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08.09.2017 | Nutzfahrzeuge | Nachricht | Onlineartikel

Von wegen digitales Brachland

Autor:
Andreas Burkert

Die Landtechnik wird sich in den kommenden Jahren nachhaltig ändern. Digitalisierung und die allumfassende Vernetzung werden bald autonom fahrende Arbeitsmaschinen hervorbringen. Das verspricht die Agritechnica, die in wenigen Wochen stattfindet.

Wenn der europäische Landwirt in wenigen Wochen seine Ernte eingefahren hat, bleibt Zeit, sich um den Fuhrpark zu kümmern. Es bleibt aber auch Muße, um sich über Innovationen zu informieren, die das Land bewirtschaften einfacher und ertragsreicher macht. Die weltgrößte Branchenmesse Agritechnica, die in diesem Jahr vom 12. bis 18. November auf dem Gelände der Hannover Messe stattfindet, ist dafür die erste Adresse. In 23 Hallen werden auf über 400.000 Quadratmeter mehr als 2800 Aussteller aus 52 Ländern Systeme, Maschinen und Innovationen vorstellen. Dort dreht sich alles um die Landwirtschaft 4.0 und dort werden Besucher auf gut gelaunte europäische Agrartechnikhersteller treffen. Davon ist zumindest Dr. Bernd Scherer überzeugt.

"Wir erleben seit einigen Monaten auf zahlreichen Märkten ein konjunkturelles Comeback“, erzählt der VDMA-Geschäftsführer gleich zu Beginn der Vorpressekonferenz zur Agritechnica, die am MIttwoch in Hannover stattfand. Die zweistelligen Zuwachsraten im Auftragseingang aus dem In- und Ausland sind für Scherer "ein wichtiger Indikator für einen tragfähigen Aufschwung". Der Treiber der Landtechnik ist dabei vor allem die Digitalisierung, die zwar seit sehr langer Zeit in den Betrieben und der Systemtechnik angekommen ist. Doch gilt es heute, die Prozesse miteinander zu vernetzen.

Digitalisierung macht die Feldarbeit rentabler 

Noch bevor die Digitalisierung alle Bereiche in der Landtechnik durchdringt, kann die Branche auf ein sehr gutes erstes Halbjahr 2017 zurück blicken. So konnten die deutschen Landmaschinen- und Traktorenhersteller ihren Umsatz um 7 Prozent auf gut 4,5 Milliarden Euro steigern. Zudem lag die Kapazitätsauslastung der Fabriken im Frühjahr bei nahezu drei Monaten, "was einem Spitzenwert entspricht, wie er zuletzt im Ausnahmejahr 2013 gemessen wurde", so der VDMA. Und der vermeldet weiter, dass "sich das Wachstum im ersten Quartal zwar noch vorwiegend auf den deutschen Markt beschränkt hatte, die Auslandsumsätze im zweiten Quartal aber mit einem Plus von 14 Prozent deutlich nachgezogen haben". 

Für Scherer eine gute Prognose: "Das ist genau das Signal, auf das wir gewartet haben". Schließlich sei die deutsche Agrartechnikindustrie mit einer Exportquote von durchschnittlich 75 Prozent darauf angewiesen, "auch auf internationalem Parkett zu punkten". Umsätze sollen dazu vor allem Innovationen bringen, mit denen die Landtechnik noch effektiver und emissionsarmer arbeitet. Dabei verspricht die Branche sich von der Digitalisierung eine ertragsreiche Ernte. So schreitet der Trend zur weiteren Automatisierung von Prozessen, verbunden mit intelligenten Datenmanagement-Systemen zur Optimierung der Regelung und Steuerung von Maschinen, Logistik, Dokumentation, Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit voran. 

29 Mal Gold beim Innovationsaward

Analog zur Industrie 4.0 gewinnt unter anderem auch die Vernetzung der Wertschöpfungskette eine zunehmende Bedeutung. Cloud Computing und Big Data sind in der Landtechnik feste Begriffe geworden. So hat sich die Agritechnica auch das Leitmotto "Green Future – Smart Technology" zu eigen gemacht. Und die Aussteller sind angetreten, mit immer raffinierteren Produkten den Markt für sich zu erobern. Auch deshalb verzeichnet die DLG ((Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft)) mehr als 320 Neuheitenanmeldungen von insgesamt 175 Ausstellern aus 24 Ländern. Das klingt optimistisch, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Digitalisierung in der deutschen Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt, wie der aktuelle DLG-Trendmonitor offenbart.

