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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung und Orientierung für die “schnellen LeserInnen”

Zusammenfassung
Am Anfang steht ein kleines Dilemma: Wie den Bericht über ein Projekt mit 2 l/2jähriger Laufzeit und komplexer Aufgabenstellung einleiten bzw. seine wesentlichen Ergebnisse für die sogenannten „schnellen Leserinnen“ zusammenfassen, ohne dabei nichtssagend zu bleiben oder den Bericht in ausufernder Weise vorwegzunehmen?! — Einerseits ließen sich allgemeine Zielsetzung und Ergebnis des abgeschlossenen Vorhabens durchaus mit einem schlichten Verweis auf seinen Titel — „Arbeit und Neue Technik. Entwicklung und Erprobung eines Seminarprogramms für Arbeitnehmervertreter und Betroffene“ — zwar knapp, aber inhaltsleer, benennen. Andererseits ist es jedoch schlechterdings unmöglich, die gewonnenen bildungs-, technologie- und gewerkschaftspolitischen Erkenntnisse und Erfahrungen, stärker als dies im vorliegenden Bericht ohnehin schon geschieht, zu griffigen „Botschaften“ zu komprimieren, ohne daß dies mit unvertretbaren Substanzverlusten verbunden wäre.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

2. Problemaufriß: Neue Techniken, sozialer Strukturwandel und gewerkschaftliche Zukunftsperspektiven

Zusammenfassung
Das Begriffspaar „Arbeit und Technik“ prägt — in Verbindung mit dem Terminus “Gestaltung”, der einen auf gesellschaftliche Veränderung gerichteten Anspruch formuliert — seit Mitte der 80er Jahre zunehmend die gewerkschaftliche Diskussion. Damit ist ein Thema auf die politische Tagesordnung gesetzt, dessen diskursive Bearbeitung und praktische Regulierung — ebenso wie die immer komplexere Arbeitszeitfrage — für die Gewerkschaften im kommenden Jahrzehnt von ähnlich großer Bedeutung sein dürfte wie in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Auseinandersetzungen um die wirtschaftliche und soziale Neuordnung und wie danach die Debatte über die expansive Lohnpolitik, die betriebsnahe Tarifpolitik oder die Humanisierung der Arbeit.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

3. Frauen und Technik: Entwicklungstendenzen geschlechtsspezifischer Vergesellschaftung in der Erwerbs- und Reproduktionsarbeit

Zusammenfassung
Die Feststellung, daß weibliche Erwerbsarbeit anderen Bestimmungen unterliegt als männliche, ist heute weitgehend unbestritten. Während in den Biografien von Männern Arbeits- und Karriereplanung sowie eine mehr oder weniger aktive Teilhabe am öffentlich-politischen Leben bis in unsere Zeit hinein scheinbar naturwüchsig im Zentrum stehen, sind weibliche Lebensentwürfe durch jene Anforderungen bestimmt, die mit der Zuweisung (und Übernahme) reproduktiver Leistungen, d.h. von Haus- und Familienarbeit, verbunden sind. Der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in der Gesellschaft in einen öffentlichen Bereich, in dem Fragen der Gemeinschaft und der gesellschaftlichen Entwicklung ausgehandelt und entschieden werden und der weitestgehend von Männern besetzt ist, und einen privaten Bereich (Reproduktion), in dem überwiegend dienende und pflegende Tätigkeiten anfallen und für dessen Aufrechterhaltung Frauen (unbezahlt) zuständig sind, folgt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Erwerbsleben. Die Positionierung der Menschen in den jeweiligen gesellschaftlichen Bereichen bezeichnet zugleich das Maß an gesellschaftlicher Partizipation, an Möglichkeiten, an der Regulierung des Gemeinwesens mitzuarbeiten — mit anderen Worten: sich zu vergesellschaften. Es ist diese „Getrenntheit von Öffentlichkeit und Privatheit, (die) die Frauen in der untergeordneten Stellung hält, indem sie zu einer Ordnungs-struktur wurde, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen begründet, die Geschlechter an entgegengesetzten Orten posi-tioniert und somit die Geschlechterdifferenz zu einer Art Kitt organisiert, der allgemein zerrissene Sozialstrukturen zusammenhält.“ (HAUSER 1987, S.23).
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

4. Arbeit und Technik bewußt gestalten! Didaktische Aspekte und theoretische Begründung einer gesellschaftspolitischen Bildungsarbeit in den Gewerkschaften

Zusammenfassung
Am Ende des 20. Jahrhunderts ist die Natur durch industrielle Erschließung längst zu einem gesellschaftlichen Produkt geworden. Umgekehrt kann Gesellschaft nicht mehr als autonom von der Natur gedacht werden (vergl. BECK 1987a). Natur und Gesellschaft sind so aufeinander bezogen, daß technische Entwicklungen Natur und Eingriffe in Natur in jedem Falle Gesellschaft tangieren. Die ökologischen und sozialen Risikopotentiale wachsen. Dies politisiert technologische Entscheidungen in einer Weise, die es auch den Gewerkschaften nicht mehr erlaubt, ausschließlich unter der Arbeitsplatzperspektive an ihnen zu partizipieren. Sie müssen sich unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten sowie in Solidarität mit den industriell weniger oder nicht entwickelten Ländern der Frage stellen, wie soll Zukunft gestaltet werden, welche technologischen Entwicklungslinien sollen gefördert, welche modifiziert und welche unterdrückt werden.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

