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02.08.2022 | Nachricht | Online-Artikel

Öffentliche Websites längst noch nicht barrierefrei

verfasst von: Alexander Ebert

2 Min. Lesedauer
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Websites der öffentlichen Verwaltung müssen seit 2019 barrierefrei sein. Eine Überprüfung ergab: Keine einzige Internet-Präsenz erfüllte alle notwendigen Kriterien. 

Digitale Angebote von Behörden sollen für alle Menschen nutzbar sein – auch für Menschen mit Behinderungen. Denn Besucherinnen und Besucher von Websites sollten unabhängig von persönlichen oder technischen Barrieren die Inhalte lesen, verstehen und in Interaktion treten können, beispielsweise Menschen mit eingeschränktem Seh-, Hör- oder Sprachvermögen. Auf diese Teilhabe an digitaler Information haben sich die EU-Staaten 2019 gesetzlich verpflichtet. Dazu gehört, dass Inhalte in Leichter Sprache präsentiert werden oder barrierefreie PDF-Dokumente vorhanden sind. Soweit das Gesetz auf Papier. In der Praxis zeigen sich noch erhebliche Defizite.

Defizite in der Praxis 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales untersuchte und bewertete im vergangenen Jahr rund 1.900 Websites der öffentlichen Hand im Hinblick auf ihre Barrierefreiheit. Eine aktuelle Auswertung dieser Daten durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt die Schwachstellen auf: Keine der geprüften Websites erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen. Das stellt das IW in seinem Kurzbericht "Digitale Barrierefreiheit: (noch) keine Vorbildfunktion der öffentlichen Verwaltung" fest.

78 international gültige Kriterien legen fest, wann Web-Seiten barrierefrei sind – sie bilden die sogenannten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Diese schreiben beispielsweise vor, dass Web-Seiten mit technischen Hilfsmitteln wie Screen-Readern kompatibel sein müssen. Damit auch Bilder für alle Menschen verständlich sind, müssen sie mit Alternativtexten beschrieben werden. Die IW-Auswertung zeigt allerdings, dass Alternativtexte nur bei 28,5 Prozent der geprüften Internet-Präsenzen vorhanden sind.

Leichte Sprache selten zu finden

Noch schlechter sieht es mit Blick auf Inhalte in Leichter Sprache aus: Nicht einmal jede vierte Web-Seite erfüllte die Vorgabe. Eine weiteres Defizit: Lediglich rund neun Prozent boten barrierefreie PDF-Dokumente. "Alle 78 Kriterien können kaum eingehalten werden", sagt Studienautorin Christiane Flüter-Hoffmann. "Es ist allerdings erschreckend, wie wenige Vorgaben die Behörden umsetzen." 

Keine schnellen Fortschritte zu erwarten

Der Monitoring-Bericht zeigt nach Ansicht des IW "Schwachstellen in der Verwendung der Informationstechnik auf, aber auch in der Sensibilität der Verantwortlichen" und prognostiziert, das die schnellste Verbesserung der Ergebnisse bei den zusätzlich getesteten Anforderungen der formalen Verfügbarkeit einer "Erklärung zur Barrierefreiheit" und den geforderten Inhalten in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache zu erwarten sei. Andere Schwachstellen würden nur langsam behoben werden können wie zum Beispiel die Erstellung von barrierefreien PDF-Dokumenten.

Auch die Unternehmen müssen laut IW an ihrer digitalen Barrierefreiheit arbeiten: Bis Juni 2025 müssten zahlreiche Produkte wie E-Book-Reader und der Online-Handel barrierefrei sein.

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