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Unternehmen handeln beim Naturschutz im Stillen

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Europäische Unternehmen setzen sich für Artenvielfalt ein, schweigen sich über ihr Engagement aber aus. Das macht Biodiversitätsprojekte zu einem blinden Fleck. Warum dem so ist, und was sich verbessern lässt, zeigen Experteninterviews. 

Ohne intakte Ökosystemleistungen keine florierende Wirtschaftsleistung. Unternehmen wissen das, trotzdem ist Biodiversität ein Unternehmensthema ohne Narrativ.


Die globale Wirtschaftsleistung hängt im mittleren bis hohen Maße von intakten Ökosystemen und ihren Leistungen ab. Biodiversität, also biologische Artenvielfalt, reguliert das Klima, ermöglicht die Nahrungsmittelproduktion und hält die Atmosphäre im Gleichgewicht. Der Verlust von Biodiversität bedroht die Rohstoffversorgung, Lieferkettensicherheit und langfristige Wertschöpfung. Unternehmen weltweit haben schon aus reinem Eigennutz sehr gute Gründe, in den Erhalt  von Artenvielfalt zu investieren. Der Aufgabe haben sie sich auch angenommen, nur erfährt die Öffentlichkeit davon nichts.

Biodiversität und das große Schweigen der Chefs

Zwei Drittel der für den Bericht "The Biodiversity Blind Spot: Communicating Biodiversity as a Business Imperative" befragten Nachhaltigkeitsverantwortlichen gaben an, dass ihre Unternehmen bereits konkrete Projekte zum Schutz der Artenvielfalt umsetzen konnten. Und ein Drittel hat formale Strategien zur Förderung der Artenvielfalt implementiert oder in seine übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie integriert.

Anstatt das Thema proaktiv als Teil ihrer eigenen Agenda zu setzen, kommunizieren allerdings 66 Prozent von ihnen nur reaktiv. Auslöser dafür sind externer Druck von Investoren, neue Regulierungen oder Anfragen von NGOs. Die meisten Meldungen konzentrieren sich allerdings auf das Vorstellen von Einzelinitiativen (51 Prozent) oder Compliance-Reporting (34 Prozent).

Warum Artenvielfalt als Nischenthema abgetan wird

Hauptursache für das allgemeine Schweigen ist, dass 77 Prozent der Unternehmen keine klare und konsistente Story erarbeitet haben, die Biodiversität für Kunden, Mitarbeitende oder Investoren greifbar macht. Außerdem erhält Nachhaltigkeitskommunikation in diesem Punkt kaum Rückendeckung von der Unternehmensspitze: Drei von vier Führungskräften (76 Prozent) erwähnen Biodiversität "so gut wie nie" in ihrer öffentlichen Kommunikation. Zudem ist die strategische Kommunikation fokussiert auf den Klimawandel und andere Nachhaltigkeitsaspekte, die als relevanter wahrgenommen werden, wie 88 Prozent der Befragten zugaben.

Auch die weiteren Gründe, warum Entscheider das überlebenswichtige Thema Biodiversität höchstens als Nachweis guter Unternehmensbürgerschaft behandeln, nicht aber als Kern ihrer Geschäftsstrategie und Vorstandsthema, sind recht profan. Über diese Hürden bei der Biodiversitäts-Kommunikation berichten die Befragten:

  • 67 Prozent bestätigen, dass die Messungen von Artenvielfalt, Ökosystemen und ihren Wechselwirkungen von wichtigen Entscheidungsträgern im Unternehmen nicht gut verstanden werden,
  • knapp 60 Prozent geben an, dass ihre Vorstände dem Thema nur eine marginale Relevanz für das Kerngeschäft einräumen und es mehr als philanthropische Aufgabe missverstehen,
  • rund 30 Prozent führen die Angst vor Greenwashing-Vorwürfen als Argument für das präventive Schweigen ihrer Vorgesetzten an. Sie betreiben also Greenhushing.

Acht Wege aus dem kommunikativen Blind Spot

"Um in der C-Suite anzukommen, muss Biodiversität mit Risikomanagement, Wachstumschancen und Wertschöpfung verknüpft werden. Kommunikation bildet hier die Brücke zwischen Wissen und Impact", fordert Bärbel Hestert-Vecoli, Managing Director Corporate Reputation beim Studienpartner Edelman Deutschland.

Um vom Wissen ins Handeln zu kommen und den "Biodiversity Blind Spot" der Unternehmenskommunikation zu schließen, liefert der Bericht Führungskräften direkte Handlungsanweisungen, die ihnen helfen sollen, der Biodiversität eine kräftige Stimme zu verleihen.

  1. Klima und Biodiversität gemeinsam erzählen: Beide Themen sind zwei Seiten derselben Medaille und bedingen einander.
  2. Über Compliance hinausgehen: Biodiversität als Motor für Innovation und Wettbewerbsvorteile positionieren, nicht als reine Beitragspflicht abhandeln.
  3. In der Sprache des Business formulieren: Den Wert der Natur so framen, dass er im direkten Vergleich mit anderen strategischen Prioritäten bestehen kann.
  4. Konkrete Erfolgsgeschichten nutzen: Mit datengestützten Pilotprojekten beweisen, dass Maßnahmen für die Artenvielfalt machbar, profitabel und skalierbar sind.
  5. Partnerschaften eingehen: Brancheninitiativen und Allianzen nutzen, um Wirkung und Sichtbarkeit zu verstärken.
  6. Führungskräfte ausrüsten: Der Unternehmensspitze klare, faktenbasierte Botschaften an die Hand geben.
  7. Biodiversität internalisieren: Durch interne Kampagnen und Mitarbeiterprogramme fest in die Unternehmenskultur integrieren.
  8. Mutig sein: Engagement nicht als defensive Compliance-Maßnahme positionieren, sondern als offensive Strategie für regenerative Geschäftsmodelle. 

Über die Studie:  "The Biodiversity Blind Spot" wurde von der European Biodiversity Coalition und ihren Partnern -  Biodiversity Bridge, Edelman und der Nature Wealth Foundation - veröffentlicht. Die Erhebung basiert auf einer Befragung von  47 Entscheidungsträgern führender europäischer Unternehmen, darunter Chief Sustainability Officers (CSOs), Senior Sustainability Manager und Biodiversitätsbeauftragte. Zusätzlich zur Umfrage wurden die Erkenntnisse durch eine Serie von vertraulichen Expertenrunden abgesichert.

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