Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

In der Professionsforschung und in der Organisationsforschung dient Wissen stets als positives Differenzierungsmerkmal zur Charakterisierung der dort tätigen Akteure. Doch wie gehen Expertinnen und Experten damit um, wenn sie nicht weiter wissen? Die medizinische und pflegerische Praxis zeigt, dass (semi-)professionelles Handeln immer wieder an Wissensgrenzen gerät. Der Umgang mit Wissen beinhaltet somit immer auch den Umgang mit Nichtwissen. Im Buch werden unterschiedliche Facetten des Umgangs mit Nichtwissen sowie Einflussfaktoren auf der Grundlage von vier empirischen Studien im niedergelassenen Bereich und im Krankenhaus erstmals umfassend dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Nichtwissen als Problem – „Ärzte machen keine Fehler“

Oftmals als Halbgötter in Weiß verehrt, zählen die Expertise und das Wissen der Ärztinnen und Ärzte zu den wichtigsten Ressourcen eines jeden Krankenhauses. Insgesamt herrscht in der Gesellschaft daher ein großes Vertrauen in die Arbeit der weißen Berufsgruppen, d. h. in die Ärzteschaft und in die im Krankenhaus tätigen Pflegekräfte. Jedoch werden beide Berufsgruppen tagtäglich mit Nichtwissen konfrontiert und müssen somit Entscheidungen unter nicht vorhandenem Wissen (z. B. zu Patientinnen und Patienten) treffen.

Maximiliane Wilkesmann, Stephanie Steden

Kapitel 2. Nichtwissen – ein schillernder Begriff

Nichtwissen, so viel kann vorausgeschickt werden, ist mehr als ein Fehlen von Wissen. Nichtwissen wird einerseits in der Gesellschaft oft als ein negatives Gefühl oder als Makel empfunden (Japp 1997; Wehling 2006; Wilkesmann et al. 2014), andererseits ist es das Nichtwissen, welches durch seine „Verdeckungsleistung“ (Dorniok 2015, S. 27) individuelle und soziale Mechanismen erst ermöglicht und damit durchaus eine funktionale Wirkung entfalten kann (Schneider 2006). So kann ein zu viel an Wissen oder gar die komplette Beseitigung eines Nichtwissenszustands nicht nur – wie etwa von Beck-Gernsheim (1994) am Beispiel der prädiktiven Medizin gezeigt – ethische Bedenken sowie psychosoziale Belastungen und Entscheidungskonflikte auslösen, sondern auch weitere negative Auswirkungen auf Individuen, Organisationen und Gesellschaften haben (Dorniok 2015).

Maximiliane Wilkesmann

Kapitel 3. Unsicherheit und Nichtwissen – zwei Geschwister im Geiste?

In der internationalen Literatur zum Thema Nichtwissen findet sich, insbesondere im englischsprachigen Raum, auch der Begriff Uncertainty. Gemeint ist hier jedoch eher der Aspekt der Unsicherheit, welcher als eine Subkategorie von Nichtwissen betrachtet werden kann (vgl. Wilkesmann und Jang-Bormann 2015, S. 216). Insgesamt finden sich – ähnlich wie im Fall von Nichtwissen – Ansätze aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen.

Stephanie Steden, Maximiliane Wilkesmann

Kapitel 4. Nichtwissenskontexte – Organisation vs. (Semi-)Profession

Innerhalb der Krankenhausorganisation gibt es eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Funktionen, deren intuitive Erfassbarkeit durch eine Trias in Form von Medizin, Pflege und Verwaltung geregelt ist. Im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft hingegen finden sich andere Organisationsstrukturen, wenngleich die medizinische Sozialisation vor der Niederlassung im Krankenhaus stattgefunden hat. Im Fokus unserer Studien steht die zentrale Frage, inwiefern die Organisation und bzw. oder die Profession Einfluss auf den Umgang mit Nichtwissen nehmen.

Maximiliane Wilkesmann, Stephanie Steden, Christian Bruno Hetco, Mona Bassyiouny

Kapitel 5. Nichtwissensorte – Krankenhaus vs. Niederlassung

Die Krankenversorgung in Deutschland ist in die drei Bereiche (1) ambulante Versorgung, (2) Krankenhaus-Sektor sowie (3) ambulante und stationäre Rehabilitations-Einrichtungen gegliedert. Im Fokus unserer Forschung steht die Betrachtung des Umgangs mit Nichtwissen im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich, sprich der ambulanten Versorgung. Daher werden wir in diesem Beitrag auf allgemeine Daten zur Personalstruktur und zu Entwicklungstendenzen eingehen.

Mona Bassyiouny, Maximiliane Wilkesmann, Stephanie Steden

Kapitel 6. Nichtwissensfaktoren. Was beeinflusst den Umgang mit Nichtwissen im medizinisch-pflegerischen Kontext?

