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05.07.2024 | Nutzfahrzeuge | Nachricht | Nachrichten

ZF verbessert Nfz-Technik mit KI und Getrieben

verfasst von: Michael Reichenbach

5:30 Min. Lesedauer

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Mit einem Investitionsplan soll die Transformation gelingen. Dazu setzt ZF auf seine Weltneuheit Annotate als KI-Dienst und das elektrifizierte Getriebe TraXon 2 Hybrid.

Ein Technologie-Rundumschlag par excellence in der Lüneburger Heide: Rund drei Monate vor der Messe IAA Transportation (in Hannover vom 17. bis 22. September 2024) präsentierte der Systemlieferant ZF circa 25 Innovationen für das Nutzfahrzeug, aber auch den Pkw. Auf seinem Global Technology Day (27. Juni 2024) konnte der Zulieferer den rund 50 internationalen Journalisten, die auf das firmeneigene Testgelände in Jeversen nahe Hannover gekommen waren, an fünf Stationen je fünf Exponate zu Technikinnovationen sowohl im Stand als auch in Aktion ausführlich erklären.

Klein: "Heute sind Agilität und Flexibilität geboten"

Die Veranstaltung fand unter dem Motto "Driving CV Innovation" statt und verdeutlicht den Fokus von Dr. Holger Klein, Vorstandsvorsitzender des ZF-Konzerns, dass man mit vielen aus der Pkw-Technik bekannten und bewährten Produkten die Entwicklung von Nutzfahrzeugkomponenten stark vorantreiben und weiter verbessern möchte. "Wir verstehen uns als Taktgeber der Branche für eine sichere, saubere und komfortable Mobilität", postulierte Klein. Die Neuausrichtung habe er letztes Jahr bereits in Friedrichshafen vorgestellt. Nun setze das Unternehmen die Dinge Schritt für Schritt um. Der Konzern, 1915 mit dem Ziel gegründet, sichere Zahnradgetriebe für die Luftfahrtbranche zu bauen, kann dafür mit seinem tiefgründigen Know-how aus vielen Forschungs- und Vorentwicklungsabteilungen und dem breit angelegten Wissen der über 168.000 Mitarbeitenden punkten.

Klein sagte: "Geboten sind heute Agilität und Flexibilität, um im Markt bestehen zu können." Die Herausforderungen der Automotivebranche nehme man gern an. Insbesondere bei Nutzfahrzeugen ergebe der Hybridantrieb Sinn, weil hier hohe Kräfte und Drehmomente für verschiedenste Einsatzgebiete von der Fernstraße bis zum Acker erforderlich seien. "Eine unserer größten Stärken ist unsere Flexibilität. Seit mehr als 100 Jahren gehört Technologieoffenheit zur DNS unserer Unternehmensstrategie – das zahlt sich nun aus", stellte Klein klar. Bis Ende 2026 möchte der ZF-Chef 18 Milliarden Euro in das Unternehmen investieren, davon 30 % in Deutschland. "Die Übernahme von Wabco hat sich bezahlt gemacht", dies war im Mai 2020 der Fall.

Laier: "Synergien zwischen den Bereichen schnell herstellen"

Überhaupt: Technologieoffenheit ist das Schlagwort des Tages. Man sei auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zumal global betrachtet jedes Land und jeder Teilmarkt seine eigene Antriebstechnikform bevorzuge: Nutzfahrzeug ist nicht gleich Nutzfahrzeug, wenn man an Stadtbusse, Müllwagen, Fernverkehr-Lastwagen, Traktoren und Bagger denkt. Bei den ersten beiden ist der Elektroantrieb gesetzt, bei den anderen dreien wird er in Gänze wohl nie kommen. Hier sind Wasserstoffmotor und Brennstoffzelle, aber auch weiterhin der Verbrennungsmotor, aber mit E-Fuels betrieben, die bevorzugte Antriebsform.

In Jeversen kündigte der Technologiekonzern das neue Getriebe TraXon 2 Hybrid für schwere Nutzfahrzeuge an. Dessen Technologie helfe, den Übergang zur Elektromobilität zu gestalten und die ambitionierten CO2-Ziele zu erreichen. Denn die Zulassungszahlen vollelektrischer Fahrzeuge stiegen aktuell langsamer als erwartet – bei Pkw und bei Nutzfahrzeugen. Allen voran in Europa und den USA stagniere die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, was in vielen Märkten zu Preiskämpfen führe. Auf derartige Zwischenschritte oder regionale Unterschiede sei ZF nicht schlecht vorbereitet.

