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Naturschutz

weitere Buchkapitel

5. Der Aufstieg der Umweltfrage

Konzeptioneller Rahmen – Gamechanger Umweltpolitik: Die Bedrohung der natürlichen Umwelt hat sich zu dem weltweit stärksten Treiber der politischen Intervention in die Automobilindustrie entwickelt. Die Umweltfrage hat nicht nur die technischen Anforderungen an das Auto immer weitergetrieben, sondern stellt auch zunehmend seine Rolle an sich in Frage. In Europa liegt die institutionelle Hauptrolle inzwischen kaum noch bei den Mitgliedsstaaten, sondern bei Kommission, Rat und Parlament, zu deren „Markenkern“ der Umwelt- und Klimaschutz gehört. Das Auto ist dabei nicht nur Objekt immer tiefer greifender Intervention, sondern spielt gerade in Deutschland auch eine symbolische Rolle für fundamentale ideologische Standpunkte. Der politische Mechanismus funktioniert in den USA und in China nach anderen Regeln, hat aber ebenfalls zu immer tiefer greifenden Debatten und geänderten Anforderungen geführt. So war die Politik in den USA über Jahrzehnte vom Dualismus zwischen dem Staat Kalifornien und dem Bund geprägt, allerdings mit einer wesentlich stärker technologie- und innovationszentrischen Logik als in Europa. In China erfolgt der Abgleich konkurrierender Ziele und Interessen - von der Sicherung der Akzeptanz des politischen Systems, über die binnen- und außenwirtschaftlichen Ziele bis hin zu Umwelt- und Industriepolitik - dagegen nicht über die öffentliche und medial verstärkte Konkurrenz von Institutionen, Parteien und Personen, sondern innerhalb der Apparate von Partei und Verwaltung.

Thomas Becker

Systemvergleich CO2-freier Nutzfahrzeugantriebe

Wasserstoff gewinnt in der derzeitigen Diskussion um neue Energieträger für den Nutzfahrzeugbereich an Bedeutung. Meist wird hierbei die Nutzung einer Brennstoffzelle impliziert, wobei auch die Möglichkeit der Nutzung eines Wasserstoff-Verbrennungsmotors besteht. Eine CO2-Emissionsreduzierung ist mit beiden Antriebskonzepten möglich. Im vorliegenden Beitrag werden verschiedene Alternativen zum konventionellen, mit fossilen Kraftstoffen betriebenen Verbrennungsmotor verglichen: BEV, PEM-BZ und HICE. Der Vergleich erfolgt anhand einer Datenauswertung in Form einer Wellto- Wheel-Analyse im Hinblick auf die effektiven CO2-Emissionen. Der Vergleich zeigt, dass für eine wirksame CO2-Minderung in jedem Fall die Nutzung regenerativer Energieträger als Primärenergiequelle erforderlich ist. Des Weiteren wird deutlich, dass Wasserstoff-basierte Konzepte hinsichtlich der ganzheitlichen CO2-Bilanz gegenüber dem BEV bei Verwendung rein regenerativer Primärenergieträger für die Fahrenergie eine Konkurrenzfähigkeit aufweisen. Weitere bewertete Kriterien sind die vom Antriebskonzept abhängige Zuladung des Nutzfahrzeuges (hier: schwere Nutzfahrzeuge, SNF) sowie die Kosten der verglichenen Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus (TCOAnalyse). Anhand der erforderlichen Reduktion der Zuladung wird deutlich, dass ein BEV aus heutiger Sicht keine Alternative für Langstreckenanwendungen sein kann. Bei der TCO-Analyse ist ersichtlich, dass die Polymerelektrolytmembran- Brennstoffzelle nachteilig im Vergleich zum H2-Verbrennungsmotor ist. Zusätzlich dazu wird auf aktuelle Herausforderungen in der Entwicklung nutzfahrzeugtauglicher Brennstoffzellen und Wasserstoff-Verbrennungsmotoren eingegangen und abschließend ein Konzept für einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor für den Einsatz im Nutzfahrzeug vorgestellt.

Kevin Klepatz, Swantje Konradt, Robin Tempelhagen, Hermann Rottengruber

Open Access

Kapitel 8. Steuerung und Gestaltung von räumlichen Schnittstellen der Mobilität

Betrachtungen angesichts des automatisierten Fahrens

Der vorliegende Beitrag widmet sich den Veränderungen im öffentlichen Raum, die mit der digitalin Vernetzung und Automatisierung im Mobilitätswesen einhergehen. Hierzu werden speziell räumliche Schnittstellen der Mobilität in den Fokus gerückt. Gemeint sind dabei Räume der Interaktion, der Verknüpfung unterschiedlicher Modi und des Übergangs im öffentlichen Raum. Aufgrund der zunehmenden Vielfalt an Mobilitätsangeboten und neuen Nutzungsanforderungen gewinnt schon heute die Gestaltung von räumlichen Schnittstellen an planerischer Bedeutung.

Emilia M. Bruck, Rudolf Scheuvens, Martin Berger

Kapitel 3. Ehrenamtliches Engagement: Forschungsstand und -desiderata

Im vorhergehenden Kapitel wurde erläutert, wie das Ehrenamt in den Sozialen Diensten einerseits deutlich an Einfluss verloren und an Bedeutung abgenommen hat. Anderseits lässt sich konstatieren, dass dem Engagement in den Sozialen Diensten, paradoxerweise, weiterhin hohe Wichtigkeit zugemessen wird. Das folgende Kapitel soll die Perspektive weiten und dient der Vermessung des Engagements und seiner Bedeutung.

Stefanie Lünsmann-Schmidt

Aktivierende Lehre an der HfWU: Innovativ, interdisziplinär und nachhaltig

Die globalen Herausforderungen von heute erfordern innovative Lösungen, die auf Menschen angewiesen sind, die bereit und fähig sind zu handeln. Sie müssen in der Lage sein, komplexe Systeme zu verstehen, unterschiedliche Entwicklungen zu antizipieren, transformative Strategien zu entwickeln und diese gemeinsam umzusetzen. Die Hochschulen können Orte sein, um diese Entwicklung von Kompetenzen zu fördern. In diesem Beitrag stellen wir den Ansatz der Hochschule für Umwelt und Wirtschaft Nürtingen-Geislingen (HfWU) vor, die Ideen von Innovation, Interdisziplinarität und nachhaltiger Entwicklung bei der Konzeption von Hochschulstudiengängen zu verbinden, der im Projekt „PHOENIX – Problemorientierte Hochschullehre im Kontext der Nachhaltigkeit“ verfolgt wird. Basierend auf den Erfahrungen, die in der zweijährigen Projektlaufzeit von PHOENIX gesammelt wurden, identifizieren wir die Ambitionen der HfWU, die curriculare Integration von aktivierenden und problemorientierten Lehrformaten hin zu inter- und transdisziplinären Lehr-Lern-Formaten weiterzuentwickeln.Today’s global challenges call for innovative solutions, which need people who are willing and capable of taking action. They need to be able to understand complex systems, anticipate diverse developments, develop transformative strategies and implement them collaboratively. Universities can be a place to promote this development of competencies. In this contribution, we present the Nürtingen-Geislingen University’s (NGU) approach to combine the ideas of innovation, interdisciplinarity and sustainable development in the conception of university courses, carried out in the project „PHOENIX – Problem-oriented university teaching in the context of sustainability“. Based on the experiences, gained in the two-year project period of PHOENIX, we identify the ambitions of the NGU to further develop the curricular integration of activating and problem-oriented teaching formats towards inter- and transdisciplinary teaching-learning formats.

Dorothee Apfel, Johannes Fuchs

Nachhaltigkeitstransfer in der Hochschullehre – konzeptionelle Entwicklung und Perspektiven für transdisziplinäre Lehr-Lern-Formate

In einer sich wandelnden Gesellschaft ändern sich auch die Anforderungen der Gesellschaft an die Hochschulen. Neben Lehre und Forschung übernehmen die Hochschulen zusätzliche Aufgaben, die von der Gesellschaft eingefordert werden. Diese Aktivitäten sind gekennzeichnet durch Interaktionen zwischen Hochschulen und Akteuren aus anderen Bereichen, die in diesem Papier als Transfer bezeichnet werden. In einem traditionellen Verständnis von Transfer liegt der Schwerpunkt auf dem Technologie-, Wissens- oder Forschungstransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft. In diesem Artikel stellen wir eine Arbeitsdefinition und Charakteristika des Nachhaltigkeitstransfers vor. Ausgehend von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) stellen wir ein Konzept des Nachhaltigkeitstransfers in der Lehre vor und geben Beispiele aus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Nachhaltigkeitstransfer kann eine entscheidende Rolle bei der Transformation der Gesellschaft spielen. Darüber hinaus kann die Qualität der Lehre durch die Integration von Kontakten und Kooperationen mit Praktikern verbessert werden, damit die Studierenden ihr Wissen bereits in der Praxis anwenden können. Dies erfordert jedoch neue Formate und ein neues Rollenverständnis innerhalb des Hochschulsystems, um den Bedürfnissen der Gesellschaft und einer nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden. Es ist Aufgabe der Politik, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, und die Hochschulen müssen neue und innovative Formen des Lehrens und Lernens entwickeln und umsetzen, um ihre Kompetenzen besser in die Prozesse einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung einzubringen.In a changing society, society’s requirements for universities (including universities for applied sciences) are changing as well. Aside from teaching and research, institutions of higher education are accepting additional responsibilities demanded by society. These activities are characterized by interactions between universities and actors from other fields, which will be referred to as transfer in this paper. In a traditional understanding of transfer, the focus is on technology, knowledge, or research transfer from universities into the economy. In this article, we present a working definition and characteristics of sustainability transfer. Based on education for sustainable development (ESD) we present a concept of sustainability transfer in teaching and give examples from the University of Sustainable Development Eberswalde. Sustainability transfer can play a crucial role in the transformation of society. In addition, the quality of teaching can be enhanced through the integration of contacts and cooperation with practitioners into curricula to allow students to already apply their knowledge in practice. It does, however, require new formats and a new understanding of roles within the system of higher education in order to respond to the needs of society and sustainable development. It is up to politics to create the necessary framework conditions and universities have to develop and implement new and innovative forms of teaching and learning to better contribute their competences to the processes of sustainable societal development.

Nadine Dembski, Jan-Hendrik Skroblin, Benjamin Nölting

Digitalisierung und Naturschutz bei Häcker Küchen

Die globalen Klimaveränderungen und der dramatische Rückgang der Artenvielfalt stellen uns heute vor enorme Herausforderungen. Wir erleben derzeit das schlimmste Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Das Interview mit Lars Breder von Häcker Küchen zeigt, dass sich Unternehmen, die an dauerhaftem wirtschaftlichem Erfolg interessiert sind, auch an Arten- und Naturschutz Interesse haben sollten. Dabei geht es auch um die Förderung des Verständnisses für die Zusammenhänge in der Natur, die Belange der verschiedenen Ökosysteme und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen. Die Welt kann durch Einzelmaßnahmen zwar nicht gerettet werden, doch kann sich, wie dieser Beitrag zeigt, unser Verhältnis zu ihr ändern.

Lars Breder, Alexandra Hildebrandt

Kleine Riesen – Von Insekten, Kunst und Respekt

Wenn sich alles global vernetzt, was ist dann noch der Wert scheinbar kleiner Dinge – zum Beispiel der Wert eines Insekts? Herausgefordert von den Konzeptkünstlern Frank und Patrik Riklin hat sich der Geschäftsführer eines traditionsreichen Biozid-Unternehmens auf eine Abenteuerreise begeben. Sie führte ihn von einer Fliegen-Rettungsaktion über die detaillierte wissenschaftliche Beschäftigung mit Natur, Biodiversität und Nachhaltigkeit bis hin zur Transformation seines gesamten Geschäftsmodells. Inzwischen schafft ausgerechnet der Insektenbekämpfungsmittel-Hersteller Dr. Hans-Dietrich Reckhaus mit „Insect Respect“ ein breiteres Bewusstsein für den Wert der kleinen Tiere in Gesellschaft und Wirtschaft. Die vermeintlich absurde Idee der Kunst, die Welt einmal umzudrehen, ist Realität geworden. Eine Geschichte über Wahrheitssuche, Umdenken und Wandel.

Tina Teucher, Hans-Dietrich Reckhaus

Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Küchenbranche

Am Beispiel von Häcker Küchen

Digitalisierung in der Möbelbranche ist mehr als nur vernetzte Küchen oder Haushaltsgeräte auf den Markt zu bringen. Für den Kunden ist heutzutage die schnelle Verfügbarkeit der Produkte ein Muss. Der Beitrag zeigt am Beispiel des Familienunternehmens Häcker Küchen, dass die IT-Abteilung in Unternehmen heute eine Schlüsselposition einnimmt, weil hier fachliche Kompetenzen gebündelt und Maßnahmen zur Digitalisierung durchgeführt werden. Geschäftsführer Markus Sander und Marketingleiterin Gisela Rehm erläutern im Interview darüber hinaus, dass ein regionaler Hersteller auch auf globaler Ebene nachhaltig Verantwortung übernehmen und einen Beitrag zur Erfüllung der SDGs leisten kann.

Gisela Rehm, Markus Sander, Alexandra Hildebrandt

Kapitel 5. Kommunikationsmethoden

Im Bauwesen gehören Besprechungen zum Alltagsgeschäft. Wenn Sie zu einer Besprechung einladen, übernehmen Sie als einladende Führungskraft i. d. R. die Gesprächsleitung und somit auch die Rolle des Moderators oder Präsentators.Mit der Kommunikationsmethode Moderation können systematisch und strukturiert Problemlösungen erarbeitet, Entscheidungen eingefordert und eine destruktive und chaotische Meetingkultur verhindert werden. Im Kontext der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung moderierter Besprechungen und Workshops werden u. a. Kreativitäts- und Problemlösungstechniken vorgestellt sowie das Meeting als Kostenfaktor thematisiert.Zu Ihren Aufgaben als Führungskraft im Bauwesen gehört es auch zu präsentieren. Im Rahmen einer Präsentation informieren Sie als Präsentator einen Teilnehmerkreis über ausgewählte Inhalte, z. B. bei einer Angebotspräsentation oder einem Fachvortrag. Mit der Kommunikationsmethode Präsentation gelingt Ihnen ein systematischer Aufbau Ihrer Präsentation, mit verständlich aufbereiteten Inhalten, mit aussagekräftigen Visualisierungen und einem gelungenen Präsentationsverhalten.

Brigitte Polzin, Herre Weigl

Soil Protection Governance in Germany

This chapter provides an overview on soil protection governance in Germany. It mainly addresses experts from outside of Germany. To this end, it explains Germany’s environmental, economic as well as historical and cultural situation, the governmental structure in Germany, shows the influence of the European Union on Germany’s environmental governance and determines the main drivers of soil degradation. On this basis, the governance approaches are elucidated. The chapter concludes with an assessment of the strengths and weaknesses of the current soil protection governance and recommendations on how to improve it.

Harald Ginzky

Kapitel 3. Von der Fragestellung zu den Daten

Datenquellen fließen so reichlich, dass beim Beginn eines jeden Projekts eine präzise Fragestellung wichtig ist. In diesem Kapitel zeige ich Ansätze, wie Daten den Kontext der Geschichten bilden und dabei helfen zu definieren, welche Zielgruppe ich anspreche, welche Themen ich setze und warum diese überhaupt relevant sind. Die Beispiele zeigen die Herausforderungen bei der Entwicklung der Fragestellung und liefern jeweils spezifische Antworten auf die zentralen Kommunikationsthemen: Warum wir etwas erzählen, wem wir es erzählen und was wir erzählen.

Hans-Wilhelm Eckert

Kapitel 16. Bioinformatik verbindet das Leben mit dem Universum und dem ganzen Rest

Bioinformatik hilft das Leben besser zu verstehen. Ganz gleich, ob man mehr die Anpassung bewundert (Phylogenie, Sequenzanalyse), den Stoffwechsel (metabolische Modellierung, Enzymdatenbanken) oder die Regulation dieser Anpassungen (Systembiologie). Ein roter Faden bei allen großen Herausforderungen der Bioinformatik ist das Erklimmen einer neuen Sprachebene und sich damit dem eigentlichen Wesen biologischer Regulation tiefer zu nähern, Forward- und Feedback-Loops versteht, stabile Systemzustände erkennt, Ökosystem-Modellierung, Klima oder Evolution betrachtet. Aktives Hinterfragen gefährlicher Digitalisierung schützt die kreative Freiheit des Internets. Bioinformatik hilft, das Internet besser zu verstehen und das ‚Internet der Dinge‘ durch Software und Datenbanken zu unterstützen. Die Bioinformatik hilft neue, kreative und nachhaltige Technologien voranzutreiben (synthetische Biologie, Nanotechnologie, 3-D-Drucker, künstliche Gewebe etc.). Digitalisierung mithilfe der Bioinformatik ist ein Schrittmacher der molekularen Medizin. Bioinformatik zeigt zudem in mathematischen Modellen von Ökosystemen Grenzen des Wachstums (z. B. Verhulst-Gleichung für bakterielles Wachstum) und resultierende sinnvolle, angepasste Systemstrategien auf.

Thomas Dandekar, Meik Kunz

Kapitel 2. Standortplanung

Die Standortplanung aus strategischer Sicht ist nicht allein im Fokus der Fabrikplanung, sondern liegt hoheitlich bei der Unternehmensführung. Für die Ausgestaltung eines vorhandenen oder neuen Standortes ist jedoch die Kenntnis der zugrundeliegenden wesentlichen Grundannahmen für den Fabrikplaner bzw. der Fabrikplanerin von großer Bedeutung, weil sich diese stark auf die späteren Fabrikmerkmale auswirken. Dabei umfasst die Standortplanung die gedankliche und systematische Vorwegnahme einer Entscheidung über einzelne Betriebsstandorte, deren Verteilung (Standortwahl) sowie deren Struktur (Standortstrukturplanung). Damit dem Fabrikplaner bzw. der Fabrikplanerin solch eine Entscheidungen und auch die Rahmenbedingungen, unter der solch eine strategische Entscheidung getroffen wird, vertraut ist, wird in Kap. 2 besonders auf die Standortplanung und damit einhergehende Themen eingegangen, wie z. B. die Prinzipien der Wertschöpfungsverteilung, die Standortstrukturplanung und die Standortwahl.

Peter Burggräf, Günther Schuh, Matthias Dannapfel, Matthias Ebade Esfahani, Axel Hoeschen, Sebastian-Mihail Ivanescu, Thomas Jasinski, Daniel Kupke

Kapitel 2. Systeme der Wohnungslüftung

Lüftungssysteme sind außerordentlich variantenreich. Sie dienen in unterschiedlichen Ausführungsformen der Abfuhr von Luftinhaltsstoffen oder gewinnen zusätzlich unterschiedlich hohe Raten an Wärme zurück, die die Abluft von Wohnungen beinhaltet.

Peter Müller

Open Access

Designing External Knowledge Communication in a Research Network The Case of Sustainable Land Management

Designing knowledge communication with external partners is a core activity of research networks. In science, such communication has been addressed only recently and is still considered as non-academic activity. Successful communication with practitioners, that is knowledge transfer, is a crucial factor for effective research. In the age of online communication, this requires special attention and skills, for example related to social media communication. Based on our own empirical results derived from interviews, the authors identify what factors affect the communication process and how the design of communication content may be influenced.To do so, successful examples of communication with external stakeholders are presented. For the theoretical basis, science communication, knowledge communication, knowledge management, and knowledge transfer were selected and consolidated. Although the findings stem from a research network specializing in sustainable land management, they can be transferred to other academic collaborations. Our results indicate that external communication is effective when knowledge has been transferred between academics and practitioners.

Thomas Köhler, Thomas Weith, Sabrina Herbst, Nadin Gaasch

Strategische Planung von Fahrzeugflotten – Ein Bezugsrahmen und seine Anwendung am Beispiel der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte der Polizei Niedersachsen

Vor dem Hintergrund der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs stehen strategische Entscheider und Flottenplaner in privatwirtschaftlichen Organisationen und der öffentlichen Hand vor großen Herausforderungen. Diese ergeben sich insbesondere aus der Notwendigkeit zur Festlegung einer Strategie hinsichtlich der zukünftigen Flottenzusammensetzung unter Einbeziehung von alternativen Antriebstechnologien. Elektrifizierte Antriebstechnologien wie Plug-in-Hybrid- (PHEV) und batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) können zu einer lokalen Schadstoffsenkung beitragen und verkehrsbedingte Treibhausgasemissionen reduzieren.

Kerstin Schmidt, Mark Mennenga, Olga Pronobis, Sina Quidde, Marcel Sander, Malte Schäfer, Oliver Suckow, Rico Wiersig, Christoph Herrmann, Michael Kurrat, Ferit Küçükay, Thomas S. Spengler

Open Access

Kapitel 4. Modellgestützte Wirkungsanalysen ausgewählter Maßnahmen und Strategien

Im Dialog mit Akteuren der Landnutzung wurden die Leitmotive Klimaschutz, Bioenergieerzeugung, Umwelt- und Naturschutz und Klimaanpassung herausgearbeitet und anschließend in Landnutzungsstrategien untersucht sowie die möglichen Beiträge dieser Landnutzungsstrategien zu gesellschaftlichen Zielen geprüft. Die Szenarienstudie CC-LandStraD fokussiert auf Vermeidungsstrategien des Klimawandels. Betrachtete Klimaszenarien illustrieren die Unsicherheit zukünftiger Entwicklungen. Die Wirkungen ausgewählter Maßnahmen und Landnutzungsstrategien wurden mit Hilfe eines interdisziplinären Modellverbundes im Rahmen eines komparativ-statischen Vergleichs untersucht, und zwar für die Landnutzungssektoren Siedlung und Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft. Anschließend wurden Maßnahmen gebündelt und zu Strategien zusammengefasst und die Wirkungen regional differenziert im Hinblick auf Änderungen der Flächennutzung, land- und forstwirtschaftlicher Produktion und Einkommen sowie Simulation von Waldbeständen sowie Stoffflüssen ausgewertet.

Sarah Baum, Tobias Conradt, René Dechow, Peter Elsasser, Hermann Englert, Nils Ermisch, Horst Gömann, Roland Goetzke, Pia Gottschalk, Martin Gutsch, Martin Henseler, Jana Hoymann, Margret Köthke, Peter Kreins, Petra Lasch-Born, Felicitas Suckow, Frank Wechsung

Open Access

Kapitel 3. Handlungsfelder der Landnutzung

Mit welchen Maßnahmen eine angepasste Landnutzung zum Klimaschutz beitragen kann, wird anhand von Handlungsfeldern im Siedlungswesen, in der landwirtschaftlichen Landnutzung und forstlichen Handlungsoptionen sektoral veranschaulicht. Es werden die Maßnahmen beschrieben und ihre jeweilige Relevanz hergeleitet. Ferner wird spezifiziert, welche Maßnahmen konkret analysiert werden.

Sarah Baum, Peter Elsasser, Roland Goetzke, Martin Henseler, Jana Hoymann, Peter Kreins

Open Access

Kapitel 7. Anhang

In Kapitel 7 werden die betrachteten Maßnahmen detailliert beschrieben, ihr Beitrag zu den untersuchten Strategien Klimaschutz, Bioenergie, Natur- und Umweltschutz sowie Klimaanpassung eingeordnet und die zentralen Modellannahmen dargelegt. Für den Sektor Forstwirtschaft werden auch die verwendeten Maßnahmenvarianten für die Simulation der Strategien veranschaulicht.

Sarah Baum, Peter Elsasser, Nils Ermisch, Roland Goetzke, Martin Henseler, Jana Hoymann, Peter Kreins, Priska Weller

Open Access

Chapter 5. Gesellschaftliche Bewertung der Landnutzungsstrategien

Das Konzept der Ökosystemleistungen wird genutzt, um die verschiedenen Effekte von Landnutzungsänderungen systematisch zu erfassen und monetär zu bewerten. Eine Bewertung der in Kapitel 4 erarbeiteten Maßnahmen und Strategien der Landnutzung erfolgt auf der Grundlage der Ergebnisse einer umfangreichen Befragung im Rahmen einer erweiterten Kosten-Nutzen-Analyse. Die Bewertung erfolgt für landwirtschaftliche sowie für forstwirtschaftliche Ökosystemleistungen. Darüber hinaus wurden die Rahmensetzungen des Umwelt- und Planungsrechts, die Anreizsetzungen verschiedener Förderpolitiken sowie die Einflüsse privater und öffentlicher Akteure und Institutionen untersucht. Es wurden Möglichkeiten aufgezeigt, diese Regelungs- und Steuerungssysteme der Landnutzung anzupassen und weiterzuentwickeln, um den Herausforderungen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung sektorspezifisch und sektorübergreifend begegnen zu können. Mit Landnutzung befasste gesellschaftliche Akteure wurden im Forschungsprozess, für die Validierung von Zwischenergebnissen und die Praxisrelevanz der zu erzielenden Ergebnisse kontinuierlich im Projekt beteiligt. Die Ergebnisse dieses Prozesses, die Beteiligung und inhaltlichen Anregungen der Stakeholder werden dargestellt und methodische Fragen reflektiert.

