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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zur Einleitung

Zusammenfassung
Die Wohlfahrt einer Gesellschaft wird ganz wesentlich von den Lebenssituationen und Leistungen der Familien bestimmt. Familientätigkeit schafft privates und gesellschaftliches (der Gemeinschaft zugute kommendes) „Humankapital“. Aus der Familienökonomie und -politik stammende Berechnungen zum Humankapital durch Kindererziehung quantifizieren den wirtschaftlichen Wert der Familientätigkeit auf eine Größenordnung, die mindestens der gesamten Lohn- und Gehaltssumme der bundesdeutschen Gesellschaft entspricht. Zugleich zeigt die Verteilungsforschung, daß z.B. Familie zu leben und Familientätigkeit zu leisten ein wesentlicher — in Deutschland der wesentlichste — Armutsfaktor ist. Die sozialpolitische Absicherung von Familientätigkeit ist trotz ihrer immensen Bedeutung gegenüber Erwerbstätigkeit gering (Erwerbszentriertheit der sozialen Sicherung). Dies führt bei ungleicher Verteilung von Kindern in Haushalten und Familientätigkeit zu einer strukturellen Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien und solchen Frauen, die noch immer vorwiegend Erziehungsarbeit leisten. Familientätigkeit bedingt z.B. im Falle einer Scheidung massiv benachteiligende ökonomische Kurz- und Langzeitfolgen für die Partner gegenüber Kinderlosen — und Geld verteilt gesellschaftlich immer noch am nachhaltigsten Lebenschancen. Das Familienrecht hat bis heute im Ergebnis keine der Erwerbstätigkeit entsprechende Absicherung der Familientätigkeit geregelt. Die Familienpsychologie beschreibt u.a. die Belastungen durch Familientätigkeit und sie hat schon lange das pauschale Vorurteil vom Privileg der Kindererziehung und -betreuung gegenüber einer vermeintlich entbehrungsreicheren Erwerbstätigkeit widerlegt. Familientätigkeit ist ein außerordentlich hochrangiges Gut (auch für Kinderlose) und zugleich ist sie sozialpolitisch deutlich weniger berücksichtigt als Erwerbstätigkeit.
Andreas Netzler, Michael Opielka

Familiengerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit

Zusammenfassung
Das mir von den Veranstaltern vorgegebene Thema „Familiengerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit“ deutet in der Gegenübersetzung der beiden Begriffe bereits darauf hin, daß die beinahe fünfzig Jahre währende Sozialstaatlichkeit der Bundesrepublik nicht von sich aus familiengerechte Verhältnisse geschaffen hat. Dieser — Ihnen bekannte und von mir noch einmal problembezogen aufzubereitende — Befund ist in verfassungsrechtlicher Hinsicht immerhin erstaunlich. Während sich die grundgesetzliche Verpflichtung auf die Sozialstaatlichkeit der deutschen Rechtsordnung nämlich nur auf das kleine Adjektiv „sozial“ in der Formulierung des Art. 20 Abs. 1 GG: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ zurückführen läßt, will Art. 6 Abs. 1 GG der Familie immerhin einen „besonderen Schutz“ gewähren. Diese Ehre wird ansonsten nur noch der zugleich in Art. 6 Abs. 1 GG genannten Ehe zuteil — die übrigens, das sei hier angemerkt, diesen Schutz unausgesprochen auch nur wegen ihrer grundsätzlichen Ausrichtung auf Familiengründung erhalten hat und verdient.
Matthias Pechstein

Frauengerechtigkeit und Familienpolitik

Zusammenfassung
Frauengerechtigkeit — Gerechtigkeit für Frauen — als Soziologin und aus Gründen der Zeit werde ich mich nicht auf eine Begriffs-Debatte einlassen. In den — meist anglo-amerikanischen, überwiegend sozialpolitischen — Texten, die sich im weitesten Sinn mit dem mir aufgetragenen Thema befassen, kommt „Gerechtigkeit“ salopp unter dem Stichwort „Frauenfreundlichkeit eines Wohlfahrtsstaats“ oder — bereits kleingearbeitet — als komplexer Satz von Gütekriterien daher, dem ein „frauenfreundlicher“ Wohlfahrtsstaat genügen muß, um „frauengerecht“ zu sein.
Ilona Ostner

