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15.05.2017 | Nachhaltigkeit | Interview | Onlineartikel

"Themenschwerpunkte zur nachhaltigen Stadtentwicklung"

Autor:
Günter Knackfuß
Interviewt wurde:
Diplom-Regionalwissenschaftlerin Jennifer Neumann

ist beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) als Projektleiterin tätig.

Wo steht die Forschung zur nachhaltigen Stadtentwicklung? Jennifer Neumann erklärt im Interview mit Springer Professional Hintergründe zum Projekt "Shaping the Future – Building the City of Tomorrow".

Springer Professional: Bei der neuen Initiative "Shaping the Future – Building the City of Tomorrow" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stehen vier Themencluster im Mittelpunkt. Welche sind das?

Jennifer Neumann: Unseren Fokus setzen wir auf die vier Themen "Energie, Ressourcen und Infrastruktursysteme", "Mobilität und Warenströme", "Daten, Informationsgrundlagen und Wissensvermittlung" und "Schnittstellentechnologien", die teils ineinander greifen. Diese Themenschwerpunkte spiegeln die aktuellen Entwicklungen der Forschung zur nachhaltigen Stadtentwicklung wider. Da liegen die Schwerpunkte zum einen auf der alltäglichen Versorgung der Städter mit Energie und Ressourcen, der Bereitstellung von Infrastrukturen, der Optimierung von Mobilität und Warenströmen und der Resilienz der Städte in Zeiten der starken Verstädterung, des Klimawandels und dessen Auswirkungen sowie möglicher Extremereignisse wie terroristischer Bedrohungen. Es rückt zum anderen aber auch eine weitere große Herausforderung der Zukunftsstadt in den Mittelpunkt: die Governance der Stadtentwicklung.

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Infrastruktur, Stadt und Gesellschaft. Eine Einleitung

Der einführende Beitrag bettet den Sammelband in die aktuelle Debatte um städtische Infrastrukturen ein und zielt zugleich auf eine Neujustierung der Infrastrukturforschung ab. Diese Neujustierung betont den dynamischen, relationalen und prozesshaften Charakter dessen, was als Infrastruktur gelten kann.

In die Forschungen sind neben Deutschland fünf Partnerländer eingebunden. Warum haben sie sich so breit aufgestellt?

Keine Nation kann die urbanen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte alleine bewältigen, auch ein Innovationsführer wie Deutschland nicht. In der nachhaltigen Stadtentwicklung ist internationale Kooperation bei Forschung und Entwicklung eine wichtige Voraussetzung, denn wir haben nicht viel Zeit zu verlieren. In wenigen Jahren werden zwei von drei Menschen in Städten leben, deren Versorgungskapazitäten schon jetzt überlastet sind. Unsere Herausforderung dabei ist: das Risiko von Fehlentscheidungen bei der Stadtplanung ist hoch und Fehlentscheidungen sind teuer und ärgerlich, weil sie in 10 bis 20 Jahren noch spürbar und nicht so leicht rückgängig zu machen sind. Das Gute ist: Wir fangen nicht bei null an. Mit den USA, aber auch mit den anderen Partnerländern Kolumbien, Vietnam, Indien und China, verbinden uns langjährige und vertrauensvolle Beziehungen. Deutschland kann auf zahlreiche erfolgreiche Kooperationen, u.a. im Rahmen der BMBF-Zukunftskampagnen, zurückblicken. 

Wie würden sie die Vielfalt der Einzelprojekte bewerten?

Die Vielfalt der Projekte der zehn Netzwerke ist groß und reicht von selbstversorgenden schwimmenden Häusern für überflutete Küstenregionen in Asien über intelligente Verkehrsplanung in kolumbianischen Großstädten bis hin zu satellitengestützten Managementtools für das Recycling von kontaminierten Industriebrachen in nordamerikanischen Metropolen. Jedes einzelne Projekt der Netzwerke widmet sich unterschiedlichen urbanen Problemen, mit denen unsere Partnerländer konfrontiert sind. Wo und wie sollen zum Beispiel die Menschen an der mehr als 3.000 Kilometer langen Küste Vietnams leben, deren Land vom steigenden Meeresspiegel infolge des Klimawandels überflutet und unbewohnbar gemacht wird? Neue und bessere Tools für urbane Resilienz werden nicht nur in Asien, sondern auch im Nordosten der USA gesucht. Stadtplaner und Katastrophenschützer forschen gezielt nach innovativen Werkzeugen, um sich besser auf natürliche oder menschengemachte Extremereignisse vorzubereiten. 

Wo vermuten sie das spannendste Forschungsvorhaben?

Immer wichtiger werden innovative Methoden für das Management und die Governance der nachhaltigen Stadtentwicklung. So dürfte der erfolgreich erprobte experimentelle Ansatz "Urban Design Thinking" des Netzwerks IGSI in Indien auf großes Interesse stoßen. "Urban Design Thinking" überträgt bereits erprobte und bewährte Prozesse der Produktentwicklung auf komplexe Themen der Stadtentwicklung und testet sie in realen "Urban Labs" vor Ort in Indien. Dabei entstehen lebenswerte Räume, zukunftsfähige Infrastrukturen und städtische Innovationen durch integrierte und gemeinschaftliche Arbeitsweisen zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Kommunen. 

In Berlin soll ein Smart City-Kompetenzzentrum entstehen. Was hat es damit auf sich?

Die an der TU Berlin bestehende "Smart City Platform" vereint die diversen Forschungsprojekte an der Technischen Universität Berlin und führt verschiedene Stränge der wissenschaftlichen Ausrichtung zusammen. Ziel ist der Aufbau einer Forschungsplattform bzw. eines Kompetenzzentrums. Gemeinsam mit Partnern und Akteuren aus Kommunen, Forschung, Gesellschaft und Industrie soll das Lab innovative und maßgeschneiderte Konzepte und Umsetzungsstrategien für individuelle Anforderungen in urbanen Räumen entwickeln. Die TU Berlin Smart City Platform verfolgt nationale, europäische und internationale Kooperationen mit Städten, Forschungseinrichtungen, Systemanbietern und lokalen Interessenvertretern. 

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