Peter Elsasser, Ulrike Grabski-Kieron, Meike Hellmich, Jesko Hirschfeld, Mathias Raabe, Sandra Rajmis, Julian Sagebiel, Rosemaire Siebert, Annett Steinführer, Reimund Steinhäußer, Priska Weller

Open Access

Kapitel 1. Einführung

Die Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel in Deutschland werden skizziert. Dazu werden die für Deutschland relevanten Vereinbarungen hinsichtlich landnutzungsbedingter Treibhausgas-Emissionen und deren Minderung dargestellt sowie die Einflussfaktoren auf die Siedlungs- und Verkehrsflächenentwicklung und auf die land- und forstwirtschaftliche Landnutzung aufgezeigt. Anschließend folgt eine Einordnung des Begriffs Landnutzung. Es werden die Untersuchungsregion Deutschland einschließlich der Fokusregionen Altmark und Rhein charakterisiert sowie der verwendete methodische Ansatz und die Vorgehensweise erläutert.

Horst Gömann, Johanna Fick

Open Access

Kapitel 2. Ist-Situation der Landnutzung in Deutschland

Die für die Landnutzung in Deutschland prägenden politischen, agrar- und forstökonomischen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen werden aufgezeigt. Nach einer Beschreibung der Flächennutzung wird ein Überblick über die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland gegeben, um die sektoralen landnutzungsinduzierten Treibhausgas-Emissionen einzuordnen.

Jana Hoymann, Sarah Baum, Peter Elsasser, Rene Dechow, Martin Gutsch, Johanna Fick

Kapitel 5. Analyse von Umweltwirkungen

Als Folgen des Verkehrs auf die menschliche Umwelt werden diejenigen Beeinträchtigungen bezeichnet, die von der Anlage und dem Betrieb des Verkehrssystems auf den Menschen ausgehen. Diese Beeinträchtigungen ergeben sich im Wesentlichen durch die Gefährdung von Leben und Gesundheit durch Verkehrsunfälle (Verkehrssicherheit), die Beeinträchtigung und Belastung durch Lärm und Schadstoffimmissionen sowie die Folgen durch den Ablauf und Betrieb des Verkehrs. Anhand von Indikatoren können die Wirkungen des Verkehrs in den drei Bereichen mithilfe geeigneter Methoden quantitativ beschrieben werden. Die Gefährdung von Leben und Gesundheit durch Unfälle stellt eine der augenfälligsten Folgen des Verkehrs auf den Menschen dar. Die Beschreibung der Verkehrssicherheit über Anzahl und Schwere von Unfällen erfolgt durch Unfallkosten, die die volkswirtschaftlichen Verluste durch die (polizeilich erfassten) Straßenverkehrsunfälle zusammenfassen. Die Monetarisierung von Personenschäden von Verkehrsunfällen gilt als eines der umstrittensten Kapitel der ökonomischen Bewertung der Verkehrsfolgen. Verkehrslärm stellt unerwünschten, unangenehmen oder schädlichen Schall dar, der auf das Verkehrsgeschehen zurückzuführen ist. Als subjektiv wahrgenommenes Phänomen ist eine Beurteilung von Verkehrslärm nur auf der Basis des mit ihm verbundenen Schalls und dessen Schwankungen über einen definierten Zeitraum möglich. Die in Deutschland zur Anwendung kommenden Verfahren zur Beurteilung des Verkehrslärms werden erläutert und verschiedene Grenzwerte für Verkehrslärm dargestellt. Bewertungsverfahren mit Aussagen über die gesamtgesellschaftliche Vorteilhaftigkeit geplanter Infrastrukturausbauten müssen Auswirkungen der Ausbauvorhaben auf den Verkehrslärm und dessen Folgewirkungen enthalten. Die dafür notwendige Methodik wird in ihren Grundzügen mit Bezug zum innerörtlichen Verkehrslärm erläutert. Ausführungen über einige (nicht auf Kfz selbst bezogene) Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrslärms zeigen in Wirkungsbandbreiten das mögliche Ausmaß zur Verbesserung verkehrsbedingter Lärmimmissionen auf. Trotz signifikanter Reduzierung einiger Luftschadstoffemissionen im Straßenverkehr stellt der Kfz-Verkehr neben Kraftwerken, Industrie und Hausbrand einen der bedeutendsten Verursacher der anthropogenen Umweltbelastungen dar. Der Teil „Luftschadstoffe“ behandelt in diesem Zusammenhang die Wirkungen der Luftschadstoffe auf den Menschen, die geltenden Immissionsgrenzwerte für die unterschiedlichen Luftschadstoffe (bezogen auf alle Quellen), die Abgasgrenzwerte für Pkw und Lkw und weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen. Mit den dargestellten Verfahren zur Berechnung der Emissionen und Immissionen lassen sich quantifizierte Aussagen zur Luftverunreinigung gewinnen und in einer Weise evaluieren, wie sie in gängigen Bewertungsverfahren im Verkehrsbereich eingesetzt werden. Die Qualität und Leistungsfähigkeit eines Verkehrssystems wird vor allem durch den Zeitbedarf charakterisiert, den die Verkehrsteilnehmer zum Erreichen der Ziele ihrer täglichen Wege benötigen. Die im Rahmen von Wirkungsanalysen verwendeten Ansätze zur Ermittlung der Indikatoren Zeit- und Betriebskosten werden vorgestellt. Zu den Folgen von Ablauf und Betrieb des Verkehrs zählt ferner die Trennwirkung für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, vor allem Fußgänger, ohne deren Berücksichtigung eine Gesamtbewertung geplanter Verkehrsinfrastrukturvorhaben unvollständig bleibt.

Ulrich Brannolte, Raimo Harder, Christoph Walther, Tanja Schäfer, Alexander Dahl

Kapitel 7. Ökologische Folgen

Es werden Umweltwirkungen des Verkehrs auf Ökosystemkomponenten und deren Berücksichtigung im Rahmen von Prüfungsinstrumenten und Folgenbewältigung beschrieben. Das Kapitel betrachtet generell die Maßstabsebene der Stadtlandschaft und geht von einer engen Verflechtung zwischen dem Straßenverkehr in den Innenstädten und der Verkehrserschließung im Umland mit dort stattfindenden ökologischen Belastungen aus. Die ökologischen Wirkungen des motorisierten Straßenverkehrs und dessen Infrastruktur werden systematisch hinsichtlich Wasserbilanz, Nähr- und Schadstoffflüsse sowie deren Wirkungen auf Tierarten und Biotope thematisiert. Um die Folgenbewältigung im Planungsprozess zu illustrieren, werden Umweltverträglichkeitsprüfung sowie FFH-Prüfung erläutert und die Eingriffsregelung mittels landschaftspflegerischem Begleitplan und Ökokontoverfahren diskutiert. Der Ausblick kommentiert Aussagen des Bundesverkehrswegeplans 2030 hinsichtlich künftiger Belastungen der Ökosysteme und zitiert Lösungsansätze bei der Suche nach effektiven Minderungsmaßnahmen.

Hans-Georg Schwarz-von Raumer

Kapitel 3. Planungsrechtliche Verfahren

Verkehrsanlagen und deren Betriebseinrichtungen haben durch Flächenbeanspruchungen, Eingriffe in Grundstücksrechte und durch Umweltfolgen boden- und umweltrechtliche Anforderungen und Wirkungen. Verkehrsanlagen sind Voraussetzung zur Erschließung von Grundstücken, Stadtquartieren und Städten und damit direkt oder indirekt zur baulichen oder sonstigen Nutzung von Grundstücken. Verkehrsanlagen und deren Betrieb beschränken oder beeinträchtigen durch Immissionen die Nutzbarkeit von Grundstücken. Der Bau und der Betrieb von Verkehrsanlagen müssen entweder planungsrechtlich durch Bauleitpläne mit Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen oder straßen-/wegerechtlich durch Planfeststellung gesichert werden. Entgegenstehende oder konfligierende öffentliche und private Belange müssen abgewogen werden. Grundlage der Abwägung sind Ermittlungen der mutmaßlichen Wirkungen und Prüfungen der Umweltverträglichkeit. Der Ermittlung der erforderlichen Anlagen dienen strategische Pläne der Verkehrsentwicklung.

Klaus J. Beckmann

Kapitel 1. Übersicht über die Automobilfertigung

Dieser Abschnitt beschreibt die wesentlichen Grundzüge der Automobilproduktion soweit diese für den Aufbau und den Einsatz von Produktionsleitsystemen relevant sind. Nach einem Überblick über die verschiedenen Fertigungstechnologien wird auf Trends und Herausforderungen eingegangen, denen sich ein Automobilbauer heute stellen muss. Ebenso werden verschiedene Philosophien in der Fertigung beschrieben. Eine Abgrenzung zu anderen Fertigungsindustrien soll dem Leser einen Einblick in die Besonderheiten der Automobilproduktion vermitteln.

Markus Kropik

Ernährung und Gesundheit: Forschungsansätze und Diskurse der Ernährungspolitik

Der Beitrag gibt einen Überblick über zentrale Entwicklungslinien der ernährungsbezogenen Verbraucherforschung und arbeitet dabei eine Tendenz zur zunehmenden Eingriffstiefe des Staates als Reaktion auf individuelle und gesellschaftliche Problemlagen heraus. Deutlich wird ein Zusammenspiel von individuellen Problemen (z. B. Adipositas), gesellschaftlichen Herausforderungen (z. B. Klimaschutz) sowie veränderten Werthaltungen (z. B. Tierschutz). Die Ernährungspolitik hat auf diese Problemlagen lange Zeit wenig reagiert und die Verantwortung vornehmlich beim Individuum gesehen, es gibt wenig stützende Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund werden Forschungsergebnisse zum Ernährungshandeln der Verbraucher aufgezeigt und Instrumente der Ernährungspolitik diskutiert, die zu einer gesundheitsförderlichen Ernährung beitragen.

Achim Spiller, Sina Nitzko

Historische Rahmenbedingungen verbraucherrelevanter Datensammlungen

Die Stellung der Verbraucher hat sich über verschiedene historische Phasen hinweg grundlegend verändert. Im Zuge einer zunehmenden Komplexität im Bereich der Konsumption ist die systematische Erfassung und Auswertung verbraucherrelevanter Daten bedeutender geworden. Der vorliegende Beitrag will dieser Entwicklung Rechnung tragen und widmet sich einer Skizzierung der historischen Entwicklung verbraucherrelevanter Datensammlungen im Zeitraum der letzten 200 Jahre. Anhand verschiedener Bedarfsfelder wird aufgezeigt, dass die historischen Rahmenbedingungen verbraucherrelevanter Datensammlungen von unterschiedlichen Einflussfaktoren geprägt sind, die wiederum mit der Heterogenität von unterschiedlichen Verbraucherinteressen korrespondieren. Dabei hat die systematische Erfassung verbraucherrelevanter Daten einen reaktiven Charakter, da Daten nicht proaktiv, sondern vielmehr als Reaktion auf neue Angebotsstrukturen erhoben wurden. Aus methodischer Perspektive haben sich verbraucherrelevante Datensammlungen im Zeitverlauf zunehmend ausdifferenziert, was u. a. durch die Hinzunahme neuer Erhebungsverfahren erklärt werden kann.

Nadine Schreiner, Peter Kenning

Politikwissenschaftliche Perspektive

Die Politikwissenschaft beschäftigt sich mit Verbraucherinteressen, wie sie organisiert und wie sie repräsentiert werden. Außerdem untersucht sie, wie Entscheidungsprozesse in der Verbraucherpolitik ablaufen und welche Netzwerke dafür relevant sind. Theoretisch ist davon auszugehen, dass die kollektiven Interessen von Verbraucherinnen und Verbrauchern so allgemein sind, dass ein klassisches Trittbrettfahrer-Problem entsteht: Kaum jemand tritt einer Verbraucherorganisation bei, weil er damit rechnet, dass verbraucherpolitische Maßnahmen ohnehin allen zugutekommen. Die starke Individualisierung des Konsums trägt ebenfalls dazu bei, dass die Organisationsfähigkeit, aber auch die Konfliktfähigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern begrenzt ist. Wer nimmt dann Einfluss auf verbraucherpolitische Entscheidungsprozesse? Die Politikfeldanalyse als Subdisziplin kümmert sich darum, Netzwerke zu analysieren, die Lobbying-Strategien organisierter Interessen zu rekonstruieren und die steuernde Rolle des Staates zu reflektieren. Die wichtigsten empirischen Ergebnisse: Kampagnenfähigkeit und kollektive Rechtsdurchsetzung spielen eine immer größere Rolle, die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren, zu organisieren und zu mobilisieren. Die Grundlagen der Verbraucherpolitik verändern sich und damit auch die Machtverhältnisse und Entscheidungsprozesse.

Christoph Strünck

Place-making in Handlungsräumen der Energiewende – Energielandschaftsgestaltung und Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses in Bioenergie-Regionen

Die Energiewende hat zu einer Dezentralisierung der Energieinfrastrukturen und damit zu einem Landschaftswandel geführt, der mit Akzeptanzproblemen verbunden ist. Im Beitrag wird thematisiert, inwieweit Handlungsräume der Energiewende durch intendiertes place-making zu einer regional angepassten Entwicklung erneuerbarer Energien beitragen können. Am Beispiel von Bioenergie-Regionen und Bioenergiedörfern werden Place-making-Strategien dargestellt, die sich auf die physisch-materielle Energielandschaftsgestaltung, auf die symbolische Inwertsetzung von Energielandschaft sowie auf die Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses richten und auf diese Weise zur Herausbildung von place attachment und place identity in Bezug auf Energielandschaften beitragen. Abschließend werden Schlussfolgerungen hinsichtlich der Möglichkeiten von Handlungsräumen der Energiewende in Bezug auf die Gestaltung der Energielandschaft und die Entwicklung des Energielandschaftsverständnisses gezogen.

Andreas Röhring

Zwischen ‚Ruhe‘ und ‚Unberührtheit‘: Landschaftsbilder am Wattenmeer im internationalen Vergleich

Entlang der Wattenmeerküste von Den Helder in den Niederlanden bis nach Blavands Huk in Süddänemark herrschen unterschiedliche Verständnisse von Landschaft und Natur vor, welche die Naturschutzpolitik und -praxis auf regionaler Ebene maßgeblich prägen. Seit fast vierzig Jahren wird das Wattenmeer von den Anrainerstaaten Deutschland, Dänemark und den Niederlanden als grenzüberschreitendes Ökosystem von internationaler Bedeutung geschützt. So weit wie möglich soll die freie Entwicklung der Natur gewährleistet werden. Ungeachtet der engen Zusammenarbeit einer Vielzahl von Wissenschaftler*innen, von zuständigen Behörden und Vertreter*innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf der trilateralen Ebene befinden sich jedoch sehr unterschiedliche Vorstellungen von Natur und Landschaft in den drei Ländern. Einerseits wird die Ursprünglichkeit der Natur geschützt, andererseits die Offenheit der Landschaft und die Dunkelheit des Nachthimmels über dem Wattenmeer. Mal wird das Zusammenspiel zwischen natürlichen und kulturellen Werten betont, mal die Unberührtheit der Natur und das Minimieren menschlicher Einflüsse jeglicher Art. In diesem Beitrag werden die national bedingt unterschiedlichen Landschaftsbilder und deren Auswirkungen auf den Naturschutz und das Küstenmanagement erläutert. Der Vergleich beruht auf interpretativer Policy-Analyse und tiefgehenden qualitativen Interviews mit relevanten Akteuren und Stakeholdern in den drei Ländern. Die vergleichende Analyse zeigt vor allem, dass der Naturschutz und das Landschaftsmanagement, auch in Zeiten des engen internationalen Austausches und des transnationalen Policy-Makings, weiterhin national und regional eingebettet bleiben und als kulturell-situierte Praktiken verstanden werden sollen.

Cormac Walsh

Wildnisauffassungen in der aktuellen Politik und das unterschätzte Potenzial der Fließgewässer

Wildnis und Wildniserlebnis in Deutschland häufiger zu ermöglichen wurde vor über zehn Jahren in der Nationalen Biodiversitätsstrategie als Vision formuliert. Für Wildnisgebiete wurde als Ziel festgelegt, bis zum Jahr 2020 den Anteil von 2 % der Landesfläche Deutschlands zu erreichen. Der Frage, warum dieses Ziel voraussichtlich nicht erreicht wird, geht dieser Beitrag mit folgender These nach: Die gesellschaftliche Vieldeutigkeit von Wildnis wird nur teilweise thematisiert und findet nicht genügend stringente Beachtung in den praktischen Konzepten. Mit einem diskursanalytischen Ansatz unter heuristischer Verwendung von Ernst Cassirers Raumtheorie wird die Pluralität an Auffassungen und Bewertungen aufgezeigt, die im Spannungsfeld Wildnis wesentliche Diskursstränge prägen. Es zeigt sich am Beispiel Fließgewässer, dass auch relativ kleinflächige Gebiete gesellschaftlich als Wildnis entdeckt, erlebt und ambivalent wertgeschätzt oder abgelehnt werden. Dieses Wildnispotenzial wird in der Praxis aktuell unterschätzt.

Gisela Kangler

Wie fördern Landschaften das Wohlbefinden der Menschen? Erkenntnisse transdisziplinärer Forschungsprojekte aus der Schweiz

Natur und Landschaft können aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden. Das Spektrum reicht von der biozentrischen Perspektive des Eigenwerts aller Tiere und Pflanzen bis zur anthropozentrischen Sichtweise auf den Nutzen von Natur und Landschaft für das menschliche Wohlbefinden. Ausgehend von der Situation in der Schweiz wird in diesem Beitrag aufgezeigt, dass die Natur- und Landschaftspraxis diese vielfältigen Sichtweisen nutzen kann, um unterschiedliche Akteursgruppen anzusprechen. Anhand von zwei transdisziplinären Forschungsprojekten wird dargelegt, wie mit dem Ansatz der Landschaftsleistungen das Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen Landschaften und dem menschlichen Wohlbefinden geweckt werden kann. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung braucht es einen starken Einbezug der verschiedenen Landschaftsakteure aus Behörden, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Roger Keller, Norman Backhaus

Landschaftsbilder und Landschaftsverständnisse in Politik und Praxis – eine Einleitung

Landschaft hat große, jedoch oft zu wenig explizit untersuchte sowie beachtete Relevanz in Politik und Praxis der räumlichen Planung wie auch des Umweltmanagements. Dieser Band bietet kritische Reflexion der Verschiedenheit von Landschaftsbildern und Landschaftsverständnissen. Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, Definitionen und Ansätze zu vereinheitlichen. Im Gegenteil möchte dieser Band dazu beitragen, dass die vielfältigen Bilder und Verständnisse von Landschaft in Wissenschaften weiter vertieft, sowie zunehmend in Politik und Praxis erkannt, gewürdigt und kompetent in Governance-Prozess einbezogen werden.

Gisela Kangler, Markus Schaffert, Cormac Walsh

Bundesweite empirie- und modellgestützte Bewertung von Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes

Derzeit fehlt es an Daten zur Bewertung von Eingriffen in das Landschaftsbild durch den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland, die auf einer homogenen Methodik und einheitlichen Datengrundlage basieren und alle im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) genannten Bewertungskriterien abbilden. Der folgende Beitrag behandelt einen GIS-basierten Ansatz der Landschaftsbildbewertung, der auf Basis empirischer Daten eine statistische Modellierung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes erstellt. Die Modelle basieren auf Bewertungen von über 800 Landschaftsfotos durch über 3500 Personen in einer Onlineumfrage. Die Modellgüte (Bestimmtheitsmaß R2) der drei linearen Regressionsmodelle liegt zwischen 64 und 65 %. Jedes der drei Modelle wurde flächendeckend angewendet. Die Ergebnisdarstellung erfolgt in bundesweiten Karten, von denen die Karte zur Schönheit des Landschaftsbildes hier stellvertretend vorgestellt wird. Die statistischen Modelle werden untereinander verglichen. Neben grundlegenden gemeinsamen Bewertungsfaktoren wie dem Hemerobiegrad, dem Wald- und Gewässeranteil sowie der Ausprägung des Reliefs wird deutlich, dass die in § 1 BNatSchG genannten Kriterien zur Landschaftsbildbewertung (Vielfalt, Eigenart und Schönheit) sich durch jeweils spezifische Berechnungsfaktoren zusammensetzen.

Silvio Hildebrandt, Michael Roth, Hans-Georg Schwarz-von Raumer, Frank Roser

Kapitel 2. Bürgerbeteiligung und visuelle Kommunikation

Wenn eingeübte politische und verwaltungsrechtliche Verfahren in der Produktion legitimer Entscheidungen schwächeln, rückt die Legitimation durch Kommunikation in den Fokus (Brettschneider, 2013; Sarcinelli, 2015). „Wir müssen unsere Politik besser erklären“, oder „wir haben nicht gut genug kommuniziert“ sind häufig gehörte Phrasen, die sich um die Frage ranken, wie Bauvorhaben mehr Legitimität verschafft werden kann, wenn mal wieder ein Projekt im Gewitterhagel öffentlicher Auseinandersetzungen beschädigt wurde. Der Ausdruck Legitimation durch Kommunikation verweist darauf, dass politische Entscheidungen und Institutionen trotz einer verfassungsrechtlichen Verankerung nicht selbstverständlich und für alle Zeiten anerkennungswürdig sind.

Arne Spieker

1. Grundlagen und Einordnung des § 13a BauGB in der Planung

In diesem Kapitel wird die Basis der Regelung des § 13a BauGB näher betrachtet und eine Einordnung in das Planungsgeschehen vorgenommen.Ausgehend vom Flächenverbrauch, mit seinen vielfältigen Auswirkungen als Hintergrund der Bestimmung, wird die Entwicklung des rechtlichen Rahmens dargelegt sowie Veranlassung, Zielstellung und Vorgänger des § 13a BauGB erläutert.

Bernd Bohnenberg

History of Environmental Communication and Education

Communication about nature and the environment was important throughout the history of humankind. Humans learned about their environment by observation, by leaving adverse conditions or trying to overcome unfavourable condition in the nature by practical solutions.The exchange of information altered from oral to written and to digital, and from local to global. As an important result, the available amount of information simply exploded. However, it is reasonable to assume that especially local knowledge in many regions has disappeared.The development of environmental education represents a chronological sequence, which in general can be subdivided in five consecutive steps: 1. Communication of disaster stories and religious narratives (at local scales) 2. Education in religious institutions and schools about water and food production, nature, medicine, astronomy, religion, and other disciplines with the idea to enable human life and solve social problems (at regional scales) 3. Scientific education of modern concepts to solve environmental problems including ecosystem services and biodiversity conservation (at regional to supra-national scales) 4. Transdisciplinary exchange of scientific information and education of children, students, the public and stakeholders in economy and politics with the purpose to limit environmental disaster and species extinction (at regional to supra-national scales) 5. Environmental education which enables avoidance of environmental catastrophes, species extinction and social disasters (at all spatial scales) These phases can be seen as logical sequence of the past. However, the development in the past was not that clearly arranged as different aspects occurred at different times and in different regions independently. Today a combination of the first three steps is still globally relevant. Culturally different accentuation is realized at regional scales.The fourth step is only partially achieved and has to be intensified. The fifth step simply has not been reached, yet. However, diverse educational programmes show a strong effort to avoid environmental disaster based on scientific knowledge across all disciplines, which are related to human wellbeing, health, survival, animal welfare, and survival of species and ecosystems.The formal establishment of environmental education (EE) started in the middle of the twentieth century due to a worldwide growing concern about environmental problems. The concepts of environmental education and education for sustainable development (ESD) meanwhile are established in educational systems across the world.However, also these concepts today are intermingled between short-term perspectives (health, wellbeing, profit) and long-term perspectives (survival of ecosystems and biodiversity, resource use, recycling), and between nature conservation and development. Furthermore, dependent on the concept different aspects of economy, social science, and ecology are merged with the effect that the target course sometimes is getting rather weak.The central purpose of biodiversity conservation education (BCE) is the analysis and intermediation of the relationship between nature and culture, evolution and extinction, species and ecosystem, natural constraints and human possibilities. In general the term biodiversity is more related to natural sciences while conservation is part of the ethical-social discourse. Thus, also BCE requires the contribution of various disciplines.Modern concepts such as EE, ESD, and BCE have to respect, disentangle and analyze extremely complex problem areas including gaps of knowledge. EE and ESD promote multiple and sometimes competing goals. Furthermore, due to the holistic approach, the targets of ESD are partially ambiguous, while BCE is related to smaller and clearer targets.Since many environment-related education approaches are interdisciplinary if not holistic, school curricula of traditional core disciplines often do not provide enough space for relating contributions.Independent of the different positions and phases, the enlargement and intensification of environmental education in public schools and media is seen as an important measure parallel to political decisions and practical management of ecosystems.

