, für eine effiziente und funktionierende Infrastruktur. Gerade mit dem Breitband- und Mobilfunkausbau und der kommenden 5G-Generation kann eine Spitzenreiterrolle für ein attraktiveres Umfeld für Unternehmen und Investoren geschaffen werden, in Verbindung mit einer lebenswerteren Stadt für die Bürger. Ein prosperierendes Umfeld bietet auch die Chance für ein langanhaltendes Wachstum und die weitere Ansiedlung und Etablierung neuer Wirtschaftszweige wie der Digitalwirtschaft. Die Investitionen in Infrastruktur stärken auch lohnintensive Branchen wie die Bauwirtschaft und machen den Standort für Touristik dauerhafter attraktiver. Gerade für Berlin liegt hier eine große Chance die Hauptstadtregion auch im europäischen Vergleich besser zu platzieren.

Die Berliner Infrastrukturunternehmen wollen im Bereich der Vernetzung, Digitalisierung und Koordinierung enger zusammenwirken. Was bedeutet das konkret?

Bereits jetzt verwenden die Berliner Infrastrukturunternehmen über Infrest gemeinsame digitale Applikationen wie den Baustellenatlas zur kurz- bis langfristigen Baustellenkoordinierung. Es gibt mit dem Baustelleninformationssystem eine gemeinsame digitale Informationsapp für aktuelle Baustellen, hierbei bietet sich auch die Möglichkeit, hierüber Kontakt aufzunehmen. Über das Nelida-Verfahren bietet die Infrest gemeinsam mit dem Land Berlin und den Bezirken einen einheitlichen digitalen Prozess zur Beantragung von Genehmigungen und Zustimmungen zu Aufbrüchen an. Aktuell wird auch ein gemeinsames Hausanschlussportal entwickelt, um den Bürgern und Investoren zukünftig Hausanschlüsse aus einer Hand bieten zu können. Hinter den gemeinsamen digitalen Systemen wirken aber auch verstärkt gemeinsame Prozesse, die sich aus den Applikationen ergeben. Eine gemeinsame digitale Infrastruktur fördert Zusammenarbeit und Verständnis. Auch Veranstaltungen wie der Infrastrukturgipfel zeigen den starken Willen zur gemeinsamen Arbeit. Dieser Weg der Gemeinsamkeit im Interesse aller wird zukünftig fortgesetzt und da wo es Sinn macht auch verstärkt werden. Weitere Optimierungen wie die Beantragung der verkehrsrechtlichen Anordnungen und einen kompletten medienbruchfreien Austausch zu Erlaubnissen stehen zur Abstimmung an, wie auch Daten in den Mobilitäts-Daten-Marktplatz (MDM) Deutschland zu portieren.

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