Skip to main content
main-content

17.09.2014 | Nutzfahrzeuge | Im Fokus | Onlineartikel

Bast-Zwischenbericht zum Feldversuch Lang-Lkw

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Halbzeit beim Gigaliner-Test: Die Zwischenergebnisse zum Feldversuch der Experten der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) sind überwiegend positiv. Das geht aus dem Bericht der Bast hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Allerdings weist der Bericht auch auf kritische Punkte hin.

Der vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2016 andauernde Feldversuch mit Lang-Lkw der Bundesregierung wird durch die Bast wissenschaftlich begleitet. Ziel des Versuchs ist es, Chancen und Risiken des Einsatzes der im Vergleich zu herkömmlichen Lkw um bis zu 6,50 Meter längeren Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen aufzuzeigen. Getestet wurden Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen, die mit bis zu 25,25 Meter zwar länger als derzeitige Lkw sind, die aber kein höheres Gesamtgewicht als die auch heute schon geltenden 40 beziehungsweise 44 Tonnen im kombinierten Verkehr haben. Es galt herauszuarbeiten, welche Auswirkungen der Einsatz von Lang-Lkw im Vergleich zur Situation ohne Lang-Lkw hat.

Keine gravierenden Probleme im Feldversuch

Die Experten der Bast informieren in dem 113 Seiten umfassenden Bericht über die vorliegenden Erkenntnisse zum Einsatz des Lang-Lkw. Insgesamt seien keine gravierenden Probleme im Feldversuch unter den gegebenen Randbedingungen festgestellt worden. Gemessen an der Vielzahl der betrachteten Fragestellungen sei die Zahl der identifizierten Risiken gering. Zudem seien die identifizierten Risiken bei der derzeitigen Anzahl von Lang-Lkw, aber auch unter der Annahme von deutlich höheren Anteilen am Güterverkehrsaufkommen, als hinnehmbar oder zumindest beherrschbar einzustufen.

Kraftstoffersparnisse bis zu 25 Prozent

Weitere Artikel zum Thema

Dem Bast-Bericht zufolge können zwei Lang-Lkw-Fahrten rund drei Fahrten mit konventionellen Lkw ersetzen. Darüber hinaus lasse sich ein Effizienzgewinn und Kraftstoffersparnisse zwischen 15 und 25 Prozent feststellen. Jedoch hänge dies deutlich mit einer im Feldversuch beobachteten nahezu optimal disponierten Volumen- beziehungsweise Stellplatzauslastung zusammen - wobei anzumerken sei, dass eine hohe Auslastung für den betriebswirtschaftlich vorteilhaften Einsatz von Lang-Lkw im Regelfall erforderlich wäre.

Derzeit gäbe es zudem keinen Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch ein mögliches unterschiedliches Bremsverhalten von Lang-Lkw gegenüber dem von herkömmlichen Lkw. Zudem sei unter den Randbedingungen des Feldversuchs (zum Beispiel keine Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts, festgelegtes Streckennetz, etc.) keine Zerstörung der Infrastruktur durch den Einsatz von Lang-Lkw zu erwarten.

Verlagerungseffekte sehr unwahrscheinlich

Unter den Bedingungen des Feldversuches sei bislang auch keine Verlagerung von Schienen- auf Straßengüterverkehr beobachtet wurde . "(…) Die im Feldversuch beobachteten Güter- und Logistikstrukturen lassen eine grundsätzliche Verlagerungswirkung beziehungsweise eine Affinität zum Schienengüterverkehr nicht als sehr wahrscheinlich erscheinen."

Dobrindt und Wissmann: Lang-Lkw-Versuch ist erfolgreich

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt äußerte sich zu den Zwischenergebnisses des Feldversuchs. Anlässlich der Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik in Potsdam sagte er: "Der Feldversuch mit Lang-Lkw läuft bisher erfolgreich. Die Fahrzeuge fahren sicher und unauffällig im Verkehr mit. Der Bericht bestätigt, dass zwei Lang-Lkw drei reguläre Lkw ersetzen können. Das spart bis zu 25 Prozent Sprit".