Christine Börtitz, Carsten Hobohm

Urban Habitats: Cities and Their Potential for Nature Protection

What can cities do to harbour and promote wildlife, to support nature conservation and environmental sustainability, and also to improve people’s relationship to nature, both by direct interventions and by education/communication?To answer this question a few main lines are followed and linked to each other. These include (1) natural history, (2) ecological aspects, (3) nature management, (4) attractiveness of nature and the affinity to nature, and (5) future perspectives. We reviewed publications relating to three broad scientific disciplines as applied in current urban ecology, namely: (1) natural sciences, (2) engineering/urban planning, and (3) social sciences.The relationship to nature including urban climate, urban biodiversity and land use, is important for the whole urban life including health. To improve that relationship, it is necessary to have the support of citizens for policies of biodiversity management and protection. This is a promising development; however, in many cases the use of indigenous species and the acceptance of spontaneous developments in vegetation and wildlife within urban areas is hardly getting underway.Cities are agglomerations of artificial constructions and humans tolerating little space for wildlife. Nevertheless, by use of horticulture, greening of roofs and walls, and species conservation programmes, cities and urban areas can play an important role for wildlife and the survival of rare species inside and outside urban regions. Because of the heterogeneity and the diversity of habitat types which they offer, cities—certainly in intensive farming regions—are regularly more species-rich than comparable rural areas in the surroundings.Thus, spontaneous natural processes in urban areas should be allowed as much as possible, under conditions such as the safety of citizens and the control of invasive and exotic species. Then, evolution can progress even in urban environments at the interface between natural and cultural processes. In addition, spontaneous natural processes in urban areas give city dwellers the opportunity to experience nature from nearby and to feel connected to natural processes, as happened in the pre-urban past.Meanwhile, botanical gardens, aquariums and zoos play a vital role for the survival of rare species. Most of the larger institutions are located in cities, where they have more visitors than the ones located in rural areas. Thus, such institutions in cities have a high value for the exchange of information, including education for schoolchildren, simply because of the proximity.

Jan Jansen, Carsten Hobohm

Environmental Indicators and Biodiversity Conservation Strategies

Humans have always observed their natural surroundings and used signals from the environment—environmental indicators—for survival and wellbeing. This publication provides an overview of the current discussion on environmental indicators, and the way it intersects with biodiversity policy and management at different spatial scales. It considers questions such as what is the meaning of environmental indicators related to biodiversity and ecosystems? How informative are different indicators? How may an environmental indicator help to find solutions for the use and management of ecosystems and the survival of the species it supports?What current concepts, strategies and measures exist to protect the biodiversity and ecosystems? How effective are these with respect to observation, indication, control, legislation, effectiveness of policies and investment?The simplest environmental indicators are single measurements such as temperature or sea level. Others are more complex and combine different factors, e.g. to describe the overall sustainability of a country or the so-called ecological footprint of a person. Nevertheless, even if the calculation behind an indicator is complex, the message can be communicated simply e.g. in a symbol such as red, yellow or green traffic light for action.Some indicators that can be used to interpret environmental conditions, e.g. the World Happiness Index, are only indirectly related to the environment and focus mainly on social aspects and human wellbeing. Others are directly linked to biodiversity such as the Living Planet Index or Red Lists of threatened species.It is impossible to protect all species on Earth in an equal manner or to accept the status quo as it is now. Based on the assumption that there is a general agreement to protect biodiversity as a whole on Earth, there are many different conservation concepts currently being discussed, developed and applied. This contribution reviews and evaluates some of the most important ones from a global perspective.The no species loss strategy, the Biodiversity Hotspot strategy and ecological triage are concepts that each integrate more than a single strategy or measure.Payments for Ecosystem Services (PES) and Biodiversity Offset Programmes (BOPs) are recent schemes linking development programmes with payments for the restoration of environmental conditions and biodiversity. With respect to the number of annual publications and the amount of money invested, these measures seem to be of increasing interest. However, the programmes are often used/misused to enable and to support the development of buildings, infrastructure and industry. Thus, the value of such investments for the environment and biodiversity is rather ambiguous at the moment.National Parks and other types of protected areas, zero human influence strategies and wilderness, restoration measures, eradication of invasive species, activities against hunting and trade of rare and threatened species, captive breeding and release into the wilderness and de-extinction comprise multiple specific measures and treatments which are currently being developed and used to protect the biodiversity and ecosystem functions.Recent trends suggest that the amount of money invested for restoration measures, activities of zoos and botanical gardens, captive breeding, release of threatened species in the wild, and special nature conservation programmes related to certain threatened species will increase in the future.However, at the moment it is questionable if other tendencies such as the increase in the illegal trade of species and natural products can be limited by stronger regulation and enforcement, or if other measures might be more effective.

Carsten Hobohm

Coastal Habitats, Shallow Seas and Inland Saline Steppes: Ecology, Distribution, Threats and Challenges

Coastal and inland saline habitats are distributed worldwide. The coastal habitats occur at the border between land and sea in various landscape formations, such as rocky shores, shallow coasts and protected bays, as far as to offshore areas. The inland saline habitats are predominantly part of inland steppe ecosystems. The complex underlying geomorphology, ecology, specialized flora and fauna, temporal and spatial dynamic, diverse ecosystem services and the general importance for human populations, settlements, fisheries, trades, and tourism make coastal habitats a unique part of the world’s landscape.In this chapter, we briefly outline the historic significance of coastal habitats and their ecosystem functions and services. We describe recent threats affecting coastal habitats and their flora and fauna. Owing to their spatially close relation or similarities in vegetation composition to saltmarshes, we additionally describe the characteristics of shallow sea communities and inland saline steppe vegetation.Today, many of the characteristic plant and animal species showing special adaptations with respect to challenging environmental, as well as subtidal, coastal and inland saline habitats are threatened worldwide and thus, are under serious pressure. Main threats comprise residential and commercial building development, artificial coastal defence, tourism, overexploitation, pollution, increasing pressure of invasive and other problematic species, anthropogenic influence on water dynamics and climate-change induced changes in coastal dynamics.Theoretically, many climate-related extremes such as floods and hurricanes imply a much higher risk for humans and human buildings at the coast than for natural habitats which evolved under dynamic conditions and are adopted to strong coastal wind and water dynamics. However, as the natural resilience of these habitats is now often impaired by anthropogenic factors and climate extremes facilitate previously unknown variation to natural dynamics, climate change has become a growing threat to coastal ecosystems.We outline past and currently applied projects and activities, which we perceive as promising examples of science-based nature conservation measures in relation to main threats and socio-economic issues. We conclude with discussing future perspectives of coastal habitats on global and regional scale, in the light of global change, i.e. human influence on natural dynamics, land use change, climate change, and coastal protection.Solutions to reduce the pressure on coastal habitats and biota comprise, among others, e.g. to enlarge nature reserves and zero-use zones, to reduce human impact at landscape scales, and to give space for natural dynamics. Pollution and the impact of fertilizers may be locally reduced by buffer zones and technological solutions. However, the local interest in reducing sewage and nutrient release can only be limited by national or supra-national recycling policies and related regulations.One of the problems which cannot easily be solved is the irreversible introduction of alien species. Invasion of native biota can also become a problem if environmental conditions are altered. In this case every problem has to be monitored at regional scales and managed by hand, if possible.At the same time, we assume that current tendencies, e.g. growing settlements and cities at the coasts, increasing tourism and climate change cannot be reversed in a short time.Furthermore, political decisions are often unpredictable.

Carsten Hobohm, Joop Schaminée, Nils van Rooijen

Wetlands: Challenges and Possibilities

This contribution deals with recent challenges and prospective developments of mires, bogs, fens and swamps, and of standing and running waters. We ask the question how it might be possible to reduce the anthropogenic pressure to relating habitats and characteristic biodiversity in a long-term perspective.The most important threats for wetland habitats are pollution, e.g. by use of pesticides, waste of nutrients, metal, and pharmaceuticals, natural system modification, i.e. modification of flow and geomorphology by settlements, establishment of industries, drainings, building of dams, barrages and hydroelectric power stations, biological resource use, e.g. fishery and hunting, invasive and other problematic species, genes and diseases, and the influence of aquaculture and agriculture, partially over long distance.Various solutions for the management of wetlands with respect to environmental conditions and natural processes have been published and are currently applied. These are e.g. dismantling of dams or disclaimer of new dams and barrages, regulation of water withdrawal for human use, incentives for the reduction of the use of pesticides, fertilizers and other groups of chemicals, establishment of buffer zones, enlargement and establishment of new nature reserves, and many more. However, the influence of moderate use of relating habitats e.g. by domestic grazing or removal of trees should be monitored with a focus on the hydrologic conditions and species conservation of endemic, rare and threatened biota.We hypothesize that the effectiveness of restoration and protection measures might seriously increase if the focus is widened and especially border and transition zones between agricultural land, industrial area or settlement and wetland are included in monitoring and nature conservation programmes.The reduction of a short-term profit at local scales caused by regulations can result in increasing long-term profit at larger spatial scales because self-regulated biodiversity and food webs may lead to higher output of ecosystem services, e.g. products of fishing.

Martin Lindner, Carsten Hobohm

Development and Future of Grassland Ecosystems: Do We Need a Paradigm Shift?

Grassland is the largest terrestrial biome on Earth. It provides important goods and services such as animal fodder (e.g. hay), animal products (e.g. meat, milk and leather), but also ecosystem services such as the contribution to climate regulation, and landscape aesthetics. Last but not least it harbours a rich biodiversity.Grassland ecosystems are declining in quantity and diversity due to expansion of cropland, urban areas, tree plantations, use of mineral fertilisers and pesticides, suppression of natural fires, overgrazing, undergrazing, intensification of use and cessation of use. Decisions made at regional scales are frequently not strong enough to promote sustainable grassland utilisation and protection of habitats and biodiversity, neither at regional nor at continental to global scales.We focus on examples from different regions on Earth, the Brazilian Cerrado, Kazakh steppe, and semi-natural grasslands in Europe, and assess environmental conditions including human influences resulting in efficient nature conservation measures. We selected these examples because of their different geographical position and history of use. The examples face very different environmental conditions and evolutionary histories. However, they have in common that the biomass regularly is reduced by grazing, mowing, drought or fire. Without reduction of biomass the biodiversity of many grassland habitats is decreasing and the habitat is replaced by the growth of woody plants and forest.With this contribution we want to advocate the discussion about a paradigm shift. For many ecosystems the classic assumption of optimal nature protection is to promote wilderness and natural processes, and human influence should be reduced or totally excluded. However, meanwhile many examples show that human influence under certain conditions and depending on the intensity can support nature conservation and biodiversity sustainability. Furthermore, usage means trade, exchange of money and therefore upvaluation of the system compared with a habitat that is not used, and, thus, has no economic value for the people.We discuss the question how intense human influence should be for grassland conservation by focusing on the first and main goal of the Convention on Biological Diversity, i.e. survival of all biota on Earth and stopping the loss of biodiversity. Therefore, if human activities support this goal anthropo-zoogenic influence may be wellcome. In the case of many grassland habitats moderate human influence might promote both the protection and survival of biodiversity and economic aspects that can be translated in payments, i.e. human values.The examples show that the policy at national or supranational scales most probably will decide about the fate of grasslands outside and inside of national parks and other nature reserves.

Carsten Hobohm, Monika Janišová, Hans-Christoph Vahle

Ein Bonus-Malus-System als Katalysator für die Modernisierung der Pkw-Flotte

Der Verkehr ist der einzige Sektor in Deutschland, dessen Treibhausgasemissionen seit dem klimapolitischen Referenzjahr 1990 nicht gesunken sind. Verantwortlich hierfür war vor allem ein Anstieg der Fahrleistung, aber auch der Trend zu größeren und höhermotorisierten Pkw, durch den technische Effizienzgewinne konterkariert wurden. Um eine Chance zu wahren, die mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz selbst gesteckten Emissionsziele zu erreichen, muss nun unverzüglich umgesteuert werden: vom Pfad der Stagnation auf die Schnellspur in Richtung einer massiven Treibhausgasreduktion. Angesichts seines dominanten Emissionsanteils wird dabei gerade der Straßenpersonenverkehr einen entscheidenden Minderungsbeitrag leisten müssen. Ein wesentlicher Ansatzpunkt hierfür ist es, den spezifischen CO2-Ausstoß neuzugelassener Pkw schnell zu senken. Dazu ist sowohl der Markthochlauf elektrischer Antriebe als auch der Effizienzfortschritt bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor deutlich zu beschleunigen. Um Elektrifizierung und Effizienzverbesserungen voranzutreiben, ist das derzeitige Instrumentarium nachzuschärfen und zu erweitern. Eine sinnvolle Ergänzung des bisherigen Instrumentenmix ist ein unmittelbar beim Fahrzeugkauf ansetzendes Bonus-Malus-System. Durch dieses, in einigen Ländern bereits etabliertes, Instrument kann der Kauf sparsamer und klimaverträglicher Pkw in effektiver, aufkommensneutraler und sozial ausgewogener Weise angereizt werden. Ein Bonus-Malus-System kann einen wichtigen Push-Impuls für die beschleunigte Modernisierung der Pkw-Flotte aussenden. Komplementär hierzu braucht gerade die Elektrifizierung überdies einen starken Pull-Impuls, der insbesondere aus einer ausreichend dichten und nutzerfreundlichen Lade-Infrastruktur besteht.

Carl-Friedrich Elmer, Claudia Kemfert

Mobilität und Energie bedeuten Wohlstand – Auf Basis der Physik von der Vergangenheit zur Zukunft

Wohlstand und Mobilität sind untrennbar miteinander verwoben. Die Sicherstellung dieser Mobilität wird allerdings zunehmend durch Reglementierungen und Falschannahmen in der Klimapolitik gefährdet. Die damit verbundene Verteuerung der Energie wird dabei vor allem die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten treffen. Eine physikalisch-wirtschaftliche Betrachtung, die als Erstveröffentlichung in der MTZ 4/2019 erschienen ist.

Wolfgang Maus

Chapter 21. Carsharing als Baustein einer Smart Region Strategie

Viele Städte in Deutschland leiden unter einer massiven Verkehrsüberlastung: Staus, Umweltprobleme und nicht zuletzt die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Menschen sind die Folgen dieser Verkehrsproblematik. Ausgehend von diesem Sachstand zeigen die Autoren anhand in der Praxis erworbener Kenntnisse auf, welche Ineffizienzen bei der Nutzung des motorisierten Individualverkehrs bestehen und wie jeder einzelne seine individuelle Mobilität entsprechend verändern kann, um so einen Beitrag zu einer Verkehrswende zu leisten. Carsharing kann hier ein Baustein sein, um das Verkehrsverhalten nachhaltig anzupassen und die Nutzung des Umweltverbundes (Umweltverbund bezeichnet die Gruppe der „umweltverträglichen“ Verkehrsmittel, also nicht motorisierte Verkehrsträger (beispielsweise Fußgänger oder Fahrräder), öffentliche Verkehrsmittel (Bahn, Bus und Taxis), sowie Carsharing und Mitfahrzentralen.) zu begünstigen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die Vernetzung der Angebote innerhalb einer Region. Wie dies gelingen kann und welche Rolle dabei die IT einnimmt, wird in diesem Beitrag erläutert.

Martin Trillig, Reinhard Becker

Chapter 9. Nachhaltige Geschäftsmodelle in der Smart Region

Nachhaltigkeit ist mehr als eine gesellschaftliche Anforderung oder eine philanthropische Erwägung. Vielmehr ist Nachhaltigkeit eine unternehmerische Chance für Gründer und für etablierte Unternehmen. Wie lassen sich nachhaltige Geschäftsmodelle unterscheiden? Wie lässt sich Nachhaltigkeit in neue oder in bestehende Geschäftsmodelle integrieren? Wie lassen sich nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln? Der Beitrag präsentiert eine praxisbezogene Typologie nachhaltiger Geschäftsmodelle mit 7 Typen und 28 Segmenten sowie einen Ansatz für die Entwicklung von ökologischen und sozialen Geschäftsmodellen bei Neugründungen und bei etablierten Unternehmen. (Der Beitrag basiert auf dem Praxishandbuch Ahrend, K.-M. (2016). Geschäftsmodell Nachhaltigkeit: Ökologische und soziale Innovationen als unternehmerische Chance. Wiesbaden: Springer. Es enthält über 800 Praxisbeispiele nachhaltiger Geschäftsmodelle.) Die Typologie zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, ökologisch und/oder sozial relevant, glaubwürdig und ambitioniert zu wirtschaften. Darüber hinaus wird ein Konzept für die Nutzung von digitalen Ansätzen bei nachhaltigen Geschäftsmodellen in einer Smart Region vorgestellt.

Klaus-Michael Ahrend

2. Daseinsvorsorge und Vorsorge

Mit dem Wegfall der Richtlinie 67/548 EWG und dem Inkrafttreten der VO (EU)Nr. 1272/2008 als der Basis des Chemikalienrechts für Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von chemischen Stoffen und Gemischen (umgangssprachlich als GHS-VO bezeichnet) wurde es erforderlich, das Störfallrecht diesen dort erfolgten Änderungen anzugleichen. Diese Änderungen sind insofern als tiefgreifend zu bezeichnen, da sich vor allem die Einstufungskriterien und damit die Einstufung der Chemikalien geändert haben.

Ursula Stephan, Bernd Schulz-Forberg

3. Sicherheitstechnische Kennzahlen

Voraussetzung für sichere Produktionsverhältnisse ist die Kenntnis über das Verhalten von allen Stoffen und Stoffgemischen unter betrieblichen Bedingungen sowie möglichen Abweichungen bei Störfällen. Deshalb müssen alle Eigenschaften der Ersatz-, Hilfs- und Rohstoffe, Zwischen-, Neben- und Endprodukte, Rückstände und Emissionen bekannt sein.

Ursula Stephan, Bernd Schulz-Forberg

5. Management: Verpflichtung und Verfahren

Managementverfahren sind unabdingbare Voraussetzung für die Erzeugung von und den Erhalt der Sicherheit in allen Phasen des Produktlebenszyklus. Folgende Verfahrensweisen werden zielführend eingesetzt. Alle bekannten Verfahren werden kontextorientiert und damit zielführend eingesetzt.

Ursula Stephan, Bernd Schulz-Forberg

1. Einleitung

Die Beschäftigung der Menschheit mit Kenntnissen und Fertigkeiten auf chemischem Gebiet reicht bis in die Steinzeit zurück (ca. 4500 v. Chr.). Sie entwickelte sich aus verschiedenen Methoden des Feueranzündens im Zusammenhang mit der Kalt- bzw. Warmbehandlung von Kupfer und Gold. Damit begann nicht nur ein Anstieg der Menschheit auf eine höhere Stufe der Lebensweise, kurz Lebensqualität, sondern auch eine Belastung der Umwelt mit Schadstoffen, die natürlich bzw. ubiquitär nicht vorkommen.

Ursula Stephan, Bernd Schulz-Forberg

4. Stoffe, Prozesse, Barrieren

Es gibt keine absolute Sicherheit im Sinne eines Null-Risikos. Allerdings sollten alle Möglichkeiten ausgenutzt werden, damit bei den technischen Produkten und Systemen jeweils das Verhältnis zwischen dem Risiko eines denkbaren Schadens und dem geschaffenen Nutzen für die zu schützenden Rechtsgüter ausgewogen ist. Der Maßstab für die größten noch zu vertretenen Schäden ist jedoch nicht nur durch das Schutzbedürfnis der zu betrachtenden Rechtsgüter bestimmt, sondern auch durch die Absicht, gesellschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen. Es geht also nicht um Risikoverbot, sondern um Risikosteuerung.

Ursula Stephan, Bernd Schulz-Forberg

10. Ausgewählte Anwendungen

In Produktionsanlagen mit kontinuierlicher Fertigung werden Stoffbahnen verschiedener Materialien wie Metalle, Kunststoffe, Textilien oder Papier erzeugt und in unterschiedlichen Sektionen bearbeitet. Der Aufgabe entsprechend durchlaufen die Stoffbahnen dabei verschiedene Bearbeitungsschritte mit elastischen oder plastischen Verformungen, Beschichtungen oder speziellen Behandlungen. Am Ende der Bearbeitung werden die Stoffbahnen meist in Wickeln gespeichert.

Dierk Schröder, Joachim Böcker

Kapitel 1. Einleitung

Ethologie und Hydraulik – wozu wird das benötigt?

Der Mensch nimmt großen Einfluss auf viele in seiner Umwelt ablaufende Prozesse und stellt damit einen maßgebenden Faktor für Veränderungen auf der Erde dar – es ist das Zeitalter des Anthropozän. Auf dem Weg von der Natur- zur Kulturlandschaft wurden Fließgewässer an Nutzungsanforderungen wie z. B. Energieerzeugung, Hochwasserregulierung und Schiffbarkeit angepasst und durch zahlreiche Querbauwerke in viele Segmente unterteilt. Zwar sind viele dieser Bauwerke durch Schleusen, Hebewerke oder entsprechende Beschilderung für Schiffe und Boote passierbar, jedoch geraten aquatische Lebewesen dort oft in eine für sie unpassierbare Sackgasse oder wagen bei Wasserkraftanlagen gar den oft tödlich endenden Weg durch die Turbine.

Boris Lehmann, Katharina Bensing, Beate Adam, Ulrich Schwevers, Jeffrey A. Tuhtan

1. § 1 Allgemeines Umweltrecht

Der Begriff Umwelt bezeichnet in seiner allgemeinen sprachlichen Bedeutung die umgebende Welt vor allem des Menschen, aber auch anderer Lebewesen. In seiner durch die ökologische Diskussion entwickelten spezifischen Bedeutung versteht man darunter heute die Gesamtheit der äußeren Lebensbedingungen, die auf eine bestimmte Lebenseinheit (Mensch, Tier, Pflanze) einwirken bzw. in einer Wechselwirkung untereinander stehen. In diesem weit verstandenen Sinne gehören zur Umwelt die gesamte belebte und unbelebte Umgebung einschließlich der sozialen Umwelt (auch als Mit-Welt bezeichnet) und ihrer Institutionen.

Winfried Kluth

6. § 6 Klimaschutzrecht

Durch menschliche Aktivitäten verursachte, sogenannte anthropogene Emissionen erhöhen die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre und bewirken einen globalen Temperaturanstieg. Im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1880) ist die mittlere Jahrestemperatur um 1,5 Grad Celsius gestiegen. Für den Zeitraum bis 2100 prognostiziert der sogenannte Weltklimarat, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), je nach zugrunde gelegtem Emissionsszenario eine globale Erderwärmung zwischen 0,9 bis 5,4 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Die Folgen eines solchen Klimawandels sind vielfältig und regional unterschiedlich stark ausgeprägt: Einerseits bewirkt der Anstieg der globalen Mitteltemperatur, dass Gletscher tauen, Eisschilde an Masse verlieren, sich Ozeane erwärmen und der mittlere Meeresspiegel steigt. Andererseits könnten sich Jahreszeiten und Niederschlagsmuster verändern und zur Verschiebung von Klima- und Vegetationszonen führen. Dies könnte die Bodenfruchtbarkeit und in der Folge die Nahrungsmittelproduktion sowie die Artenvielfalt beeinträchtigen. Davon wären insbesondere Entwicklungsländer betroffen. Zudem ist damit zu rechnen, dass Extremereignisse wie Hitzeperioden, Wirbelstürme, Dürren, Starkregen und Überflutungen häufiger und in extremerer Ausprägung auftreten werden. Der Klimawandel ist mit den genannten Folgen schon heute auf allen Kontinenten feststellbar. Es sind die Entwicklungsländer, die besonders unter diesen Auswirkungen zu leiden haben.

Susanna Hoffmann-Much

4. § 4 Wasserrecht

Das Wasser gehört zu den wichtigsten Grundlagen des menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens. Es wird vom Menschen in vielfältigster Weise genutzt. Neben seiner Verwendung als Trink- und Brauchwasser ist es wichtiges Produktionsmittel für Industrie und Handwerk. Es wird zur Stromproduktion in Wasserkraftanlagen benötigt und dient der Kühlung von Kernkraftwerken.

Anne-Barbara Walter

5. § 5 Natur- und Artenschutzschutzrecht

Die historischen Wurzeln des Naturschutzes liegen im Schutz besonders schöner Landschafts-bestandteile. Sie stehen im Zeichen des romantischen Naturerlebens und des Heimatschutzes. Beispielhaft dafür sind die Bemühungen um den Schutz des Drachenfels bei Bonn seit dem Jahr 1836. Sie haben den Grundstein zum Naturdenkmalschutz gelegt. Sie galten in der Folge auch besonders schönen und seltenen Tieren und Pflanzen. Eine besondere Rolle für die Begründung des Artenschutzes spielte hierbei der Vogelschutz. Eine erste gesetzliche Grundlage erhielt der Naturschutz mit dem Reichsnaturschutzgesetz vom 28.06.1935.

Rainer Wolf

3. § 3 Kreislaufwirtschafts- und Abfallrecht

Der Blick auf Abfall hat sich verändert: was früher auf der Müllkippe deponiert wurde, soll heute möglichst lange im Wirtschaftskreislauf gehalten werden. Abfälle, die in Deponien eingelagert wurden, sollen wiedergenutzt werden. Abfall wird zunehmend als Ressource betrachtet. Ursache dafür sind die Probleme und Kosten, die mit der modernen, auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsweise verbunden sind: Raubbau an der Natur, Kosten für die Entsorgung und eine Mentalität, allzu oft das neueste Produkt zu erwerben, bestimmen das Problemfeld.