"Dank unseres technologieoffenen Ansatzes, des daraus resultierenden breiten Produktportfolios und der Flexibilität unserer Produktionsstätten können wir schnell auf Marktveränderungen reagieren. Damit sind wir in der Lage, Technologien miteinander zu kombinieren und unseren Kunden bei jedem Schritt der Transformation rasch und sehr flexibel die bestmögliche Lösung anzubieten", sagt ZF-Nutzfahrzeugvorstand Professor Dr. Peter Laier, der auch für die Division Industrietechnik und das Ressort Produktion verantwortlich ist. Er kann Erfolge vorweisen, denn der eingeschlagene Strategiewechsel ist richtig, dies zeigen die Zahlen seiner Geschäftseinheit: "Mit einem organischen Wachstum von 20 % im Jahr 2023 hat sich unsere Nutzfahrzeugdivision im Vergleich zum Markt überproportional stark entwickelt. Zusammen mit der Division Industrietechnik haben wir zwei besonders starke Bereiche, die den Erfolg unseres Unternehmens steigern", sagte Laier. Und: "Mit der Entwicklung von TraXon 2 Hybrid zeigen wir, wie wir Synergien zwischen unseren Unternehmensbereichen schnell und flexibel herstellen. Mit der Neuentwicklung schaffen wir eine effektive Möglichkeit, CO2-Emissionen zu reduzieren."

Mit KI zehnmal schneller AD-Sensordaten markieren

Doch ZF ist breiter aufgestellt, als nur die Branche Antriebstechnik mit Getrieben zu bedienen. Ein großes Thema ist und bleibt das automatisierte Fahren, wenngleich es in kleineren Schritten als gedacht kommen wird. Als Weltpremiere stellte ZF den cloudbasierten KI-Dienst Annotate vor, der schon jetzt marktreif sei und die Entwicklungsprozesse für das automatisierte Fahren (Automated Driving, AD) von SAE-Automationslevel 2+ bis 5 revolutionieren und beschleunigen soll. Bislang werden die Bilddaten von Kameras händisch annotiert. Also markieren Hilfskräfte, die meist in Asien sitzen, ob auf dem Einzelfoto eines Videos ein Pkw, Lkw, Fahrradfahrer oder Fußgänger zu sehen ist, mit einem entsprechend farbigen Gitterrahmen. Auch Straßen- und Gebäudebauarten werden als solche "tituliert".

Die neue KI-Servicelösung dient als unabhängiges und redundantes Werkzeug dafür, ein Sensorset zu überprüfen, das während der Fahrt auf der Straße mit den gleichen Informationen wie in der Simulation konfrontiert wird und nach der Annotation eine hochpräzise Vergleichsmessung liefere. Während der Mensch auf Annotationsgenauigkeiten von 95 % komme, garantiert ZF mit seinem Werkzeug genauso hohe Qualitätsraten. Dank vieler 2-D- und 3-D-Tracking-Algorithmen arbeite das sowohl für Pkw als auch Nutzfahrzeuge geeignete Referenzsystem bis zu zehnmal schneller und 80 % kosteneffizienter als vergleichbare Produkte auf dem Markt. Damit untermauere ZF sein Versprechen als Taktgeber in der Transformation der Mobilität. "ZF Annotate kombiniert die Vorteile eines robusten und unabhängigen Referenz-Sensor-Sets mit einem skalierbaren Cloud-Service, der intelligente 2-D- und 3-D-Tracking-Algorithmen nutzt", hebt Klein hervor.

Strategieplan für Konzernumbau vorgestellt

Um auch künftig Kunden mit Technologien für eine saubere, sichere und komfortable Mobilität zu bedienen, stellt Klein schon heute die strategisch notwendigen Weichen. Mit einem langfristig angelegten Strategieplan baue der Konzern seine Organisation weiter um, beschleunige die Entwicklungsprozesse und passe sich so an die neue Geschwindigkeit der Industrien an. Diese neue Struktur enthalte Geschäftsbereiche für Pkw und Nutzfahrzeuge, das Industriegeschäft und ein leistungsfähiges Aftermarket-Netzwerk. Alle Segmente trügen dazu bei, langfristig auf einem erfolgreichen und profitablen Weg zu bleiben.

Gleichzeitig erhalten anderen Bereiche den nötigen Raum, sich schneller und agiler am Markt zu entfalten – etwa durch Partnerschaften oder mehr Eigenständigkeit. Im wachsenden Kernmarkt für Achssystemmontage beschleunige beispielweise die strategische Partnerschaft mit dem weltweit größten Hersteller für elektronische Produkte Foxconn das Wachstum und erweitere den Kundenkreis beider Unternehmen. Ein weiteres Umsetzungsbeispiel ist die Division Passive Sicherheitstechnik, die seit Ende März 2024 als ZF Lifetec eigenständig auf dem Markt auftritt.

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