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11.01.2022 | Notenbanken | Nachricht | Onlineartikel

Bundesbank bleibt "hörbare Stimme der Stabilitätskultur"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Im Beisein von EZB-Chefin Christine Lagarde und Bundenfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat Jens Weidmann offiziell den Staffelstab an seinen Nachfolger Joachim Nagel übergeben. Dieser stellt klar, dass auch mit ihm die Bundesbank "selbstbewusst" in geldpolitische Debatten geht. 

In ihrer Begrüßungsrede zum virtuellen Amtsantritt Joachim Nagels als neuer Präsident der Deutschen Bundesbank hat Vizepräsidentin Claudia Buch seine vielfältigen Erfahrungen inner- und außerhalb der Notenbank und seine Fähigkeiten als Krisenmanager hervorgehoben. Zugleich dankte sie seinem Vorgänger Jens Weidmann, der seinen Abschied zum 31. Dezember 2021 nach etwas mehr als zehn Jahren im Amt im Oktober bekannt gegeben hatte. 

Bundesbank ist verlässlicher Partner im Eurosystem

Die globale Finanzkrise und die Schuldenkrise in Europa hätten seine Amtszeit geprägt. "Aus beiden ist Europa institutionell gestärkt hervorgegangen – und die Bundesbank hat maßgeblich dazu beigetragen", so Buch. Ein verlässlicher Partner im Eurosystem zu sein, "ist Leitmotiv unserer gemeinsamen Arbeit". Weidmann habe mit seinen strategischen Weichenstellungen die Bundesbank "fit für die Zukunft" gemacht, erläuterte die Vizepräsidentin. Unter seiner Ägide seien erstmals Führungsgrundsätze und ein explizites Leitbild erarbeitet worden. "Du hinterlässt also ein gut aufgestelltes Haus", so Buch. 

In Bezug auf seine, innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) häufig umstrittene Haltung betonte Weidmann in seinem Abschiedsvortrag, er habe die "Trennlinie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik sicher enger gezogen als andere". Die Debatten im EZB-Rat seien dabei "nicht immer einfach" und auch manchmal kontrovers gewesen. Zudem habe es keine Blaupause zum Umgang mit den diversen Krisen gegeben. Die Währungsunion mit ihrer einheitlichen Geldpolitik und den 19 eigenständigen Finanzpolitiken sei eine Konstruktion sui generis und unterscheide sich erheblich von anderen Währungsräumen. "Aber ich glaube, dass unsere intensiven Diskussionen am Ende zu besseren Entscheidungen geführt haben", so Weidmann. 

Bundesbank als "digital vernetzte Organisation"

"Für mich fühlt es sich ein bisschen wie eine Heimkehr an", betonte Nagel in zu Beginn seiner Antrittsrede. Der Ökonom war bereits insgesamt 17 Jahre lang bei der Bundesbank tätig - von 2010 bis 2016 auch in deren Vorstand. Danach wechselte er zur KfW Bankengruppe und 2020 schließlich zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Nagel will unter anderem den digitalen Wandel der Bundesbank weiter vorantreiben. "Meine Zielvorstellung ist eine digital vernetzte Organisation, die sich schneller an Veränderungen anpassen kann und die Potenziale aufkommender Technologien konsequent zu nutzen weiß." 

Eine Herausforderung sieht der neue Bundesbank-Chef unter anderem im digitalen Zentralbankgeld und speziell im digitalen Euro. Dieser könne die Auswahl an Zahlungsmitteln bereichern. "Er sollte den Menschen im Euroraum einen klaren zusätzlichen Nutzen bringen, etwa indem er Kosten senkt oder neue Dienstleistungen ermöglicht." Dabei soll der digitale Euro das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Hierfür sei Aufklärungsarbeit unerlässlich, betonte Nagel.  

Preisstabilität als vorrangiges Ziel

Die Bundesbank habe es in ihrer Geschichte immer wieder verstanden, sich auf ein verändertes Umfeld einzustellen. "Dazu gehören stabile Preise, stabile Banken, ein stabiles Finanzsystem und ein stabiler Zahlungsverkehr – der digitale Zahlungsverkehr ebenso wie die zuverlässige Versorgung mit sicherem Bargeld." Das vorrangige Ziel sei, Preisstabilität für die Menschen im Euroraum zu sichern.

Die Bundesbank habe frühzeitig auf Inflationsrisiken aufmerksam gemacht und stets darauf gedrungen, dass das Notfall-Ankaufprogramm PEPP eng an die Pandemie gebunden bleibt. Nagel riet eindringlich, den sehr expansiven Kurs der Geldpolitik nicht für zu lange festzuschreiben und sich Handlungsoptionen offenzuhalten. Wenn es die Preisstabilität erfordert, müsse der EZB-Rat handeln und seinen geldpolitischen Kurs anpassen. "Wir werden unsere Expertise und unsere Überzeugungen in die Debatten selbstbewusst einbringen", lautete das Fazit seiner Antrittsrede. 

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