Ulrich Smeddinck

8. § 8 Umweltstrafrecht

Strafrecht sollte immer die ultima ratio sein. Das gilt im allgemeinen Strafrecht, das gilt aber ebenso im Umweltstrafrecht. Andererseits sollte kein Zweifel daran bestehen, dass Umweltstraftaten keine Kavaliersdelikte sind, dass eine Gewässerverunreinigung oder eine umweltgefährdende Abfallbeseitigung genauso strafwürdig sein können wie ein Diebstahl oder ein Betrug. Darum ist es auch falsch, wenn von einigen Autoren die Abschaffung des Umweltstrafrechts gefordert wird, weil es sich angeblich nur um Bagatellkriminalität handele. Bei Bagatellstraftaten stehen Staatsanwaltschaft (StA) und Gericht geeignete Instrumente zur Verfügung, indem nach Opportunitätsgrundsätzen (§§ 153, 153a Strafprozessordnung (StPO)) entschieden wird. Es gibt jedoch genügend gravierende Delikte – teilweise auch den Bereich der Wirtschaftskriminalität berührend – die mit spürbaren Strafen geahndet werden müssen. Reines „Verwaltungsunrecht“ kann als sogenannte Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld sanktioniert werden.

Hans-Jürgen Sack

1. Aufbau und funktionelle Bemessung von Seedeichen – ein Überblick

Für den Sturmflutschutz mit technischen Bauwerken haben sich Seedeiche in Deutschland als wichtigstes Küstenschutzelement bewährt. Bei Seedeichen handelt es sich um küstenparallele Linienbauwerke in Erdbauweise, die durch die lokale Geländeerhöhung eine Barriere zwischen Meer und Hinterland darstellen und somit vor Überflutungen schützen. Seedeiche erfahren, bedingt durch schwankende Wasserspiegel und Seegang, verschiedenen hydraulischen Belastungen und Wellen-Bauwerks-Interaktionen. Der Aufbau eines Seedeichs ist an die hydraulischen Einwirkungen und örtlichen Gegebenheiten gekoppelt. Nationale und internationale Leitfäden und Empfehlungen stehen für die Planung und Ausführung zur Verfügung. In dem vorliegenden Beitrag werden die Belastungen und der Aufbau von Seedeichen sowie Leitfäden und Empfehlungen für die Bemessung zusammenfassend dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf den hydraulischen Einwirkungen und der funktionellen Bemessung.

B. Scheres, H. Schüttrumpf

7. Unterhaltung ökologisch aufgewerteter Seedeiche

Zunächst wird der Status Quo der Unterhaltungsstrategien und der Unterhaltungsprozesse in den Küstenländern, die für den Hochwasserschutz an der Küste und für den Küstenschutz zuständig sind, dargestellt. Außerdem werden mittels einer Analyse des Risikos bzw. der Versagenswahrscheinlichkeiten von Deichen mit Bezug zur Unterhaltung und Instandhaltung mögliche Schwachstellen einzelner Elemente von Deichen herausgestellt. Hierbei wird die Qualität der Grasnarbe als wesentliches Kriterium für die Sicherheit von Deichen identifiziert. Darauf aufbauend wird ein risikobasierter Ansatz zur Bewertung der Sicherheit von Deichen und zur Deichunterhaltung erarbeitet, der unterstützt durch in situ Tests zur Verbesserung der Objektivierung der Bewertung des Zustands von Deichen beiträgt. Wesentliche Aspekte der in situ Tests sind die Qualität der Grasnarbe, die Scherfestigkeit sowie die Erosionsstabilität der Grasnarbe.

P. Jordan, N. Manojlovic, P. Fröhle

4. Die Deichbegrünung unter ökologischen Gesichtspunkten

Die Vegetation soll den Deichkörper schützen, ähnlich einer Haut. Dazu ist es notwendig, dass die Vegetation verschiedenste Anforderungen an den ober- und unterirdischen Wuchs und bezüglich der Anpassung an Standort und Nutzung erfüllt. Darüber hinaus sind Deiche aber auch Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Aufgrund ihrer Länge und Verbindung von Naturräumen kommt ihnen hier eine besondere Bedeutung zu. In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass artenreiche Grasnarben besser mit Umweltänderungen wie Trockenstress umgehen können und Bodenerosion reduzieren. In diesem Beitrag werden Ergebnisse aus ökologischer und agrarischer Forschung zusammengestellt und auf Deichvegetationen angewendet. Ziel ist es, Impulse und Handlungsempfehlungen für das Design und die Anlage artenreicherer Grasnarben auf Deichen zu geben.

N. Wrage-Mönnig, C. Bisgwa, A. Graunke

2. Ökosystemare Aspekte an Seedeichsystemen

Die Hauptfunktion von Seedeichen liegt im Sturmflutschutz. Seedeiche sind gleichzeitig jedoch auch Teil eines Ökosystems, das wertvolle Funktionen haben kann. Eine ökologische Aufwertung von Seedeichsystemen kann zum einen durch die Aufwertung von Deichvorland und Küstenökosystemen, zum anderen durch die ökologische Aufwertung des Deichbauwerks selbst erfolgen. Die Deichsicherheit und damit die Küstenschutzfunktion sind dabei jedoch weiterhin zu priorisieren. In dem vorliegenden Beitrag werden grundlegende Definitionen und Rahmenprogramme des naturbasierten Küstenschutzes dargelegt und schließlich, basierend auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts EcoDike (FKZ: 03F0757 A–F), ökosystemare Aspekte an Seedeichsystemen und Methoden zur ökologischen Aufwertung diskutiert.

B. Scheres, A. Arns, C. Bisgwa, B. Deutschmann, P. Fröhle, N. Goseberg, A. Graunke, T. K. Hoffmann, H. Hollert, J. Jensen, P. Jordan, K. Keimer, V. Kosmalla, N. Manojlovic, J. Michalzik, S. Molzberger, M. Paul, T. Schlurmann, D. Schürenkamp, F. Soltau, M. Ulm, N. Wrage-Mönnig, H. Schüttrumpf

3. Die Küstenschutzfunktion von Deichvorlandökosystemen

Vegetation auf dem Deichvorland kann zum Küstenschutz beitragen, indem sie die Wellenenergie und somit mögliche Erosionen auf der Deichoberfläche reduziert bzw. dämpft. Für die Berücksichtigung der Vegetation als natürliches Küstenschutzelement muss die wellendämpfende Wirkung praxistauglich quantifiziert werden. Dazu wurde auf Basis empirischer Daten ein Entscheidungsbaum erarbeitet, der über die Eingabe von Wellen-, Vegetations- und Umgebungsparametern eine resultierende Dämpfungsklasse angibt. Die eingeschränkte Datengrundlage, insbesondere im Hinblick auf die Vegetationsparameter, ermöglicht bislang jedoch nur eine approximative Einschätzung des Dämpfungsverhaltens. Aus diesem Grund sollte die Datengrundlage zukünftig durch speziell für die Wellendämpfung relevante, biomechanische Pflanzenparameter erweitert werden. Erst hierdurch kann die hydrodynamische Wirksamkeit von Vegetation im Küstenschutz robust abgeschätzt werden.

F. Soltau, K. Keimer, V. Kosmalla, D. Schürenkamp, M. Ulm, A. Arns, N. Goseberg, J. Jensen

2. Wirtschaftsverfassungsrecht

Im Wirtschaftsverfassungsrecht (Kap. 2) werden zunächst diejenigen Verfassungsbereiche behandelt, die ordnend und gestaltend auf wirtschaftliche Prozesse und Aktivitäten einzelner Wirtschaftsteilnehmer einwirken. Dazu zählen neben verfassungsrechtlichen Fragen der Wirtschaftsordnung vor allem die Grundrechte, insbesondere, wenn sie als individuelle Abwehrrechte gegenüber staatlichen Eingriffen wirken. Hinzu treten Staatsziele und staatsorganisationsrechtliche Grundlagen, die die hoheitlichen Kompetenzen gewaltenteilig begründen (Art. 70 ff. GG) sowie Aufgaben und Befugnisse zuweisen (Art. 30, 83 ff. GG). Abgerundet wird das Kapitel durch die Bezüge zwischen der deutschen Verfassungsordnung und dem europäischen wie internationalen Wirtschaftsrecht.

Cornelia Manger-Nestler, Ludwig Gramlich

Sanierung und Umbau eines Wohnhauses der 1930er Jahre

Das Wohnhaus Wieckestraße Nr. 10 in Dresden ist fast 100 Jahre alt und eines der letzten original erhaltenen Gebäude in der Doppelhaus-Siedlung in Leubnitz-Neuostra. Es steht nicht unter Denkmalschutz. Anliegen ist es, möglichst viel originale Substanz zu erhalten und das Gebäude nachhaltig, ökologisch und der Substanz angemessen zu sanieren und umzubauen.

Katrin Schweiker, Stefan Dirlich

Mobile Erweiterte Realität (mAR) mit unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs)

Architekturen und Anwendungsfälle im Umweltbereich

Während mobile Erweiterte Realität (mAR) bisher überwiegend auf handelsüblichen Mobilgeräten (Smartphones, Tablets) oder auf speziellen AR-Brillen umgesetzt wird, wäre es auch möglich, unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) zur Realisierung von mAR einzusetzen. Aus der Kombination dieser beiden innovativen Technologien ergäbe sich eine Vielzahl neuer Anwendungen, bei der das Kamerabild des UAVs durch AR-Informationen in Echtzeit erweitert und auf einem separaten Bildschirm dargestellt wird. Da aber Wissen über die Einsatzmöglichkeiten und die technische Umsetzung von AR-UAVs bislang nicht bekannt sind, wird das Potenzial der Kombination aus mAR und UAV bisher nicht genutzt. Daher werden in diesem Beitrag zum einen potenzielle AR-UAV-Anwendungsbereiche auf Basis einer systematischen Literaturanalyse identifiziert sowie zum anderen unterschiedliche Software-Architekturen, mit denen AR-UAV-Anwendungen software-technisch umgesetzt werden können, auf Basis von verschiedenen Tracking-Technologien entworfen und bewertet, um es insgesamt zu ermöglichen, das Potenzial von AR-UAVs stärker auszuschöpfen.

Maria Ressel, Simon Burkard, Frank Fuchs-Kittowski

Grundbegriffe, Anwendungen und Nutzungspotenziale von geodatenbasierter mobiler Augmented Reality im Umweltbereich

Die Autoren sehen ein großes, noch kaum erschlossenes Anwendungspotenzial für die neue Technologie der geodatenbasierten mobilen Augmented Reality (GeomAR) in der öffentlichen Verwaltung bzw. in der Umweltinformatik. Um ein Bewusstsein für solche Möglichkeiten zu schaffen und die Fantasie zum Konzipieren neuer denkbarer Anwendungen anzuregen, wird im vorliegenden Beitrag zunächst der Begriff erläutert, danach beispielhaft existierende Anwendungen aus der Fachliteratur dargestellt, schließlich prototypische und hypothetische Anwendungen aus dem eGovernment im Umweltbereich diskutiert und schließlich noch ein Ordnungsrahmen für GeomAR-Anwendungen vorgeschlagen.

Simon Burkard, Frank Fuchs-Kittowski, Andreas Abecker, Erik Haß, Fabienne Heise, Roman Miller, Kai Runte, Friedhelm Hosenfeld

Neuentwicklung einer Intranet-Web-Anwendung für das Geotopkataster Schleswig-Holstein

Vorgestellt wird die Intranet-Web-Anwendung für das Geotopkataster Schleswig-Holstein, die für die Abteilung Geologie und Boden (Geologischer Dienst) des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig–Holstein zur Unterstützung ihrer fachbehördlichen Aufgaben des Geotopschutzes entwickelt wurde. Die Umsetzung erfolgte als PHP-Fachanwendung, die in die Auswertungs- und GIS-Plattform Disy Cadenza integriert wurde, um einerseits die Auswertungsfunktionalitäten und die GIS-Funktionen zur Geometrieerfassung- und -darstellung in Cadenza zu nutzen und um andererseits eine auf die fachlichen Anforderungen zugeschnittene Sachdatenerfassung zur Pflege der Geotopdaten anzubieten. Mit der Neuentwicklung als Web-Anwendung zur Ablösung einer Microsoft Access-Anwendung wurde auch das Datenmodell optimiert. So ist mit dem neuen Geotopkataster die Verwendung unterschiedlicher Geometrietypen (Polygone, Linie, Punkte) möglich. Zahlreiche Schlüssellisten unterstützen die Datenharmonisierung und eine standardisierte Datenqualität.

Friedhelm Hosenfeld, Johannes Tiffert, Marcus Zunke, Kay Krienke, Jan Willer

Open Access

Kapitel 3. Internationale Zielmarktanalyse

In Kapitel 3 werden die Ergebnisse aus den Experteninterviews zu den ISA-Modell Bausteinen 1-3 dargestellt (Kapitel 3.1-3.3). Die Bausteine 1-3 des ISA-Modells gehören zur strategischen Analyse im Prozess des strategischen Managements.

Simone Reber geb. Wiesenauer

Open Access

Kapitel 6. Fallstudien

Kapitel 6 zeigt konkrete Vorgehensweisen für die Zielmarktanalyse für eine Industrie (Kapitel 6.1) und unterschiedliche Internationalisierungsmuster von Unternehmen (Kapitel 6.2). In Kapitel 6.1 wird eine eigenständig entwickelte Methode für eine Zielmarktanalyse in einer Querschnittsindustrie wie der Umwelttechnikindustrie vorgestellt. Dabei wird auf die ersten drei Bausteine des ISA-Modells eingegangen. Kapitel 6.2 stellt die Internationalisierungsmuster von zehn Unternehmen vor, dabei wird auf alle Bausteine des ISA-Modells eingegangen. Die Fallstudien in Kapitel 6.2 sind so ausgewählt, dass möglichst unterschiedliche Markteintrittsstrategien und deren Implementierung beschrieben werden können (siehe auch Abb. 6–9).

Simone Reber geb. Wiesenauer

4. Anwendung von Service Prototyping in Unternehmen

Innerhalb des Verbundprojekts wurden bei mehreren Partnerunternehmen Anwendungsprojekte in der Dienstleistungsentwicklung mit Service Prototyping begleitet. In Workshops, Experteninterviews, Prozessanalysen und gemeinsam erstellten Prototypen wurden Anforderungen an das Verfahren ermittelt und Ansätze erprobt, evaluiert und optimiert. In diesem Kapitel werden diese Anwendungsprojekte sowie die in diesem Zusammenhang gemachten Erfahrungen mit Service Prototyping vorgestellt.

Laura Kersten, Hendrik Mielke, Pascal Striebig, Michael Grethler, Tanja Sieber, Felix Sattelberger, Monika Binninger

Kapitel 4. Biodiversität von exzellenten Leistungen in Flora und Fauna – Eine Auswahl mit zwei Extrabeispielen aus der Natur-Messtechnik und der BIOGEONIK

In diesem Kapitel möchte ich Sie in die Biodiversität der Natur, in den unermesslichen Reichtum von Pflanzen und Tieren mitnehmen, zumindest Ihnen einen ersten Eindruck davon verschaffen, mit welchen „technischen“ Leistungen uns Pflanzen und Tiere voraus sind und das es lohnt, sich mit ihren Prinzipien näher zu befassen. Hochaufragende Mammutbäume transportieren Nährstoffe und Flüssigkeiten spielend in Höhen von über 100 m, wohingegen wir bei gleichen Transportvorgängen enorme Zusatzenergien einsetzen müssen.Die Pflanzen sind genial darin, variationsreiche Material-Leichtigkeit mit außerordentlicher Material-Bruchfestigkeit zu verbinden; wir laufen dieser Technik noch mit großem Abstand hinterher und dieser wird noch größer, wenn wir unsere Materialabfallprobleme mit einbeziehen.Leuchtende Farben ohne Farbstoffe herzustellen, Oberflächen sich selbst nur mit Wasser reinigen zu lassen, Kleben ohne Klebstoffe zu benutzen oder klimagerechte Wohnräume ohne Zusatzenergie zu konstruieren sind nur wenige von zahlreichen Praktiken der Natur, die uns stauen lassen. Würden wir wie Spechte mit zig hundertfacher Erdbeschleunigung mit unserem Kopf einer derartigen Belastung ausgesetzt, wäre er pulverisiert.Die Techniken der Organismen sind eben nicht nur genial an das Leben in der Natur angepasst, es entwickelten sich über lange Zeiträume auch raffinierte Werkzeuge, Prozesse und Organisationen. Wir wären – mit Blick auf unsere eigenen Problembewältigungen – ziemlich schlecht beraten, diese nicht nur nicht zur Kenntnis zu nehmen sondern auch nicht für uns selbst zu nutzen.

E. W. Udo Küppers

Umwelt- Umweltpolitik und KlimapolitikKlimapolitik

Europäische Umwelt- und Klimapolitik befasst sich mit zentralen Aspekten der für das menschliche und gesellschaftliche Überleben unmittelbar relevanten physischen Umwelt des Menschen. Einen Umweltmedienansatz verfolgend, d. h. auf Wasser, Klima, Luft und Boden fokussierte Politiken konzentriert, ist sie einem hohen Natur- und Umweltschutzniveau verpflichtet und hat die Verbesserung der Umweltqualität sowie die nachhaltige Ressourcennutzung und Gesamtentwicklung der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zum Ziel. Sie integriert Umweltbelange in alle anderen Politikbereiche der EU und dient dem Schutz von Umwelt und Natur sowie der Gesundheit des Menschen. Einen besonderen Stellenwert innerhalb der EU-Umweltpolitik nimmt die Klimapolitik ein. Der Verpflichtung der EU zum globalen Umweltschutz gerecht werdend und auf multilaterale Kooperation setzend, hat diese die Verringerung von Treibhausgasemissionen zur Bekämpfung des Klimawandels zum Ziel.

Gaby Umbach

Kapitel 6. Umsetzung konkret angehen

Wenn mit konkreten Massnahmen der digitale Wandel in einer öffentlichen Verwaltung bewältigt werden soll, dann handelt es sich meistens um ein umfangreicheres Changeprojekt. In diesem Kapitel werden unterschiedliche Ansätze vorgestellt, wie ein solches Changeprojekt gelingen kann. Dieses Kapitel ist insbesondere für die politische, strategische Leitung und die operativen Verwaltungsleitungen interessant: Scheitern Changeprojekte liegt die Ursache häufig in Führungsfehlern.

Matthias Meyer

Kapitel 5. Fallstudien

In diesem Kapitel wird die Anwendung der zuvor behandelten Methoden der ökologischen und prospektiven Abschätzungen der Umweltauswirkungen technischer und räumlicher Entwicklungen im Kontext der Bioökonomie anhand der beiden Fallstudien 1) Ökobilanzierung des bioliq®-Verfahrens und 2) Analyse einer zukünftigen Biomasseproduktion in Brasilen erläutert und ausgeführt.

Christine Rösch, Rüdiger Schaldach, Jan Göpel

Kapitel 5. Wichtige Komponenten

In diesem Kapitel betrachten wir die wichtigsten Aspekte zur Planung und Umsetzung Nachhaltiger Events.

Ulrich Holzbaur

Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre – Einsatz für Nachhaltigkeit bei börsennotierten Unternehmen

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ist eine 1986 gegründete Aktionärsvereinigung mit 29 Mitgliedsorganisationen. Der Verband verlangt, dass auch bei börsennotierten Konzernen Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung eine zentrale Rolle spielen müssen. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Firmen reichen nicht aus.Durch Engagement, aktives Aktionärstum oder Divestment können Investoren und Aktionäre der Unternehmensleitung signalisieren, dass sie mit dem Geschäftsmodell insgesamt oder mit einzelnen Punkten unzufrieden sind. Nichtregierungsorganisationen, die in der Regel keine oder nur eine sehr kleine Zahl von Aktien besitzen, haben die Möglichkeit, Skandale öffentlich anzusprechen (naming), das Unternehmen an den Pranger zu stellen (shaming) und zu einem Boykott durch die Konsumenten aufzurufen.Der Stellenwert und die Struktur von Nachhaltigkeitsgremien in den Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Stakeholder-Dialoge zu ESG-Fragen mit Nichtregierungsorganisationen führen nicht immer zum Erfolg.Der Dachverband und seine Mitgliedsorganisationen beteiligen sich an mehr als 40 Hauptversammlung jährlich, überwiegend bei DAX-30- und M-DAX-Unternehmen und einigen ausländischen Aktiengesellschaften, stellen Gegenanträge, lassen Konzerngeschädigte zu Wort kommen und konfrontieren in ihren Reden und mit ihren Fragen die Vorstände mit Verstößen gegen Menschenrechte, Umweltschutz und Verantwortung in der Lieferkette. Der Selbstinszenierung vieler Konzerne auf großer Bühne setzen die Kritischen Aktionäre Proteste und symbolische Aktionen entgegen.Kleinaktionär*innen und Stiftungen unterstützen mit der Übertragung von Stimmrechten die vorab bekannt gegebenen Forderungen und Abstimmungsempfehlungen des Dachverbands. Große Anleger wie Vermögensverwalter und Pensionsfonds lassen sich auf Hauptversammlungen oft von institutionellen Stimmrechtsberatern (Proxy Advisors) vertreten. Der Dachverband verlangt, dass auch diese ihr Abstimmungsverhalten vor den Hauptversammlungen offenlegen.Der Artikel zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie sich die Arbeit des Dachverbands in mehr als drei Jahrzehnten ausgewirkt hat.

Markus Dufner

Kapitel 6. Die billige Energiewende

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 19. Februar 1990 unter der Überschrift „Die Kosten der deutsch-deutschen Währungsunion“: „Den Bedarf für einen Umbau der DDR auf westdeutschen Standard hatte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Matthias Wissmann, auf rund 890 Mrd.

Prof. Dr. André D. Thess

Kapitel 3. Marken und Label – zwei Seiten einer Medaille?

Dieses Kapitel entwickelt schrittweise ein komparatives Verständnis von Marken und Labeln anhand zentraler markensoziologischer Begriffe wie Gestalt, Gemeinschaft, Gesellschaft, Kürwille, Wesenwille, Vorurteil, Selbstähnlichkeit, System, Resonanz und Ideenorganismen. Abschließend werden die systematisierten Begriffe in einer Übersicht gebündelt, um die Definitionen auf reale Sachverhalte anwenden zu können. Im Kern steht dabei die markensoziologische Zelle, die als systemisches Organisationsmodell die Analyse und Steuerung von Markenorganisationen ermöglicht.

Tobias Schnell

Chapter 10. Von Vögeln und von Tagfaltern: Wie der Naturschutz seine Sympathien verteilt

VögelNaturschutz Abermals zeigt sich, dass für den amtlichen wie privaten Naturschutz nicht alle Arten gleich viel "wert" sind Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, jedoch sollten die Kriterien, wenn diese auch (inter-)subjektiv generiert sind, klargelegt werden.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 29. Die Weltmeere und Antarktika – international, daher schutzlos?

Einen Großteil der Erdoberfläche nehmen Meeresregionen ein, die ebenso wie die (kontinentale) Antarktis keiner oder zumindest keiner strikten nationalen Zuordnung unterliegen. Wie funktioniert Naturschutz dort?

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 13. Natur, die keinen Schutz verdient: Spontane Vegetation, Ruderalgesellschaften, Neophyten und Neozoen

Der Naturschützer als solcher ist kein Naturwissenschaftler. Er wertet. – Eine ganze Anzahl artenreicher heimischer Lebensgemeinschaften erscheint unter diesem Ansatz weniger förderungswürdig oder steht dem intendierten Naturzustand gar entgegen: soll/muss bekämpft werden. Gerade diesen Lebensgemeinschaften ist dieses Kapitel gewidmet.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 3. Warum der Naturschutz gegenüber Umweltschutz und Tierschutz die schlechteren Karten hat

Ursachen des Rückgangs von naturschützerischer Lobby werden herausgestellt ebenso wie die Probleme des naturschützerischen Anliegens, sich gegenüber begrifflich „verwandten“ gesellschaftlichen Aufgabenfeldern wie Umweltschutz und Naturschutz zu behaupten.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 14. Prozessschutz als Alternative und als Königsweg?

Während bisher der Schutz traditioneller Kulturlandschaften als Zielpunkt naturschützerischer Bemühungen gesehen wurde, wird nun eine ganz entgegengesetzte naturschützerische Intention entgegengestellt: der möglichst völlige Ausschluss des Menschen aus dem geschützten Landschaftsausschnitt. Eine möglichst unberührte Natur soll sich wiederherstellen.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 11. Was gefährdet die Natur?

