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Über dieses Buch

Dass das Umfeld, in dem sich die Nonprofit-Organisationen (NPO) bewegen müssen, zunehmend schwieriger wird, ist bekannt. Die zugrunde liegende Ursachen sind viel­ fältiger Natur. So werden steigender Konkurrenzdruck, steigende Ansprüche von Mitgliedern, Kunden und Stakeholdern, steigender Legitimationsdruck gegenüber Donatoren, Mäzenen, Trägern und der öffentlichen Hand oder auch sinkende Spen­ deneinnahmen genannt. Als Folge dieses schwierigen Umfeldes geraten NPO immer häufiger in finanzielle Schwierigkeiten, bis hin zum Marktaustritt. Dennoch gibt es auch im NPO-Bereich immer wieder Marktteilnehmer, die sich erfolgreich gegen alle Widrigkeiten durchsetzen und mit entsprechend positiven Ergebnissen am Markt reüssieren. Das vorliegende Buch enthält 13 Beispiele von Best Practices von NPO­ Spitzenmanagern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum (Deutschland, Öster­ reich, Schweiz, Südtirol) und verschiedensten NPO-Typen (Eigenleistungs- und Fremdleistungs-NPO) unterschiedlicher Rechtsform (u. a. Stiftung, Genossenschaft, Verein), die darstellen, wie sie es geschafft haben, ihre Organisation erfolgreich zu positionieren und zu managen. Damit werden erstmalig die Hintergründe um erfolg­ reiche NPO gelüftet. Präsidenten, Vorstände und Geschäftsführer berichten aus erster Hand, welches letztlich die entscheidenden Schritte waren, um Wachstum und Über­ schüsse sowie - v. a. im Falle von Verbänden - die gewünschte Einflussnahme zu erzielen. Sie zeigen, wie sie die einschneidenden Entwicklungen im Umfeld des Wirt­ schaftens erfolgreich bewältigt haben. Die Autoren sind auch bereit, bislang unveröf­ fentlichte Informationen über ihre Geschäftstätigkeit preiszugeben. Die Botschaften der erfolgreichen NPO-Manager richten sich zunächst an alle NPO­ Praktiker in führender Position. Die vorgestellten Beispiele sollen im Sinne des Benchmarkings zur Reflexion des eigenen Tuns beitragen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Nonprofit but Management

Zusammenfassung
Trotz der Existenz einer zunehmenden Anzahl von Lehrbüchern und Forschungsmonographien fehlte bislang ein praxisorientiertes Werk zum aktuellen Wissensstand auf dem Gebiet des Nonprofit-Management aus der Sicht der NPO-Praxis. Generell lässt sich festhalten, dass das Management von Nonprofit-Organisationen (NPO) von der Betriebswirtschaftslehre lange Zeit vernachlässigt wurde1. Dies gilt in noch größerem Masse für das Management in der NPO-Praxis2. Der vorliegende Herausgeberband soll ganz in der Wissenschaft und Praxis verbindenden Tradition des Verbandsmanagement Instituts (VMI) der Universität Freiburg/Schweiz dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.
Bernd Helmig, Robert Purtschert, Claudio Beccarelli

Wirtschaftskammer Österreich — Erfolgreiches Nonprofit-Management

im System der österreichischen Sozialpartnerschaft
Überblick
Die Wirtschaftskammern Österreichs nehmen primär folgende Aufgaben wahr:
  • Interessenvertretung: Sie sind starke Interessenvertretungen für alle Unternehmen — unabhängig von deren Wirtschaftsmacht — gegenüber dem Staat, den Sozialpartnern und den politischen Parteien.
  • Beratungsinstitution: Sie verhelfen Unternehmen zum Erfolg im dynamischen Wettbewerb, indem sie kompetente Beratung anbieten.
  • Bildungs- und Weiterbildungsanbieter: Sie sorgen für eine wirtschaftsnahe praxisbezogene Aus- und Weiterbildung.
  • Wissensmanager: Die Funktionäre und Mitarbeiter sind Wissensmanager, die unter Nutzung der modernsten Informationstechnologien unternehmensrelevantes Wissen sammeln, aufbereiten, bündeln und den Unternehmen zielorientiert zur Verfügung stellen.
  • Arbeitgeberorganisation: Fachorganisationen sind überdies Arbeitgeberorganisationen, die für die meisten Wirtschaftsbereiche allgemein gültige Kollektivverträge abschließen.
  • Partner der öffentlichen Verwaltung und Rechtsfindung: Indem sie in einer Vielzahl wirtschaftlich relevanter staatlicher Gremien beratend ihr Wissen über die Wirtschaft einbringen und die Interessen der Unternehmer vertreten und staatliche Aufgaben im Rahmen des übertragenen Wirkungsbereichs übernehmen.
  • Selbstverwaltung: Wirtschaftskammern sind Teil des in Selbstverwaltung organisierten Systems der österreichischen Sozialversicherung.
Christian Domany

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie Österreichs FEEI

FEEI — Ein Netzwerk für den Erfolg
Überblick
  • Der FEEI — Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie leistet als gesamtösterreichische Interessenvertretung der Elektro- und Elektronikindustrie wesentliche Beiträge zur Sicherung des Wirtschaftstandortes Österreich. Das vorrangige Ziel des FEEI ist die positive Beeinflussung und Gestaltung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die gesamte Branche, um ihre Position im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken.
  • Der FEEI ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und vertritt in Österreich die Interessen von 360 Industrie-Unternehmen mit ca. 56.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von mehr als 9 Mrd. Euro (Stand 2003), die elektrotechnische Produkte herstellen bzw. Systemlösungen und Dienstleistungen anbieten. Der FEEI arbeitet in allen Bereichen, die für die Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie von besonderem Interesse sind. Das Leistungsportfolio ist vielfältig und wird von den Mitgliedsfirmen intensiv genutzt. Das Engagement zielt dabei über nationale Grenzen hinaus. Auf internationaler Ebene geht der FEEI Kooperationen und Allianzen ein und arbeitet mit europäischen Verbänden zusammen.
  • Die Arbeit des FEEI ist in 2 große Bereiche geteilt. Einerseits die Interessenvertretung im engeren Sinne, zu der auch gezieltes Lobbying gehört, und andererseits zielgruppenspezifische Serviceleistungen. Als Interessenvertretung tritt der FEEI gegenüber Dritten (insbesondere Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit) mit dem Ziel auf, die Rahmenbedingungen, unter denen die Unternehmen am Markt agieren, positiv zu beeinflussen.
  • Strategie des FEEI ist es, sich als moderne Interessenvertretung zu positionieren. Damit verbunden ist eine Konzentration der Leistungen aus der bestehenden Pflichtmitgliedschaft auf die Kernthemen der Branche und ein konsequenter Ausbau der freiwilligen Services in den einzelnen Sparten.
  • Der FEEI tritt als starke strategische Steuerungseinheit eines Netzwerkes von freiwilligen Verbänden auf. Diese im unmittelbaren Umfeld des FEEI positionierten Netzwerkpartner helfen, den dynamischen Entwicklungen des Marktes noch besser gerecht zu werden und dadurch die gesamte Elektro- und Elektronikbranche in Österreich zielgerichteter zu vertreten.
  • Der FEEI konnte in den letzten Jahren durch gezielte Strategien und die darauf aufbauenden Aktivitäten große Erfolge erzielen. Er ist heute in der Branche und bei allen potenziellen Ansprechpartnern eine allseits anerkannte Interessenvertretung, die sich durch hohe Professionalität, große Fachkompetenz und modernes wirtschaftliches Handeln auszeichnet. Die Entwicklung des Netzwerkes hat ihr übriges dazu beigetragen, den FEEI und seine Partner als wesentliches Element der gesamten Elektro- und Elektronikbranche zu verankern.
Lothar Roitner

Der Schweizerische Versicherungsverband SVV

Ein erfolgreicher Zusammenschluss von 6 Fachverbänden zu einer schlagkräftigen, einheitlichen Branchenorganisation
Überblick
  • Bis 1996 wurde die Verbandslandschaft im Versicherungsbereich primär durch verschiedene Fachverbände geprägt, welche sich vorwiegend auf fachtechnische Fragen sowie die Gestaltung von damals erlaubten regulierten Tarifen konzentrierten.
  • Übergeordnete politische Interessen vertrat zu dieser Zeit der «alte» SVV. Mit der Deregulierung der Versicherungsindustrie, aber auch mit andern versicherungsrelevanten Entwicklungen war die Zeit gekommen, durch eine Fusion aller bestehenden Verbände im Jahre 1998 eine einheitliche und schlagkräftige Branchenorganisation zu gründen, deren Hauptaufgaben in erster Linie in der Interessenvertretung der Assekuranz sowie in der Information und Kommunikation bestand.
  • Fachtechnische Dienstleistungen wurden, wenn auch in reduzierter Form, weiterhin angeboten, ebenso Dienstleistungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung, des Rechtes und der Volkswirtschaft.
Lucius Dürr, Tamara Garny

Erfolgreiches Verbandsmanagement

Das Beispiel der Verbände des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes (VBZH)
Überblick
  • Die Verbände des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes (VBZH) haben die Aufgabe, die Interessen des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes wahrzunehmen, insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsbetriebe sicherzustellen, sowie die angeschlossenen Handwerksinnungen in der Erfüllung ihrer gesetzlichen und satzungsmäßigen Aufgaben zu unterstützen.
  • Aus dem Selbstverständnis der Führung heraus, eine Nonprofit-Organisation (NPO) wie eine Profit-Organisation (PO) zu managen, haben sich die VBZH sehr schnell dem in der Verbandswelt auflebenden Gedanken eines Total Quality Management (TQM) verschrieben. Meilensteine in der Entwicklung der VBZH sind die Einführung eines Qualitätsmanagement- (QM-) Systems im Jahre 1999 entsprechend dem heutigen Stand der DIN EN ISO 9001:2000 sowie die bevorstehende Zertifizierung (Stand: 2004) nach dem NPO-Label für Management Excellence der SQS (Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme) und dem VMI (Verbandsmanagement Institut der Universität Freiburg/Schweiz).
  • Die zielorientierte Kooperation mit dem Ehrenamt, eine ausgeprägte zweite Führungsebene im Hauptamt, involvierte und engagierte Mitarbeiter sowie die Kampagnenfähigkeit innerhalb der Verbandslandschaft, eine stark an den Belangen der Mitgliedsbetriebe ausgeprägte Lobbyarbeit und eine fast 100-prozentige Beitragsfinanzierung sind die Erfolgsfaktoren der Verbandsarbeit.
  • Die Herausforderungen der Zukunft bewältigen die VBZH durch einen noch engeren Dialog mit den Mitgliedsbetrieben sowie einer fundierten institutionalisierten strategischen Planung unter Einbindung von Ehrenamt, erster und zweiter Führungsebene.
Wolfgang Strauß, Alexander Kirst

Der Fachverband Schreinerhandwerk Bayern

Überblick
  • Der Fachverband Schreinerhandwerk Bayern (FSH Bayern) ist als Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband die Branchenorganisation des bayerischen Schreinerhandwerks. Seine Mitglieder sind (grundsätzlich) die regionalen Fachinnungen, in denen die einzelnen Mitgliedsunternehmen organisiert sind.
  • Der FSH Bayern nimmt Aufgaben war, die den Interessen der Mitgliedsunternehmen dienen und die er effizienter erfüllen kann, als der Einzelne allein. Er setzt sich für wirtschaftsgerechte Rahmenbedingungen für das gesamte Gewerk ein und versteht sich dabei als kompetenter Gesprächspartner aller an der Branche interessierten Kreise. Er erbringt direkte Dienstleistungen zugunsten der Innungen sowie der einzelnen Mitgliedsunternehmen.
  • Ein zentrales Element der Verbandsarbeit ist die demokratische Willensbildung und die freiwillig-ehrenamtliche Tätigkeit. Durch das aktive Ehrenamt wird das Fachwissen der Mitglieder bei der Erfüllung der Verbandsaufgaben genutzt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Gremien und Organe des Verbands klein strukturiert und mit Sachverständigen besetzt sind. Auf allen Ebenen gilt es, nach den Grundsätzen eines effizienten Managements zu arbeiten. Dadurch wird gewährleistet, dass sich der FSH Bayern durch einfache, klare Strukturen und rasche Entscheidungsprozesse auszeichnet.
  • Der Verband konzentriert seine Kräfte auf klar definierte Aufgabenbereiche, in denen er hohe Professionalität besitzt. Dabei kommt Qualität immer vor Quantität. Dies ist der wichtigste Grundsatz bei der Entscheidung über den Einsatz der beschränkten Ressourcen.
  • Der FSH Bayern basiert auf einer freiwilligen Mitgliedschaft. Dies betrifft sowohl die Mitgliedschaft der Innung im Verband, als auch die Mitgliedschaft der Betriebe in den einzelnen Innungen. Die freiwillige Mitgliedschaft prägt das Selbstverständnis und die Dienstleistungsorientierung der Organisation.
  • Die Aufgabenstellungen des FSH Bayern gliedern sich in die Bereiche Interessenvertretung für die Branche einerseits sowie Beratung und weitere Dienstleistungen für die Einzelunternehmen andererseits.
  • Die Lobbyarbeit für die Branche ist dabei sehr vielfältig. Sie reicht von Tarifabschlüssen über die Mitgestaltung der Rahmenbedingungen für die Ausbildung bis hin zu einer Image-Kampagne für das bayerische Schreinerhandwerk.
  • Die Unternehmensberatung betrifft rechtliche, betriebswirtschaftliche sowie technische Fragestellungen. Die Unternehmen werden dabei durch branchennahe Informationen und effiziente Beratung unterstützt. Der FSH Bayern fördert das Image des Bayerischen Schreinerhandwerks und unterstützt die Innungen und Mitgliedsbetriebe in ihrem Marktauftritt. Der Verband gestaltet federführend die Ausbildung mit und bietet zielgerichtete Fortbildungen für Unternehmer und Mitarbeiter an.
  • Zusätzlich bündelt der FSH Bayern die Marktstellung der zahlreichen kleinen und mittleren Betriebe, um finanziell attraktive Branchenlösungen für die Mitglieder durch Rahmenverträge mit Zulieferern und sonstigen Partnern des Handwerks zu ermöglichen.
  • Die Zielsetzungen des Verbands werden prägnant durch sein Mission Statement zusammengefasst: «Starke Vertretung — Starker Service».
Christian Wenzler

ABZ — Mehr als Wohnen

Eine der erfolgreichsten Wohnbaugenossenschaften der Schweiz auf dem Weg zu Management Excellence
Überblick
  • Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (im folgenden ABZ) als größte schweizerische Wohnbaugenossenschaft wurde 1916 in Zürich in Zeiten der Wohnungsnot als Mitgliedergenossenschaft gegründet. Sie besitzt heute in Zürich und Agglomeration rund 4.250 (Stand: 2004) Wohnungen. Weitere 500 Wohnungen kommen bis Mitte 2007 dazu.
  • Ziel der ABZ ist es, einerseits preisgünstigen und gesunden Wohnraum insbesondere auch für Familien zur Verfügung zu stellen und andererseits die Genossenschaftsidee und damit die demokratischen und gemeinschaftlichen Ideale der Genossenschaftsbewegung zu leben und zu fördern. Dazu fördert die ABZ das nachbarschaftliche Zusammenleben in ihren Siedlungen, steht ihren Mitgliedern in schwierigen Zeiten mit sozialer Hilfe bei und bietet einen hohen Schutz vor Kündigung sowie eine höhere Identifikation mit dem «Zuhause» durch Mitsprache und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Daneben positioniert sie sich als innovatives und ökologisch handelndes Unternehmen.
  • Eine Vision prägt einen seit 10 Jahren andauernden Organisationsentwicklungsprozess. Einfache, gut verankerte Grundstrategien helfen, sich zu positionieren und strategisch weiter zu entwickeln. Eine klare Trennung der strategischen und operativen Tätigkeiten ist die Grundlage eines zielgerichteten und effizienten Handelns. Zentral für den Erfolg ist das engagierte, der Mission verpflichte Führungsteam.
  • Die ABZ arbeitet mit dem Freiburger Management-Modell für Nonprofit-Organisationen (FMM). Als Ordnungsrahmen trägt es dazu bei, auf dem Weg zu Management Excellence das Richtige richtig zu tun und in einem permanenten Anpassungs- und Innovationsprozess eine der erfolgreichsten Wohnbaugenossenschaften der Schweiz zu bleiben.
Peter Schmid

Erfolgreiches Management in einer sozialen Nonprofit-Organisation

Beispiel des Landesrettungsvereins Weißes Kreuz Onlus
Überblick
  • Das Weiße Kreuz (WK) ist der leistungsstärkste Rettungsverein Südtirols, bestehend aus einem großen starken Team, in dem Freiwillige, Ehrenamtliche und Hauptamtliche effizient zusammenarbeiten. Der Landesrettungsverein erbringt folgende Dienstleistungen: Rettung, Krankentransport, Rücktransport, weltweiten Rückholdienst, Betreuungszug im Zivilschutz, Labor-, Blut- und Muttermilch-transport, Erste-Hilfe-Kurse, Aus- und Fortbildung, Bereitschaftsdienste, Hausnotruf, Zubringerdienst, Flugrettung, Jugendarbeit, Notfallseelsorge und Notarztdienst.
  • Auftrag: Die Kerntätigkeiten des Vereins sind Rettung und Krankentransport. Sie erfolgen im Auftrag der Südtiroler Landesregierung gemäß den gesetzlichen Vorgaben. Das WK erfüllt die Aufgaben effizient (wirtschaftlich), effektiv (zielgerichtet) und gemäß den vorgegebenen Qualitätsmaßstäben. Dabei setzt der Verein auf bestmögliche Qualifikation aller Mitarbeiterinnen.
  • Träger: Das WK wird ideell und finanziell von außerordentlich vielen Mitgliedern mitgetragen. Die Dienstleistungen des WK führen vorrangig Freiwillige und Ehrenamtliche durch. Nur wo dies nicht möglich oder zielführend ist, wird auf hauptamtliche Mitarbeiterinnen zurückgegriffen. Das Engagement der Freiwilligen wird intensiv gefördert.
  • Organisationsform: Das WK ist eine nach den neuesten Organisationsrichtlinien geführte Nonprofit-Organisation (NPO) in der Rechtsform eines privaten Vereins. Dabei hat der ehrenamtliche Vorstand die Hauptaufgabe der strategischen Führung, die Landesleitung bzw. die Direktion übt die operative Leitung aus. Der Verein ist strukturell in 4 Bezirke und 30 Sektionen gegliedert.
  • Transparenz gegenüber der Leitung und gegenüber den Mitarbeiterinnen: Jeder Mitarbeiter ist eingeladen, Verbesserungsvorschläge oder Stellungnahmen an seinen nächsten Vorgesetzten weiterzuleiten. Im Sinne der internen Transparenz werden kritische Einwände, die das Weiße Kreuz und seine Strukturen betreffen, konstruktiv, offen und ausschließlich intern geäußert. Im Interesse der gesamten Bevölkerung und aller Mitarbeiterinnen verpflichtet sich die Landesleitung des WK zur größtmöglichen Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und jedem Mitarbeiter.
Ivo Bonamico, Klaus Ladurner

Change Management in der Münchener Caritas

Überblick
  • Mit über 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in rund 400 sozialen Einrichtungen und einer Bilanzsumme von rund 325 Mio. Euro zählt der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e. V. (kurz: DiCV) zu den Großen im Bereich der freien Wohlfahrt.
  • Der DiCV ist in fast allen Sparten der sozialen und pflegerischen Arbeit tätig. Er unterhält ambulante Dienste und stationäre Angebote im gesamten Bereich der Erzdiözese München und Freising (entspricht ungefähr dem Regierungsbezirk Oberbayern mit 4,17 Mio. Einwohnern auf 17.500 qkm Fläche).
  • Der DiCV wird von einem hauptamtlichen, dreiköpfigen Vorstand mit eindeutiger Ressortaufteilung geleitet. Als Aufsichtsrat fungiert ein zwölfköpfiger «Caritas-Rat».
  • Das operative Geschäft ist in 6 Geschäftsbereiche mit weitgehender Personal- und Budgetkompetenz untergliedert. Unterstützt werden die Dienste und Einrichtungen durch 4 Abteilungen und weiteren Stellen in der Zentrale.
  • Die heutige Struktur ist das Ergebnis eines tief greifenden Reformprozesses in den 90er Jahren, der den Verband nach einem starken Wachstumsschub in den 70er und 80er Jahren fit machen sollte für die Zukunft. Die großen Weichenstellungen sind erfolgt; die Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation bleibt jedoch eine kontinuierliche Aufgabe.
  • Der dezentralen Struktur des großen und komplexen Verbands mit möglichst viel Verantwortung vor Ort und zugleich gemeinsamer strategischer Führung entsprechen die auf Weiterentwicklung angelegten Prozesse. Stichwortartig sind zu nennen Strategische Planung, Führung durch Zielvereinbarung, Systemisches Qualitätsmanagement, Personal- und Organisationsentwicklung.
  • Der DiCV ist nicht nur Trägerverband mit eigenen Einrichtungen, sondern auch Spitzenverband aller kirchlich-karitativen Einrichtungen der Erzdiözese. Er vertritt sie gegenüber Kostenträgern und auf übergeordneten politischen Ebenen, berät sie in fachlichen und organisatorischen Fragen und bietet ihnen ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm.
Albert Hauser, Wolfgang Obermair

Caritas Schweiz — Ein Generalunternehmen der Solidarität

Überblick
  • Caritas Schweiz wurde 1901 gegründet. Das polyvalente Hilfswerk ist in der Sozialarbeit im Inland, im Migrationsbereich und in 50 Ländern in der humanitären Hilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Das Hilfswerk nimmt mit Positionspapieren auch regelmäßig zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung.
  • Träger des Hilfswerks ist ein Verein, dem 57 Organisationen angehören. Dazu gehören die Bistümer der römisch-katholischen Kirche, alle großen katholischen Verbände und wichtige soziale Fachorganisationen.
  • Caritas Schweiz ist Mitglied von Caritas Internationalis, einem Weltverband mit 162 nationalen Mitgliedern und einer Tätigkeit in über 200 Ländern. In der Schweiz arbeitet Caritas Schweiz sehr eng mit den 16 regionalen Caritas-Stellen zusammen. Diese sind Mitglieder des Verbands, aber rechtlich und führungsmäßig autonom.
  • Caritas ist heute eines der größten Hilfswerke in der Schweiz. Ende 2003 zählte die Organisation mehr als 500 Mitarbeitende. Das Jahresbudget belief sich auf 103 Mio. CHF. Das Spendenaufkommen im Durchschnitt der letzten 5 Jahre betrug fast 24 Mio. CHF.
  • Caritas Schweiz hat in den letzten Jahren auf allen Ebenen eine starke Professionalisierung durchgeführt. Die Organisation verfügt über ein eigenständiges Management-System. Als erstes gesamtschweizerisches Hilfswerk hat die Caritas im Jahr 1998 das ISO-Zertifikat und als erste Organisation überhaupt im Jahr 2003 das «NPO-Label für Management-Excellence» erlangt.
Jürg Krummenacher

Unverwechselbare Qualität auf stabilen Beinen — Die Caritas Österreich

Überblick
  • Caritas ist eine Hilfsorganisation der katholischen Kirche. Die Caritas Österreich ist eine von weltweit 162 Caritasorganisationen, die in 198 Ländern dieser Erde tätig sind. Dieses internationale Caritasnetzwerk bietet ideale Rahmenbedingungen, um Hilfsmaßnahmen in den Krisenregionen dieser Erde sehr rasch und effizient zu organisieren.
  • Nach dem 1. und dem 2. Weltkrieg wurden in allen Diözesen Caritasverbände gegründet. Dadurch wurden die Hilfsmaßnahmen der Orden, Pfarren, kirchlichen Dienste sowie Stiftungen für die Not leidende Bevölkerung jeweils in der ganzen Diözese besser und effektiver gebündelt. Die Unterdrückung durch das NS-Regime behinderte auch die Caritasarbeit massiv. Trotzdem ging die Hilfe weiter. Nach dem 2. Weltkrieg konzentrierte sich die Caritas zunächst auf die Inlandshilfe und wurde dabei von kirchlichen, privaten und staatlichen Institutionen aus vielen Ländern unterstützt. Nach dem Ungarnaufstand 1956 und dem «Prager Frühling» 1968 flohen zigtausende Menschen nach Österreich. Die Caritas unternahm vielfältige Anstrengungen, um sie in Notunterkünften zu beherbergen und zu versorgen. Gleichzeitig schickte sie Hilfstransporte in die Krisengebiete. Damit war die Auslandshilfe der österreichischen Caritas geboren.
  • Die Hilfe der Caritas richtet sich an alle Not leidenden Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität, von ihrem Geschlecht, von ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit.
  • Die Not der Menschen ist Auslöser der Hilfsmaßnahmen. Bei allen Entscheidungen steht der Mensch in Not im Mittelpunkt. Die Hilfe erfolgt von Gesicht zu Gesicht, damit auch die Ebenbürtigkeit zwischen dem, dem geholfen wird, und dem Helfenden «körpersprachlich» zum Ausdruck kommt.
  • Der Aktionsradius der Caritas bewegt sich zwischen ganz konkreten Hilfsprojekten und sozialen Dienstleistungen und dem anwaltschaftlichen Aufzeigen und öffentlich Machen von strukturellen Defiziten und Ungerechtigkeiten. Die Caritas ist bemüht, jede Kritik an Fehlentwicklungen mit Vorschlägen zur Linderung von Unrecht und Leid zu ergänzen.
  • Für ihre Arbeit erhält die Caritas Geldspenden, Sachspenden, öffentliche, kirchliche und private Zuwendungen und verwendet Verkaufserlöse und allfällige Zinserträge. All diese Mittel werden nach den gleichen sorgfältigen Kriterien behandelt.
Franz Küberl

Erfolgreiches Sozialmanagement

Beispiel der Stiftung Brändi, Luzern (CH)
Überblick
  • Im Jahre 1961 wurde die Schweizerische Invalidenversicherung (IV) in Kraft gesetzt. Dank der Finanzierung durch die IV konnten die ersten beruflichen Eingliederungsstätten und in der Folge die Geschützten Werkstätten und Wohnheime ausgebaut werden.
  • Die Stiftung Brändi wurde 1968 gegründet. Von anfänglich 40 Plätzen wurde das Angebot bis zum Jahre 2004 auf 710 Geschützte Arbeitsplätze, 120 Ausbildungsund Abklärungsplätze und 230 Wohnplätze ausgebaut. Dank einer regionalen Verteilung kann ein großer Teil der betroffenen Menschen die Angebote als externe Besucher nutzen.
  • Institutionen für Menschen mit Behinderungen werden generell den Nonprofit-Organisationen (NPO) zugeordnet. Der folgende Beitrag zeigt die sehr große Bedeutung einer Institution für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen auf. Mit einem Jahresbudget von ca. 60 Mio. CHF ist die Stiftung Brändi auch für die Volkswirtschaft des Kantons Luzern und die Region von starker Bedeutung.
  • In den Angeboten der Stiftung Brändi finden Menschen mit geistigen-, körperlichen-, oder psychischen Behinderungen Aufnahme, die zufolge ihrer verminderten Leistungsfähigkeit oder einem besonderen Begleitungs- oder Betreuungsbedürfnis am Arbeitsplatz oder im persönlichen Bereich Unterstützung benötigen.
  • Die Stiftung Brändi nimmt ihre Aufgaben in einer guten Vernetzung mit andern Anbietern der sozialen Hilfe, der Gesellschaft, der Politik, Fach- und Branchenverbänden und insbesondere der Wirtschaft wahr.
  • Die komplexen Aufgaben können nur dank fachlich und menschlich gut ausgewiesenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfüllt werden. Großer Wert wird auf eine ständige Fort- und Weiterbildung gelegt.
  • Die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg einer Organisation, einer Firma und insbesondere einer Institution für Menschen mit Behinderungen sind: die Motivation, das Engagement für die übernommene Aufgabe, genügend finanzielle, personelle und materielle Ressourcen und die Gestaltung und Anwendung angemessener Managementsysteme.
  • Die Zukunft stellt an die Verantwortlichen außerordentliche Ansprüche. Die Erscheinungsformen der Behinderungen und Beeinträchtigungen werden komplexer. Dramatisch ist die Zunahme von Menschen mit psychischen Erkrankungen und dies immer in früheren Lebensjahren. Die wirtschaftlich schwierige Beschäftigungslage stellt höhere Anforderungen an die Eingliederungsmöglichkeiten und der Spardruck der öffentlichen Hand kann zu einem Leistungsabbau für die Betroffenen führen.
  • Die Stiftung Brändi wird die Herausforderungen der Zukunft auf Grund ihrer Fachlichkeit und der großen Motivation der Mitarbeitenden, zum Wohle der Menschen mit Behinderungen bewältigen.
Guido Bodmer, Niklaus von Deschwanden

Der Schweizer Alpen-Club SAC

140 Jahre Aufstieg
Überblick
  • Der SAC wurde 1863 gegründet und zählt im Jahr 2004 rund 105.000 Mitglieder, die in 111 Sektionen organisiert sind. Der SAC gehört damit zu den größten Sportverbänden der Schweiz. Die Mitgliederzahl hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen, eine erfreuliche Tatsache. Einerseits liegen die Aktivitäten des SAC voll im anhaltenden «Outdoortrend», andererseits hat es der SAC in den letzten 10 Jahren geschafft, neue Zielgruppen (Jugendliche, Kinder, Familien, Senioren) anzusprechen.
  • Der SAC bietet eine breite Palette an alpinen Sportarten. Neben den traditionellen Bergsportarten, wie Hochtouren im Sommer und Skitouren im Winter sowie Bergwandern, sind neue alpine Sportarten hinzugekommen; Sportklettern in Kletterhallen und im Fels, Bouldern und Eisfallklettern. Zudem haben sich Sportklettern, Skialpinismus und seit kurzem Eisfallklettern im SAC zu eigentlichen Leistungssportarten entwickelt.
  • Der SAC ist einerseits ein Sportverband, anderseits aber auch ein Anbieter touristischer Infrastruktur mit 153 öffentlich zugänglichen Berghütten und einem modernen Bergrettungsdienst. Er setzt sich aktiv für den Schutz der Gebirgswelt ein, durch Ausbildung und Information seiner Mitglieder und durch den Einsatz gegen eine allzu starke Erschließung der Berggebiete. Immer wichtiger wird im SAC im Zuge der zunehmenden Einschränkungen aus Gründen des Naturschutzes jedoch das Engagement für den freien Zugang der Bergsportler. Die Aktivitätenpalette wird schließlich abgerundet mit dem eigenen Buchverlag, einer qualitativ hoch stehenden Alpinzeitschrift und kulturellen Veranstaltungen.
  • Der SAC bietet seinen Mitgliedern interessante Dienstleistungen, bspw. Ermäßigungen auf Übernachtungen in den Hütten, sehr preiswerte Ausbildungsangebote, Mitgliederpreise im eigenen Buchverlag und anderes mehr. Der SAC verkörpert aber auch eine werteorientierte Organisation. Kameradschaft, die Faszination für die Berge, der Einsatz für den Schutz der Gebirgswelt und die alpine Rettung, sind die Stichworte dazu. Sie sorgen für eine hohe Identifikation der Mitglieder mit dem SAC.
Peter Mäder

Management in einem sozialpolitischen Solidarverband

Der Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg e. V.
Überblick
  • Der agvChemie ist der sozialpolitische Solidarverband der Chemischen Industrie Baden-Württembergs. Er schließt mit den Gewerkschaften Tarifverträge ab, vermittelt durch seine Öffentlichkeitsarbeit eine sachliche Darstellung von Fakten und fördert seine Mitglieder durch aktuelle bedarfsgerechte Dienstleistungen insbesondere in der arbeitsrechtlichen Beratung und arbeitsgerichtlichen Vertretung.
  • Eine branchen- und bundesweit abgestimmte Tarifpolitik stärkt die Durchset-zungsfähigkeit des agvChemie. Mit den Chemie-Arbeitgeberverbänden in anderen Bundesländern und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie wird eine gemeinsame Tarifpolitik betrieben, um der Solidarität und Geschlossenheit der Chemie-Arbeitgeber Nachhaltigkeit zu geben. Ein «Markenzeichen» der Chemie ist die Sozialpartnerschaft mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE); in beiderseitiger Dialogbereitschaft äußert sich der Wille zur Übereinkunft und zu Lösungen im Interesse der Mitglieder.
  • Der agvChemie hält ein umfangreiches Dienstleistungsangebot, insbesondere für den Personalbereich seiner Mitgliedsfirmen, bereit: Beratung, Information, Schulung in allen arbeitsrechtlichen und personalwirtschaftlichen Themenbereichen, Mitwirkungen an Verhandlungen mit den Betriebsräten, Vertretung in den arbeitsgerichtlichen Prozessen.
  • Der agvChemie steht im Wettbewerb mit Dienstleistern aus dem Profitbereich. Die branchenspezifische Ausrichtung seiner Dienstleistungen, das besondere Vertrauensverhältnis, das sich durch die mitgliedschaftliche Bindung ergibt, sowie das besondere Vertrauensverhältnis zu anderen Stakeholdern kennzeichnen aber die Alleinstellung der «Marke» agvChemie.
Alexander R. Zumkeller

Erfolgsfaktoren im Nonprofit-Management

Übersicht
  • Die Organisationen des Dritten Sektors sehen sich seit einigen Jahren mit tief greifenden Veränderungen in den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Umweltsystemen konfrontiert. Die erfolgreiche Bewältigung dieser Probleme wird nicht zuletzt über die langfristige Existenzsicherung dieser Organisationen entscheiden.
  • Zusammenfassend lassen sich aus den Best Practice-Beispielen in diesem Buch 7 Erfolgsfaktoren im Nonprofit-Management ableiten. Dabei verlangt insbesondere die Sachzielorientierung in NPO nach spezifisch auf diesen Organisationstyp zugeschnittenen Problemlösungen.
  • Es ist absehbar, dass die Ökonomisierung und Kommerzialisierung des Dritten Sektors weiter voranschreiten wird. Das Management von NPO ist aufgrund der Professionalisierungstendenzen in den letzten Jahren stetig anspruchsvoller geworden und erfordert ein gesteigertes Maß an Sachkompetenz und Management-Know-how.
Bernd Helmig, Robert Purtschert, Claudio Beccarelli

Backmatter

Weitere Informationen