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Über dieses Buch

Während die empirische Kommunikationsforschung durch die Entwicklungen des Internets und anderer mobiler Kommunikationsformen an Bedeutung weiter zunimmt, befindet sich die Kommunikationstheorie auf der Suche nach neuen Impulsen. Die Beiträger dieses Bandes gehen davon aus, dass sich eine produktive Weiterentwicklung der soziologischen Kommunikationstheorie nur bewerkstelligen lässt, wenn man sie öffnet, indem man sie mit empirischen Widerständen konfrontiert oder Verknüpfungsmöglichkeiten mit anderen Theorieparadigmen erarbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Neue Impulse für die Kommunikationstheorie?

Empirische Widerstände und theoretische Verknüpfungen
Zusammenfassung
Zuechnung auf Handlung? – Erzeugung von Normen? Die soziologische Kommunikationstheorie braucht neue Impulse! Während die empirische Kommunikationsforschung durch die Entwicklungen des Internets und anderer mobiler Kommunikationsformen an Bedeutung immer weiter zunimmt, kann man sagen, dass die soziologische Kommunikationstheorie sich auf der Suche nach neuen Impulsen befindet. Diese Suchbewegung wird vor allem dadurch ausgelöst, dass eine Übersetzung der wohl avanciertesten soziologischen Kommunikationstheorie in aussichtsreiche empirische Untersuchungen bisher nicht gelungen ist. Die systemtheoretische Zentralstellung des Kommunikationsbegriffs hat ihn für eine Reihe von Forschungsansätzen eher schwer handhabbar gemacht, weil sich das Verhältnis zu bestehenden Instrumenten der empirischen Sozialforschung nicht klären lässt.
Marco Schmitt

Empirische Sozialforschung und komplexer Kommunikationsbegriff

lässt sich in Bezug auf die Modellierung von Unbestimmtem von der Quantentheorie als einer nicht-klassischen Theorie lernen?
Zusammenfassung
In diesem Beitrag geht es um die Frage einer angemessenen Modellierung der soziologischen Kommunikationsprozessforschung im Anschluss an Niklas Luhmann und Dirk Baecker. Ein solches Projekt hat zum einen die Ereignishaftigkeit eines jeglichen kommunikativen Geschehens ernst zu nehmen. Zum anderen aber ist ein auf Kommunikation beruhendes Verständnis für jene semantischen Strukturen zu entwickeln, die üblicherweise Weise der Makrosoziologie zugerechnet werden.
Werner Vogd

Für eine Soziologie der Vermittlung

Position und Zurechnung in der kommunikativen Konstruktion sozialer Identitäten
Zusammenfassung
Vermittlung ist ein zentraler Sachverhalt des sozialen Lebens. Jedes einigermaßen komplexe soziale Phänomen ist auf Vermittlung angewiesen, sei es in Form von Wissensvermittlung (Familie, Schule, Universität), Konfliktvermittlung (Schlichter, Richter, Mediatoren), Kontaktvermittlung (Broker) oder auch technischer Vermittlung (Medien). Wenn Vermittlung aber ein so zentrales Phänomen des sozialen Lebens ist, stellt sich die Frage, warum dies bislang nicht zu einer kohärenten Soziologie der Vermittlung geführt hat. Stattdessen lässt sich eine Verstreuung der Vermittlungsthematik über die verschiedensten soziologischen Teilgebiete und Theorierichtungen beobachten, die dazu führt, dass man weder zu einer Typisierung von Vermittlungsformen kommt, noch in der Lage ist, klar zu benennen, wie eine Vermittlung erkannt und untersucht werden kann.
Jan Hildebrandt, Marco Schmitt

Kulturelle Differenz und Kommunikation in Netzwerken

Zusammenfassung
Das Thema interkulturelle Kommunikation wird bisher in der Soziologie wenig behandelt. Stattdessen beschäftigen sich etwa Psychologen, Anthropologen, Kultur- und Kommunikationswissenschaftler, Linguisten und Philologen mit dem Thema. Lediglich von der Seite der Phänomenologie gibt es eine Auseinandersetzung mit interkultureller Kommunikation. Der phänomenologische Ansatz – etwa in den Arbeiten von Hubert Knoblauch und Thomas Luckmann (di Luzio et al. 2001) – lässt allerdings einen Aspekt des Themas weitgehend außer Acht, den ich für ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal und einen wichtigen Beitrag einer soziologischen Perspektive auf interkulturelle Kommunikation halte: die Rolle des sozialen Kontexts.
Jan A. Fuhse

„Da schickt man sein Kind in die Schule und es kommt nie wieder...“

Analyse kommunikativer und diskursiver Muster in Online- Kommunikation über Schulamok
Zusammenfassung
Schulamokläufe sind in Deutschland ein relativ neues Phänomen und wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mit großem öffentlichem Interesse behandelt. In den USA finden ca. seit den 1970 Jahren immer wieder sogenannte ‚school shootings’ durch Jugendliche statt. So tötete 1974 ein 17-jähriger an der Olean High School drei Menschen und verletzte elf weitere. 1979 erschoss eine 16-jährige an der Cleveland Elementary School zwei SchülerInnen und verletzte neun. Dieser Fall wurde besonders dadurch bekannt, dass die Täterin bei ihrer Verhaftung als Grund angab: „I don’t like Mondays.“ Weltweite Beachtung fand zudem der Schulamoklauf im amerikanischen Littleton 1999, bei dem dreizehn Menschen ums Leben kamen (vgl. zu einer Übersicht von Amokläufen an Schulen Robertz 2004: 64ff.). In Deutschland ereigneten sich seitdem mehrere Taten mit ähnlichem Ablaufmuster, wobei als besonders schwere und Aufsehen erregende Fälle die Tötung von 16 Personen an einer Schule in Erfurt 2002 und die von 15 Personen an einer Schule in Winnenden 2009 zu betrachten sind.
Katrin Billerbeck