Das Kapitel stellt die unterschiedlichen Einflüsse dar, die in Mitteleuropa wie weltweit die Natur gefährden. Im Mittelpunkt steht in allen Fällen eine direkte oder indirekte menschliche Einflussnahme.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 12. „Frevler“ und „Helfer“: Die Akteure im Naturschutz

Während es im vorangehenden Kapitel um eher abstrakte Gefahren für Tier- und Pflanzenarten ging, stehen hier konkrete Akteure wie Einzelpersonen (hier: aggregiert zu Personen-Typen) oder Institutionen wie Behörden und Verbände im Mittelpunkt der Darstellung.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 32. Die Natur verschwindet, der Naturschutz kommt? – Zur Alibifunktion von Naturschutz und von naturgeschützten Flächen

Sowohl im nationalen wie auch im internationalen Rahmen sind die Ausweisung eines naturgeschützten Gebietes wie generell die Ausbringung von Naturschutzmaßnahmen nicht nur Kompensationsvorhaben für vorangegangene Naturzerstörung, sondern sie bereiten diese gleichzeitig auch vor und erleichtern zukünftige Naturbeeinträchtigung. Naturschutz und Naturzerstörung entsprechen sich in gewisser Weise wie zwei Seiten der gleichen Münze. Für Naturschützer ein Grund, jedes neue Naturschutzgebiet und jede neue gesetzgeberische Maßnahme auch kritisch daraufhin zu befragen, welche Art von Naturzerstörung sie evtl. ermöglichen soll.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 31. Naturschutz in der Dritten Welt – eine Säule des Neokolonialismus?

Eine neokolonial wirkende Einmischung in die Angelegenheiten ärmerer Länder im Blick auf Naturschutz lässt sich auf mehreren Ebenen feststellen. Zum einen existiert diese in einer so gesehenen Zuständigkeit politischer Gremien (in Deutschland wie anderen größeren westlichen Staaten) für dortige Naturzustände. Zum anderen ist diese erstaunliche Selbstdefinition aber an bestimmte Denkmodelle gebunden. Zu diesen gehört auch, (schützenswerten) Wald als positive Kategorie in den sog. Entwicklungsländern ganz anders, und viel strikter als bei uns, zu definieren.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 30. Wie wird außerhalb Europas die Natur geschützt?

Unsere räumliche Blickrichtung ist sehr Europa-zentriert und schließt darüber hinaus nur noch die USA als intensiv wahrgenommene Leitkultur mit ein. Neben den USA soll im nachfolgenden Kapitel der Naturschutz auch in anderen Weltregionen bzw. Kulturen untersucht werden. Aus Kapazitätsgründen ist die Darstellung auf Brasilien, die afrikanischen Staaten sowie auf Indien beschränkt, schließt damit aber drei Hauptregionen der sog. „Dritten Welt“ mit ein.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 33. Naturschutz in Zeiten des Klimawandels

Grundsätzlich ist die in der Mensch-Klima-Hypothese nahegelegte Klimaveränderung auch ein Problem des Naturschutzes, als diese Auswirkungen auf Artenfrequenzen haben dürfte. – Darüber hinaus muss der Naturschutz aber auch darauf achten, dass die Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht zu einer „Verschlimmbesserung“ des Problems führen. Dies ist bei der Verwendung agrarer und forstlicher Energierohstoffe sowie bei der Gewinnung hydroelektrischer, aber auch anderer Formen „nachhaltiger“ Energieerzeugung bereits zu beobachten.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 34. Wanderer, Radfahrer, Autofahrer: Wie Freizeitmodalitäten unseren Blick auf die Natur prägen

Autofahrer. Unsere Lebensweise, in diesem Falle die Modalität von Freizeitgestaltung und v. a. der Fortbewegung, bestimmt unsere Naturwahrnehmung. Diese unterliegt dementsprechend einem zeitlichen und generationellen Wandel.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 37. Naturschutz contra Zeitgeist?

Die Biologie ist, wie wiederholt betont wurde, in keiner Weise mit Naturschutz gleichzusetzen, noch ist dieser aus biologisch-naturkundlichen Erkenntnissen direkt abzuleiten. Dennoch ist die Biologie eine wichtige Bezugswissenschaft für die naturschützerische Arbeit. Die seit Jahrzehnten feststellbare Abkehr von der Naturkunde hin zur exakten Naturwissenschaft, die zunächst von der universitären Forschung und Lehre ausging, hat auch die Schulbiologie und damit auch die Breitenwirkung dieser Wissenschaft auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Die Naturschutzarbeit erfährt heute von der Schulbiologie keine entscheidende Förderung mehr, insbesondere was die Arten- und Formenkenntnis anbelangt.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 35. Mensch und Natur – ein konstruierter Gegensatz?

Ein Hauptgegenstand dieses Buches ist die Natur-Kultur-Dichotomie, aus welcher der Naturschutz auch bis zu einem gewissen Grad seine Rechtfertigung schöpft. Dieses Denken in bipolaren Gegensätzen scheint für die westlichen Kulturkreise charakteristisch und ergibt sich aus der Tradition der abrahamitischen Religionen. Es ist auch dort noch wirksam, wo die meisten Individuen wie die Gesellschaft insgesamt sich gar nicht mehr vorrangig als religiös verstehen.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 36. Ideensuche: Wie kann Naturschutz gesellschaftlich begründet und verankert werden?

Um in einer ihrem Anspruch nach offenen und pluralen Gesellschaft bestehen zu können, darf Natur nicht „weggesperrt“ werden. Das Kapitel stellt ein Plädoyer dar zugunsten einer Öffnung der Naturschutzgebiete für Besucher. Wenn schon kein Betreten auf der gesamten Fläche, sollte wenigstens ein dichtes Netz von Wegen oder Pfaden angelegt werden. Natur kann nur derjenige schützen, der sie auch erlebt hat. Mit einer Öffnung der Naturschutzgebiete sichert der Naturschutz am ehesten das Breiteninteresse und damit auch den „Nachwuchs“ der eigenen Klientel. Dies muss unterstützt werden durch zusätzliche Informationen etwa über Text- und Bildtafeln, welche den besonderen Wert des konkreten Schutzgebietes erläutern.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 39. Zur Zukunft des Naturschutzes

Das Kapitel gibt zum einen noch einmal einen Rückblick und eine Zusammenfassung bisher historisch eingetretener und bis in die Gegenwart sich immer noch verstärkender Naturzerstörung. Zum anderen wird nach Handlungsalternativen gesucht, die auch technische Maßnahmen der Nachzucht in Zoos und Botanischen Gärten sowie einer Konservierung in Genbanken einschließen.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 4. Naturschutz – auf welchen Flächen?

Naturschutz benötigt Flächen. Dabei erhebt sich die Frage, ob ein (zwangsläufig weniger intensiver) Schutz auf großer Fläche oder aber eine Herausnahme kleinerer Areale als intensiv geschützte „Naturschutzgebiete“ anzustreben ist.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 38. Der Nutzen der Vielfalt: Realität, Poesie oder Esoterik?

Der Autor wendet sich gegen eine vordergründig utilitaristische Rechtfertigung von Naturschutz; ein zu erwartender vorrangiger konkreter Nutzen kann seiner Ansicht nach aus bestimmten Naturzuständen auch nicht unbedingt hergeleitet werden. Der Autor sieht jedoch einen Mehrwert an „Natur“ jenseits des konkreten (materiellen) Nutzens im Bereich von Ästhetik und Vielfalt.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 40. Nachklapp: Naturschutzfachlichkeit geht alle an!

Wichtig für den praktizierten Naturschutz sind nicht nur professionelle Naturschutzfachlichkeit, sondern auch Alltagsansätze, wie sie von jedem „Naturnutzer“ erfahren werden können. Das Kapitel ist ein Plädoyer zugunsten einer Beteiligung von Nichtfachleuten am naturschützerischen Anliegen.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 5. Extremstandorte – von der Wirtschaft gemieden, vom Naturschutz bevorzugt?

Viele naturgeschützte Flächen liegen auf Extremstandorten mit eher unfruchtbaren Böden, was den Erwerb dieser Standorte für den Naturschutz kostengünstig macht. Gleichzeitig weisen gerade derartige Sonderstandorte eine sehr spezielle und damit auch wieder schützenswerte Tier- und Pflanzenwelt auf.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 7. Welche Natur wollen wir wie schützen?

Auf der gleichen Fläche bzw. am gleichen Standort sind völlig unterschiedliche Ausprägungen von „Natur“ möglich. Welche Natur wir dort antreffen, hängt davon ab, auf welche Weise wir auf den Standort Einfluss nehmen. Dass dabei keine strikte Zuordnung zwischen konkreten Maßnahmen und konkreten Naturzuständen erkennbar wird, macht Naturschutzmanagement noch komplizierter.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 8. Die Konstruktion von natürlichen Gleichgewichten – ideelle Ausgangsbasis der Forderung nach Naturschutz

Das natürliche GleichgewichtGleichgewicht, natürliches ist ein Konstrukt, das sich wissenschaftlich weitgehend überlebt hat, wenn man darunter konkrete Artenkombinationen versteht. Für den Naturschutz, der traditionell auf diesem Konzept aufbaut, geht dabei ein wichtiges Denkmodell verloren.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 6. Verwirrende Vielfalt – Flächenkategorien des Natur- und Landschaftsschutzes: Naturschutzgebiete, Nationalparks, Naturdenkmäler, Landschaftsschutzgebiete, Naturparks

In diesem Kapitel werden unterschiedliche Kategorien an naturgeschützten Flächen unterschieden. Nicht alle davon schützen Natur vergleichbar intensiv.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 9. Hilfe für bedrohte Arten? Rote Listen und Gefährdungskategorien

DieRote Liste BlauflügeligeSandschrecke, Blauflügelige (Sphingonotus caerulans) SandschreckeBlauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) (Sphingonotus caerulans) Rote Listen sind ein wichtiges Instrument des Naturschutzes, über die Schutzwürdigkeit einer Art und damit auch eines Lebensraumes ein Urteil zu treffen. Sie dürfen aber nicht pauschal, sondern sie müssen differenziert angewandt werden.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 17. Natur aus zweiter Hand: Renaturierung von Steinbrüchen und Tagebauen

Steinbrüche, Sand- und Tongruben und Tagebaue, aus denen zuvor nutzungsbedingt Mineralien ausgeräumt wurden, sind für weite Bereiche Mitteleuropas sehr charakteristisch. Sie gelten, nicht ganz zu Unrecht, als Totalzerstörung der gewachsenen Kulturlandschaft einschließlich ihrer Naturelemente. – Es kommt aber immer darauf an, „was man daraus macht“. Viele der ehemaligen Gruben sind zu naturgeschützten Gebieten mit besonders hoher Biodiversität geworden. Diese Vielfalt liegt zum einen darin, dass sich fast nur hier stehende Gewässer ausbilden konnten. Zum anderen ermöglicht die Sukzession von der zunächst unbewachsenen Fläche hin zum Wald viele Entwicklungsstadien.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 18. Ist Natur nur dann intakt, wenn alle Arten gleichmäßig zunehmen?

Dem Naturschutz liegen nicht nur die seltenen Arten am Herzen, die häufiger werden sollen, sondern auch die häufigeren sollen nach Möglichkeit zumindest nicht seltener werden. Wenn jedoch alle Arten in ihrer Individuenzahl zunehmen oder zumindest gleichbleiben, stoßen Ökosysteme an ihre Grenzen. – Das Kapitel versucht aufzuzeigen, dass dem naturschützerischen Ansatz oft ein fehlerhaftes Denkmodell zugrunde liegt.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 15. Natur, wo sie keiner erwartet: in der Stadt

Traditionell wird „Natur“ eher im ländlichen Raum etwa in agrarisch genutzten Flächen oder in den Forsten erwartet. Dem entgegen steht ein seit Jahrzehnten zu beobachtender Trend, wonach viele Tier- und Pflanzenarten sich zunehmend in den Städten ansiedeln. Dies sind keineswegs nur durchweg häufige Arten, sondern vielfach auch ausgesprochene Zielarten des Naturschutzes. Die Gründe dafür sind vielfältig; die nachlassende Intensität der Pflege von Grünflächen, Parkanlagen und Friedhöfen dürfte einen Hauptgrund darstellen. – Zunehmende Artenzahlen in den Städten erfordern aber auch eine Umorientierung und Neudefinition von Naturschutz.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 16. Militärisch genutztes Gelände – ein Naturidyll?

Auch wenn man, wofür es gute Gründe gibt, allem Militärischen skeptisch gegenübersteht, sollte doch der Blick dafür nicht getrübt werden, dass auch hier, und gerade hier, Flächen entstanden sind oder weiterbestehen, die aus naturschützerischer Sicht ausgesprochen wertvoll sind.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 19. Naturschutz ist durchaus erfolgreich: das Beispiel großer Tierarten

Besonders große Aufmerksamkeit nehmen große Tierarten für sich in Anspruch. Bei diesen haben sich auch mit die größten Erfolge naturschützerischer Bemühungen eingestellt. Möglich wurde dies in den meisten Fällen durch einen recht bescheidenen Eingriff: indem man diese gesetzlich vor der Bejagung schützt. Dadurch sind aus vermeintlichen „Kulturflüchtern“ oft „Kulturfolger“ geworden.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 2. Warum Naturschutz?

Naturschutz setzt eine bestimmte historische Situation voraus: die Industrialisierung sowie den Aufstieg der bürgerlichen Denkweise. - Inhaltlich ist Naturschutz geprägt durch die Trinität von Vielfalt, Tradition und Ästhetik.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 22. Geologische Landschaftsobjekte im Naturschutz

Geologische Naturschutzobjekte sind solche, die wegen ihrer geologischen Bedeutung unter Schutz gestellt wurden. Da es sich meist um Ausnahmestandorte handelt, die auch andernorts seltene, und somit schützenswerte botanische und zoologische „Spezialisten“ enthalten, lassen sich die biologische und die geologische Komponente des Schutzes oft nicht klar auseinanderhalten.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 23. Flussbegradigung vs. Flussrenaturierung

Im Vergleich mit einem natürlichen Bach- oder Flusslauf ist eine begradigte Strecke biologisch verarmt, was v. a. an ihrer Normierung und Strukturreduzierung liegt. Von daher gibt es Versuche, zumindest in kleineren Gewässern das natürliche Fließsystem wieder herzustellen.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 21. Kleinbiotope und ihre Bedeutung für Biodiversität und Naturschutz

Neben den großräumigen Einheiten an Lebensräumen, die in Kap. 20 im Mittelpunkt standen, sind auch die kleinen Einheiten aus naturschützerischer Sicht einer Betrachtung wert. Aus der Summe unterschiedlicher Kleinbiotope heraus wird ein Lebensraum oft erst struktur- und damit artenreich. – Es wird eine charakteristische Auswahl an mitteleuropäischen Kleinbiotopen vorgestellt.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 20. Lebensräume für den Flächenschutz in Mitteleuropa

Das Kapitel charakterisiert kurz den naturschützerischen Wert der wichtigsten naturnahen Lebensräume Mitteleuropas.

Klaus-Dieter Hupke

Chapter 1. Was ist für uns Natur?

In diesem Kapitel geht es um die Kerninhalte von „Natur“ aus der Sicht des Naturschutzes sowie um unterschiedliche naturschützerische Blickrichtungen auf Natur. Dies wird aus der gesellschaftlichen Alltagsperspektive heraus dargestellt.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 24. Naturschutz im Wald: Naturwald – Dauerwald – Kahlschlag?

Dem Wald kommen in der Gesellschaft unterschiedliche Funktionen zu: Holzgewinnung, Erholung, Naturschutz. Eine Optimierung im Hinblick auf jede dieser Funktionen, wie sie das traditionelle Berufsbild des Försters bestimmt, erscheint nicht möglich. Die Diskussion um die Waldfunktionen bestimmt aber auch die forstlichen Waldbausysteme: So stehen Holzflächenschläge im Altersklassenwald dem Dauerwald gegenüber.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 27. Zur Rolle von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) im Naturschutz

Wir leben in einer massenmedialen Welt, in welcher kaum eine Geistesströmung sich behaupten kann, die in dieser nicht wenigstens einige Resonanz findet. „Medien“ heißen zwar für sich selbst bereits „(Ver-)Mittler“; dennoch benötigen sie Nichtregierungsorganisationen, um die Öffentlichkeit für soziale Zwecke, in unserem Falle aber besonders für Naturschutz, zu mobilisieren. In Deutschland leisten dies v. a. BUND, NABU und WWF als mitgliederstarke und medial einflussreiche Organisationen.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 28. Das Tafelsilber der DDR? Naturschutz und Naturschützer in den östlichen Bundesländern

Obwohl, im Grundsatz wie im Westen auch, eher am Rande der „offiziellen Politik“ angesiedelt, hat Naturschutz in der DDR eine durchaus erfolgreiche Rolle spielen können, wie sich insbesondere am Erhalt vieler größerer Tierarten gezeigt hat. Gerade weil er nicht im Mittelpunkt der SED-Politik stand und damit auch aus westlicher Sicht weniger „ideologisch vorbelastet“ schien, konnte er auch besser als andere Teile der DDR-Identität in die neue Bundesrepublik überführt werden.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 25. Agrare Begleitprogramme des Naturschutzes in Deutschland

Herbizide und Insektizide bedrohen die traditionell hohe Vielfalt insbesondere der Ackerflächen. Aber auch Grünland ist durch Nutzungsintensivierung und durch Umbruch in Ackerland bedroht. Spezielle Schutzmaßnahmen, die sich u. a. aus dem Greening-Programm der EU ergeben, versuchen diesen Verlusten gegenzusteuern.

Klaus-Dieter Hupke

Kapitel 26. Auch Europa mischt mit: Bundesnaturschutzgesetz, FFH und Natura 2000

Das Kapitel zeigt auf, dass Naturschutzpolitik immer mehr zu einer internationalen Aufgabe wird. Dies scheint gerechtfertigt, da Wanderwege und Verbreitungsareale von Arten auf Staatsgrenzen keinerlei Rücksicht nehmen. Als maßgeblicher multinationaler Naturschutz-Akteur innerhalb Europas spielt die EU eine immer größere Rolle.

Klaus-Dieter Hupke

5. Content-Produktion für das Web

Die Content-Produktion für das Web umfasst die Bereiche Text, Fotografie und Video. Diese müssen auf die Zielgruppen im Fundraising hin angepasst, überprüft und professionell produziert werden. Dabei gilt es, den Besonderheiten von Non-Profit-Organisationen und sozialen Projekten sowie der Sensibilität ihrer Themenbereiche gerecht zu werden.

Tobias Dunkel, Maik Meid

6. Fundraising auf der eigenen Internetseite

Praxistipps und Denkanstöße für Fundraising auf der eigenen Website

Online-Fundraising umfasst heute eine Vielzahl von Werbe- und Inhaltsmaßnahmen, die miteinander verzahnt werden. Das Herz einer jeden Spendenkampagne ist und bleibt jedoch die Internetseite. Sie ist der Heimathafen der Organisation im weiten Internet. Alle Marketingmaßnahmen verweisen auf die Internetseite, hier befinden sich die Landingpages und das Spendenformular. Hier stellt sich die Organisation dem Spender umfassend dar und wirbt um sein Vertrauen. Dieses Kapitel bietet eine Vielzahl an Informationen, Denkanstößen und Praxistipps rund um das Fundraising auf der eigenen Internetseite.

Nora-Hendrike Jäger

Kapitel 5. Ausgewählte ordnungs- und sicherheitspolitische Verfahren und Prozesse in der Kommune

Kommunale Ordnungs- und Sicherheitspolitik hat die Arbeitsbereiche Meldewesen, Aufsicht und Kontrolle, Vollzug und Prävention. Erfassen, beaufsichtigen und kontrollieren, Zwang anwenden und vorbeugen gehören zum Vollzug kommunaler Ordnungs- und Sicherheitspolitik. Die vorbeugende Einziehung eines gefährlichen Hundes und der Erlass einer Grünanlagensatzung sind Beispiele für administrativ-politische Verfahren und Prozesse der kommunalen Ordnungs- und Sicherheitspolitik.

Peter-Georg Albrecht

Die Erfindung der historischen Stadtlandschaft

In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Konzepte zum Schutz und zur Erhaltung des baukulturellen und archäologischen Erbes grundlegend weiterentwickelt. Die Denkmalpflege wurde aus der bildungsbürgerlichen und antimodernistischen Abstellecke geholt; dort war sie stecken geblieben, obwohl die Lebensreformbewegung (Ringbeck 1991, S. 216ff.) schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannt hatte, dass Baukultur und Denkmalpflege zusammengehören. Die notwendige Balance zwischen Bewahrung und Entwicklung aber wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis weit in das siebte Jahrzehnt hinein nicht gehalten, die Denkmalpflege war kein integraler Bestandteil städtebaulicher Planung (Ganser 1991).

Birgitta Ringbeck

Zukunftsfähigkeit und Zukunftsgestaltung aus der Sicht der zwei dominierenden Weltleitbilder

Zukunftsfragen und der Wunsch, zukünftige Ereignisse und Entwicklungen zu erkennen und bewusst zu gestalten, haben zu allen Zeiten die Menschen bewegt. Das war schon in der Antike so, die umfangreiche klassische Literatur legt darüber ein beredtes Zeugnis ab. Das war auch ein zentrales Anliegen in zahlreichen anderen alten Kulturen (Minois 1998).

Rolf Kreibich

Industrie und Nachhaltigkeit für eine starke Ruhrbanität

Der von Jan Polívka, Christa Reicher und Christoph Zöpel geprägte Begriff der „Ruhrurbanität“ beschreibt in einem einzigen Wort das Ziel des Strukturwandels des Ruhrgebiets: die Entwicklung von einem durch die Montanindustrie definierten Gebiet zu einer Agglomeration mit einer klaren urbanen Identität. Sie beschreiben diesen Weg durch sechs strategische Schwerpunkte, nämlich.

Franz Lehner

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10. Digitalisierung − Segen oder Fluch für den Klimaschutz?

Der Klimawandel und die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch die voranschreitende Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen: Kann die Digitalisierung dabei helfen, diesen großen Herausforderungen der Menschheit entgegenzuwirken? Oder treibt sie den Klimawandel eher voran? Und falls ja, in welchen Aspekten? Ob wir die eine Entwicklung nutzen können und werden, um die andere abzubremsen oder gar aufzuhalten, hangt von zahlreichen Faktoren ab.

Annette Randhahn, Dr. Jochen Kerbusch, Dr. Markus Gaaß, Dr. Doreen Richter

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4. European Green Deal: Hebel für internationale Klima- und Wirtschaftsallianzen

Um eine Stabilisierung des Erdklimas zu erreichen, musste der Erdatmosphäre rund ein Viertel des in ihr enthaltenen Kohlendioxids, CO2, entzogen werden. Eine gigantische, aber nicht unmögliche Aufgabe, zu deren Losung es allerdings einer gemeinsamen internationalen Anstrengung aller Lander bedarf. Der European Green Deal bietet dabei eine nicht zu unterschätzende Gelegenheit für die Reaktivierung internationaler Klima-Diplomatie.

Dr. Mischa Bechberger, Yannick Thiele, Kirsten Neumann

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5. Klimafreundliche Kommunen

Kommunen sind die kleinste politische und administrative Einheit des Staates. Nah an der Bevölkerung haben sie auch die Aufgabe, globale Probleme auf die lokale Ebene zu übertragen und sich aufdrängende Fragen zu losen. So müssen sich Kommunen an die schon spürbar manifesten Klimaänderungen anpassen, um zukunftsfähig wirtschaften und den Bürger:innen ein lebenswertes Umfeld mit funktionierenden Infrastrukturen bieten zu können.

Angelika Frederking, Jan-Hinrich Gieschen, Maximilian Lindner, Dr. Doreen Richter

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7. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität

Mit der Entwicklung emissionsarmer alternativer Antriebstechnologien sowie einer zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung der Fahrzeuge und Verkehrssysteme bestehen die technischen Möglichkeiten, eine nahtlose, nachhaltige Mobilität gleichzeitig sozial, ökologisch und ökonomisch gerecht umzusetzen. Jetzt gilt es, einzelne Mobilitätsangebote in einem effizienten Mobilitätssystem zusammenzufuhren, das nicht nur die vielfaltigen Anforderungen der Nutzer:innen möglichst gut bedienen kann, sondern vor allem ein Erreichen der Nachhaltigkeitsziele ermöglicht und vorantreibt.

Dr. Carolin Zachäus, Dr. Benjamin Wilsch, Dr. Eyk Bösche, Dr. Martin Martens, Annette Randhahn

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8. Herausforderungen einer klimafreundlichen Energieversorgung

Sucht man nachhaltige Lösungen zur Begrenzung des globalen, anthropogenen Temperaturanstiegs, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Energieversorgung unablässig. In Deutschland wurde in einem ersten Schritt der Energiewende der Ausbau erneuerbarer Energien massiv forciert. Es zeigt sich, dass mit einer Vielzahl ausgereifter Technologien die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann.

Dr. Janine Kleemann, Kirsten Neumann, Dr. Antje Zehm

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12. Anders denken und handeln – Bewusstsein für das Klima

Jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten leisten und den eigenen CO2-Fußabdruck durch klimafreundliche Verhaltensweisen reduzieren. Warum nur fällt das so schwer? Mangelt es am Bewusstsein?

