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2022 | Buch

Noch mehr Sand im Getriebe?

Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen Landes- und Regionalplanung, Politik und Unternehmen der Gesteinsindustrie

verfasst von: Dr. Karsten Berr, Dr. Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

Buchreihe: RaumFragen: Stadt – Region – Landschaft

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Über dieses Buch

Obwohl mineralische Rohstoffe wie beispielsweise Kies, Sand, Quarz und Naturstein auf vielfältige Weise Grundlagen menschlicher Existenz ermöglichen und garantieren, haben Vorhaben zur Gewinnung mineralischer Rohstoffe vielerorts mit unterschiedlichen Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Der planerische Umgang mit Rohstoffsicherung und Rohstoffgewinnung wurde wissenschaftlich bislang hauptsächlich in Bezug auf ökologische oder fachplanerische Problemstellungen, weniger hingegen als teilsystemischer Aspekt in einem soziopolitischen Kontext betrachtet, der durch verstärkten Bürgerprotest und erneuerte Partizipations- und Demokratisierungsbestrebungen gekennzeichnet ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Mineralische Rohstoffe wie beispielsweise Kies, Sand, Quarz und Naturstein bilden eine wesentliche Grundlage für viele Lebensbereiche, Wirtschaftsbranchen und die gesamte Infrastruktur moderner Gesellschaften. Ohne diese Rohstoffe lassen sich kaum Gebäude aller Art, Verkehrswege, aber auch Industrieprodukte wie Glas, Pharmaerzeugnisse, Papier und vieles andere mehr herstellen. Diese Rohstoffe ermöglichen und garantieren auf diese Weise Grundlagen menschlicher Existenz.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 2. Wissenschaftstheoretische Grundüberlegungen
Zusammenfassung
Die physischen Teilräume, in denen es zu Abgrabungen von Sand, Kies und anderen mineralischen Rohstoffen kommt, werden von Menschen nicht abstrakt als Räume, sondern als Landschaften oder Landschaftsbestandteile wahrgenommen. Diese Wahrnehmungen richten sich allerdings nicht auf ein betrachterunabhängiges Objekt, sondern auf Dinge im Raum, die das im Rahmen sozial vermittelter, aber individuell geprägter und aktualisierter Deutungs- und Bewertungsmuster zu ‚Landschaft‘ mit spezifischen Zuschreibungen zusammengeschaut werden. Diese Deutungs- und Bewertungsmuster können sich zu teils rigiden Bewertungen verfestigen, die der Rohstoffgewinnung als vermeintlich ‚landschaftsschädigend‘ kritisch gegenüberstehen.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 3. Forschungsdesign und Abriss des methodischen Vorgehens
Zusammenfassung
Nach der Darstellung und Erläuterung der wissenschaftlichen Grundlagen wird im Folgenden das Forschungsdesign des durchgeführten Projektes vorgestellt und erläutert. Angesichts der Forschungsfrage, wie Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen Landes- und Regionalplanung, Politik und Unternehmen der Gesteinsindustrie faktisch ablaufen, auf welchen Voraussetzung sie beruhen und wie die Gesteinsindustrie sich in ihnen positionieren und ihre Interessen angemessen vertreten kann, bestand das Ziel des Forschungsvorhabens darin, die Chancen und Risiken aktueller planerischer Entwicklungen für die Gesteinsindustrie aufzuzeigen und dabei Verbänden und Unternehmen auch konkrete Möglichkeiten der Teilhabe an der Gestaltung planerischer Rahmenbedingungen aufzuzeigen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde auf eine Triangulation aus quantitativen und qualitativen Analysebestandteilen und Methoden gesetzt.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 4. Das Planungssystem und die Regionalplanung im sozio-politischen und rechtlichen Kontext
Zusammenfassung
Landes- und Regionalplanung definieren maßgeblich die Rahmenbedingungen, unter denen rohstoffabbauende Unternehmen ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten ausüben. Allerdings unterliegen die unterschiedlichen Ebenen räumlicher Planung ihrerseits spezifischen Rahmenbedingungen, die angemessen zu berücksichtigen sind, um das Handeln von Landes- und Regionalplaner*innen, die Planungsverfahren sowie Instrumente der Raumplanung ausgewogen einschätzen und darauf entsprechend zielgerichtet reagieren zu können.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 5. Ergebnisse der Textanalyse landes- und regionalplanerischer Festlegungen zur Rohstoffgewinnung und der qualitativen Interviews mit Unternehmer*innen
