Skip to main content
main-content

29.07.2016 | Oberflächentechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Neue antibakterielle Oberfläche schützt Implantate

Autor:
Kathrin Uzunoff


Ein Thüringer Forschungsverbund hat eine neue Funktionsschicht für orthopädische Titanimplantate entwickelt. Diese erlaubt es, Implantate vor infektionsauslösenden Bakterien zu schützen.

In Deutschland werden mittlerweile pro Jahr circa 200.000 Hüftprothesen und 100.000 Knieprothesen implantiert. Komplikationen bei der operativen Implantation der Kunstgelenke sind selten. „Bei der Implantation einer Hüft- oder Knie-Totalendoprothese liegt die Gefahr einer postoperativen Infektion bei nur 1-2 Prozent. Allerdings stellt eine solche Infektion für die wenigen betroffenen Patienten eine Katastrophe dar“, berichtet PD Dr. Michael Diefenbeck, ehemaliger Mitarbeiter der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Jena, der als Dozent der Universität weiterhin verbunden ist.

Um die damit verbundenen, nachträglichen Operationen zu vermeiden, haben Thüringer Forscher eine spezielle antibiotikahaltige Beschichtung entwickelt. Mit dieser ist es gelungen, Titanimplantate vor der Besiedlung mit infektionsauslösenden Bakterien zu schützen. In einer vorklinischen Studie haben die Unfallchirurgen, Materialwissenschaftler und Implantathersteller nachgewiesen, dass die neuartige Oberfläche im Vergleich zu herkömmlichen Implantaten einen wirksamen Schutz vor implantatassoziierten Infektionen bietet.

Beschichtet mit einem Antibiotikum

Das Ziel lag darin, die Oberfläche der Implantate mit antibakteriellen Substanzen auszustatten. Eine solche innovative Beschichtungstechnik wurde im interdisziplinären Verbund von Wissenschaftlern des Innovent e. V. in Jena, des Lehrstuhls für Materialwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Thüringer Implantatherstellers Königsee Implantate entwickelt und getestet.

Empfehlung der Redaktion

2009 | OriginalPaper | Buchkapitel

Aktuelle Entwicklungen – Orthopädische Implantate

Die guten Resultate und langen Standzeiten von bis zu 15 und 20 Jahren von implantierten Hüftendoprothesen führen dazu, immer jüngere Patienten mit einem Hüftgelenkersatz zu behandeln. Die Versorgung von jungen aktiven Patienten mit einer Hüftendopro


Die spezielle Beschichtung enthält eine hohe Konzentration des Antibiotikums Gentamicin. Zwar sind bereits mehrere antibakterielle Beschichtungen, auch unter Verwendung von Gentamicin, zum Schutz vor Infektionen bekannt. Auf den Implantaten wurde eine Gentamicin-Tannin-Schicht aufgebracht, die stark antibakteriell wirkt, dann aber innerhalb von circa fünf Tagen vollständig abgebaut wird. Dies ist wichtig, damit Antibiotikaresistenzen verhindert werden. Durch die Auflösung der antibakteriellen Schutzschicht werden die darunterliegenden Poren in der Titanoberfläche wieder freigegeben, was das Einwachsen von Knochen und so die Verankerung des Implantats verbessert.

Aufgrund der anspruchsvollen Zulassungsverfahren für neue Implantate wird es allerdings noch mehrere Jahre dauern, bis die neuen Beschichtungen den Patienten zugutekommen können. Das Verbundprojekt wurde vom Freistaat Thüringen mit EU-Mitteln gefördert.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.10.2010 | Teilereinigung | Ausgabe 10/2010

Klinisch rein in fünf Schritten

01.02.2016 | Schleifen & Polieren | Ausgabe 2/2016

Implantate auf Hochglanz gebracht

01.09.2013 | Schleifen | Ausgabe 19/2013

Feinstbearbeitung von Implantaten

Das könnte Sie auch interessieren

30.11.2015 | Werkstofftechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Implantate werden immer kleiner

19.12.2013 | Werkstofftechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Titan bald auch im künstlichen Kniegelenk?

Premium Partner

    Marktübersichten

    Die im Laufe eines Jahres in der „adhäsion“ veröffentlichten Marktübersichten helfen Anwendern verschiedenster Branchen, sich einen gezielten Überblick über Lieferantenangebote zu verschaffen. 

    Bildnachweise