Sabine Fritsch, Dr. Carolin Thiem, Oliver Sartori

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6. Outdooraktivitäten und damit zusammenhängende Einrichtungen im Winter

Wintertourismus in Österreich war im 20. Jahrhundert meist weniger bedeutend als der Sommertourismus. Eine Angleichung der Nächtigungszahlen vollzog sich erst im Laufe der 1980er- und 1990er-Jahre. Der Anteil der Winternächtigungen an den Gesamtnächtigungen lag im Jahr 2018 bei 48 % und hat sich seit dem Jahr 2000 nur geringfügig verändert. Jedoch sind die Tagesausgaben der Gäste im Winter höher (185 €) als im Sommer (160 €; Österreich Werbung 2018e, 2019). Wichtig wäre in diesem Zusammenhang eine Betrachtung der Unterschiede in der Wertschöpfung des Winter- bzw. Sommertourismus. Daten und Publikationen hierzu sind allerdings nicht bekannt. In den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg werden seit Mitte bis Ende der 1980er-Jahre im Winter (November–April) mehr Übernachtungen generiert als im Sommer (Mai–Oktober). Österreichweit sind die Winternächtigungen in den 1980ern um durchschnittlich 2,5 % pro Jahr gestiegen, in den 1990ern um 0,7 %, in den 2000ern um 1,7 % und im Zeitraum 2010–2018 um 1,3 % pro Jahr (Statistik Austria 2019). Der Wintersport spielt hierbei eine bedeutende Rolle: Rund 66 % der Winternächtigungen entfallen auf Wintersportgemeinden (mit drei oder mehr Seilbahn‑/ Schleppliftanlagen; Fleischhacker 2018). Die Nächtigungsentwicklung in Wintersportgemeinden war jedoch im Zeitraum 1997/1998–2017/2018 weniger dynamisch (durchschnittlich +1,28 % pro Jahr) als in den übrigen Gemeinden (+2,95 % pro Jahr). Innerhalb der Wintersportregionen zeigen sich auch Verschiebungen der Marktanteile mit Verlusten im Süden zugunsten von Regionen im Westen Österreichs (Firgo und Fritz 2017).

Robert Steiger, Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Franz Prettenthaler, Andrea Damm, Martin Falk, Christoph Neger

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7. Outdooraktivitäten und damit zusammenhängende Einrichtungen im Sommer und in den Übergangszeiten

Der Sommertourismus in Österreich trägt wesentlich zu der großen Bedeutung des Tourismus insgesamt bei. So hat die Zahl der Nächtigungen in den Sommermonaten in Österreich 2018 erneut einen Höchstwert erreicht. Mit bisher 68,67 Mio. Nächtigungen liegt die Sommersaison 2018 (Mai bis September) um 2,2 % über dem Vorjahresniveau. Auch die Zahl der Ankünfte stieg in der vergangenen Sommersaison um 2,9 % auf 21,70 Mio. (Statistik Austria 2018). Mehr Nächtigungen wurden auch im September 2018, also außerhalb der eigentlichen Sommersaison festgestellt. Im September 2018 nahm die Zahl der Gäste um 2,0 % auf 3,86 Mio. zu, Gästenächtigungen stiegen um 1,4 % auf 11,24 Mio. Zu diesem Ergebnis trugen die ausländischen Herkunftsmärkte mit einem Plus von 1,6 % auf 7,86 Mio. bei. Die Nächtigungszahlen wichtiger Herkunftsländer, wie Deutschland (+1,2 %), Schweiz und Liechtenstein (+3,5 %) sowie der Niederlande (+2,1 %), erhöhten sich weiter. Die Zahl der inländischen Gästenächtigungen stieg ebenfalls um 0,9 % auf 3,38 Mio. (Statistik Austria 2018).

Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Claudia Hödl, Kathrin Ginner, Martin Falk, Florian Borgwardt, Herbert Formayer, Marc Olefs, Kai Illing

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4. Beherbergung

Die Beherbergungsbetriebe sind ein zentraler Faktor des Tourismusangebots, weil – sieht man von Camping- und Zeltplätzen ab – ohne entsprechendes Bettenangebot ein Großteil des Tourismus praktisch nicht stattfinden kann. Mit dem Wachstum des internationalen Tourismus steigt auch die Zahl der Beherbergungsbetriebe und der verfügbaren Betten. Weltweit gab es im Jahr 2018 geschätzte 119 Mio. Betten in kommerziellen Beherbergungsbetrieben (extrapolierte Daten aus Gössling und Peeters 2015), d. h., Angebote in der neuen Plattformökonomie (z. B. durch Airbnb) kommen noch dazu. Die Beherbergung verursacht einen wesentlichen Teil der touristischen Treibhausgasemissionen. Eine Schätzung geht davon aus, dass pro Übernachtung im weltweiten Durchschnitt etwa 14 kg CO2 entstehen (direkte Emissionen der Beherbergung, ohne Gastronomie; Gössling und Peeters 2015). Die Emissionsbandbreite der in der Literatur dokumentierten Werte schwankt allerdings je nach Unterkunftsform zwischen 0,1 kg CO2 und 260 kg CO2 pro Nacht (Gössling 2010). Eine Berechnung von Lenzen et al. (2018) geht davon aus, dass pro Jahr Treibhausgasemissionen von 282 Mt CO2-Äquivalenten durch Beherbergungsbetriebe verursacht werden (Input-Output-Analyse, ohne Gastronomie).

Stefan Gössling, Dagmar Lund-Durlacher, Hannes Antonschmidt, Mike Peters, Egon Smeral, Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Markus Gratzer

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12. Nationale Verpflichtungen auf Grundlage des Pariser Klimaabkommens

Kap. 11 hat gezeigt, dass es derzeit noch große Unsicherheiten darüber gibt, wie hoch tatsächlich der Beitrag des Tourismus zu den nationalen und internationalen Treibhausgasemissionen ist. Es ist jedoch gewiss, dass der Anteil bedeutend ist und, in Zusammenhang mit dem prognostizierten Wachstum des weltweiten Tourismus, wahrscheinlich weiter steigen wird. Daher stellt sich die Frage, wie die Emissionen der touristischen Aktivitäten gesenkt werden könnten. Im vorliegenden Kapitel wird berichtet, welche Verpflichtungen und Strategien es dazu aktuell auf politischer Ebene gibt, beginnend mit internationalen Verträgen, insbesondere dem Pariser Klimaschutzabkommen, und Vorgaben der Europäischen Union, bei denen Österreich sich verpflichtet hat, teilzunehmen. In weiterer Folge richtet sich das Augenmerk auf eine detaillierte Betrachtung und Bewertung der Klimaschutz‑, Klimawandelanpassungs- und Tourismusstrategien auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern. Im Anschluss daran werden allgemein mögliche Maßnahmen und Potenziale besprochen. Schließlich wird unter dem Schlagwort „Paris Lifestyle“ diskutiert, welche Maßnahmen notwendig sind, um auf individueller Ebene zum Ziel eines CO2-armen bzw. -neutralen Tourismus beitragen zu können. Dazu werden auch Beispiele innovativer, emissionsarmer Angebote von Tourismusbetrieben und Destinationen vorgestellt.

Franz Prettenthaler, Andrea Damm, Stefan Gössling, Christoph Neger, Stephan Schwarzinger, Willi Haas

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13. Ableitung von Handlungsoptionen

Bevor im Einzelnen auf die grundsätzlichen Strategien und Handlungsoptionen eingegangen wird, ist es wichtig, die dem Bericht zugrunde liegende Vision zu verdeutlichen.Der Tourismus unterscheidet sich von anderen Wirtschaftszweigen dadurch, dass die Kunden wesentlich flexibler sind und sehr rasch – oftmals von einer Saison auf die andere – „mit den Füßen abstimmen“. Wie die Darstellungen in Kap. 1 zeigen, hat diese Abhängigkeit durch eine Zunahme kürzerer Reisen und der sogenannten Stand-by-Touristen eher noch zugenommen. Daher kommt es im Tourismus nicht nur darauf an, ob und inwieweit das Angebot der österreichischen Tourismusbranche klimagerecht ist, sondern auch ob und wieweit es gelingt, den Kunden gezielt zu beeinflussen (Njoroge 2015).

Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Nina Mostegl, Andrea Damm, Franz Prettenthaler, Dagmar Lund-Durlacher, Astrid Gühnemann, Robert Steiger, Marc Olefs, Herbert Formayer, Claudia Hödl, Christoph Neger

Chapter 12. Gemeinsam steigern wir das Bruttonationalglück: Wie jeder von uns zum Glücksbotschafter werden kann

Gemeinsam steigern wir das Bruttonationalglück! Mit alltäglichen Anekdoten, bunten Aktionen und kleinen Aufgaben ruft Deutschlands selbsternannte Glücksministerin Gina Schöler dazu auf, das persönliche und gesellschaftliche Glück zu fördern.Jeder von uns kann zum Glücksbotschafter werden und somit diesem wichtigen Thema Sichtbarkeit verschaffen und es vor allem erlebbar machen, indem wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Welt zu einem besseren Ort machen. Die Initiative „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ ermutigt dazu, optimistisch in die Zukunft zu blicken, kreative Ideen zu entwickeln und vor allem von der reinen Theorie ins Tun zu kommen! Mit Experimentierfreude und Mut können wir erste Schritte wagen, mit positivem Beispiel vorangehen und für positive Werte einstehen. Wie das genau aussehen kann, was eine dicke Eule oder ein Straßenbahnfahrer damit zu tun haben und wie jeder zum Chefkoch werden kann, erfahrt ihr im Kapitel „Gemeinsam steigern wir das Bruttonationalglück: Wie jeder von uns zum Glücksbotschafter werden kann.“

Gina Schöler

Kapitel 4. Tills und Endmoränen – die Spuren der Gletscher

Schluff, Sand, Kies und Steinen und Blöcken; sie wurden traditionell als „Moränen“ bezeichnet. Da im Deutschen aber sowohl Oberflächenformen (Endmoränen) als auch Sedimente häufig undifferenziert als „Moräne“ bezeichnet wurden, war die Bezeichnung missverständlich. Für das Moränenmaterial wird daher heute der Begriff Till verwendet. Die verfestigten Gletscherablagerungen früherer Erdzeitalter werden ohnehin seit Langem als Tillite bezeichnet. Das Wort Till kommt aus dem Schottischen; es bezeichnete ursprünglich nichts weiter als einen steinigen Lehmboden.

Juergen Ehlers

6. Treiber/innen und Hemmnisse von Nachhaltigkeit in Banken

Dieser Artikel widmet sich in zwei Teilen den Treiber/innen und Hemmnissen von Nachhaltigkeit in Banken. Zunächst werden Organisationsidentitätskonflikte anhand von episodischen Erzählungen aus diskursiven Interviews über bankinterne Erfahrungen mit der Umsetzung von Nachhaltigkeit identifiziert. Danach stellt der Einblick in die Ergebnisse der Dissertation der Autorin die Genese von Motiven von Akteur/innen vor, die Nachhaltigkeit als eine der ersten in deutschen Banken etabliert haben. Mit der Typologie von institutionellen Entrepreneur/innen, also Akteur/innen, die die institutionellen Logiken des Bankwesens durch eine neue Logik der Nachhaltigkeit verändert haben, werden die lebensgeschichtlichen Handlungsmotive für die Beteiligung am sowie deren jeweilige mögliche Wirkungen im Institutionalisierungsprozess von einer Nachhaltigkeitslogik im Bankensektor vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus wird anhand von Identitätsaussagen das Selbstverständnis der Treiber/innen im Spannungsfeld zwischen konfligierenden Logiken des Feldes (Gegenwartsperspektive) und den Kohärenz- sowie Konsistenzbedürfnissen biografischen Erzählens (Vergangenheitsperspektive) herausgearbeitet.

Gesa Griese

Kapitel 2. Die Landschaft des nachhaltigen Finanzmarkts – ein Vorschlag zur Kartierung

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft des nachhaltigen Finanzmarkts signifikant gewandelt. Entwicklungen auf internationaler Ebene, insbesondere die Verabschiedung der Agenda 2030 und der Sustainable Development Goals sowie das Pariser Klimaabkommen, haben nicht nur das Thema Klimakrise in den Fokus internationaler Debatten gerückt, sondern auch die Überzeugung wachsen lassen, dass eine Transformation hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft auch auf einen Finanzmarkt angewiesen ist, der eine nachhaltige Wirtschaftsweise befördert und auch selbst nachhaltiger wird. Im Zuge dieser Entwicklungen hat sich der nachhaltige Finanzmarkt sehr dynamisch entwickelt und zunehmend ausdifferenziert: Auf allen Ebenen (international, europäisch, national) sind vielfältige Akteur/innen und Initiativen zu beobachten, die um die zukünftige Ausgestaltung des nachhaltigen Finanzmarkts ringen. In diesem Beitrag unterbreite ich einen Vorschlag zur Kartierung dieses bunten und unübersichtlichen Feldes. Ausgehend von der Fragestellung Welches Verhältnis zu Geld ist für die Akteur/innen handlungsleitend? spanne ich ein Kontinuum an idealtypischen Handlungsorientierungen zwischen Geld als Selbstzweck und Geld als Mittel zum Zweck auf. Die jeweilige Ausprägung dieser Handlungsorientierungen kann sich in unterschiedlichen Wirkungskreisen auf Geld realisieren, von denen ich – ebenfalls wieder idealtypisch – drei unterscheide: A: Geld direkt lenken (eigenes/fremdes), B: Geld indirekt lenken (for-profit/non-profit), C: Geld durch Regulierung lenken (soft/hard law). Diese Wirkungskreise dienen dazu, das heterogene Feld des nachhaltigen Finanzmarkts systematischer erfassen und begreifen zu können. Im zweiten Teil des Beitrags ordne ich relevante Akteur/innen und Initiativen exemplarisch den Wirkungskreisen zu.

Stefanie Hiß

F

Florian Langenscheidt, Peter May

K

Florian Langenscheidt, Peter May

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Florian Langenscheidt, Peter May

Kapitel 2. Zum Konzept der Therapeutischen Landschaft

Das Konzept der Therapeutischen Landschaften beschreibt, wie Landschaften und generell Orte als Gesundheitsressource beschrieben, erklärt und konstruiert werden.

Joachim Rathmann

A. Hauptfallgruppen der Amts- und Staatshaftung

Die Verletzung von Verkehrssicherungspflichten beschäftigt wohl am häufigsten die mit Amtshaftungsansprüchen und sonstigen Ersatzansprüchen gegen die „öffentliche Hand“ Befaßten, seien es Rechtsanwälte, Verwaltungsjuristen, Richter oder Juristen der Kommunalversicherer. In diesem Bereich liegt sicherlich ein Schwerpunkt der im Wege einer zumindest aufgrund physikalischer Kausalität von Handeln oder Unterlassen der Verwaltungen verursachten Schäden bei dem Bürger. Damit einher geht auch – bedauerlicherweise – oft der – leider häufig negativ besetzte – Erstkontakt Bürger – öffentliche Hand. Dabei darf nicht verkannt werden, dass dieses Aufeinandertreffen widerstreitender Interessen sich nicht nur in seinen Wirkungen auf den unmittelbar Geschädigten auswirkt sondern oft weit in andere gesellschaftliche Gruppen hineinreicht (über lokale Presse, Gemeinderat usw.). Umso mehr muß gerade bei der Abwicklung dieser gemeldeten Schäden Sensibilität auf Seiten der Verwaltungen und Versicherungen gezeigt werden, denn nicht jede Schadensmeldung beruht auf reinen Bereicherungsgedanken eines geschädigten Bürgers. In diesen Fallkonstellationen kann viel für ein positives Verhältnis Staat – Bürger geleistet, aber auch viel insoweit ge- und zerstört werden. In diesen Fällen erscheint der Aufbau eines neutralen Schlichtungsverfahrens (wegen Strukturgemeinsamkeiten event. nach dem Vorbild im Medizinbereich, bei behaupteten ärztlichen Fehlern) grundsätzlich angezeigt.

Peter Itzel, Karin Schwall

B. Eingriffe in das Eigentum und in sonstige Rechtspositionen

Die Entschädigung für Eingriffe in das Eigentum oder sonstige Beeinträchtigungen des Eigentums gründet sich auf zahlreiche Anspruchsgrundlagen (von Enteignungsentschädigung über Entschädigung für enteignenden Eingriff bis hin zu spezialgesetzlich geregelten Anspruchsgrundlagen wie z.B. solche des Polizei- und des Verwaltungsverfahrensrechts).

Peter Itzel, Karin Schwall

Risiko Gülle – ein Abfallprodukt gefährdet das Globale Produktionsnetzwerk der intensiven Landwirtschaft

Prozesse der Globalisierung haben zu einer Entfremdung der Konsument*innen von den Herstellungsbedingungen von Lebensmitteln geführt. Es findet eine Dissoziation des Produktes von den Informationen über seine Herstellung und deren Auswirkungen statt. Am Beispiel der intensiven Fleischproduktion und dem mit ihr verbundene Anfallen von Gülle und anderen Exkrementen diskutieren wir, wie die mit der (globalen) Organisation und den Bedingungen der Herstellung in einem Produktionsnetzwerk verbundenen Risiken mit Hilfe des Globale Produktionsnetzwerke-Ansatzes analysiert werden können. Als Fallbeispiel dient dabei der Nordwesten Deutschlands. Die Fallstudie veranschaulicht wie die Wahrnehmung unterschiedlicher Formen von Risiken durch die Akteur*innen auf ihrer Einbindung in die Region beruht. Zudem zeigt die Analyse, wie die starke Einbettung der regionalen Agrar- und Biogasindustrie es den Akteur*innen erlaubt hat, ihre Wertschöpfung und -aneignung erheblich zu erhöhen und zugleich wie sie durch die Ausübung kollektiver Macht auf lokaler und regionaler Ebene erfolgreich regulatorische Konsequenzen der Umweltrisiken beeinflussen können. Der empirische Teil des Beitrags basiert hauptsächlich auf qualitativen Interviews.

Martin Franz, Kim Philip Schumacher

Zur Komplementarität von Warenkette und Lieferkette

oder: wie die Banane in den Container kommt

Wenn von ‚globalen Warenketten‘ die Rede ist, sind zwar immer die global verteilten Kontexte der Produktion, Vermarktung und Konsumption und die Wechselwirkungen zwischen diesen im Blick, selten aber die zwischen diesen Kontexten vermittelnden, für die sozial-räumliche Ausprägung der Warenkette zentralen Logistikprozesse. Im Zentrum des Beitrags stehen die Wechselbeziehungen zwischen Waren- und Lieferketten und deren dahinterstehende Eigenlogiken. Durch die inzwischen umfassende Containerisierung der Transportgüter haben sich Warenkette und Lieferkette heute weitgehend voneinander getrennt, wobei der Container als Black Box auf beiden Seiten hilft, Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Während die Lieferkettenakteure so die Transportprozesse ohne tiefere Kenntnisse der zu transportierenden Waren zu organisieren vermögen, können aus der Perspektive der Warenkette die Transportprozesse weitgehend ausgeblendet werden, und die Räume der Warenkette rücken zusammen. Am Beispiel der Re-Figuration der Warenkette im Bananenhandel verdeutlicht der Beitrag die Komplementarität des Wandels in beiden Sphären: War diese Warenkette lange Zeit durch vertikal integrierte Großkonzerne geprägt, ist hier seit den 1990er Jahren ein von europäischen Einzelhandelskonzernen dominiertes Geflecht vielfältiger, regional verteilter Akteure entstanden, für das die Trennung von Waren- und Lieferkette von zentraler Bedeutung ist.

Klaus-Peter Buss

Was wissen wir über die ökologischen Wirkungen des privaten Konsums? Anmerkungen zum Stand der Forschung und den Problemen des „Fußabdruck-Denkens“

Während zu Beginn der Umweltdiskussion die Industrie im Mittelpunkt der ökologischen Kritik stand, gelten inzwischen zunehmend auch die Konsumenten als zentrale Verursacher anthropogener Umweltbelastungen. Dies ist nicht selten mit der Annahme verbunden, dass die ökologischen Wirkungen des Konsums weitgehend erforscht und bekannt sind. Der Beitrag geht deshalb der Frage nach, welche diesbezüglichen Aussagen und Befunde als sicheres Wissen gelten können und in welchem Verhältnis die Wirkungen des Konsums zu denen der Produktion stehen. Dabei zeigt sich, dass Produktion und Konsum (bzw. deren Wirkungen) häufig miteinander vermengt und die Untersuchung von Kausalverhältnissen mit Verantwortungszuschreibungen und ökonomischen Annahmen vermischt werden. Dies gilt auch für die Berechnung von Emissionen und Fußabdrücken des Konsums, die – so die These – mehr über die Wirkungen der Produktion und über die ökologischen Voraussetzungen des Konsums als über dessen Wirkungen aussagen. Damit erweisen sich einige in der Literatur verbreitete Annahmen und Begrifflichkeiten ebenso wie damit verbundene Interpretationen und Schlussfolgerungen, die hier als Teil und Ausdruck eines spezifischen Fußabdrucks Denkens begriffen und zusammengefasst werden, als problematisch und teilweise irreführend. Schlüsselwörter: Konsum, Produktion, Umweltwirkungen, Konsumbasierte Fußabdrücke, Fußabdruck-Denken, Wertschöpfungsketten

Roland Bogun

Kapitel 4. Aktuell laufende Programme und Initiativen zur Förderung von nachhaltigen und verantwortungsvollen Geschäften im Kontext von Digitalisierung

Es ist unbestreitbar, dass die Politik eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen und verantwortungsvollen Entwicklung spielt und spielen wird. Deshalb werden in diesem Kapitel des ersten Teiles der Doktorarbeit, die gegenwärtig laufenden internationalen und europäischen Programme zur Förderung und Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung präsentiert. Dabei werden im Speziellen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die europäische Strategie für nachhaltige Entwicklung Europa 2020 und mit ihr verbunden themenspezifische Programme betrachtet. Beide gelten als wichtige Meilensteine der internationalen Zusammenarbeit für Nachhaltigkeit, zeigen jedoch bisher nur in begrenzten Umfang Wirksamkeit was die Zielerreichung anbelangt, wie anhand aktueller Berichte belegt wird. Anschließend werden die Initiative Digitalisierung der europäischen Industrie und die europäischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme betrachtet und zwei von ihnen eingehender vorgestellt, das EU-Finanzierungsinstrument für Umwelt- und Klimapolitik - Life und das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation - Horizon 2020. Beide Programme laufen seit mehreren Jahren und es wird bereits jeweils an einem Nachfolgeprogram gearbeitet, welches einen noch größeren finanziellen Rahmen haben soll. Für beide werden die Ergebnisse der Halbzeitbetrachtung und aktuellen Berichte vorgestellt und bewertet und Optimierungspotentiale identifiziert. Integrierte Qualitäts-, Umwelt-, Arbeitsschutz- und Sicherheitsmanagementsysteme sind allseits bekannt und bieten für die Wirtschaft eine Unterstützung bei der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und der Transformation zu nachhaltigen und verantwortungsvollen Geschäften. Aus diesem Grund wird im letzten Abschnitt dieses Kapitels der aktuelle Sachstand bezüglich integrierter Managementsysteme vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den drei ISO Normen zu Qualität, Umwelt und soziale Verantwortung.

Katrin Marquardt

Kapitel 3. Veränderung durch Veränderung: Nachhaltige Entwicklung von Hochschulen im Huckepack der Digitalisierung

Derzeit ziehen drei große Transformationenwellen gleichzeitig durch unsere Welt: Globalisierung, Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung. In diesem Beitrag soll beleuchtet werden, wie die Transformationswelle der Digitalisierung dazu beitragen kann, dass sich das Hochschulsystem für die Transformationswelle der nachhaltigen Entwicklung öffnet. Die systemische Entwicklung von Hochschulen verläuft dabei nicht beliebig, sondern lässt sich als ein Muster der Öffnung für interne und externe Stakeholder und Umwelten beschreiben. Mit steigendem Entwicklungsgrad steigt dabei auch die Fähigkeit, mit Komplexität sowie den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung umzugehen. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern Digitalisierung dazu beitragen kann, dass sich Hochschulen schrittweise systemisch weiterentwickeln und dadurch befähigt werden, sich der nachhaltigen Entwicklung zu widmen. Dabei werden bestimmte Chancen der Digitalisierung – wie etwa Prozessoptimierung, erhöhte Transparenz und Partizipation sowie neue Möglichkeiten der Vernetzung und Kollaboration – auch als Chancen für die sozial-ökologische Transformation von Hochschulen angesehen. Der Beitrag ist für alle Akteure und Akteurinnen relevant, welche in Zeiten der Digitalisierung auch das Thema der Nachhaltigkeit an Hochschulen vorantreiben wollen und dabei nach Hebeln der Veränderung suchen.

Bror Giesenbauer

3. Strukturen der Bauwirtschaft

Gebäude und bauliche Anlagen weisen in Bezug auf ihre Produkteigenschaften und auf die mit ihrer Erstellung verbundenen Prozesse einige besondere Merkmale auf, die spezifische Organisationen und Vorgehensweisen erfordern und die sich damit von anderen Produkten ganz wesentlich unterscheiden.