Zusammenfassung
Im Rahmen einer bundesweiten vergleichenden Analyse aller landes- und regionalplanerischen Festlegungen zur Rohstoffgewinnung wurden alle Landesentwicklungspläne, Landesentwicklungsprogramme und Regionalpläne Deutschlands hinsichtlich ihrer Aussagen zum Thema Rohstoffabbau analysiert und klassifiziert. Zudem erfolgte eine Kategorisierung nach befördernden, neutralen oder restriktiven Aussagen bezüglich der Rohstoffgewinnung, wobei der Fokus der Analyse auf den Folgen für die rohstoffgewinnenden Unternehmen lag. Die qualitativen Interviews mit Unternehmer*innen der Gesteinsindustrie wurden auf Grundlage der Ergebnisse der Textanalysen entwickelt.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 6. Quantitative Online-Befragung von Unternehmen der Gesteinsindustrie
Zusammenfassung
Der Fragebogen stellt die erweiterte Version zweier zuvor bereits erfolgter Onlinebefragungen dar, die jeweils als Pretest zu werten waren und deren Erfahrungen in die Neufassungen dieses erweiterten Fragebogens einflossen (erster Pretest: Juni–Juli 2019; zweiter Pretest: 10.09.–15.10.2019). Die konkreten Fragen des Fragebogens wurden vor der Onlinestellung im Detail gemeinsam mit Mitgliedern des projektbegleitenden Ausschusses ausgewählt und abgestimmt. Nach erneuten umfangreichen Einladungen über verschiedene Emailverteiler des Bundesverbandes MIRO und gezielter direkter Anschreiben an einzelne Unternehmen konnten mithilfe einer online-gestützten Software im Zeitraum vom 29.06.–23.08.2020 die beantworteten Fragebögen von insgesamt 49 Unternehmen zu den unterschiedlichsten Herausforderungen der Rohstoffsicherung und Rohstoffgewinnung im Rahmen der Regionalplanung ausgewertet werden. Aufgrund von Nachkommastellen kommt es in einigen der Grafikabbildungen zu dem Effekt, dass die Gesamtsumme der Prozentangaben nicht immer genau 100 % ergibt. Eine Abweichung von +/- 3 % ist in solchen Darstellungen aber nicht ungewöhnlich und im Toleranzbereich. Dieser Hinweis gilt sowohl für die Darstellungen in Kapitel 6 wie in Kapitel 9.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 7. Qualitative Interviews mit Landesplaner*innen
Zusammenfassung
Nachdem die Problemlagen auf der Unternehmerseite ermittelt wurden, standen im Zentrum der Interviews mit Landes- und Regionalplaner*innen verschiedene Aspekte der Planungsseite. Bezüglich der Landesplanung wurden 10 qualitative Experteninterviews mit Landesplaner*innen aus 10 Bundesländern geführt. Brandenburg sowie die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg verfügen über keine Landesplanung; die Ansprechpartner*innen in Baden-Württemberg und Bayern lehnten ein Interview ab. Ziel war es, Daten 1) zur Positionierung der Planer*innen zur Rohstoffgewinnung sowie 2) zu aktuellen Entwicklungen auf Ebene der Länder zu erheben.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 8. Qualitative Interviews mit Regionalplaner*innen
Zusammenfassung
Im Zeitraum vom 22.04.–27.08.2020 wurden qualitative leitfadengestützte Interviews mit 27 Regionalplaner*innen und 1 Politiker geführt. Die Auswahl der Interviewpartner*innen erfolgte in enger Abstimmung mit Mitgliedern des projektbegleitenden Ausschusses der FG MIRO.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 9. Bundesweite quantitative Onlinebefragung der Regionalplanungsträger
Zusammenfassung
Im Befragungszeitraum vom 28. September bis 12. Oktober 2020 wurden bundesweit 101 Regionalplanungsträger aller Bundesländer angeschrieben und gebeten, den Onlinefragebogen ‚Planerischer Umgang mit Rohstoffgewinnung‘ auszufüllen. Unter den 71 abgeschlossenen Datensätzen waren 55 gültige Fragebögen. Bei 101 Angeschriebenen entspricht dies einer vollgültigen Stichprobe von 54 %.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 10. Zwei Fallbeispiele im Regierungsbezirk Köln
Zusammenfassung
In Abstimmung mit dem projektbegleitenden Ausschuss wurde auf Grundlage der Ergebnisse der vorangegangenen Phasen eine konfliktträchtige Region mit zwei Fallbeispielen als Untersuchungsräume für tiefergehende Fallanalysen ausgewählt. In diesen Fallbeispielen wurde die Maßstabsebene noch weiter vergrößert: die kommunale Bauleitplanung, begleitende Fachplanungen und die politische Ebene rückten in den Fokus.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 11. Intermezzo: Chancen-Risiken-Analyse der System- und Handlungslogik der Regionalplanung und aktueller planerischer Entwicklungen
