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04.09.2014 | Nutzfahrzeuge | Im Fokus | Onlineartikel

Busse nachhaltig mit CO2 klimatisieren

Autor:
Christiane Brünglinghaus
4 Min. Lesedauer

In Busklimaanlagen wird üblicherweise das Kältemittel R134a verwendet. Im Vergleich zu CO2 hat R134a aber ein 1430-fach höheres Treibauspotential. Daher fordert die DUH den Umstieg auf die nachhaltigere CO2-Klimatechnik. Bislang gibt es noch keine gesetzlichen Vorgaben für Kältemittel in Bussen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert einen raschen Umstieg auf das umweltfreundliche Kältemittel Kohlendioxid (CO2) im Busbereich. Dass dies möglich ist, zeige das hessische Unternehmen RhönEnergie Bus, die künftig zwölf weitere Busse mit CO2-Klimatechnik im Stadtverkehr von Bad Hersfeld nutzen wird. Diese kommen zu den sechs CO2-klimatisierten Bussen hinzu, die das Unternehmen bereits vor zwei Jahren für die Stadt Fulda beschafft hat. Seit 2010 nutzen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Linienbusse mit dem Kältemittel CO2.

Als natürlicher Bestandteil der Atemluft sei CO2 eine nachhaltige Alternative zum gängigen Kältemittel R134a, das im Vergleich 1430-mal stärker zur Erderwärmung beiträgt. Da Busklimaanlagen keine hermetisch geschlossenen Systeme sind, entweicht während der gesamten Lebensdauer eines Busses permanent Kältemittel und erhöht so den Treibhauseffekt. Insgesamt emittierten aus Bussen im Jahr 2011 deutschlandweit etwa 100 Tonnen Kältemittel R134a, was 140.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr entspricht, so due DUH. Bislang gibt es aber noch keine gesetzlichen Vorgaben für Kältemittel in Bussen.

DUH sieht Hersteller in der Pflicht

"Wir begrüßen es sehr, dass es Busunternehmen wie die RhönEnergie Bus GmbH gibt, die mit nachhaltiger Klimatechnik vorangehen. Andere Verkehrsbetriebe sollten dem guten Beispiel aus Hessen folgen", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Doch Resch sieht neben den Verkehrsbetrieben auch Bushersteller wie MAN und EvoBus in der Pflicht: "Obwohl die CO2-Klimatechnik bereits 2007 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde, ist es Verkehrsbetrieben nach wie vor nicht möglich, entsprechende Anlagen bei den marktführenden Unternehmen ab Werk zu ordern."

Eine entsprechende Nachfrage sei laut DUH jedenfalls vorhanden. Dies würden Umfragen der DUH unter Verkehrsbetrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem Jahr 2011 und dem Frühjahr 2014 ergeben: Fast 50 von über achtzig Unternehmen würden gerne zukünftig die CO2-Klimatechnik einsetzen. Zusammen verfügen diese über einen Fuhrpark von mehr als 3200 klimatisierten Fahrzeugen. Dennoch haben einige Verkehrsbetriebe auch Gründe genannt, die derzeit noch einem Einsatz der CO2-Klimatechnik im Wege stehen. Am häufigsten seien in diesem Zusammenhang höhere Investitionskosten und technische Vorbehalte als Antwort genannt worden. Beide Aspekte würden eng mit dem am dritthäufigsten genannten Punkt "fehlendes Angebot/mangelhafte Unterstützung durch Fahrzeughersteller" zusammenhängen. Doch der internationale Verkehrsexperte Axel Friedrich ist sich sicher: "Wenn die Bushersteller endlich engagierter an der Optimierung der Komponenten arbeiten und entsprechende Anlagen ab Werk anbieten, werden die Vorteile der CO2-Klimatisierung auch die letzten kritischen Stimmen überzeugen."

Verkehrsbetriebe zeigen Interesse am Umstieg auf CO2

Für die CO2-Klimatechnik würden nicht nur der Umweltschutz, sondern auch die niedrigen Wartungskosten und die Möglichkeit, die Anlage in Verbindung mit einer Wärmepumpe im Winter zum effizienten Heizen verwenden zu können, sprechen. Zudem hat CO2 eine hohe Kälteleistung, ist nicht brennbar, bildet keine Zerfallsprodukte und ist weltweit kostengünstig verfügbar, wie das Umweltbundesamt erläutert.

Daher gebe es laut DUH auch einen klaren Trend hin zu klimatisierten Fahrzeugen: So werden Stadtbusse mittlerweile zu rund 70 Prozent mit Klimaanlage ausgeliefert. Im Jahr 1993 seien es nur fünf Prozent aller neuen Stadtbusse gewesen. In diesem Segment gelte die CO2-Klimatechnik als erprobt und bereit für die Serienfertigung. "Wir sind sehr zufrieden", bestätigt Thomas Lang, Geschäftsführer der RhönEnergie Bus. "Die Busse fahren fehlerfrei - und gerade bei den Temperaturen der letzten Wochen konnten wir unsere Klimaanlagen einem Belastungstest unterziehen, den sie mit Bravour bestanden haben.“ Bei Überlandbussen beträgt die Ausstattungsrate 84 Prozent; neue Reisebusse sind mittlerweile ausnahmslos klimatisiert.

EU-Bestimmungen zu Kältemitteln

F-Gase wie R134a gehören zu den sechs wichtigsten Treibhausgasen, die gemäß dem Kyoto-Protokoll reduziert werden sollen, erläutert die DUH. Daher hat die Europäische Union zur Reduktion dieser Stoffe die F-Gas-Verordnung Nr. 842/2006 sowie die Richtlinie für mobile Klimaanlagen 2006/40/EG erlassen. Letztere schreibt vor, dass nach dem 1. Januar 2011 in neuen Pkw-Typen ein Kältemittel mit einem GWP von weniger als 150 verwendet werden muss. R134a ist damit faktisch verboten. Ab 2017 gilt die Vorgabe für alle Pkw-Neuzulassungen. Für den Busbereich ist diese Regelung ebenfalls von Gewicht: In der Richtlinie ist vorgesehen, die Kältemittelvorgaben mittelfristig auch auf weitere Fahrzeugarten wie etwa Busse auszuweiten, erläutert die DUH.

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2010 | OriginalPaper | Buchkapitel

Personen- und Nutzfahrzeuge

Quelle:
Fluidtechnik in Kraftfahrzeugen

01.12.2001 | Entwicklung | Ausgabe 12/2001

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