Prof. Dr.-Ing. Fritz Berner, Prof. Dr.-Ing. Bernd Kochendörfer, Prof. Dr.-Ing. Rainer Schach

Diskurse der Digitalisierung und organisationaler Wandel in Ministerien

Mit der Digitalisierung verändert sich die Organisationsstruktur der Ministerialverwaltung. Dabei kann unterschieden werden zwischen digitalen Zuständigkeiten, die sich auf die Einführung digitaler Technologien in der Verwaltung beziehen, und digitalpolitischen Zuständigkeiten, bei denen es um die politische Gestaltung der digitalen Transformation geht. Anhand von Organigramm-Historien lässt sich der Aufbau und Wandel operativer und strategischer Zuständigkeiten in den Bundesministerien zwischen 1995 und 2016 rekonstruieren und auf diskursive und verwaltungsspezifische Faktoren zurückführen.

Maximilian Hösl, Florian Irgmaier, Ronja Kniep

Digitale Geodaten

Geodaten sind Grundlage vieler Verwaltungsanwendungen. Standardisierungen und Regelungen zielen auf eine einfache Nutzung von digitalen Geodaten aus unterschiedlichen Quellen. Über Geodateninfrastrukturen werden digitale Geodaten publiziert, ausgetauscht und in Form von web-basierten Informationsdiensten zur direkten Nutzung durch Dritte bereitgestellt. Heute sind in dieser Form viele Geodaten verfügbar und werden beispielsweise im Rahmen von behördlichen Informationssystemen und Planungsverfahren für elektronisches Regieren und Verwalten genutzt. Aktuelle Entwicklungen zur Bereitstellung und Nutzung hochaktueller Beobachtungsdaten aus online-Sensorsystemen, zum Aufbau digitaler Stadtmodelle und der automatisierten Datenintegration und -analyse zeigen das Potenzial für die verbesserte Inwertsetzung dieser Daten etwa für das urbane Ressourcenmanagement.

Lars Bernard, Stephan Mäs

Online-Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern

Die Digitalisierung in Staat und Verwaltung schafft neue Möglichkeiten, Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse einzubinden. Über Formen von Online-Partizipation können politische Entscheidungen stärker legitimiert und auch qualitativ verbessert werden. Wie bisherige Erfahrungen zeigen, sind diesen Möglichkeiten zugleich Grenzen gesetzt – rechtliche, (verwaltungs-)technische, aber auch solche, die die Bereitschaft betreffen, Online-Partizipation anzubieten und an ihr teilzunehmen.

Stefan Marschall, Katrin Möltgen-Sicking

Agent-based Modeling und Politikberatung

Die Computersimulationsmethode der agentenbasierten Modellierung ist ein neuartiges Analyseinstrument, das vermehrt auch in der Beratung politischen Handelns eingesetzt wird und sich durch seinen Umgang mit Komplexität, seine Experimentalität und seinen Formalitätsgrad auszeichnet. In der praktischen Anwendung, etwa in der Gestaltung von Infrastruktur-, Gesundheits- oder Wirtschaftssystemen, befindet es sich in einem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Problemlösung und politischer Legitimierung. Trotz Risiken und Begrenzungen kann in Zukunft mit einem vermehrten Einsatz gerechnet werden.

Florian Eyert

8. Bionik und Nachhaltigkeit

Zum Ausklang dieses Buches soll noch ein aktuelles und weltgeschichtlich sehr bedeutsames Thema angesprochen werden, die Nachhaltigkeit. Angewendet mittlerweile für nahezu alle Lebensbereiche (z. B. nachhaltig lernen), kann der Begriff im ursprünglichen Sinne beschrieben werden als die Möglichkeit der dauerhaften Nutzung von Ressourcen durch ein vernünftiges Verhältnis zwischen Nutzung und Regenerationsfähigkeit. Demnach ist die Nachhaltigkeit eine der Säulen, auf denen die Natur aufgebaut ist.

Welf Wawers

§ 23. Grundeigentum

Der Inhalt des Eigentums findet seine Grenze dort, wo die Eigentumsschranken beginnen; Inhaltsbestimmung und Schrankenbestimmung sind daher identisch, nur der Blickwinkel ist verschieden (vgl. oben § 8 Rn. 2 ff., 8 ff.).

Professor em. Dr. Dr. h.c. Hans Josef Wieling, Professor Dr. Thomas Finkenauer

Naturerfahrungsräume in Großstädten – Eine Möglichkeit für Gesundheitsförderung in der Nachbarschaft

Naturerfahrungsräume sind ungestaltete, naturbelassene Flächen, die sich dem Kinderspiel genauso verschreiben wie der ökologischen Entwicklung. Es zeigt sich, dass Kinder im Vergleich zu Spielplätzen komplexer, kreativer und konzentrierter spielen, dieses Verhalten ist ein Indikator für eine gesunde kindliche Entwicklung. In Berlin wurden 2016 und 2017 drei neue Naturerfahrungsräume in einem interdisziplinären Zusammenhang partizipativ mit Kindern entwickelt und eingerichtet und wissenschaftlich begleitet. Die Bedeutung des/der Kümmerer*in ist dabei entscheidend für Öffentlichkeitsarbeit wie auch Sicherheitsaspekte auf der Fläche. Die wissenschaftliche Begleitung zeigt, dass Naturerfahrungsräume einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern leisten können.

Claudia Friede, Dörte Martens, Jutta Heimann, Maren Pretzsch, Heike Molitor, Bettina Bloem-Trei, Jürgen Peters

Stadtentwicklung

Eine kommunalpolitische Querschnittsaufgabe

Stadtentwicklung berührt als Querschnittsaufgabe alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf lokaler Ebene und ist rahmensetzend für andere kommunale Planungen. Sie ist ein politisch-administrativer Prozess zur Erstellung von Plänen und Programmen. Dazu gehören Gesundheit und Gesundheitsförderung, für die es viele Anknüpfungspunkte anderer Sektoren gibt. Es gilt Synergien zu identifizieren und Argumentationslinien aufzubauen, um sie in politisch-administrative Abwägungsprozesse einzubringen.

Sabine Baumgart

Energieversorgung

Gesundheitsaspekte des Braunkohle-Ausstiegs

Befeuert von Massenprotesten und spektakulären Aktionen zivilgesellschaftlicher Gruppen beherrscht der politische Streit um den notwendigen Braunkohleausstieg seit einigen Jahren verstärkt die öffentliche Debatte. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen dabei vor allem der Klimaschutz oder aber – wie der Streit um den Hambacher Wald zeigt – ökologische Fragen. Gleichwohl sind insbesondere auch die Gewinnung und Nutzung von Braunkohle mit einer Vielzahl von Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit verbunden, ohne dass diesem Umstand in der Vergangenheit in Politik und Verwaltung ausreichend Rechnung getragen worden wäre. Erst durch die Arbeit zivilgesellschaftlicher Akteure und Verbände fand das Thema verstärkt Eingang in die Debatten und in das Handeln von Verwaltungen. Das Umwelt- und Beteiligungsrecht eröffnet dabei neue Möglichkeiten. Der folgende Beitrag beleuchtet das Thema aus der Sicht eines anerkannten Naturschutzvereines.

Dirk Jansen

»Twin Peaks auf Spätburgunder« – Europäische Fernsehserien in der Nachfolge eines Serien-Klassikers

Weinberg und Jordskott sind zwei europäische Serien, die von der Kritik in den Feuilletons im Zusammenhang mit Twin Peaks besprochen wurden. Ausgehend von der Annahme, dass es einen direkten Bezug zwischen dem Hypotext Twin Peaks und den Hypertexten Weinberg und Jordskott gibt, untersucht dieser Beitrag, inwieweit Twin Peaks ein spezifisches Seriengenre begründet. Dabei werden vergleichend sieben inhaltliche und formale Aspekte der jeweiligen Narrationen fokussiert: filmische Inszenierung, Handlungszeit und Handlungsort, Erzählstruktur, rational unerklärliche Elemente, das Groteske, Intra- und Intermedialität und die fehlende Wiederherstellung der Ordnung.

Claudia Schmitt

Umwelt

Vom gesundheitsbezogenen Umweltschutz zum integrierten Ansatz Umweltgerechtigkeit

Gesundheitsbezogener Umweltschutz ist ein zentrales Handlungsfeld der Umweltpolitik. Ziel ist, für die Gesundheit negative Umwelteinflüsse zu erkennen, zu reduzieren oder ihre Entstehung möglichst zu verhindern. Darüber hinaus schafft Umweltpolitik im Sinne der Salutogenese auch gesundheitsförderliche Umweltverhältnisse. Der integrierte Ansatz Umweltgerechtigkeit blickt auf soziale Ungleichheiten bei Umwelt und Gesundheit und verknüpft verschiedene Politik- und Interventionsfelder. Mit stärkerer Aufmerksamkeit für die soziale Dimension trägt Umweltpolitik dazu bei, den Health in All Policies-Ansatz zu einem Health Equity in All Policies-Ansatz zu erweitern.

Christiane Bunge

Wesentliche steuerliche Aspekte bei der Familienstiftung

Auch wenn die Errichtung einer Familienstiftung nicht allzu sehr von steuerlichen Überlegungen getragen werden sollte, spielen diese doch stets eine wichtige Rolle. Dabei ist neben den verschiedenen Steuerarten (insbesondere Erbschaftsteuer, Einkommensteuer) auch die Besteuerung auf den einzelnen Ebenen (Stifter, Stiftung, Destinatär) sowie im Lebenszyklus der Stiftung (Errichtung, laufende Besteuerung, Beendigung) zu beachten. Nicht zuletzt kann eine Abwägung getroffen werden, ob die Familienstiftung im Inland oder aber im Ausland errichtet werden soll. Der Beitrag dient dazu, über die einzelnen steuerlichen Konsequenzen einen Überblick zu geben.

Susanne Thonemann-Micker

6. Stromerzeugung aus Windenergie

Windkraftanlagen (WKA) machen die in den strömenden Luftmassen enthaltene Bewegungsenergie technisch nutzbar. Die dieser Wandlung der kinetischen in mechanische Energie zugrundeliegenden physikalischen Zusammenhänge werden im Folgenden dargestellt. Nicht behandelt werden die Grundlagen der Windenergienutzung, wie sie z.B. bei Segelbooten oder Drachen realisiert wird.

Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt, Dr.-Ing. Burcu Özdirik, Dr.-Ing. Britta Reimers, Prof. Dr.-Ing. Michael Schlüter, Prof. Dr.-Ing. habil. Detlef Schulz, M.Sc. Lucas Sens

Chapter 2. „Ich habe Menschen“ – Zustand der Welt zu Zeiten des Anthropozäns

Vorweg und falls das beruhigt: Es geht nicht um das Ende der Menschheit. Die Menschheit wird (irgendwie) überleben. Es geht um die Gefahr eines Kollabierens, eines Zusammenbrechens der anthropogenen Systeme, wie es Meadows et al. in dem ersten Bericht an den Club of Rome vorausgesagt haben.

Hartwig Haase

Chapter 6. Sustainable Chemistry—Path and Goal for a More Sustainable Textile Sector

This chapter aims to portray the concepts of green chemistry (GC) and sustainable chemistry (SC) with regard to the textile sector and in response to the increasing challenges of the sector in terms of sustainability. It highlights potentials and pitfalls and offers concrete examples and practices of SC relevant for the textile industry. The textile sector is one of the most polluting industries in the world, contributing 20% to total industrial pollution of the water resources. In total, 5 billion kg of dyes, pigments and finishing chemicals are currently in use in the textile industry, adding up to more than 8000 different chemicals utilized for garment production. Moreover, extensive resource use (e.g., fossil fuels, processing chemicals, water etc.) in combination with unhealthy, exploitative working conditions pose a myriad of challenges involving all dimensions of sustainability. Once introduced into a process or product, chemicals and their products of unwanted side reactions and of incomplete mineralization in effluent treatment, so-called transformation products (TPs), are likely to remain a concern throughout the product’s lifecycle and even beyond. For example, textiles at their life’s end, so-called post-consumer textiles, still contain up to 90% of the chemicals that were initially introduced during manufacturing or finishing. This high amount of chemical residues on textiles (only partly washed out during laundry) is not only problematic in terms of resource use, but it is also an environmental threat. Residues are continuously released due to limitations in conventional wastewater treatment and form waste and dump sites affecting human health and well-being. The aforementioned sustainability issues arising during textile production, distribution, use and disposal are inextricably linked to societal and cultural systems. The complex, dynamic and highly intertwined nature of these sustainability challenges in the textile sector calls for both a focus on input prevention of chemicals and a strong normative premise of intentionally beneficial design of chemicals that are not harmful to the environment and human health. Sustainable chemistry has become an emerging concept in response to various sustainability challenges associated with the production, distribution, use and discharge of chemicals and products. It has been acknowledged by UNEP as an important cornerstone in achieving the Sustainable Development Goals (SDGs) and servers as a core concept within the Global Chemical Outlook II. Whilst green chemistry mainly addresses the synthesis of chemicals and some of their properties, SC reaches beyond the disciplinary boundaries of chemicals and their usage by a systems thinking approach. Being both a path and a goal, SC can act a beneficial umbrella concept for addressing the highly complex sustainability challenges regarding chemicals in the textile sector. Its specific potentials for the textile sector have not been studied hitherto and lie in its focus on input prevention, which influences not only production or wet processing of textiles, but the entire supply chain—including up- and downstream users—even beyond the product’s end of life. Practiced of SC within the textile industry addresses spatial as well as temporal scales, flows and dynamics of chemicals, materials and products and hence addresses drivers of highly complex and currently unsustainable practices. Specific examples and practices of SC within the textile sector will be described in-depth such as new business models (e.g. chemical leasing).

Lisa Keßler, Klaus Kümmerer

Kapitel 18. Heuschreckliches

Akustische Verständigung von Kurz- und Langfühlerschrecken ▪ Parasitische Zuhörer

Wieder einmal genieße ich ein paar Tage Rundum-Zoologie und Pläneschmieden mit Otto und Dagmar von Helversen, die ich seit vielen Jahren kenne. Beide sind vor 2 Jahren von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg zur Universität Erlangen-Nürnberg gekommen, als Otto hier einen Lehrstuhl für Zoologie übernahm. Jetzt wohnen sie mit ihren Kindern hier, 14 km von Erlangen entfernt, im „Schloss der Herren von Crailsheim zu Neuhaus“, 3 km südlich von Adelsdorf, in der Aischgründer Seenlandschaft.

Wolfgang Wickler

Kapitel 16. Aus der Region heraus entstanden – das Biosphärengebiet Schwarzwald

Das ganz im Südwesten von Baden-Württemberg gelegene Biosphärengebiet Schwarzwald erhielt im Juni 2017 die UNESCO-Anerkennung. Der sich über sieben Jahre hinziehende Weg dorthin war begleitet von einem intensiven Diskussions- und Beteiligungsprozess, der vom Ansatz her beispielgebend sein könnte und auch vom MAB ICC gelobt wurde. Damit folgte das Verfahren den Vorgaben der Sevilla-Strategie von 1995, dem Madrider Aktionsplan von 2008 und dem Aktionsplan von Lima 2015, auch wenn die Verfahrensstrategie nicht einem in jedem Detail vorgezeichneten Plan folgte. Der Weg war keineswegs konfliktfrei, doch führte er letztlich zum Erfolg.

Werner Konold

Kapitel 17. Nachhaltigkeit messen – Praktische Erfahrungen und Herausforderungen im Aufbau eines Biosphere Reserve Integrated Monitoring (BRIM) im Biosphärenpark Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge

Monitoring von Entwicklungen und Trends in Biosphere Reserves (BR) ist nicht nur ein formelles Erfordernis, sondern auch eine Notwendigkeit, um ein Verständnis über die Wirkung von Interventionen für eine nachhaltige Entwicklung zu gewinnen und dies im Management in Handlungen umzusetzen. Hierfür schlägt das MAB-Programm ein integriertes Biosphere Reserve Integrated Monitoring (BRIM) vor. Dieser Beitrag diskutiert die Ausgangslage und Anforderungen für ein integriertes Monitoring in BR und die Ergebnisse einer pilothaften Umsetzung im Biosphärenpark Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge in Österreich.Das schlanke System aus 12 Kernindikatoren in den vier Dimensionen (Ökologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Management) eignet sich zur Umsetzung auf BR-Ebene und kann flexibel angepasst werden. Dennoch wird klar, dass die Herausforderung im Monitoring weniger in der Entwicklung der Indikatoren als in der Operationalisierbarkeit auf der Ebene des BR liegt. Die Ergebnisse des Pilotprojektes geben hilfreiche Erkenntnisse aus der Praxis für die Entwicklung und Umsetzung integrierter Monitoringansätze in Biosphärenparks.

Michael Huber, Tobias Köstl

Kapitel 14. Biosphere Reserves als Reallabore für ein nachhaltiges Management von nicht einheimischen Pflanzenarten

Die Diskussion über nicht einheimische Arten (Neobiota) und deren Management in Umwelt- und Naturschutz ist häufig geprägt durch eine prinzipielle Ablehnung des Fremden. Hieraus leitet sich nicht selten eine Bekämpfung der Arten im Biotopmanagement und in der Ökosystemrenaturierung ab. In diesem Kapitel soll diese Problematik beleuchtet werden und ein wertfreier Blick auf nicht einheimische Pflanzenarten, v. a. im Hinblick auf mögliche Ökosystemleistungen und das forstliche Management geworfen werden. Biosphere Reserves (BR), die dem Ziel einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung und Landnutzung verpflichtet sind, eignen sich als Reallabore für einen zukunftsweisenden Umgang mit nicht einheimischen Arten. Als Fallbeispiel wird das BR Valle del Ticino in Norditalien herangezogen, wo sich die aus Nordamerika stammenden Baumarten Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina Ehrh.) und Robinie (Robinia pseudoacacia L.) stark in den Hartholz-Auenwäldern ausgebreitet haben.

Stefan Zerbe, Peter Annighöfer, Inga Mölder, Heike Schneider, André Terwei, Christian Ammer

Kapitel 15. Der Weg vom Réserve de Biosphère Parc Suisse zum UNESCO Biosphärenreservat Engiadina Val Müstair: eine basisdemokratische Herausforderung

Der Schweizerische Nationalpark wurde 1979 von der UNESCO zum ersten Biosphere Reserve der Schweiz erklärt. Er ist per Gesetz ein Reservat, in dem die Natur vor allen menschlichen Eingriffen geschützt wird, die menschliche Nutzung ist ausgeschlossen. Die Schaffung der mit der Sevilla-Strategie geforderten Pflege- und Entwicklungszone war eine Herausforderung. Die Bevölkerung musste jetzt einbezogen und überzeugt werden. Mit dem neu geschaffenen Naturpark Biosfera Val Müstair unternahm man 2010 erfolgreich den ersten Schritt, 2016 folgte die Gemeinde Scuol. Die UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair wurde 2017 anerkannt. Der Mensch ist integriert und die Grundlagen für eine weitere Entwicklung sind geschaffen.

Flurin Filli, Angelika Abderhalden

Kapitel 18. Welchen Beitrag kann ein Biosphere Reserve zur Umsetzung der SDG leisten? Einsichten und Aussichten aus der UNESCO Biosphäre Entlebuch

Mit der MAB-Strategie 2015–2025, der Lima-Deklaration 2016 und dem Lima-Aktionsplan 2016–2025 sollen sich UNESCO Biosphere Reserves (BR) zu Modellen der Umsetzung der Sustainable Development Goals 2015–2030 (SDG) entwickeln. Sie sollen eine Vorbildfunktion übernehmen, indem sie aufzeigen, was und wie sie auf lokaler Ebene zur Erreichung der globalen Ziele Nachhaltiger Entwicklung beitragen. Bisher fehlen jedoch Hinweise, zu welchen SDG mit ihren 169 Unterzielen Biosphärenreservate (BR) überhaupt beitragen können und sollen. Ebenso stellt sich die Frage, ob die SDG wirklich einen sinnvollen Zielrahmen für BR hergeben. Diese Unklarheiten waren Ausgangslage für ein Projekt in der UNESCO Biosphäre Entlebuch. Darin wurden im Rahmen kriterienbasierter Experteneinschätzungen alle 169 SDG-Unterziele dahingehend beurteilt, inwieweit diese für BR in Westeuropa allgemein und speziell für das BR Entlebuch relevant sind, ob die relevanten Unterziele mit Maßnahmen schon abgedeckt sind und ob Anpassungsbedarf bei den Zielen und Maßnahmen besteht. Die Ergebnisse sind vielfältig: Zwei Drittel der 169 SDG-Unterziele haben für BR keine oder eine nur geringe Bedeutung, und auf nur einen Drittel können BR direkt einwirken; indirect (z.B. über Kooperationen mit anderen Akteuren oder Ausbildung) haben sie jedoch bei gewissen Unterzielen weitere Einflussmöglichkeiten. Am Beispiel des BR Entlebuch zeigte sich, dass es noch weniger Unterziele sind, die in der praktischen Umsetzung eines BR eine wichtige Rolle spielen. Aus den Resultaten lässt sich folgern, dass sich die 169 SDG-Unterziele nicht als einziger Zielrahmen für BR eignen. Die allgemein formulierten 17 SDG können hingegen gut als Orientierungsrahmen für BR dienen. Sie erlauben es, eine globale Perspektive auf lokaler Ebene einzubringen und dazu beizutragen, den Zielrahmen wie auch die Maßnahmen eines BR kritisch zu beurteilen.

Thomas Hammer, Florian Knaus, Annette Schmid

Kapitel 3. Agenda 2030 und Lima-Aktionsplan – Anpassung der Biosphere Reserves für die Zukunft

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich das UNESCO-Programm Man and the Biosphere (MAB) und damit auch sein Weltnetz der Biosphere Reserves (WNBR) kontinuierlich weiterentwickelt und sich entsprechend den geänderten globalen nachhaltigkeitspolitischen Grundsätzen angepasst. Zwar gilt die Sevilla-Strategie mit ihren verpflichtenden Rahmenbedingungen (Statutory Framework; UNESCO 1996) weiter, mit dem Aktionsplan von Madrid (UNESCO 2008) und zuletzt der MAB-Strategie 2015–2025 mit dem zugehörigen Aktionsplan von Lima (LAP) 2016–2025 (UNESCO 2016a, 2016b, 2017a) ist das Konzept der UNESCO Biosphere Reserves (BR) aber zuletzt in der Substanz neu aufgestellt worden. Besonders sichtbar wird dies anhand des 2013 angelaufenen Prozesses der Qualitätssicherung im WNBR (Exit / Excellence Strategy). Der Artikel beschreibt zunächst inhaltliche und formale Anpassungen des MAB-Programms von seiner Gründung bis heute und gibt dann einen Überblick über die im Rahmen der Umsetzung der Agenda 2030 und des aktuellen Lima-Aktionsplans notwendigen Aufgaben für die BR und die dafür verantwortlichen Stakeholder in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Zusammenschau von LAP-Maßnahmen und Zuständigkeiten, die auf einem vom deutschen MAB-Nationalkomitee 2017 verabschiedeten Positionspapier aufbaut (MAB Deutschland 2017), wurde im vorliegenden Artikel auf die Umsetzung des LAP in Österreich fokussiert.

Günter Köck, Arne Arnberger, Lutz Möller

Kapitel 4. Das MAB-6-Projekt der UNESCO: Von der Ökosystemforschung zum MAB Biosphere Reserve

Die UNESCO lancierte 1971 das Programm Man and the Biosphere (MAB) mit dem Ziel, Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt besser zu verstehen. Im Rahmen des MAB wurde zur Umsetzung der Programmziele zudem das Konzept des Biosphere Reserve (BR) entwickelt. Im Rahmen des MAB-6-Projektes zu Gebirgsräumen wurden zwischen 1973 und 1991 im schweizerischen, österreichischen und deutschen Alpenraum in neun Testgebieten interdisziplinäre Forschungsprojekte zu Mensch-Umwelt-Beziehungen durchgeführt. Während diese Projekte der Ökosystemforschung wesentliche Impulse geben konnten, wurde die Überführung von MAB-Testgebieten in BR nur in Berchtesgaden vollzogen. Somit hat sich eine Absicht des MAB-Programms, wissenschaftliche Grundlagen für den Aufbau von BR zu nutzen, nicht durchgesetzt, ebenso wie auch in späteren Versuchen in diese Richtung (BRIM, GLOCHAMORE). Biosphäre 4.0 könnte für die Schweiz, Österreich und Deutschland Anlass sein, die nächsten Entwicklungsschritte der BR durch ein neues MAB-Forschungsprogramm mit dem Fokus auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformationsprozesse zu unterstützen.