Zusammenfassungs
In den Ausführungen zu den wissenschaftlichen Grundlagen (Kap. 2) und zum Planungssystem (Kap. 4) wurde aufgezeigt, dass und wie Regionalplanung wie Planung überhaupt – wie alle Teilbereiche der Gesellschaft – einer spezifischen Organisations-, Handlungs- und Kommunikationslogik sowie spezifischen Wissensarten, Wertvorstellungen und Werthaltungen unterliegt. Damit sind je spezifische Chancen und Risiken aktueller planerischer Entwicklungen für die Gesteinsindustrie verbunden, die im Folgenden aufgezeigt werden. Mit ‚Chancen‘ werden Optionen in Planungsverfahren bezeichnet, die ermöglichen, dass Interessen der Gesteinsindustrie in Planungsentscheidungen berücksichtigt werden können, mit ‚Risiken‘ spezifische Entwicklungen, die diese Optionen einschränken oder restriktiv zuungunsten dieser Interessen wirksam sind.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 12. Von der Analyse zur Praxis: Handlungs-, Kooperations-, Kommunikations- und Argumentationshinweise für Akteur*innen in rohstoffrelevanten Planungsprozessen
Zusammenfassung
Angesichts der beschriebenen soziopolitischen und planungslogischen Hintergründe regionalplanerischer Entscheidungsfindungen ist nicht nur für Unternehmen der Gesteinsindustrie, sondern für alle relevanten Akteur*innen in entsprechenden Planungsprozessen die Gestaltung einer positiven Ausgangslage eminent wichtig (vgl. Artuković et al. 2018, Kap. 2), sofern sie eine aktive Rolle in Planungsverfahren spielen und entsprechend ihre Interessen vertreten wollen können. Die folgenden Ausführungen und Hinweise wurden im Hinblick auf die Forschungsziele der vorgestellten Untersuchungen insbesondere mit der Absicht und in der Form einer Handreichung für Unternehmen entwickelt, damit diese sich nicht zuletzt so positionieren können, im Zuge der Formulierung und Adressierung eigener Interessen Kommunikations- und Interaktionssettings zu ermöglichen, die Konfliktregelungen nach Dahrendorf (Abschn. 2.6) erleichtern können. Das heißt, die vorrangig an Unternehmen adressierten Hinweise sind abzüglich unterschiedlicher spezifischer Interessen auch für andere Akteur*innen und Beteiligte in den Planungsprozessen der Rohstoffsicherung und -gewinnung im Hinblick auf Konfliktdeeskalations- und Konfliktregelungsmöglichkeiten für alle Beteiligten dienlich.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Kapitel 13. Fazit
Zusammenfassung
Die Analyse der regional- und landesplanerischen Festlegungen verdeutlicht die von Bundesland zu Bundesland verschiedenen Rahmenbedingungen für Rohstoffsicherung und Rohstoffgewinnung, deren Kenntnis und Beachtung in den unterschiedlichen Bundesländern und Regionen von großer Bedeutung für alle Akteur*innen ist, die ein Interesse an der Sicherung und Gewinnung oder Abgrabung mineralischer Rohstoffe haben. Die quantitativen und qualitativen Befragungen von Unternehmer*innen sowie Landes- und Regionalplaner*innen haben jeweils zeigen können, dass die aktuellen Entwicklungen planerischer Rahmenbedingungen sowohl Risiken als auch Chancen für Unternehmen der Gesteinsindustrie und andere an der Sicherung und Gewinnung mineralischer Rohstoffe Interessierten mit sich bringen. Die gezielten qualitativen und quantitativen Befragungen von Unternehmer*innen der Gesteinsindustrie sowie die leitfadengestützten qualitativen Befragungen von Planer*innen auf der Landesebene im Hinblick auf planungsbezogene unternehmerische Problemlagen, Erfahrungen und Erwartungshaltungen an die (Landes)Planung sowie Positionierungen der Landesplaner*innen zur Rohstoffgewinnung und projektrelevante aktuelle Entwicklungen auf Landesebene zeigen eine Ambivalenz in der Diagnose und Bewertung der aktuellen Situation.
Karsten Berr, Corinna Jenal, Lara Koegst, Olaf Kühne
Backmatter
Metadaten
Titel
Noch mehr Sand im Getriebe?
verfasst von
Dr. Karsten Berr
Dr. Corinna Jenal
Lara Koegst
Olaf Kühne
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37001-5
Print ISBN
978-3-658-37000-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37001-5