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07.02.2018 | Naturschutz | Im Fokus | Onlineartikel

Bundesamt für Naturschutz bezieht gegen Glyphosat Stellung

Autor:
Julia Ehl

Insbesondere der Einsatz von Glyphosat in Schutzgebieten muss schnellstmöglich verboten werden, aber auch bei allen anderen Einsatzgebieten sieht das Bundesamt für Naturschutz dringenden Handlungsbedarf.

Die Diskussionen um glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel sind massiv. Springer Gabler-Autorin Christa Fischer-Korp führt am Beispiel Glyphosat, dem weltweit meist verwerteten Herbizidwirkstoff, im Buchkapitel Über Konflikte aus: "Konflikte bringen Menschen negative Emotionen und verhindern rationales Nachdenken. Damit ist es den Konfliktparteien selbst nicht möglich, Ursachen, Widerstände und Konfliktthemen zu erforschen und zu bearbeiten. Hier müssen die negativen Emotionen untersucht und die nicht erfüllten Bedürfnisse dahinter gefunden werden. Erst dann tritt wieder Rationalität ein."

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Über Konflikte

Überall wo Menschen miteinander zu tun haben, kann es zu Konflikten kommen, und der öffentliche Bereich ist dementsprechend auch nicht davor gefeit.


Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellt in seinem veröffentlichten Positionspapier die wissenschaftlich durch Studien belegten direkten und indirekten Auswirkungen des Pflanzenschutzmittels dar und gibt eindeutige Handlungsempfehlungen. Im Positionspapier wird darauf hingewiesen, dass es sich bei den Empfehlungen nicht um einen abschließenden Katalog zur Bewältigung des Problems handelt, sondern nur um Mindestanforderungen, die die zentrale wissenschaftliche Behörde des Bundes für den nationalen und internationalen Naturschutz für als erforderlich erachtet.

Direkte Auswirkungen von Glyphosat

Glyphosat wird über alle grünen Pflanzenteile aufgenommen. Es wird daher beim konventionellen Pflanzenbau eingesetzt, bevor die Feldfrucht gesät wird. Zu diesem Zeitpunkt sind auf der Ackerfläche schon viele Unkräuter aufgegangen und werden daher eliminiert, was zu einer Gefährdung von Ackerwildkrautarten führt und damit die Biodiversität nachweislich reduziert. Etabliert hat sich auch eine Sprühanwendung unmittelbar nach der Saat. Weitere Unkräuter werden so ausgeschaltet, während die tiefer eingesäten Kulturpflanzen verschont bleiben.

Indirekte Auswirkungen von Glyphosat sind gravierender

Wesentlich bedeutsamer sind die indirekten Effekte, die auf den Einsatz von Glyphosat zurückzuführen sind. Die großflächige Vernichtung der auf den Äckern befindlichen unerwünschten Flora reduziert das Nahrungsangebot für viele Insekten. Der nachgewiesene massive Insektenrückgang lässt sich damit auf die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zurückführen. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde auch der direkte Zusammenhang von der Anwendung von Breitband-Pflanzenschutzmitteln wie beispielsweise Glyphosat und dem Rückgang des Rebhuhnbestandes.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

Im Positionspapier des BfN werden die zentralen Maßnahmen zusammengefasst dargestellt. Dabei sollen rechtliche Möglichkeiten ausgeschöpft oder geschaffen werden, um den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln schnell zu beenden. So lange das Mittel noch eingesetzt werden darf, muss es maximal beschränkt werden. Das BfN empfiehlt auch die Einführung einer Abgabe für Pflanzenschutzmittel zu prüfen.

Weiterhin rät das BfN die Verwendung von Glyphosat nur zu gestatten, wenn die anwendenden Betriebe gleichzeitig ein Mindestanteil ihrer genutzten Flächen mit ökologischer Ausgleichsfunktion ohne den Herbiziteinsatz aufweisen.

Bei Schutzgebieten wie Natura 2000-Gebiete, Nationalparks, Naturschutzgebiete, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, Wasserschutzgebiete und Gewässerrandstreifen sollte über die bestehenden Vorschriften hinaus so schnell wie möglich die Verwendung von Glyphosat verboten werden.

Das BfN bezieht mit dem Positionspapier eindeutig Stellung. Bleibt zu hoffen, dass nun bei den Entscheidungsträgern, wie von Springer Gabler-Autorin Christa Fischer-Korp angeführt, wieder die erforderliche Rationalität einsetzt, um die notwendigen Maßnahmen gegen die Anwendung von Glyphosat schnell auf den Weg zu bringen und damit zum Schutz der biologischen Vielfalt einen wichtigen Beitrag zu leisten, denn die Biodiversität ist auf vielen Ebenen bedroht, wie Wolfgang Nentwig, Sven Bacher und Roland Brandl im Buchkapitel Angewandte Ökologie ab Seite 300 erläutern.

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