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Über dieses Buch

Im Zentrum dieses Buches steht der Ordoliberalismus Deutschlands. Entgegen der Annahme, bei diesem handele sich es um eine begrenzte und relativ einflusslose Gruppe von Ökonomen mit vorrangig ordnungspolitischen Auffassungen, wird auf Basis einer konzeptionellen sowie empirischen Erhebung die Wirkmächtigkeit der deutschen Ökonomen ab 1945 als konsequente Marktbefürworter nachgezeichnet. Die Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Rekrutierungsmuster zentraler Akteure, wirkungsmächtige Lehrer-Schüler-Beziehungen, institutionelle Verdichtungen in Gremien und Think Tanks, internationale Verflechtungen sowie der Einfluss auf die Wirtschaftspolitik werden eingehend untersucht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Grundlegungen

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 kann als Krise der ökonomischen Theorie verstanden werden. Der fast vollständige Zusammenbruch des Interbankenmarktes und vieler Finanzmärkte und dann der tiefe Einbruch der globalen Realwirtschaft kollidiert mit der immer noch vorherrschenden Sichtweise, Märkte (und die gesamte Wirtschaft) würden sich im Prinzip selbst stabilisieren und Krisen seien demnach als „außergewöhnliche Ereignisse“ (Pühringer und Hirte 2015) zu interpretieren, die nichts an der grundsätzlichen Verfasstheit des Wirtschaftssystems ändern würden. Dies gab Anlass, die Beziehungen von ökonomischen Theorien zur Wirtschaft, zur Politik und zur Gesellschaft (u. a. zu den Medien) neu zu hinterfragen.
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 2. Der „performative Fußabdruck“ der deut schen ÖkonomInnen (1954-1994)

Die in den letzten Jahren verstärkt rezipierten Ansätze zur „Performativity of Economics“ (Callon 1998, 2005, 2007; MacKenzie und Millo 2003; MacKen zie et al. 2007) fußen auf dem grundlegendem Verständnis, dass ein Sprechen nicht nur ein Bezeichnen, sondern ein Handeln ist (Austin 1979). Im Bereich der Wissenschaft geht es dabei nicht nur um ein (theoretisches) Sprechen über die Welt bzw. um das (richtige) Analysieren „unabhängiger“ Realität, sondern um die Erzeugung von Wissen und dessen Dissemination in die Gesellschaft: Wissenschaft formt Gesellschaft.
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 3. Das Konzept „des Marktes“

Der ökonomische Marktfundamentalismus entstand in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und lieferte eine spezifi sche Antwort auf die Krise des Liberalismus, die damals evident geworden war. Der Liberalismus als politisches und ökonomisches Konzept hat bekanntlich eine lange Geschichte. Er entstand (nach vielen Vorarbeiten) im 17. und 18. Jahrhundert und setzte sich vor allem in Großbritannien und den Niederlanden, später dann in Frankreich und in den USA, sowohl theoretisch als auch praktisch (Politik gestaltend) durch. Anfang des 19. Jahrhunderts war die „Philosophie der Freiheit“ eine aktive Bewegung in fast allen Ländern Europas.
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 4. Ordoliberale Netzwerke

Die wichtigsten Personen für die Netzwerkbildung der Ordoliberalen waren in der Anfangszeit Alexander Rüstow und Walter Eucken (vgl. Sala 2011). Beide versuchten, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik strategisch zu verbinden und in allen drei Bereichen Einfl uss zu erlangen: Rüstow vor allem als Lobbyist mit guten Beziehungen zur Politik und zur Presse und Eucken mit seinem Prestige als Universitätsprofessor, – ab 1925 hatte er einen Lehrstuhl in Tübingen, ab 1927 dann in Freiburg.
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 5. Die kurze Keynesianische Epoche

Die Verankerung des Konzepts der „Sozialen Marktwirtschaft“ im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung förderte die Tendenz, die hohen Wachstumsraten ab 1951 ursächlich der von Erhard und seinem Staatsekretär Müller-Armack betriebenen Politik zuzuschreiben. (Müller-Armack wurde 1952 Leiter der Grundsatzabteilung im Wirtschaftsministerium, von 1958 bis 1963 war er Staatsekretär für Europäische Angelegenheiten.)
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 6. Die marktfun damentale Wende

Der Keynesianismus selbst erwies sich in Deutschland im Überblick über die Jahrzehnte nur als vorübergehende Erscheinung. Ab den siebziger Jahren wurde er immer mehr an den Rand gedrängt. 2007 fühlten sich nur noch 12 Prozent der ökonomischen Zunft in ihren „wissenschaftlichen Grundeinstellungen und Ausrichtungen“ dem „Keynesianismus“ zugehörig (Frey u. a. 2007).
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Chapter 7. Fazit

Dieses Buch stellt den Versuch dar, die Geschichte der ökonomischen Theorie in (West-) Deutschland und ihrer Wirkung auf die Gesellschaft neu zu interpretieren. Der Ausgangspunkt war eine neue Datenerhebung, welche im Zuge des Forschungsprojektes „ÖkonomInnen und Ökonomie“ generiert wurde. Sie beinhaltet: eine detaillierte Erfassung jener ca. 800 ÖkonomInnen, die im Zeitraum von 1954 bis 1994 einen Lehrstuhl für VWL an einer deutschen Universität innehatten.
Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte

Backmatter

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