5. Vom Schreibtischentwurf zur bildunaspraktischen Umsetzung des Vorhabens “Arbeit und Neue Technik”

Zusammenfassung
Allgemeine Zielsetzung der im Oktober 1985 in der Vorhaben-beschreibung für das Projekt „Arbeit und Neue Technik“ formulierten Überlegungen war es, ein Seminarangebot sowie Bildungsmaterialien zu entwickeln, mit denen das Problembewußtsein der (potentiell) vom Einsatz neuer Techniken Betroffenen gestärkt werden sollte, und zwar im Hinblick auf Fragen wie z.B. die Veränderung von Qualifikationsanforderungen oder mögliche gesellschaftspolitische Wirkungen einer zunehmenden Technisierung der Lebenswelt. Gleichzeitig war beabsichtigt, die allgemeine Diskussionsfähigkeit von Seminarteilnehmerinnen sowie ihre Handlungskompetenz zur aktiven Unterstützung von Prozessen der „sozialverträglichen Technikgestaltung“ zu fördern. In den zu entwickelnden Bildungsmaßnahmen sollten diese Ansprüche auf folgende Weise konkretisiert werden:
  • Austausch von Erfahrungen über den Umgang mit neuen Techniken im Arbeits- und Lebensalltag;
  • Vermittlung grundlagenbildender Kenntnisse über verschiedene betriebliche, gesellschaftliche und private Anwendungsmög-lichkeiten und Einsatzformen der neuen IuK-Techniken;
  • Abschätzung und Bewertung sozialer Wirkungen der Computerisierung;
  • Diskussion und Erarbeitung arbeitsorientierter Gestaltungs-möglichkeiten beim betrieblichen DV-Einsatz;
  • Diskussion und Entwicklung von Möglichkeiten zur sozialver-träglichen Technikgestaltung im außerbetrieblichen Raum.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

6. Wer nutzte das Seminarangebot? Versuch einer Darstellung der Teilnehmerstruktur

Zusammenfassung
In Kapitel 5.1 dieses Berichts wurde bereits angesprochen, daß wir es bei den Seminaren der Themengruppe „Arbeit und Neue Technik“ (ANT) mit einer in sich stark differenzierten Teilnehmerstruktur zu tun hatten. Welche Bedeutung dieser Umstand bzw. die damit verbundene Auffächerung von Erwartungshaltungen, die teilnehmerseitig an unsere Seminare gerichtet wurden, für die Modifizierung der Struktur des Seminarangebots während der Projektlaufzeit hatte, ist ebenfalls an jener Stelle nachzulesen.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

7. Neuentwicklung von Simulationssoftware für die gewerkschaftliche Bildungsarbeit

Zusammenfassung
Noch vor wenigen Jahren wurde in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit ein Grundsatzstreit darüber ausgetragen, ob es sinnvoll sei, in Verbindung mit dem Thema „Neue Technik“ den Computer selbst als Medium zu nutzen und zu diesem Zweck spezielle Simulationssoftware zu entwickeln. Im Kern handelte es sich dabei um einen klassischen „Stellvertreterkrieg“, d.h. die Antwort auf die Frage hing mehr oder weniger davon ab, welche Grundsatzposition in Sachen „Neue Technik“ für die gewerkschaftspolitisch angemessene gehalten wurde: Wer der ganzen Computerei eher ablehnend gegenüberstand, fand auch „pädagogische“ Gründe gegen ihren Einzug in die Politische Bildung bzw. befürwortete allenfalls solche Simulationsprogram-me, mit denen die Seminarteilnehmerinnen wirkungsvoll über die vom Einsatz neuer Techniken ausgehenden Gefährdungen aufgeklärt werden sollten3 4. Wer demgegenüber meinte, man müsse sich in der Politischen Bildung auch medial, d.h. in Gestalt der physischen Präsenz von Computern im Seminar — einer neuen Realität stellen und dies — weitergehend — evtl. mit der Gewinnung einer “Aneignungsperspektive” als gewerkschaftspolitischer Option begründete, plädierte logischerweise für die Entwicklung von Simulationssoftware.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

8. Schlußbemerkungen: Weitere Umsetzungsperspektiven

Zusammenfassung
Wesentliche Ergebnisse des jetzt abgeschlossenen Vorhabens „Arbeit und Neue Technik. Entwicklung und Erprobung eines SeminarProgramms für Arbeitnehmervertreter und Betroffene“sind:
  • Das im vorliegenden Bericht dokumentierte theoretische, gestaltungspolitische und didaktisch-konzeptionelle „know how“zur Durchführung von Seminaren der politischen Bildung zum Themenkreis „Arbeit — Technik — Gesellschaft“.
  • Die Entwicklung eines — in thematischer und zielgruppenbe- zogener Hinsicht — differenzierten Seminarangebots, das mit Ende der Projektlaufzeit im Angebot des DGB-Bildungswerk an der Hans-Böckler-Schule in Hattingen/R. „institutionalisiert“und dort kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Gerd Hurrle, Helmuth Schütte

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