Rechnen zweiter Ordnung

Kommunikative Anschlussbildung im Medium der Digitalität, am Fall der Online-Community „Hattrick“
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die Form des Rechnens. Involviert sind ein theoretisches und ein empirisches Problem. In der soziologischen Systemtheorie spielt der Begriff des Zurechnens eine zentrale Rolle, so etwa, wenn es um das Verhältnis von Kommunikation und Handlung geht (Luhmann 1984, S. 228 und öfter) oder um die Frage der Identifikation von Beobachtern (Fuchs 2004, S. 15). Jedoch erfährt der Begriff Zurechnung bislang kaum eine eingehende Analyse und Bestimmung. Er verbleibt weitgehend auf einer metaphorischen Ebene, erhält semantische Ambivalenzen (zwischen Zurechnung, Zuschreibung und Attribution) und bildet dergestalt ein Reservoire für das Subjekt, das, wenn schon nicht kommunizierend, dann doch wenigstens zurechnend die Kommunikation „fundiert“. Empirische Relevanz erhält die Form des Rechnens durch die gesteigerte Bedeutung der maschinellen Rechner, der Computer, in der Informationsverarbeitung und Informationsverbreitung.
Achim Brosziewski

Das Gerücht als Kommunikation im Massenmedium WWW

Überlegungen zu Beobachtbarkeit und theoretischer Kontextualisierung
Zusammenfassung
Führt man sich die alltägliche gesellschaftliche Kommunikationspraxis vor Augen, so muss das Gerücht seinen Stellenwert als ein wichtiges Element derselben nicht länger beweisen. Dieser Stellen-wert leuchtet nicht zuletzt im Zuge der sich vielfach offenbarenden Präsenz gerüchthafter Kommuni-kation im massenmedialen Alltagsgeschehen unmittelbar ein. Wendet man sich weiterhin den spezifischen Optionen kommunikativer Verbreitung zu, die das WWW zur Verfügung stellt, so trifft man auf Einschätzungen, die das Gerücht nicht nur als gewichtiges, sondern auch als Gewicht gewinnendes Element der webbasierten Kommunikation ausweisen. Klaus Merten sieht die Zahl der Gerüchte „vor allem bedingt durch das Internet stark vergrößert, so dass ihr Einfluss und ihre Wirkung ganz erheblich zugenommen haben“ (Merten 2009, 15). Kay Kirchmann geht von einer „zeitgenös-sische(n) Ausweitung der Produktionsbedingungen des Gerüchts“ (Kirchmann 2004, 73) aus. Medien-gesellschaft und Massenmedien „bedürfen (…) des Gerüchts mehr denn je zuvor“ (ebd., 82). Farhad Manjoo verweist im Zuge des webbasiert ausgetragenen US-amerikanischen Wahlkampfes auf eine „growing cultural vulnerability to rumor“ (vgl. Manjoo 2008).
Jan Fleck

Krisenkommunikation und Strukturwandel

Zur Verlaufsdynamik intermedialer Krisenkommunikationsprozesse
Zusammenfassung
Es ist schon bemerkenswert, dass die Soziologie, die einst ihren Autonomieanspruch gegenüber anderen Disziplinen als „Krisenwissenschaft“ (Comte, Saint- Simon) behauptete, so wenig zur Analyse der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen hat. Stattdessen hat sie den neuen Krisendiskurs weitgehend ihren Schwesterdisziplinen überlassen – allen voran den Wirtschafts-, Politik-, und Medienwissenschaften. Woran liegt das? Die Zurückhaltung der Soziologie könnte möglicherweise damit zu tun haben, dass sie über keine tragfähigen Begriffe und Methoden verfügt, um gesellschaftliche Krisen zu analysieren und ihre Tragweite einzuschätzen. Tatsächlich hat der soziologische Krisenbegriff, wie ein Blick in einschlägige Archive und Fachlexika belegt, seine vormals zentrale Stellung im soziologischen Diskurs weitgehend eingebüßt und führt seit den 1980er Jahren kaum mehr als ein Schattendasein. Dagegen hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 eine inflationäre Krisenrhetorik im öffentlichen Diskurs breit gemacht, die von Ratlosigkeit zeugt und Analysebedarf anzeigt.
Thomas Malsch, Michael Florian, Marco Schmitt

Beobachtungskommunikation

Ein Sonderfall der Kommunikation über Kommunikation?
Zusammenfassung
Wenn man sich Gesellschaft als ein aus verteilten, dezentral operierenden Prozeduren gewobenes, dynamisch sich reproduzierendes Kommunikationsnetzwerk vorstellt, so ist eine soziologische Beobachtung chancenlos, der es nicht gelingt, sich gleichfalls als verteilte, dezentrale Beobachtungsanordnung einzurichten. Damit die Soziologie ihrem Bobachtungsobjekt auf Augenhöhe begegnen kann, muss sie sich selbst als ein gewissermaßen aus heterogenen Horchposten und multiplen Sendestationen bestehendes verteiltes Kommunikationsnetzwerk aufbauen.
Thomas Malsch
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