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19.02.2018 | Nachhaltigkeit | Interview | Onlineartikel

"Geschichten vom Gelingen müssen erzählt werden"

Autor:
Dipl.-Ing. Edgar Freund

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitspolitik. WASSER UND ABFALL interviewte den Generalsekretär des RNE, Prof. Dr. Günther Bachmann zum Aufgabenfeld.

WASSER UND ABFALL: Herr Professor Bachmann, die Nachhaltigkeit von Prozessen und Produkten wird heute vielfach propagiert, der Begriff "nachhaltig" inflationär gebraucht, ohne dass die Begrifflichkeit in der Bevölkerung verankert ist. Was verstehen Sie unter dem Begriff der Nachhaltigkeit, wie kann man nachhaltige Produkte von anderen unterscheiden?

Prof. Dr. Bachmann: Für mich geht es um Politik für die Zukunft und gegen die Unverantwortlichkeit und Schlamperei im Umgang mit Umwelt und Mitmenschen. Gegen die xy-first-Verführung der neuen Nationalisten und für eine Neuerfindung von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ordnung im Rahmen der ökologischen Belastbarkeit.
Es stimmt, was Sie sagen, Nachhaltigkeit treibt die Masse nicht gerade zu begeisterten Aufläufen. Das wissen wir aber schon lange. Und trotzdem kommt die Idee zunehmend in der Lebenswirklichkeit von immer mehr Menschen an. Anders als Sie sagen, beobachte ich eine stark verbesserte Verankerung in der Bevölkerung. Das liegt auch daran, dass viele Unternehmen und Stakeholder erfolgreich dabei sind, nachhaltige Produkte durch Siegel und Marken besser kenntlich zu machen.
Der Stand ist noch nicht zufriedenstellend, aber es ist mehr als je zuvor. Das ist relevant.

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01.02.2018 | Interview | Ausgabe 1-2/2018

„Geschichten vom Gelingen müssen erzählt werden“

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitspolitik und soll mit Vorschlägen zu Zielen und Indikatoren zur Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie beitragen sowie Projekte zur Umsetzung dieser Strategie vorschlagen


Nachdem die Konferenz der Vereinten Nationen im Sommer 1992 über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die Agenda 21 verabschiedet hat, ist viel geschehen. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass die angestrebte nachhaltige Entwicklung durch die globale Finanzwirtschaft konterkariert und die Weltwirtschaft weiterhin durch Korruption, unsoziale Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung bestimmt wird. Gibt es dennoch Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, die zu Hoffnung Anlass gibt?

Meine Hoffnung macht sich nicht alleine an Fortschritten fest. Die gibt es zwar und sie sind beachtlich. Hoffnung wird dann wirkungsvoll, wenn Gemeinschaft entsteht. Also wenn Menschen erkennen können, dass sie Teil von etwas Größerem sind.
Warum soll ich den alten Eliten erlauben, mir meine Hoffnung zu nehmen? Kürzlich durfte ich mit Jane Goodall sprechen, die uns mit ihrer berühmten Forschung über die Schimpansen die Augen für die eigene Geschichte geöffnet hat. Sie hat natürlich die Bedrohung durch Korruption, Ausbeutung und Umweltzerstörung angesprochen. Eine Bedrohung, die alles Herkömmliche übersteigt. Aber Hoffnung ist das Letzte, was wir aufgeben.
Und schließlich gibt es politische Fortschritte: Dass es universelle Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gibt, zähle ich dazu. Dass sie weitgehend konkret und zählbar sind, dass sie in vielen Staaten der Welt Maßnahmen auslösen, dass die Hälfte der 300 weltgrößten Unternehmen sie zu ihrer Agenda machen, zähle ich auch dazu. In Deutschland zeigen uns die Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises aus Unternehmen und Städten, dass das Thema lebt. Die vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategie haben seit einem Jahr die Vernetzung regionaler Akteure aufgenommen.

Nach der im Herbst 2015 vom UNO Nachhaltigkeitsgipfel der Staats- und Regierungschefs verabschiedeten Agenda 2030 soll die internationale Zusammenarbeit in den nächsten Jahrzehnten intensiviert werden. Was sollte nach Ihrer Auffassung die Bundesregierung tun, um diese Zusammenarbeit zu fördern?

Sie tut das schon. Nötig ist eine Verstärkung und Ausweitung der Initiativen. Zusammenarbeit fördert man am besten durch konsequentes Handeln zu Hause. Das ist der Vertrauensanker. Die eigenen Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie müssen kohärent und kraftvoll umgesetzt werden. International muss das so genannte Initiativprogramm ausgeweitet und fokussiert werden, mit dem Deutschland die Umsetzung der Agenda 2030 bilateral in anderen Ländern unterstützt.
Deutschland muss sich aber auch multilateral, also auf Ebene der Vereinten Nationen (VN), mehr tun. Der High Level Political Forum der VN muss vom freiwilligen Treffpunkt mit Erfahrungsaustausch fortentwickelt werden zu einem Pflichttermin mit Entscheidungsrelevanz werden. Zur Finanzierung der Nachhaltigkeitsziele müssen neue Wege gegangen werden.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Prof. Dr. Günther Bachmann in WASSER UND ABFALL | Ausgabe 01-02/2018.

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