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25.02.2022 | Nachhaltigkeit | Gastbeitrag | Online-Artikel

Nachhaltigkeit braucht eine kulturelle Transformation

verfasst von: Nico Rudorf

3:30 Min. Lesedauer

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Eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie lebt davon, dass alle Mitarbeitenden eines Unternehmens sie wirklich verinnerlichen. Ob der Wandel gelingt, hängt davon ab, ob sich auch die Unternehmenskultur entsprechend verändert. 

Nachhaltigkeit rückt bei immer mehr Unternehmen in der Prioritätenliste nach oben. Allerdings ist das Thema meist in der Produktentwicklungsabteilung, im Unternehmensreporting oder im Marketing aufgehängt. Selten wird es als kulturelles Transformationsthema betrachtet. Gleichzeitig gilt Unternehmenskultur heute noch immer als Nice-to-have-Attribut beim Employer Branding statt als relevanter Business-Treiber. Dabei schneiden – laut LRNs Benchmark of Ethical Culture – Unternehmen mit der stärksten ethischen Kultur bei allen Faktoren der Business Performance um 40 Prozent besser ab als andere.

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Nachhaltig wird oft nach innen nicht als ganzheitlicher und damit auch nicht als integraler Ankerpunkt wahrgenommen, sondern eher als "Stückwerk" von umweltorientierten Einzelmaßnahmen, die die Mitarbeitenden oft nicht in Verbindung mit dem Thema Nachhaltigkeit bringen.

Nachhaltigkeit darf kein Satellit sein 

Viele Unternehmen legen die Verantwortung für das Thema in die Hände von Sustainability Taskforces oder CSR-Abteilungen. Diese Nachhaltigkeits-Silos kommen jedoch nur schwer an das Kerngeschäft heran. Die Aufgabe, eine Organisation von innen heraus nachhaltiger zu gestalten, ist enorm und braucht deshalb möglichst viele unterschiedliche Hände, die anpacken. Um Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen zu verankern, sollten Entscheider die Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur faktisch auf alle operativen Geschäftsbereiche übertragen. Sie muss auch in den Arbeitsweisen, in der Entscheidungsfindung, in der Priorisierung von Themen und im physischen Arbeitsumfeld für jeden erlebbar werden. Das ist ein Kraftakt, den eine Taskforce allein nicht aufbringen kann.  

Strategie umsetzen heißt Verhalten ändern 

Nachhaltiges Agieren bedeutet, Einstellungen und Umgangsformen zu überdenken und den Wandel vorzuleben. Bleibt Nachhaltigkeit nur eine Worthülse, wird sie schnell als plakative Marketing-Maßnahme enttarnt – wie zuletzt beim Fast Fashion-Gigant Primark, der für seine Primark cares-Kampagne einiges an Kritik einstecken musste. Denn eine Nachhaltigkeitsinitiative, die das grundsätzliche Geschäftsmodell – schnelle Mode zu Discounter-Preisen – und die damit verbundenen Arbeitsweisen ausspart, ist schlicht nicht authentisch.  

Um ganze Organisationen, Teams und Individuen zur Veränderung zu bewegen, braucht es tiefgreifende Maßnahmen. Dazu sind die Nachhaltigkeitsziele auf Team- und Individualebene herunterzubrechen. Die gemeinsame Definition dieser Ziele macht Betroffene zu Mittätern und fördert Verständnis sowie Commitment. Doch Vorsicht: Führungskräfte und Mitarbeitende, die bei der Transformation zwar mitziehen, aber eigentlich nicht überzeugt vom Sinn und Zweck sind, werden zu einem ernst zu nehmenden Hindernis. 

Motivation durch Sinnstiftung

Menschen wollen das Gefühl haben, mit ihrer Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten und Dinge in die richtige Richtung zu bewegen – für sich und für andere. Laut einer Umfrage von Stepstone ist es drei von vier Berufstätigen in Deutschland wichtig, dass Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert bei ihren Arbeitgebern einnimmt.

Darüber hinaus schlummert in den meisten Organisationen viel ungenutztes Innovationspotenzial, das es zu wecken gilt. So ist aus einer Mitarbeiterinitiative heraus der Climathon der BASF entstanden, bei dem Mitarbeitende innovative Produkte und Lösungen im Kontext Nachhaltigkeit und Digitalisierung entwickeln. Nachhaltigkeitsoffensiven sollten folglich so gestaltet sein, dass Mitarbeitende zu aktiven Treibern werden und dass der geleistete Beitrag gesehen und wertgeschätzt wird.

Leuchttürme strahlen nach innen und außen

Nachhaltigkeit sorgt nach innen für Identifikation, nach außen für Anziehungs- und Strahlkraft. Um diese Wirkung zu entfalten, benötigt es die richtigen Leuchtturminitiativen. Die Outdoormarke VAUDE teilt beispielsweise die eigenen Insights zu nachhaltigem Wirtschaften im Rahmen der VAUDE Academy mit anderen Unternehmen, die sich erst auf den Weg in Richtung nachhaltige Transformation machen. Damit positioniert sich das Unternehmen nach außen nicht nur als Experte, es spiegelt auch ein neues, kollaboratives und gemeinwohlorientiertes Verständnis des Wirtschaftens wider, mit dem sich Mitarbeitende identifizieren können. Diese Initiative beweist ernsthaftes Committment und ist für Kunden und Mitarbeitende gleichermaßen relevant.

Neues Wachstum durch kulturelle Transformation 

Ähnlich zur Digitalisierung werden Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten ihre Nachhaltigkeitskompetenz ausbauen müssen, sodass neue Anwendungsfelder und eine neue Art der Unternehmens- und Wachstumskultur entstehen. Denn der bisherige Wachstumsbegriff wird den Anforderungen unserer heutigen Zeit längst nicht mehr gerecht. Es ist daher Zeit für ein nachhaltiges, neues Wachstum und für eine neue Art unserer Zusammenarbeit. Die Formel scheint einfach: Starke Kultur gleich starke Business Performance. 

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