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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung: Medienentwicklung und Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Von welchem Begriff der Öffentlichkeit man auch immer ausgehen mag, von einem normativen oder empirischen, einem subjektivistischen oder einem strukturellen Konzept, so ist doch eins unübersehbar, nämlich die Bedeutung der Medien bei der Konstitution von Publizität. Dabei sind die ‘Kommunikationsmittel’ weit mehr als Instrumente des Ausdrucks und des Transports von Botschaften; vielmehr nehmen sie direkt Einfluss auf das Zustandekommen von Bedeutungen und Inhalten. Eine exakte Unterscheidung zwischen Gegenstand, Form und Verbreitung des symbolischen Austauschs ist also gar nicht möglich; die Medien definieren mit ihrem technischen Potenzial Horizonte der Weitergabe und Horizonte des Sinns.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

2. Zum Realitätsgehalt von Öffentlichkeitsbegriffen

Zusammenfassung
Dass sich das wissenschaftliche Interesse der ‘Öffentlichkeit’ zuwendet, ist, wenn man die Publikationstätigkeit der letzten Jahre verfolgt, unübersehbar. Diese Tendenz ist erklärungsbedürftig, handelt es sich doch um sehr unterschiedliche und zum Teil diffuse Erscheinungen, die mit diesem Begriff zusammengefasst werden.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

3. Zwei Strukturmerkmale von Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Öffentlichkeit wird zuweilen, entsprechend dem antiken Kommunikationsraum des Markplatzes, auf dem eben nicht nur Waren, sondern auch Informationen und Meinungen ‘gehandelt’ wurden, als Forum bezeichnet. Foren bilden sich — unter Rückgriff auf vorhandene Strukturen — spontan, dann nämlich, wenn sich Außergewöhnliches ereignet hat oder bevorsteht, Vorgänge, von denen die Allgemeinheit Kenntnis erlangt und die eine Nachfrage nach weiteren Informationen auslösen. Foren werden aber auch ad hoc organisiert, und zwar wenn sich Bürgerwille artikuliert oder Sprechern die Möglichkeit gegeben werden soll, ihre Standpunkte deutlich zu machen. Als Forum bezeichnet man also schwach institutionalisierte soziale Netzwerke und soziale Einrichtungen, deren Funktion darin besteht, Möglichkeiten zur Aussprache zu bieten und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenzuführen.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

4. Gesellschaftlicher Wandel und Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Die demokratietheoretische Bedeutung der Öffentlichkeit ist, solange über den Staat nachgedacht wird, immer unzweifelhaft gewesen. Die Erkenntnis, dass Öffentlichkeit empirisch beschrieben und analysiert werden kann, ja zudem mit gesellschaftlichen Bedingungen, mit sozialen Beziehungs- und Systemkonstellationen zusammenhängt, hat insbesondere Jürgen Habermas zum thematischen Zentrum seines Lebenswerks gemacht. Dabei ist er auf Zusammenhänge gestoßen, die der hier vorgenommenen idealtypischen Begriffsdifferenzierung neue Akzente hinzufügen und insbesondere zeigen, in welcher Weise sich Forum und Arena unter der Perspektive der Macht unterscheiden.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

5. Kommunikative Potenziale des Internet

Zusammenfassung
Der Charakter des Internets entspricht dem eines „Hybrid-Mediums“75: Es ermöglicht bilaterale ebenso wie multilaterale Kontakte (one-to-one, many-to-many) und funktioniert darüber hinaus als Sender für ein disperses Massenpublikum (one-to-many, auch: netcasting). Die bislang eingeführten „Formate“76 des Netzes erfüllen unterschiedliche Funktionen: neben eher kommunikativen Diensten (E-Mail, Mailinglisten, Newsgroups, Chats) finden sich die stärker informierenden, unterhaltenden und nutzenorientierten Angebote des WWW. Allerdings weitet sich mit der sprunghaften technologischen Entwicklung der Funktionsumfang einzelner Formate noch aus, so dass eine trennscharfe Zuordnung zum Teil unmöglich ist.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