Und Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erklärte: "Der Bericht zeigt, dass der Lang-Lkw den Straßengüterverkehr effizienter und nachhaltiger macht. Mit rund 20 Prozent weniger Spritverbrauch und CO2-Emissionen ist der Lang-Lkw ein echter Öko-Laster. Entscheidend ist dabei, dass der Lang-Lkw der Schiene keine Konkurrenz macht, sondern sich gut in den kombinierten Verkehr einfügt. Die Fahrzeuge sind sicher im Straßenverkehr unterwegs. Auch die Infrastruktur wird weniger belastet. (…)." Ferner seien für Wissmann mit dem Zwischenbericht der Bast verbliebene Zweifel am Lang-Lkw entkräftet worden. Er fordert alle Bundesländer, die noch nicht am Feldversuch teilnehmen, zu einer Beteiligung auf. Sie sollten in einem ersten Schritt ihre Autobahnen für Lang-Lkw freigeben. Die folgenden sieben Bundesländer nehmen vollständig beim Feldversuch teil: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Sachsen und Bayern.

Kritische Punkte: Parken und Tunnel

Der Bast-Bericht weist aber auch auf kritische Punkte hin. So müssten für den Umstand der für Lang-Lkw in der Regel zu kurzen Schrägparkstände auf Rastanlagen bei einer steigenden Anzahl an Lang-Lkw Lösungsansätze entwickelt werden, um das regelkonforme Abstellen der Lang-Lkw auch auf Rastanlagen weiterhin gewährleisten zu können. Nothaltebuchten in Tunneln seien unter Umständen bereits für StVZO-konforme Lkw, jedoch auch für das Einparken mit Lang-Lkw insgesamt zu kurz, in Abhängigkeit vom Typ jedoch in unterschiedlichem Maße. "Lang-Lkw vom Typ 2 und 3 (L=25,25 m) ragen hingegen deutlich in den Verkehrsraum (bis zu 1,90 m) und können so zu einer erheblichen Beeinträchtigung des fließenden Verkehrs führen", heißt es in dem Bericht.

Marktpotenzial ist beschränkt

Der Bericht schätzt auch das Marktpotenzial von Lang-Lkw. "Bezogen auf das gesamte deutsche Straßennetz hat die vorgenommene Schätzung ergeben, dass theoretisch 2 bis maximal 9 Prozent aller Fahrten beziehungsweise 3 bis maximal 7 Prozent der Fahrleistung konventioneller Lkw durch Lang-Lkw ersetzt werden könnten", prognostiziert der Bericht.

Allgemein sei bei der Einschätzung des Berichts zu beachten, dass den erzielten Ergebnissen in der Regel die ganz spezifischen Randbedingungen des Feldversuchs zugrunde liegen. Teilweise resultieren diese Randbedingungen aus den Vorgaben der Ausnahme-Verordnung zum Feldversuch, für einzelne Fragestellungen auch aus dem unter Versuchsbedingungen angepassten Verhalten der Lang-Lkw-Fahrer.

Offene Fragen nach Ende des Feldversuchs

Der Zwischenbericht stellt abschließend dar, dass zu einzelnen Punkten weiterer Forschungsbedarf bestehe. Bis zum Ende des Feldversuchs werde die Bast diesen Fragen nachgehen.

Zu folgenden Fragen sollen aber höchstwahrscheinlich auch nach dem Ende des Feldversuchs keine belastbaren Aussagen möglich sein. Grund dafür sei die bislang zu geringe Anzahl der am Feldversuch teilnehmenden Lang- Lkw, die sich nach Angaben der Bast wohl auch nicht signifikant ändern werde. Bislang haben sich 39 Unternehmen mit 80 Lang-Lkw bei der Bast gemeldet.

So seien zu psychologische Aspekten anderer Verkehrsteilnehmer sowie deren mögliche Sichtbeschränkungen in gewissen Verkehrssituationen durch Lang-Lkw keine belastbaren Aussagen möglich. Inwiefern verkürzte Behelfseinfahrten in Arbeitsstellen zu Problemen hinsichtlich des Verkehrsablaufs oder sogar der Verkehrssicherheit führen, könne ebenso nicht geklärt werden. Auch seien Fragen zum Überholen auf Landstraßen sowie zum Überholdruck und die Überholhäufigkeit nicht zu klären.

Der Feldversuch Lang-Lkw wurde im Januar 2012 gestartet. Er wird wissenschaftlich von der Bast begleitet und läuft bis Ende 2016. Das BMVI hat Anfang September das Positivnetz für den Feldversuch Lang-Lkw um 120 neue Strecken erweitert. Es hat nun eine Länge von fast 10.150 Kilometern.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Konzepte

Quelle:
Dezentrale Energiewende

01.04.2011 | 125 Jahre Automobil | Ausgabe 6/2011

Gütertransport der Zukunft: Wie verändert sich das Nutzfahrzeug?

Premium Partner

    Bildnachweise