Skip to main content
main-content

15.08.2014 | Naturwissenschaftlich-technische Anwendungen | Im Fokus | Onlineartikel

Die vernetzte Wohnung denkt mit

Autor:
Andreas Burkert
3:30 Min. Lesedauer

Wenn Opa mit den Armen winkt, weiß der Kühlschrank, was zu tun ist. Die Hausautomation leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung. Künftig hilft die vernetzte Wohnung sogar, dass sich auch die Bewohner effizienter Verhalten.

Ein Wink genügt, und das Licht geht an. Weil die vernetzte Wohnung weiß, was ihre Bewohner wollen, können künftig unter anderem hilfebedürftige Personen in den eigenen Wänden weitestgehend auf fremde Hilfe verzichten. Die Bewohner sollen über alltagsübliche Sprache und Gestik in Kontakt treten können, so die Vorstellung der Initiatoren des „KogniHome“. Damit leistet die mit den verschiedensten Sensoren vernetze Wohnung weitaus mehr als das was die Springer-Autoren Franz Wosnitza und Hans Gerd Hilgers in Energieeffizienz und Energiemanagement beschreiben.

An dem intelligenten Haus arbeiten seit kurzem 14 Projektpartner aus Ostwestfalen-Lippe, mit dem Ziel innerhalb von drei Jahren und mit acht Millionen Euro, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dem regionalen Innovationscluster beisteuert, das Wohnen der Zukunft zu entwickeln.

So soll künftig unter anderem eine Art Avatar mit den Bewohnern kommunizieren. Um zudem die Gesundheit ihrer Bewohner zu fördern, erhält die Wohnung die Fähigkeit, dezent auf mangelnde Bewegung oder Fehlhaltungen hinzuweisen und Verbesserungsvorschläge zu geben. Ebenfalls soll die Wohnung eine Person warnen, wenn sie feststellt, dass ihr eine körperliche Überforderung droht.

Mitdenkender Garderobenspiegel gibt Kleidertipps

Eine ‚digitale Küche‘ soll den Bewohnern assistieren, etwa indem sie deren Kochaktivitäten begleitet, Varianten für Rezepte vorschlägt und frühzeitig warnt, bevor ein Gericht anbrennt. „Sie kann zum Beispiel auch in der Lage sein, Zubereitungsvorlieben und -gewohnheiten der Nutzer zu speichern, um so eine Art ,personalisiertes Kochgedächtnis‘ aufzubauen“, sagt Dr. Eduard Sailer, Geschäftsführer Technik der Miele Gruppe. Auch außerhalb der Küche sind automatische Hilfestellungen vorgesehen: So kann eine intelligente Tür Besucher begrüßen und den Bewohner an Termine erinnern und daran, den Wohnungsschlüssel einzustecken. Zum Eingangsbereich wird ein mitdenkender Garderobenspiegel gehören. Er weist zum Beispiel darauf hin, ob der Bewohner Kleidung trägt, die zum Wetter passt.

Weitere Artikel zum Thema

Damit keiner bevormundet wird, befassen sich in dem Projekt Partner aus Industrie, Forschung, Dienstleistung sowie Sozial- und Gesundheitswesen mit der Frage, wie sich „mitdenkende“ und „vertrauenswürdige“ technische Systeme verwirklichen lassen, die Menschen im Alltag unterstützen können. Bei der Entwicklung der technologischen Basis stehen für die Forscher auch ethische, gesellschaftliche und rechtliche Aspekte im Fokus. „Wir wollen den Wohnalltag mit neuen nützlichen Hilfestellungen anreichern, welche die Gesundheit und Sicherheit ihrer Nutzer verbessern“, sagt Professor Dr. Helge Ritter vom Exzellenzcluster Citec. Er ist Sprecher des Innovationsclusters KogniHome.

Assistierende Wohnung hilft Senioren

Professor Dr. Günther Wienberg, Mitglied des Vorstands der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, verspricht sich von den Neuentwicklungen, dass besonders Senioren und Menschen mit Behinderung davon profitieren. „Die Technik soll ihnen helfen, ihr Leben solange wie möglich selbst im Griff zu haben. Ziel ist ein langes, selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung“, sagt Wienberg. Dafür soll die Wohnung von ihren Nutzern lernen und sich an neue Anforderungen und Lebensphasen anpassen können. Ein Prototyp der Wohnung wird übrigens in einem Gebäude der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel aufgebaut.

Erst im März 2014 hat der Exzellenzcluster Citec ein neues Projekt vorgestellt, in dem es ebenfalls um eine assistierende Wohnung geht. Im Mittelpunkt dieses Citec-eigenen Projekts steht die Vernetzung eines Service-Roboters mit einem intelligenten Apartment. Beide Wohnungen sollen sozial kompetent mit ihren Nutzern interagieren. Das Besondere an dem Projekt KogniHome ist dabei, dass die Wohnung ihren Nutzer ein Leben lang begleiten kann, weil sie von seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten lernt. Bei KogniHome wird kein Service-Roboter eingesetzt, sondern die Technologien werden unsichtbar in das gewohnte Wohnumfeld integriert. Die an der Entwicklung beteiligten Industriefirmen wollen die Ergebnisse dazu nutzen, marktreife Produkte zu entwickeln.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Bildnachweise