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08.07.2024 | Neobank | Im Fokus | Online-Artikel

Neobanken sind vielen Deutschen kein Begriff

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4 Min. Lesedauer

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Online-Banken und Neobroker sind vielen Verbrauchern unbekannt, zeigen aktuelle Statista-Zahlen. Zudem arbeiten die meisten nicht rentabel und bekommen zunehmend Konkurrenz durch etablierte Häuser. Ein engeres Zusammenrücken könnte die Lösung sein.

Banking und Aktienhandel per Smartphone ist ihr Geschäftsmodell: Als junge Fintechs starteten Neobroker und Online-Banken vor gut einer Dekade durch. Ihre digitalen Services, mit denen sich Geldgeschäfte per Handy schnell abwickeln und kontrollieren lassen, kommen vor allem bei der jungen Zielgruppe gut an. Und auch bei klassischen Instituten hat dieses Konzept Nachahmer gefunden. Kaum eine Bank oder Sparkasse kommt heute ohne Mobile Banking aus. Dennoch sind die Online-Finanzdienstleister vielen Deutschen kein Begriff, zeigen die aktuellen Statista Consumer Insights. 

Die Zahlen belegen, dass nur rund 41 Prozent der im November 2023 befragten rund 1.200 Personen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren die Marke der Berliner Online-Bank N26 kennen. Das Institut belegt damit den ersten Rang im Deutschlandvergleich. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Investitionsplattformen Etoro und Trade Republic mit jeweils 31 Prozent. Revolut landet mit 30 Prozent an vierter und C24 (24 Prozent) an fünfter Stelle. 

Digitale Interaktion als Geschäftsmodell

"Das Geschäft von Neobanken basiert auf digitaler Interaktion mit ihren Kundinnen und Kunden - von der Kommunikation via Browser und App über Mobile Banking bis zur Nutzung moderner Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI)", beschreibt Banking-Experte Marouane Bakhtar das Geschäftskonzept der Fintechs in der Zeitschrift "Bankmagazin". 

Ihm zufolge gibt es weltweit derzeit rund eine Milliarde Kundenkonten bei Neobanken. Der Autor bezieht sich dabei auf eine Schätzung von Simon-Kucher, die im Jahr 2023 knapp 400 Institute dieser Art rund um den Globus zählte. 

Viele Online-Finanzdienstleister arbeiten nicht kostendeckend

Rund zehn Jahre nach Beginn des Neobanken-Ansatzes zeige sich, "dass fast keine von ihnen rentabel ist". Dem "Global Neobanking Radar" des Beratungshauses zufolge "schaffen es weniger als fünf Prozent, kostendeckend zu arbeiten, geschweige denn gewinnbringend zu sein". 

So konzentriert sich der Finanzdienstleister Trade Republik zum Beispiel neben dem Handel mit Aktien, Fonds, Derivaten und Kryptowährungen zunehmend auch auf klassische Bankgeschäfte. Hierzu gehört laut dem Portal Statista auch eine digitale Bezahlkarte sowie ein Girokonto. Derzeit erreicht das Unternehmen mit seinen Services nach eigenen Angaben mehr als 340 Millionen Menschen in insgesamt 17 europäischen Ländern. Der Finanzdienstleister besitzt seit Ende 2023 sogar eine Vollbanklizenz. 

Neobanken im Fokus der Aufsicht

Dagegen durfte N26 lange Zeit nur eine bestimmte Zahl an Neukunden pro Monat annehmen. Die Bafin hatte 2021 infolge zu spät gemeldeter Geldwäsche-Verdachtsfälle unter anderem das Wachstum des Instituts begrenzt. Diese Vorgabe hob die Behörde im Mai 2024 wieder auf. 

"Neobanken sehen sich heute auch einer verstärkten Prüfung ihrer Compliance-Systeme gegenüber", erläutert hierzu Banking-Fachmann Bakhtar. Dabei interessiere sich die Aufsicht vor allem wegen zunehmender Finanzbetrügereien und wachsender Gefahren durch Cyber-Kriminelle für die Geschäfte. Dabei gehe es insbesondere um geeignete Betrugsabwehrsysteme und die Einhaltung EU-weiter Vorgaben. 

Konkurrenz durch etablierte Institute

Zugleich erweitern immer mehr klassische Häuser ihr Portfolio um Services, die ursprünglich vor allem bei Neobrokern und Online-Banken beheimatet waren. Das gilt allen voran für den Handel mit Kryptos. "Eine Vielzahl etablierter Finanzinstitute ist mit ersten Produkten und Dienstleistungen vertreten oder arbeitet gerade an Piloten", erläutert Kai Will, Manager bei der Unternehmens- und Strategieberatung Accenture, in der April-Ausgabe von "Bankmagazin". Beispielhaft nennt er die DZ Bank, Baader Bank, Commerzbank und V-Bank. 

"Das Potenzial, das in neuen Geschäftsmodellen mit Digital Assets steckt, ist groß", so Will. Für die Verwahrung und den Handel können Finanzdienstleister Gebühren erheben. Auch die Tokenisierung selbst, also das Anfertigen einer digitalen Abbildung von beliebigen Vermögenswerten, eigne sich als zusätzliche Einnahmequelle. Zudem könnten etablierte Geldhäuser durch die Nutzung von Smart-Contracts-Prozesse automatisieren und verschlanken - und somit ihre Effizienz steigern. Das gelte vor allem für die Wertpapierabwicklung.

Kooperation und Netzwerk statt Wettbewerb

Sowohl für Banken als auch für die jungen Wettbewerber im Finanzsektor könnte in Kooperationen und in Netzwerken die Zukunft liegen. Harmut Giesen, Fintech-, Krypto- und Blockchain-Experte bei der Sutor Bank, erklärt dies gegenüber springerprofessional.de an zwei Beispielen aus der Praxis: 

Wie eine Multi-Geschäftsmodell-Strategie aussehen kann, zeigt die Schweizer Hypothekarbank Lenzburg. Sie verfolgt ein traditionelles Retail-Banking-Geschäftsmodell, hat sich aber gleichzeitig als ein Vorreiter des Banking-as-a-Service mit einem vertikalen Geschäftsmodell etabliert. So betreibt sie das Core-Banking-System, das sie für sich selbst entwickelt hat, auch für andere Geldhäuser. Eine ähnliche Strategie scheint die britische Neobank Revolut zu starten. Sie öffnet die selbst entwickelte HR-Software für Dritte."

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