In den bisherigen Ausführungen zum Nichtwissen und zur Unsicherheit in diesem Buch wurde deutlich, dass der Umgang mit diesen beiden Phänomenen auf verschiedenen Ebenen beeinflusst wird. Nichtwissen und Unsicherheit zeichnen sich zunächst dadurch aus, dass sie individuell wahrgenommen werden und somit auf der Mikroebene auftreten. Der Umgang mit Nichtwissen hängt darüber hinaus von der entsprechenden Situation ab, die maßgeblich durch die jeweilige Rolle der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte geprägt wird.

Maximiliane Wilkesmann, Stephanie Steden

Kapitel 7. Methodische Überlegungen zur Erhebung von Nichtwissen

Schaut man sich unseren Forschungsgegenstand näher an, so handelt es sich beim Umgang mit Nichtwissen bei Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und Ärztinnen und Ärzten in niedergelassenen Praxen um einen Gegenstand, der sich zwar einerseits mit bisher vorliegenden Kenntnissen bereits theoretisch vorstrukturieren lässt; andererseits weist der Gegenstand gerade im medizinisch-pflegerischen Kontext eine gewisse Brisanz auf (Wilkesmann et al. 2014). Die theoretische Fundierung des Forschungsgegenstands haben wir in den vorangegangenen Kapiteln aufgezeigt, doch waren für sein weiteres Ausbuchstabieren explorative und validierende qualitative Schritte nötig, die wir mit quantitativen Analysen so verknüpft haben, dass Thesen und Begriffe zum Umgang mit Nichtwissen in abwechselnden Sequenzen und somit schrittweise überprüft und fortentwickelt werden konnten.

Maximiliane Wilkesmann, Daniela Schiek

Kapitel 8. Der Umgang mit Nichtwissen in Worten

Im Zentrum dieses Beitrags steht die Präsentation der wesentlichen Ergebnisse der qualitativen Forschungssequenzen. Ausgehend von den theoretisch erarbeiteten Grundlagen beschreiben und illustrieren wir anhand von Interviewzitaten, wie sich die Dimensionen und Phänomene rund um den Umgang mit Nichtwissen in den Gesprächen mit den Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus und niedergelassenen Bereich sowie mit den Pflegekräften dargestellt haben. Beginnen werden wir mit der Beschreibung von Umgangsstrategien entlang der vier Dimensionen des Nichtwissens.

Maximiliane Wilkesmann, Daniela Schiek, Stephanie Steden

Kapitel 9. Der Umgang mit Nichtwissen in Zahlen

In diesem Beitrag werden wir die Ergebnisse der drei Online-Befragungen darstellen. Dabei werden wir nach der Darstellung der Stichprobenbeschreibung zunächst auf verschiedene deskriptive Gruppenunterschiede eingehen, die einerseits innerhalb der Gruppen auftreten können (z. B. unterschiedliche Hierarchiezugehörigkeit bei den Krankenhausärztinnen) und andererseits zwischen den Befragtengruppen der Krankenhausärztinnen und -ärzte, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte. Im letzten Teil des Beitrags werden wir multivariate Ergebnisse präsentieren, bei denen es darum geht, Einflussfaktoren auf einen positiven bzw. negativen Umgang mit Nichtwissen im Gruppenvergleich zwischen Ärzteschaft und Pflegekräften im Krankenhaus zu testen.

Maximiliane Wilkesmann, Mona Bassyiouny, Stephanie Steden

Kapitel 10. Nichtwissen im medizinischen und pflegerischen Kontext – Wen stört Nichtwissen (nicht)?

Das eingangs genannte Ziel dieses Buches bestand darin, aus organisations- und professionstheoretischer Perspektive am Beispiel der Medizin und Pflege in unterschiedlichen Akteurskonstellationen leitende Aspekte im Umgang mit Wissen und Nichtwissen zu rekonstruieren. Dabei zeigt sich, dass Nichtwissen im medizinischen und pflegerischen Kontext weder mit einer grundsätzlich negativen Konnotation verbunden ist, noch ist Nichtwissen ein Ausdruck von Unprofessionalität.

Stephanie Steden, Maximiliane Wilkesmann
Weitere Informationen

Premium Partner

Stellmach & BröckersBBL | Bernsau BrockdorffMaturus Finance GmbHPlutahww hermann wienberg wilhelm

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Best Practices zu agiler Qualität

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre aus agilen Kundenprojekten ist, dass die meisten agil arbeitenden Projekte entwicklergetrieben sind und deshalb leider meistens die Test- und QS/QM-Themen zu kurz zu kommen drohen. So gibt es immer noch Scrum-Befürworter, die ernsthaft der Meinung sind, dass es in agilen Projekten nur noch zwei Arten von Tests gibt: Unittests (durch die Entwickler) und Akzeptanztests (durch den Product Owner). Das ist ein sehr einfaches und bequemes Bild, vor allem aber ist es zu einfach und vielen Produktrisiken schlichtweg nicht angemessen. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise