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Über dieses Buch

Obwohl zwischenmenschliches Vertrauen als wichtige Ressource moderner Gesellschaften gilt, vernachlässigen bisherige Untersuchungen zwischenmenschlichen Vertrauens die Bedeutung kultureller Wertorientierungen. Mit der Betonung wertbasierter Begründungen des Vertrauens liefert Niels Michalski wichtige Beiträge zur Integration divergierender Vertrauenskonzepte und zum Verständnis der Mikro-Makro-Struktur des Vertrauens. Anhand der Daten des „European Social Survey“ von 2002–2012 zeigt er erstmals, wie prosoziale Werte die Unterschiede in gesellschaftlichen Vertrauensniveaus erklären können. Vertrauen ist in den Ländern am höchsten, in denen prosoziale Werte nicht nur weitverbreitet sind, sondern wo Menschen mit prosozialen Werten auch höheres Vertrauen aufweisen. Der Autor zeigt außerdem, dass die Dominanz eigennütziger Motive die Ausbildung wertebasierten Vertrauens verhindert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
In den letzten 25 Jahren gab es eine wahre Explosion sozialwissenschaftlicher Literatur zum Vertrauen. Soziologen, Ökonomen und Politikwissenschaftler haben vielfach argumentiert, das sogenannte generalisierte Vertrauen sei eine wichtige Voraussetzung für ökonomischen Erfolg (Fukuyama 1995; Knack und Keefer 1997), für die Effizienz politischer Institutionen und das Funktionieren von Demokratie (Putnam 2000; Paxton 2002) und für den sozialen Zusammenhalt in komplexen modernen Gesellschaften (Misztal 1996; Barber 1983; Hardin 1996; Luhmann 1979). Generalisiertes Vertrauen bezeichnet ein interpersonelles Vertrauen in unbekannte Andere, das über das Vertrauen in konkrete Personen hinausgeht und sich auf Personen richtet, die einem nicht persönlich bekannt sein müssen.
Niels Michalski

Kapitel 2. Vertrauen – Relevanz des Themas für die Sozialwissenschaften

Zusammenfassung
Jahrzehntelang führte das Thema Vertrauen in der sozialwissenschaftlichen Forschung (Politikwissenschaften, Ökonomie und Soziologie) eher ein Schattendasein. Theologische, philosophische und psychologischen Einordnungen des Phänomens dominierten bis in die 1970er Jahre den akademischen Diskurs zum Thema (Endress 2002: 6), wobei vor allem die Beiträge von Erik H. Erikson (1971) und Morton Deutsch (1958) aus der Psychologie noch heute bedeutsam für die Vertrauensforschung sind. Die Soziologie richtete den Blick erst mit der Veröffentlichung der englischen Übersetzung von Luhmanns „Vertrauen - Ein Mechanismus der Reduktion von Komplexität“ (Luhmann 1973) im Jahr 1979 auf das Phänomen des Vertrauens.
Niels Michalski

Kapitel 3. Vertrauen als Konzept

Zusammenfassung
Im folgenden zweiten Kapitel wird eine Arbeitsdefinition des Vertrauens entwickelt, die vom Alltagsbegriff des Vertrauens ausgeht und Argumente der Literatur für eine differenzierte Begriffsdefinition aufgreift. Diesem Abschnitt folgt eine Gegenüberstellung der theoretischen Vertrauenskonzepte der Handlungsebene. Anschließend werden Ansätze diskutiert, die die verschiedenen Erklärungsansätze von Vertrauen in einem Modell integrieren. Letztendlich wird ein eigener Vorschlag verfolgt, der die Ideen aufgreift und sich auf die kulturübergreifende Messung von generalisiertem Vertrauen anwenden lässt.
Niels Michalski

Kapitel 4. Erklärende Theorien

Zusammenfassung
Die Literatur zur Erklärung unterschiedlicher Vertrauensniveaus hat eine Fülle empirischer Arbeiten hervorgebracht, die jeweils für sich beklagen, es gäbe kaum Versuche, die Erklärungsansätze zu systematisieren. Die wenigen Versuche, die Ansätze in einem empirischen Modell zu integrieren, bilden die hohe Komplexität der theoretischen Grundlagen aufgrund der großen Vielfalt der Variablen nur oberflächlich ab (Delhey und Newton 2003; Kunz 2004; Brehm und Rahn 1997; Neller 2008). Auch die bis dato relevanten Monografien zu generalisiertem Vertrauen haben es versäumt, ihren ausführlichen empirischen Analysen eine systematische handlungstheoretische Fundierung zukommen zu lassen (Uslaner 2002; Putnam 2000; Fukuyama 1995).
Niels Michalski

Kapitel 5. Die Messung generalisierten Vertrauens

Zusammenfassung
Die Frage, wie nun genau ein allgemeines Vertrauen in unbekannte Andere zu messen sei, wurde in der Literatur in den letzten Dekaden gelegentlich erörtert (vgl. Deutsch 1958; Rotter 1967; Couch und Jones 1997; Lewis und Weigert 1985; Glaeser et al. 2000; Miller und Mitamura 2003; Naef und Schupp 2009). In der Regel wird aber nicht hinterfragt, ob das was mit den etablierten Surveyfragen oder mit dem Verhalten in Experimenten gemessen wird tatsächlich Vertrauen ist (vgl. Nannestad 2008: 415). Neben diesen primären Erhebungsmethoden existieren zwar auch Versuche von Anthropologen, Vertrauen über „thick description“ zu identifizieren, experimentelle und umfragebasierte Studien stellen jedoch die Grundlage für den auf Empirie basierenden Korpus etablierter Theorien und generalisierender Aussagen dar.
Niels Michalski

Kapitel 6. Werte als Bestimmungsfaktoren von Vertrauen

Zusammenfassung
Im theoretischen Teil wurde gezeigt, dass in der Literatur keineswegs Einigkeit über die Ursprünge von Vertrauen besteht. Insbesondere über die Frage, ob Vertrauen nun rationalstrategisch oder normativ fundiert oder sogar im Persönlichkeitssystem verankert ist, gibt es geteilte Ansichten. Um der Frage nachzugehen, ob im generalisierten Vertrauen empirisch tatsächlich alle drei Ansätze zu finden sind, werden Variablen gesucht, die diese Beziehungen jeweils begründen können. Konkrete Wertpräferenzen dienen hier als Ausgangspunkt, weil sie erlauben, die normative Beliefkomponente des Vertrauens zu identifizieren. Rational begründetes Vertrauen wird in Kapitel 7 indirekt über Kovariaten identifiziert, deren Mechanismus theoretisch in rationalem Verhalten begründet ist.
Niels Michalski

Kapitel 7. Multivariate empirische Analysen

Zusammenfassung
In Kapitel 4 wurden die vielversprechendsten Erklärungsansätze der Literatur vorgestellt und es wurde diskutiert, ob der Mechanismus dieser Erklärungem auf einer normativen oder rationalen Begründung von generalisiertem Vertrauen beruht. Es wurden Hypothesen aufgestellt, deren empirische Bestätigung die Gültigkeit des in Kapitel 3.3 entwickelten differenzierten Erklärungsmodells über normative und rationale Beliefs unterstützen würde. In Kapitel 1 wurde eine Operationalisierung normativer Vertrauensbeliefs abgeleitet und bivariat überprüft.
Niels Michalski

Kapitel 8. Resümee

Zusammenfassung
Vertrauen, so ist bei Georg Simmel zu lesen, ist eine der wichtigen synthetischen Kräfte, die der Gesellschaft Stabilität verleihen (2004 [1900]: 318). Es erhöht die Potentiale zur Lösung von Konflikten und für die Bereitstellung von Kollektivgütern, die allen Gesellschaftsmitgliedern zu Gute kommen. Wo vertraut wird, entstehen Kooperation und Regelmäßigkeiten im sozialen Handeln.
Niels Michalski

Backmatter

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