6. Gegenöffentlichkeit im Cyberspace? Die Bedeutung des Raumes

Zusammenfassung
Wenn das politische Potenzial des neuen Mediums in der Gegenöffentlichkeit, in der Veröffentlichung unterdrückter Meldungen und in der Realisierung bislang chancenloser Diskurse gesehen wird, so ist diesen Argumenten weiter nachzugehen, um sie kritiktauglich zu machen. Offensichtlich ist das Internet für die Konstitution von Gegenöffentlichkeit von Bedeutung, weil mit ihm eine Kommunikationsbasis zur Verfügung gestellt wird, die nicht nur kostengünstig ist, sondern eine weit gestreute Distribution von Nachrichten und Meinungen ermöglicht. Gräf kommt bei seinen Überlegungen zur Änderung sozialer Netzwerke durch das Internet zu der These:
„In Gesellschaften, die durch eine hohe Online-Präsenz ihrer Mitglieder gekennzeichnet sind, können soziale Bewegungen, Kampagnen und Selbsthilfegruppen leichter organisiert werden. Durch die Verkürzung der Kommunikationswege sind Personen, die von einer Problemlage in gleicher Weise betroffen sind, schnell aufzufinden und können durch Koordinationsstellen auf einfache Weise mit Informationsmaterial versorgt werden. Zusätzlich verbreitert sich mit den neuen Medien das organisierbare Protestpotential.“167
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

7. Herkömmliche Massenmedien und Internet

Zusammenfassung
Die Argumente zur ‘elektronischen Demokratie’, die sich auf die Folgen der computervermittelten Kommunikation für das Regierungshandeln, die Legitimität von Entscheidungen und die Partizipationschancen der Bürger beziehen, gehen zum Teil von falschen kommunikationswissenschaftlichen Voraussetzungen aus. Die These zum Beispiel, dass das Internet entgegen vorschnellen Illusionen doch die bereits vorhandenen Machtstrukturen abbilde, weil zu der Veröffentlichungschance die Wahrnehmungschance hinzukommen müsse, unterstellt eine bestimmte Art der Nutzung dieses Mediums, nämlich eine voraussetzungslose Informationssuche. Ein derartiger Umgang mit dem Internet dürfte aber — wie auch bezüglich anderer Medien — eher die Ausnahme sein. Gerade das Netz setzt angesichts der unendlichen Fülle von Angeboten bereits eine gewisse Ausrichtung von Interessen voraus, damit überhaupt sinnvoll von der Datenmenge Gebrauch gemacht werden kann. Daher kommt es auf Vorinformationen an, und zwar sowohl im Hinblick auf das Ziel der Suche wie auch bezüglich der einzuschlagenden Wege. Je ausgeprägter diese Vorinformationen und je spezifischer die Interessen sind, die an das Medium herangetragen werden, um so mehr kommen Angebote jenseits verdeckter Verteilungs- und Verbindungsstrukturen zum Zuge.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

8. Mailinglist und Chat: eine Exploration

Zusammenfassung
Die im Folgenden präsentierten Beispiele zur Kommunikation im Internet, die einer empirischen Analyse unterzogen wurden, variieren im doppelten Sinne, und zwar einmal dahingehend, dass die Mailingliste sowohl strukturell als auch thematisch geschlossen ist, während der Chat keinen strukturellen Beschränkungen unterliegt, zum Zweiten darin, dass es sich um je eine zeitversetzte und eine Echtzeit-Kommunikation handelt. Da die Absicht der Exemplifikation eine explorative ist, mag diese methodische Nachlässigkeit zugunsten der empirischen Ergiebigkeit erlaubt sein.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

9. Subversion oder Anarchie? Zur Kommunikation von Gerüchten

Zusammenfassung
Spätestens mit der sog. Lewinski-Affäre220 hat sich die Auffassung verbreitet, dass die Entstehung und Verbreitung von Gerüchten durch das Internet eine Renaissance erlebe. Das Internet erscheint als das „Medium des Gerüchts“, weil es „die gleiche Struktur wie das Hörensagen“221 habe. Das Gerücht „... paßt sich geschmeidig den medialen Möglichkeiten an. Das Internet ist das Hörensagen im digitalen Zustand; die große Zeit der Fama hat erst begonnen.“222
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

10. Gerüchte im Internet

Zusammenfassung
Mit der Verbreitung der Netztechnologie können Gerüchte nun nicht nur über größere geographische Entfernungen hinweg weitergegeben266, sondern auch in Gruppen diskutiert werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, sie auf jeder Website oder Homepage zu veröffentlichen. Die Verbreitung politischer oder auch anders gearteter Informationen an ein breites Publikum über das Internet (netcasting) unterliegt nicht — wie in den klassischen Massenmedien — publizistischen, berufs- und branchenethisch festgelegten Kontroll- und Prüfmechanismen. Stattdessen treffen die Nutzer im Netz auf eine Vielfalt von Botschaften, die vormals an jeweils unterschiedliche Medien gebunden und durch sie gekennzeichnet waren. Neben Gerüchten (Hörensagen) können dies Aufrufe sein (Flugblatt), Literatur (Buch), Werbung (Prospekt, Inserat, Rundfunk), privater Austausch (Brief, Telefon), Nachrichten (Zeitung) u. v. m. (siehe auch Abschnitt 13.4).
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