Thomas Scheurer

Kapitel 2. Synopsis der Biosphere Reserves in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die UNESCO Biosphere Reserves (BR) in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz unterliegen den UNESCO-Kriterien, die zur Antragsstellung, zur Anerkennung und zur Evaluierung herangezogen werden. Darauf aufbauend haben Deutschland und Österreich Kriterienkataloge entwickelt. Diese Kriterienkataloge werden vorgestellt und die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich behandelt. Die Kriterien sind nicht nur zur Antragsstellung, sondern auch bei der 10-jährigen Evaluierung von Bedeutung. Anhand ausgewählter Beispiele aus öffentlich zugänglichen Evaluierungsberichten werden Maßnahmen dargestellt, die zur Umsetzung der drei miteinander verbundenen Funktionen zur Erhaltung der Biodiversität, zur ökologischen, sozial nachhaltigen und kulturellen Entwicklung sowie zur logistischen Unterstützung eingesetzt werden. Die Umsetzung in jedem BR ist abhängig von den naturräumlichen Gegebenheiten wie von den ökonomischen, sozialen und kulturellen Aspekten, die jeweils unterschiedliche Managementmaßnahmen erfordern.

Valerie Braun, Adelheid Humer-Gruber, Kati Heinrich, Hubert Job

Kapitel 5. Das Biosphere Reserve-Konzept in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Paradigmatische Entwicklung und zukünftige Herausforderungen im Spannungsfeld von Regionalentwicklung und globaler Nachhaltigkeit

In diesem Beitrag wird das Biosphere Reserve-Konzept von Deutschland, Österreich und der Schweiz im Spiegel der paradigmatischen Entwicklung und zukünftiger Herausforderungen im Spannungsfeld von Regionalentwicklung und globaler Nachhaltigkeit beleuchtet. Die Entwicklung in der Naturschutzpolitik Europas und ihr Niederschlag in der Biosphere Reserve-Politik dieser drei Länder lassen sich über die seit den 1960er-Jahren chronologisch in Erscheinung getretenen Paradigmen Segregativer Naturschutz, Integrativer Naturschutz und Gesamtheitlicher Naturschutz gliedern. Zum einen werden in diesem Beitrag diese Paradigmen beleuchtet und zum anderen diskutiert, inwiefern diese paradigmatische Entwicklung bis heute in der Realität ihren Niederschlag gefunden hat. Dabei zeigte sich unter anderem, dass alle drei Länder hinsichtlich der Umsetzung des eingeforderten gesamtheitlichen Naturschutzverständnisses vor großen zukünftigen Herausforderungen stehen, zumal in den beleuchteten Biosphere Reserves allenfalls erste Ansätze der Umsetzung erkennbar sind.

Norbert Weixlbaumer, Thomas Hammer, Ingo Mose, Dominik Siegrist

Kapitel 9. Akzeptanzfördernde Faktoren im Biosphärengebiet Schwäbische Alb – Ein Fallbeispiel für eine gelingende Integration von Mensch und Biosphäre

Die Kluft zwischen theoretischem Anspruch von UNESCO Biosphere Reserves (BR) und konkreter praktischer Ausgestaltung vor Ort ist oft erheblich und das Ziel als Modellregionen zu fungieren kann nicht immer erreicht werden. Eines der Gebiete, welches den Weg vom Spannungsfeld zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Interessen hin zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung gut bewältigt, ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Greifswald hat die Auswertung leitfadengestützter Interviews mit einer breiten Palette von Akteurinnen und Akteuren im BR Schwäbische Alb diesen Eindruck belegt. Die Ergebnisse deuten auf eine bemerkenswert hohe Akzeptanz im BR Schwäbische Alb sowie eine wahrgenommene Aufwertung der Region hin. In dem Artikel werden neben weiteren Ergebnissen insbesondere die Faktoren diskutiert, die zu diesen Entwicklungen im BR Schwäbische Alb geführt haben. Des weiteren wird der Frage nachgegangen, ob – und wenn ja welche – dieser Faktoren übertragbar sind und als Lernmodell für andere Regionen dienen können.

Uta Johanna Runst, Susanne Stoll-Kleemann

Kapitel 7. Netzwerk Biosphere Reserves – Einblicke in die Innovationspotentiale der Peripherie am Beispiel Entlebuch (Schweiz) und Großes Walsertal (Österreich)

Schutzgebiete in ländlichen Räumen tragen dazu bei, Naturschutzziele zu erreichen, den grand challenges wie dem Klimawandel entgegenzutreten sowie den Übergang hin zu einer postfossilen Gesellschaft zu gestalten. Gleichzeitig kämpfen sie damit, wirtschaftliches Wachstum und erhöhte Lebensqualität zu verknüpfen. Biosphere Reserves (BR) versuchen diese Dichotomie zu überwinden, indem sie unter anderem Innovationen fördern wollen. Diese sollen anschließend im globalen Schutzgebietsnetz Verbreitung finden.Dieser Beitrag untersucht, wie Innovationen bzw. innovative Betriebe und Projekte in BR regional eingebettet sind. Mittels sozialer Netzwerkanalyse und leitfadengestützter Interviews werden zwei periphere BR aus Österreich (Großes Walsertal) und der Schweiz (Entlebuch) miteinander verglichen. Die Ergebnisse kategorisieren verschiedene Innovationstypen und zeigen, dass BR als Plattform für neue Ideen, als Instrument zur Förderung von Projekten und Produkten sowie als Vermittler zwischen Akteuren und Skalen fungieren können.

Armin Kratzer

Kapitel 1. Das Weltnetz der Biosphere Reserves (UNESCO WNBR) im Spiegel des Nachhaltigkeitskonzeptes: Stand und Perspektiven

UNESCO Biosphere Reserves sind Modellregionen nachhaltiger Entwicklung. Die Bezeichnung greift auf einen Begriff zurück, der im 19. Jahrhundert forstwirtschaftlich geprägt und konnotiert wurde und mit der Veröffentlichung des Brundtland-Reports (1984) zu einem entwicklungstheoretischen Paradigma wurde. Auch wegen seiner Unschärfe war der Terminus Nachhaltigkeit einem steten Diskurs und daraus folgend einer Weiterentwicklung unterworfen.

Axel Borsdorf, Michael Jungmeier

Kapitel 10. Am Rand großer Städte – Urbane Biosphere Reserves zwischen Konzept und Umsetzung

Biosphere Reserves (BR) in unmittelbarer Nähe zu Großstädten gehen mit spezifischen Herausforderungen einher. Dabei können peri-urbane BR sehr heterogene Funktionen erfüllen, vom Schutz der Natur über Naherholung bis hin zu innovativen Potenzialen sozial-ökologischer Transformation. Das besondere Konfliktrisiko peri-urbaner BR ist gleichzeitig nicht zu übersehen.Dieser Artikel gibt einen Überblick über Diskussionsstränge zur Anwendbarkeit des BR-Konzepts im urbanen Kontext und arbeitet Chancen und Grenzen anhand von zwei Fallbeispielen (Wienerwald, Grüngürtel São Paulo) hinsichtlich deren Funktionen, Governance-Strukturen und konkreten Aktivitäten heraus.

Ute Ammering, Martin Coy, Lukas Kindl, Armin Kratzer, Tobias Töpfer, Neli Aparecida de Mello-Théry

Kapitel 12. Der Biosphärenpark Großes Walsertal aus dem Blickwinkel seiner Bewohnerinnen und Bewohner

In einem Biosphere Reserve ist es von großer Bedeutung, den vor Ort lebenden Menschen die Möglichkeit zur Partizipation und zur Mitgestaltung der zukünftigen Entwicklung ihrer Region zu geben. In der Region Großes Walsertal (Vorarlberg), der im Jahr 2000 von der UNESCO das Prädikat Biosphere Reserve verliehen wurde, wird die ansässige Bevölkerung immer wieder aktiv in konkrete Projekte miteinbezogen. Dies erfolgte auch 2005 anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Auszeichnung als Biosphärenpark in Form einer großangelegten sozialwissenschaftlichen Haushalts- / Bewohnerbefragung. Um das Meinungsbild auch im Zeitvergleich zu analysieren, wurde 2014 eine weitere Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner des Tales durchgeführt. Beide Erhebungen ergaben unter anderem hinsichtlich der Akzeptanz des Biosphärenparks und der Partizipationsbereitschaft der einheimischen Bevölkerung bemerkenswert positive Ergebnisse.

Peter Alexander Rumpolt

Kapitel 13. Grenzen überwinden – Herausforderungen und Potenziale bei der Weiterentwicklung des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen

Im Jahr 1958 wurde als einer der ersten Naturparke in Deutschland der Naturpark Pfälzerwald gegründet, der 1992 als UNESCO Biosphere Reserve (BR) anerkannt wurde. Sechs Jahre später, 1998, wurde schließlich aus den Naturparken Pfälzerwald und Nordvogesen das grenzüberschreitende deutsch-französische Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, das als Modellregion für nachhaltige Entwicklung zum Erhalt und zur Entwicklung natürlicher Ressourcen beitragen soll. Seitdem wurden und werden regelmäßig gemeinsame Projekte der deutschen und französischen Verwaltungen initiiert, die dem – wenn auch mitunter vagen und vielgestaltigen – Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben sind. Der Beitrag beleuchtet zum einen, wie mit dem Handlungsprogramm für die Jahre 2019 bis 2028 ein angepasstes Entwicklungskonzept in umfangreicher Abstimmung entsteht. Zum anderen wird anhand des EU-Projektes LIFE Biocorridors, das auf einen grenzüberschreitenden Biotopverbund mit weitreichenden Maßnahmen abzielt, dargestellt, wie gemeinsame deutsch-französische Anstrengungen umfängliche Aushandlungsprozesse erfordern, um so eine gemeinsame „Sprache“ zu finden.

Florian Weber, Friedericke Weber

5. Trumps Politikansatz und EU-Perspektiven

Der anfängliche Politikansatz von Donald Trump hatte einige typische Elemente von Republikaner-Präsidenten, nämlich Erhöhung der Verteidigungsausgaben und Steuersenkungen, was im Zuge erhöhten Wachstums bis 2019 auch die Arbeitslosenquote massiv senkte – bis auf 3,5 %. Aber schon im Mai des Corona-Krisenjahres 2020 stand die US-Arbeitslosenquote bei 14 %, ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 33 Millionen in nur neun Wochen. Die Widersprüchlichkeit der US-Wirtschaftspolitik unter der Trump-Administration ist erheblich, zumal die Trumpschen Körperschaftssteuersenkungen auch die Einkommensungleichheit in den USA tendenziell weiter vergrößern; die erhöhte Ungleichheit in den USA wiederum schwächt das Vertrauen der Bevölkerung in den Bankensektor, wie neuere Untersuchungen zeigen. Der US-Populismus unter Trump hat in Europa ein populistisches Begleitprojekt, nämlich das britische BREXIT-Projekt unter Premier Johnson. Die EU ist durch die Trump-Neuorientierung in der US-Wirtschafts- und Außenpolitik geschwächt und wenige Politikakteure in Brüssel haben den BREXIT als Impuls für Selbstkritik und neue Reformen aufgefasst. So sehr die USA an der internen Politikpolarisierung unter Trump leiden und auch weniger führungsfähig sind, so wenig hat die EU eine klare und durchdachte Politik. Die dringlich notwendige Vermeidung einer Eurokrise 2 im Jahr 2020 könnte in der Eurozone wegen eines unzureichenden Politikmix von Geld- und Fiskalpolitik misslingen, was eine massive Verstärkung der Corona-Rezession zur Folge hätte. Das EU-Fiskalpolitikprogramm vom April, das gut 500 Mrd. € an Volumen hat, ist unzureichend bzw. falsch konstruiert, um eine Eurokrise 2 zu vermeiden. Aber, auch ohne umstrittene Eurobonds könnte die Eurozone die Krise überwinden: Nämlich mit teilbesicherten Joint Eurobonds (JEB), ergänzt um besondere Verwendungs- und Besicherungsregeln, die erlauben, dass Italien und Spanien vom JEB-Aufkommen mehr als den normalen eigenen Anteil am Euro-BIP realisieren können. Kann die Eurokrise 2 vermieden werden, könnte die Eurozone schneller die Rezession überwinden als die USA. Die USA mit einer Defizitquote von etwa 17 % im Jahr 2020 stehen vor ernsten Finanzproblemen, das Top-AAA-Rating ist mittelfristig kaum haltbar.

Paul J. J. Welfens

2. Impeachment-Verfahren, Druck auf die US-Wirtschaft und die US-Wirtschaftspolitik und die US-Wirtschaftspolitik beim Corona-Shock

Das Impeachment-Verfahren gegen US-Präsident Trump sowie die Herausforderungen der Corona-Weltwirtschaftskrise mit Blick auf Gesundheitssystem und Wirtschaftsentwicklung werden dargestellt. Dabei werden Schwächen des US-Gesundheitssystems im Vergleich zu Deutschland und anderen EU-Ländern in exemplarischer Weise verdeutlicht. Zugleich werden die besonderen Corona-Schock-Herausforderungen für die Vereinigten Staaten analysiert. Die USA haben wegen einer starken Corona-Betroffenheit im Gesundheitssystem – mit viel höherer Todesrate als in Deutschland – besondere Neustartprobleme in der Wirtschaft. Die EU allerdings hat für eine Vermeidung einer Eurokrise 2 keine vernünftigen Weichen gestellt und dürfte daher einen langsameren Konjunkturaufschwung erreichen als die USA; zudem besteht die Gefahr eines EU-Zerfalls. Die Corona-Weltrezession ist nach 1945 die erste internationale Wirtschaftskrise ohne US-Führung bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Trump ist durch die Ablehnung des Multilateralismus und wegen der von ihm zu verantwortenden Kompetenzlücke in der Administration zu internationaler Koordination und Führung kaum in der Lage. Die EU ist zu schwach, um Führung zu ersetzen.

Paul J. J. Welfens

Ehrenamtliches Engagement

Kinder- und Jugendarbeit (KJA) war und ist Ort eines vielfältigen ehrenamtlichen, freiwilligen Engagements. Einerseits werden ihre Angebote in hohem Maße von ehrenamtlich Engagierten getragen. Andererseits stellt freiwilliges Engagement eine Gelegenheitsstruktur par excellence dar, Kernziele von Jugendarbeit zu realisieren: Verantwortungsübernahme, Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Teamarbeit usw. Um freiwilliges Engagement in der KJA und die Möglichkeiten seiner Förderung in einer angemessenen Breite und Tiefe zu diskutieren, wird 1) in einer Analyse der verschiedenen verwendeten Begriffen und der mit ihnen verbundenen Engagement-Traditionen die Vielfalt des Engagements (im Allgemeinen und in der KJA im Besonderen) erschlossen; werden 2) aktuelle empirische Daten zum Engagement in Deutschland referiert; wird 3) ein Blick auf den Diskurs und die verfügbaren empirischen Daten zum Engagement in der KJA geworfen; wird 4) die fachliche, politische, gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Engagement in der KJA erörtert; werden 5) Perspektiven der Förderung von Engagement in der KJA skizziert.

Paul-Stefan Roß

Freizeit- und Erlebnispädagogik

Die Begriffe „Freizeit“ und „Erlebnis“ sind für die Meisten von uns keine Fremdwörter. Doch wie genau werden sie definiert und was ergibt sich, wenn man sie „pädagogisiert“? Wofür stehen dann die Begrifflichkeiten „Freizeit- und Erlebnispädagogik“? Der vorliegende Text soll einen genaueren Blick auf diese Themen werfen und sie als pädagogische Konzepte vorstellen. Neben Grundlagen, Definitionen und einem kurzen geschichtlichen Abriss, geht es vor allem auch darum, die genaue Zielsetzung und die Zielgruppen zu beschreiben. Der weitere Schwerpunkt liegt auf der praxisnahen Planung, Umsetzung, Durchführung und Auswertung freizeit- und erlebnispädagogischer Angebote. Weiterhin werden ökologische und sicherheitsrelevante Aspekte beschrieben. Abschließend werden auf Reflexionsmöglichkeiten zur Nachbereitung handlungsorientierter Aktivitäten sowie die Notwendigkeit und Wichtigkeit derselben hingewiesen.

Karl-Heinz Konnerth

Umwelt- und Klimapolitik

Umweltpolitik in den USA ist ein spannendes wie auch spannungsgeladenes Politikfeld, das nach Jahren stiefmütterlicher Betrachtung, in jüngster Vergangenheit verstärkt ins Blickfeld geriet. Im Umgang mit Debatten zu Klimawandel und Artensterben wurde es zum Inbild des stetig zunehmenden gesellschaftlichen Auseinanderdriftens der Vereinigten Staaten von Amerika, sowie eines neuen außenpolitischen Isolationismus unter der Überschrift America First. Gleichzeitig war Umweltpolitik jeher eines der innovativsten Politikfelder in den USA. Als Antwort auf ein divided government setzten sich sowohl Ansätze des Neuen Pragmatismus als auch des Neuen Föderalismus durch.

Simone M. Müller

Chapter 3. Germany: Climate Change, Human Security and Southern Populations

This chapter looks at the securitisation of climate change in Germany. In contrast to the US, the disciplinary and governmental discourses and the argumentation of climate change as a risk to the human security of poor populations in the Global South prevailed. This helped to legitimise progressive climate policies, coin concepts such as ‘climate diplomacy’ and ‘climate foreign policy’, and had a significant impact on German development policy. Moreover, it legitimised a different set of actors mainly consisting of research institutions, civil society actors and development organisations. This form of securitisation avoided a one-dimensional and short-sighted focus on the symptoms of climate change. Nonetheless, it contributed to a problematic juxtaposition of a climate resilient and powerful Global North, with an ‘unruly’, unprepared and victimised Global South.

Franziskus von Lucke

XI. Räumlich-funktionale Einordnung des CCM-Prinzips in den Bestand völkerrechtlicher Umweltschutzprinzipien

Zunächst wird versucht, das common concern of humankind-Prinzip vor dem Hintergrund seiner Entwicklungsgeschichte gleichsam „aus der Vogelperspektive“ in den „Kanon“ der bislang anerkannten Umweltschutzprinzipien des Völkerrechts räumlich-funktional einzuordnen. Hierbei wird zum einen in Abgrenzung zu anderen Schutzprinzipien der räumliche Anwendungsbereich des CCM-Prinzips skizziert. Zum anderen wird zugleich eine Aussage darüber getroffen, welche funktionale Rolle dem common concern-Prinzip im größeren Ordnungsrahmen der bisherigen Umweltschutzprinzipien zukommt. Mit dieser „Verortung“ des CCM-Prinzips im Umweltvölkerrecht soll vor allen Dingen aufgezeigt werden, dass jenes Prinzip nicht nur notwendig, sondern auch geeignet ist, eine an Bedeutung gewinnende Rechtsschutzlücke im internationalen Umweltschutz zu schließen. Zugleich sollen mit Blick auf das später zu skizzierende Weiterentwicklungspotenzial des CCM-Prinzips die räumlich-funktionalen Grenzen für seine Übertragung auf weitere Anwendungsfälle in der Zukunft abgesteckt werden.

Oliver Strank

XIII. Common concern of humankind als Prinzip im Umweltvölkerrecht

In den ersten beiden Teilen dieser Arbeit wurde bislang von der Arbeitshypothese ausgegangen, dass der Begriff des common concern of humankind sich mittlerweile zu einem eigenständigen Prinzip des Umweltvölkerrechts entwickelt hat. Hierbei wurden zunächst seine philosophischen Grundlagen und anschließend die historische Entwicklung jenes Schlüsselbegriffs bis in seine frühen Wurzeln im Jahre 1893 nachgezeichnet. Um die Existenz eines common concern-Prinzips im Umweltvölkerrecht nachweisen zu können, ist der Blick auf jenes philosophische und rechtsgeschichtliche Fundament zwar notwendig und hilfreich, er vermag aber für sich genommen dessen Prinzipienqualität noch nicht hinreichend zu begründen. Um im dritten Teil der Arbeit seinen positiv-völkerrechtlichen Inhalt weiter herauszukristallisieren, soll nunmehrdargelegt werden, weshalb das common concern of humankind völkerrechtstheoretisch als ein jüngeres Prinzip des Umweltvölkerrechts zu qualifizieren ist.

Oliver Strank

V. Gemäßigte Anthropozentrik als philosophische Grundlage des common concern of humankind-Prinzips

Innerhalb des anthropozentrischen Lagers hat sich nunmehr – größtenteils als Reaktion auf die Kritik der Ökozentriker am rein anthropozentrischen Weltbild – ein breites Spektrum an gemäßigt anthropozentrischen Ansätzen herauskristallisiert. Diese facettenreichen Ansätze basieren zwar ebenfalls auf anthropozentrischen Grundannahmen und stellen daher zunächst den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Doch „ökologisieren“ und „korrigieren“ sie die Sonderstellung des Menschen insofern, als sie die Umwelt – in Abgrenzung zu rein anthropozentrischen Positionen – nicht ausschließlich als Herrschafts- und Zugriffs-, sondern auch als eigenständiges Schutzobjekt anerkennen. Diese ökologischen Korrektivansätze treten weniger in Reinform als vielmehr in argumentativen Gemengelagen auf. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zwar der Natur durchaus einen Eigenwert beimessen, sie aber nicht ausschließlich um ihrer selbst willen, sondern primär in ihrer Funktion als „elementare Lebensgrundlage des Menschen“ und damit letztlich doch um des Menschen willen bewahren wollen.

Oliver Strank

I. Common concern of humankind im Völkerrecht

Im Zeitalter voranschreitender Globalisierung, in dem sich nationale und kulturelle Grenzen allmählich auflösen, Finanzmärkte rund um den Globus vernetzen, sich die internationalen Beziehungen von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten zunehmend verdichten und alle Bereiche des menschlichen Lebens sich weltweit verflechten, schrumpft die Welt zusehends zu einem „globalen Dorf“ oder wächst bisweilen gar zu einer „globalen Schicksalsgemeinschaft“ mit einer Art „internationalem Solidaritätsgefühl“ zusammen. Rasch haben lokale Ereignisse infolge weltweiter Wechselwirkungen globale Folgen, und wo ein Problem infolge seiner Globalität tatsächlich alle Menschen gleichermaßen betrifft und sich zu einer existenziellen Bedrohung der menschlichen Lebensgrundlagen auf Erden zuspitzt, wächst es womöglich gar zu einer „gemeinsamen Sorge der Menschheit“ heran – zu einem common concern of humankind.

Oliver Strank

Local Leadership and Its Limits in the Deployment of Sustainable Mobility Policies

The indisputable need for new urban mobility policies, which has already been recognised in numerous international, European and national legal instruments, undoubtedly requires a local role in the redefinition of these policies. This action must be carried out in a regulatory context that does not always provide local authorities with all the legal instruments to do so. In this contribution, the primary measures being used to achieve greater sustainability of urban mobility are outlined, as well as a description of the effective room for manoeuvre local authorities normally have, analysing the current limitations they face for a more ambitious deployment and possible models of alternative regulation.

Andrés Boix Palop

Kapitel 10. Wie chinesische Besucher den Tourismus am Baikalsee verändern

Spätestens mit der Fußballweltmeisterschaft in Russland 2018 rückte die Russische Föderation in das Augenmerk des internationalen Tourismus. Doch Russland ist weit mehr als Moskau, Sankt Petersburg oder gar Sotschi. Auch abseits der großen Städte, im Fernen Osten Russlands entwickelt sich der Tourismus. Der vorliegende Artikel untersucht die Entwicklung des Tourismus in der Baikalregion. Besonderer Schwerpunkt liegt in der Ausrichtung dessen auf chinesische Besucher. Die Autorinnen beschreiben allgemeine Trends und Dynamiken in der Tourismusbranche, damit einhergehende Änderungen in der touristischen Infrastruktur sowie auftretende Probleme. Anhand von Statistiken, aktuellen Umfragen und Experteninterviews werden drei Problemfelder lokalisiert, die mit den zunehmenden chinesischen Touristenströmen und unzureichender Vorbereitung Russlands darauf entstehen: ökonomische, ökologische und soziokulturelle. Abschließend geben die Autorinnen ein Fazit sowie einen Ausblick.

Stefanie Erpel, Natalia Rubcova

Kapitel 24. „Wir machen Lust auf Land“ – Tourismus im Land Brandenburg

Interview mit Dieter Hütte, Geschäftsführer Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) und Birgit Kunkel, Pressesprecherin TMB – Das Gespräch führte Dominik Pietzcker

Brandenburg gewinnt seit vielen Jahren als touristische Destination an Bedeutung. Dieter Hütte und Birgit Kunkel erläutern im Gespräch die Hintergründe, Angebote und strategischen Überlegungen für Brandenburg als Reiseland.

Dieter Hütte, Birgit Kunkel, Dominik Pietzcker

Kapitel 3. Die wohlige Wandlung der Ferne – Trends und Zukunftsszenarien des modernen Tourismus

Betrachtet man die aktuellen ökonomischen Basisdaten der Tourismusbranche weltweit, zeichnet sich zunächst ein ziemlich positives Bild über deren voraussehbare Zukunft ab. Bis 2030 wird, Kontinuität vorausgesetzt, die Zahl der Touristen weltweit auf 1,8 Mrd. Reisende pro Jahr ansteigen. Derzeit liegt sie bei rund 1,3 Mrd. Die Tourismusbranche ist heute einer der wachstums- und beschäftigungsintensivsten und zugleich krisensichersten Wirtschaftsbereiche weltweit.

Wolfgang Kreuter
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