Zwar nutzen die Landwirte gegenwärtig regelmäßig Datentransfers zu Beratungsstellen sowie zu Behörden, um auf diesem Wege Anträge zu stellen. Auch die Nutzung von Apps ist bei den Landwirten weit verbreitet. Doch Cloud-Software und Systeme zur Unterstützung von Entscheidungen etwa während der Ernte nutzen die Landwirte bisher verhalten. Die in vielen Regionen noch immer unzureichende Dateninfrastruktur, aber auch die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der Datensicherheit bremst deren Nutzung. Dabei wäre der Schritt von Smart Farming zu Precision Farming eine große Chance, wie Professor Hans W. Griepentrog von der Universität Hohenheim in seinem Vortrag erklärt. "Eine stärkere Nutzung von Echtzeitsensorik inklusive der Datenfusion zur Entscheidungsunterstützung" würde erhebliche Einsparungen von Betriebsmitteln, Einsatzzeit und Energie bringen.

Elektrisch angetrieben werden vorerst nur Anbaugeräte

Dass sich beim Thema Energieeinsparung und Ressourcenschonung die Branche künftig mit Nachdruck auf die Elektrifizierung des Antriebsstrangs stürzt, ist nicht zu erwarten. Scherer hält das Thema zwar für wichtig, dass in naher Zukunft aber rein elektrisch angetriebene Traktoren übers Land fahren, glaubt er nicht. Auch wenn ZF beispielsweise mit seinem Hochvolt-Generatormodul Terra+ in Kombination mit dem elektrischen Einzelradantrieb ZF-eTrac-Anhänger oder Anbaugeräte künftig elektrisch antreiben möchte. Der Verbrennungsmotor wird in der Landwirtschaft noch lange seine Berechtigung haben.

Um der Kritik nach zu hohen Emissionswerten gleich Einhalt zu gebieten, mahnt Scherer zur sachlichen Diskussion. Er verweist in dem Zusammenhang darauf hin, dass Einsparungen am Verbrennungsmotor nur noch im unteren einstelligen Bereich möglich sind. Dahingegen aber erwartet er entlang der Prozesskette erhebliche Einsparungen. Und hinsichtlich der Schadstoffemissionen? Da ist die Abgasstufe IV mittlerweile weitgehend umgesetzt. Einen gewissen Spielraum gibt es noch im Leistungsbereich um 75 Kilowatt, wo Traktoren während einer Übergangsfrist als Schmalspurtraktoren homologiert werden können und somit lediglich den Grenzwerten der Abgasstufe IIIB unterliegen.

Common-Rail-Hochdruckeinspritzung ist Standard

Bei Abgasstufe-IV-Motoren gehören Common-Rail-Hochdruckeinspritzung, Vierventiltechnik, Turbolader, Ladeluftkühlung und elektronische Motorsteuerung zum Standardumfang. Hersteller-spezifische Unterschiede gibt es bei der Verwendung der Abgastechnologien Abgasrückführung (AGR), Dieseloxidationskatalysator (DOC), Dieselpartikelfilter (DPF) und Selektive Katalytische Reduktion (SCR). Die Kombinationen reichen von DOC/SCR bei FPT Industrial über AGR/SCR bei MTU bis AGR/DOC/DPF/SCR bei Deutz und John Deere.

Seit Herbst 2016 stehen die Grenzwerte für die ab 2019 geltende Abgasstufe V definitiv fest. Neben einer weiteren Absenkung der Partikelmasse (PM) wird neu auch die Partikelanzahl (PN) auf 1x1012/kWh limitiert. Für die Leistungsklassen von 19 bis 559 Kilowatt dürfte der Einsatz von geschlossenen Partikelfiltersystemen in Zukunft somit unumgänglich sein. Viele Motorenhersteller haben ihre Abgasstufe-V-Lösungen bereits vorgestellt. DOC, DPF und SCR sind hierfür gesetzt und es kann insgesamt ein Trend zu kompakteren Abgasnachbehandlungssystemen beobachtet werden. 

FPT Industrial setzt als erster Landtechnik-Hersteller auf ein SCRonFilter-System (SCRoF), bei dem die DPF-Oberfläche eine SCR-Beschichtung aufweist und somit einen Teil der selektiven katalytischen NOX-Reduktion (SCR) übernimmt. DPF und SCR-Katalysator lassen sich damit platzsparend im gleichen Gehäuse unterbringen. Mit der Abgasstufe V werden Traktormotoren sowohl bezüglich Emissionen als auch Motor- und Abgastechnologien auf dem Stand moderner Euro-6-Motoren für Lastwagen liegen.

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