11. Propaganda und die Instrumentalisierung der Gegenöffentlichkeit

Zusammenfassung
Nicht nur Individuen sorgen für die Weitergabe von Gerüchten; vielmehr kann die Verbreitung unautorisierter Meldungen auch Teil eines langfristig geplanten Vorgehens von Organisationen sein, und zwar mit dem Ziel, Einstellungen und Verhalten von größeren Kollektiven zu beeinflussen. Indem Wissen entweder vorenthalten oder weitergeleitet wird, lässt sich das Handeln anderer Menschen steuern. Um sich zu orientieren, verlässt sich der Einzelne nicht allein auf eigene Sinneswahrnehmungen, sondern auch auf das, was im sozialen Kontext symbolisch übermittelt wird, auf das Hörensagen und Informationen aus zweiter Hand. Die Selektion und Weitergabe von Nachrichten geht daher mit einer Verhaltenskontrolle einher, die als strategisches Mittel möglicherweise effektiver ist als direkter Zwang.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

12. Das Ende der Propaganda

Zusammenfassung
Die von den Massenmedien Hörfunk und Fernsehen getragene Propaganda, die — vor dem Hintergrund internationaler Auseinandersetzungen — bis in die 90er Jahre hinein eingesetzt wurde, um Etappengewinne im Wettkampf der Systeme zu erringen, hat ihre Funktion als universales Instrument zur ideologischen Schwächung des Gegners verloren. Dazu trugen nicht nur die Veränderungen der weltpolitischen Vorgaben, vor allem die Auflösung des Ostblocks und die internationale Einführung der Marktwirtschaft bei. Auch der technische Wandel im Bereich der Medien, insbesondere die Entwicklung des Internet, haben zu diesem Bedeutungsverlust geführt.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

13. Medienkompetenz als demokratietheoretisches Postulat

Zusammenfassung
Die vorausgegangenen Überlegungen zum Nutzungspotenzial des Internets hinsichtlich der Konstruktion politischer Öffentlichkeiten haben eine wichtige Randbedingung bisher nur wenig beleuchtet: Es bedarf eines gewissen Maßes an technischen und kommunikativen Fähigkeiten, einer Kompetenz im Umgang mit dem neuen Medium, um sich an einer möglichen Erweiterung von Öffentlichkeit erfolgreich beteiligen zu können. Eingangs wurde zwischen prinzipieller und faktischer Öffentlichkeit unterschieden; das heißt, dass die verfassungsrechtlich jedem Bürger garantierte Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit nicht zwangsläufig mit der Gleichverteilung ökonomischer und sozialer Teilhabechancen einhergeht. Was die computergestützte Kommunikation angeht, so stellt sich die Frage, ob es nicht zu einer neuen Ungleichheit kommt, nämlich der zwischen den information rich und information poor. Soll eine solche Entwicklung verhindert werden, muss die Förderung von ‘Medienkompetenz’ im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit stehen.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

14. Ausblick: Die Dialektik der Internet-Kommunikation

Zusammenfassung
Bevor ein neues Medium sozial akzeptiert wird und seinem Gebrauch der Status einer Kulturtechnik zukommt, muss es zunächst selbst in den Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit geraten. Erst mit der wachsenden Bedeutung der neuen Technologie verstärken sich die Anstrengungen, sie zu beherrschen. Derartige Bemühungen auf individueller und kollektiver Ebene kennzeichnen den augenblicklichen Entwicklungsstand der Online-Kommunikation („Ich bin drin“). Dabei ist eine Wissenskluft im oben beschriebenen Sinne des Vorsprungs zu beobachten, die sich jedoch weniger auf gesellschaftlich oder gar politisch relevantes Wissen bezieht als vielmehr auf Informationen, die das Medium selbst betreffen. Aus diesem Grunde kann es nicht verwundern, dass die Tagesagenda des politischen Wissens zumindest bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch von den herkömmlichen Massenmedien bestimmt wird.
Klaus Plake, Daniel Jansen, Birgit Schuhmacher

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