Verteilungsstrukturen und Äquivalenz der Familienarbeit

Zusammenfassung
Der Beitrag befaßt sich mit der Frage: Nach welchen Normen und Regeln sollte Familientätigkeit im Steuer-Transfer-System anerkannt werden? Es geht nicht um kurz- und maximal mittelfristige Spekulationen über im Augenblick als möglich erachtete Finanzierungs-, Einsparungs- und Umschichtungspotentiale, nicht um den in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Globalisierung der Familienpolitik noch möglichen Stellenwert, sondern um Argumentationsmuster und ihre systematischen Annahmen und Konsequenzen vor dem Hintergrund der Frage: Was sollte der Familienlastenausgleich — oder Leistungsausgleich als Utopiebegriff — leisten und was leistet daran gemessen der heutige Familienlastenausgleich (Fla)? Mehr als wenige Hinweise sind dazu an dieser Stelle allerdings nicht möglich (vgl. dazu ausführlich u.a. Netzler 1993, 1995, 1996 und 1996b).
Andreas Netzler

Armut durch Kinder — zur Logik der Benachteiligung von Familienarbeit im Sozialstaat

Zusammenfassung
Armut von Familien und damit verbunden: Armut von Kindern ist ein Thema, das in letzter Zeit zunehmend Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Während man darüber streiten kann (und streitet), ob und in welchem Ausmaß der Sozialstaat alle Formen von Benachteiligungen und Einschränkungen, die durch Kinder entstehen, aufgreifen soll und kann, kann man sich sicherlich auf die Bekämpfung bzw. Verhinderung von Armut als gesellschaftspolitisches Minimalziel einigen.
Petra Buhr

Bezahlte Elternschaft. Voraussetzungen und Folgen einer monetären Anerkennung der Erziehungsarbeit durch ein Erziehungsgehalt

Zusammenfassung
Anfang 1996 wurde der Öffentlichkeit durch einen Familienverband („Deutscher Arbeitkreis für Familienhilfe“) ein Gutachten vorgestellt, in dem das Modell eines „Erziehungsgehaltes“ ausgeführt und auf seine volkswirtschaftlichen Effekte untersucht wurde (vgl. Leipert/Hatzold 1996, Leipert o.J./ 1994). Das Modell beruhte im wesentlichen auf folgenden Annahmen:
  • soweit die oder der vornehmlich Erziehende nicht mehr als halbtags beschäftigt ist, soll ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt von 1.300 DM im Monat je Kind bis zum 12. Lebensjahr gezahlt werden;
  • die Finanzierung dieses Erziehungsgehaltes soll durch Transferumschichtungen und durch einen Beitrag in Höhe von 3,6% auf alle Bruttoeinkommen (incl. Vermögenseinkommen) ohne Beitragsbemessungsgrenze erfolgen;
  • die Verwaltung der Transfers soll durch einen zu gründenden Familienfonds geschehen.
Michael Opielka

Familienarbeit und Typen der Familienpolitik in Europa

Zusammenfassung
Die in der familienpolitischen Diskussion oft erhobene Forderung, Familienpolitik müsse in der Familie geleistete Arbeit stärker unterstützen, scheint auf den ersten Blick wohlbegründet zu sein. Doch sind große wissenschaftliche wie politische Zweifel an dieser Idee angebracht, die vor allem durch Ergebnisse der historisch-komparativen Forschung zur Familienpolitik in Westeuropa genährt werden. Familienpolitik entwickelte sich in historischen Phasen mit unterschiedlichen programmatischen Schwerpunkten, die international erheblich variierten. Nicht Familienarbeit, sondern andere Probleme und Ziele standen im Mittelpunkt: Mutterschutz und Schutz für Kinder, Armutsbekämpfung, Sicherung eines ausreichenden Familieneinkommens, soziale Sicherung für Familien, Förderung von Geburten, Unterstützung spezifischer Problemgruppen in besonderen Lebenslagen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf (vgl. Gauthier 1996). Im Verlauf der historischen Entwicklung bildeten sich in den verschiedenen Ländern Westeuropas unterschiedliche Strukturen der Familienpolitik heraus (vgl. Bahle 1995).
Thomas Bahle

Neubewertung der Familienarbeit in der Sozialpolitik — Probleme und Perspektiven

Zusammenfassung
Da ich mich als Familien- und Haushaltswissenschaftlerin nicht für ausreichend kompetent halte, über eine „neue Logik des Sozialstaates“ zu sprechen, möchte ich versuchen, das mir übertragene Vortragsthema im Sinne meines Verständnisses des Tagungsthemas zu verändern. Meine Gedanken lassen sich unter der Überschrift: „die Berücksichtigung der Leistungen der familialen Lebensformen durch eine neue Familienorientierung in der Gesellschaftspolitik“ zusammenfassen.
Rosemarie von Schweitzer

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