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Über dieses Buch

Ist die Rede von Wirtschaft, denken die meisten Menschen an Großunternehmen. Entgegen dieser verbreiteten Vorstellung zeigen aktuelle empirische Daten jedoch, dass die meisten Betriebe sehr klein starten und auch klein bleiben. Statistisch belegbar ist auch, dass es vor allem private Haushalte sind, die Unternehmen und Verbände gründen, wodurch hybride (Misch-)Systeme, wie Haushalts-Unternehmens-Komplexe, entstehen. Im Alltagsdenken und auch bei Experten in Wissenschaft und Politik sind diese empirischen Fakten oft nicht bekannt und finden deshalb auch in der ökonomischen Bildung kaum Berücksichtigung. Damit kann der „ökonomische Analphabetismus“ erklärt werden, der als eine Ursache für individuelle und gesellschaftliche Wohlfahrtsverluste gilt. Das Buch klärt über die Entwicklung ökonomischer Strukturen und Funktionen auf, indem es empirische Daten zur Grundlage nimmt und die Bedeutung der Selbstorganisation und Gründung von Haushalten, Unternehmen und Verbänden sowie von betrieblichen Misch- und Sonderformen im evolutorischen Prozess des Wirtschaftens herausstellt. Die evidenzbasierte Analyse wird durch eine kritische Betrachtung der schulischen Wirtschaftslehre und eine theoriegeschichtliche Reflexion der Ökonomik ergänzt. Im Ergebnis kann ein neues Verständnis von Ökonomie, von Produktion und Konsum, begründet und vermittelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung

Zusammenfassung
Mit Ökonomie wird herkömmlich sowohl der Realbereich der Wirtschaft als auch die Wirtschaftswissenschaft bezeichnet. Beides ist ineinander verwoben und wird auch in diesem Buch behandelt. Fachwissenschaftlich genauer wird der Realbereich der Wirtschaft als Ökonomie und die Wirtschaftswissenschaft als Ökonomik bezeichnet. Beide Bereiche sind „Menschenwerk“ – im Guten wie im Schlechten. Dies schließt natürlich Irrtümer sowie unterschiedlich bewertbare Regelungen und Handlungen ein. Die Wort- und Textwurzeln, und damit auch das Grundverständnis von Ökonomie im doppelten Sinn, reichen bis in die griechische Antike zurück. Dieses Kapitel führt in die Thematik ein. An historischen und aktuellen Beispielen wird gezeigt, warum und wie wirtschaftliche Praxis, Theorie und Politik zusammenhängen und nicht nur durch Erkenntnisse, sondern auch durch Kontroversen und Irrtümer geprägt sind.
Michael-Burkhard Piorkowsky

2. Ökonomie als Teil der Welt

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird zunächst dargelegt, warum wir wirtschaften und welche Aufgaben dabei zu lösen sind (Abschn. 2.1). Im Kern geht es um die Lösung von Versorgungsproblemen für die Güterbereitstellung zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Anschließend werden Modelle des Wirtschaftssystems vorgestellt, mit denen Ökonomen die Welt der Wirtschaft ganzheitlich abbilden möchten. Ausgangspunkt ist das weltweit bekannteste Modell der Wirtschaft als ein Kreislauf von Geld und Marktgütern (Abschn. 2.2), gefolgt von einem alternativen Modell, das die Wirtschaft als Durchflusssystem von Naturgütern in letztlich Rest- und Schadstoffe abbildet (Abschn. 2.3). Diese Modelle führen zu der Betrachtung der Wirtschaft als ein mehrdimensionales Transformationssystem mit analytisch getrennten Ebenen und Schichten der Lebenswelt – von den geophysikalischen Gegebenheiten bis zu den individuellen gedanklichen Aktivitäten und den in der Gesellschaft verankerten Werthaltungen (Abschn. 2.4).
Michael-Burkhard Piorkowsky

3. Ökonomie als Güterwelt

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird zunächst erläutert, worin der Anfangsgrund des Wirtschaftens gesehen wird, nämlich im Empfinden von Knappheit, und mit Rückgriff auf Erkenntnisse der Biologie und der Psychologie wird er genauer betrachtet (Abschn. 3.1). Anknüpfend an die Betrachtungen über Knappheitsempfindungen verschiedener Art wird beschrieben, wie die Zentralprobleme des Wirtschaftens in ausgewählten Bereichen durch Organisationen und Regelsysteme, wie Märkte, politische Wahlen und Gruppenverhandlungen sowie spezialisierte Betriebe, gelöst werden (Abschn. 3.2). Anschließend wird das Zusammenspiel von Wirtschaft als materielles und als gedankliches Produkt unter der Überschrift „Wirtschaft als Aspekt“ in den Blick gerückt (Abschn. 3.3).
Michael-Burkhard Piorkowsky

4. Ökonomie als Selbstorganisation

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird hauptsächlich die Gründung und Entwicklung privater Haushalte (Abschn. 4.1), privater Unternehmen (Abschn. 4.2) und privater Verbände (Abschn. 4.3) näher betrachtet und damit die „Gestaltung der Ökonomie von unten“ hervorgehoben. Die Gründung öffentlicher Betriebe wird kurz in Abschn. 4.4 angesprochen. Die als Belege und als Orientierungsgrößen für die quantitative Einordnung der Befunde herangezogenen Daten sind überwiegend nur schwer zu finden und teilweise nicht veröffentlicht; manche sind durch Sonderauswertungen gewonnen worden. Die angeführten Zahlen dienen dazu, die Argumente für eine in Teilen neue Sichtweise auf die Wirtschaft und das Wirtschaften nachvollziehbar zu belegen.
Michael-Burkhard Piorkowsky

5. Ökonomie als Bildungsgut

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden zunächst Ergebnisse ausgewählter Studien zur Erhebung des Wirtschaftswissens in der Bevölkerung und bei Zielgruppen präsentiert und kommentiert (Abschn. 5.1). Anschließend werden Bildungsangebote unter die Lupe genommen, die ökonomisches Wissen in unterschiedlichen Zuschnitten vermitteln sollen (Abschn. 5.2). Die Ergebnisse der Studien und die Analyse der Bildungsangebote offenbaren Lücken. In Abschn. 5.3 wird eine alternative Konzeption der ökonomischen Grundbildung vorgestellt, die Lücken im herrschenden Angebot schließen kann und insbesondere die Bedeutung der Selbstorganisation bei der Gründung und Entwicklung der ökonomischen Grundeinheiten Haushalte, Unternehmen und Verbände hervorhebt.
Michael-Burkhard Piorkowsky

6. Ökonomie als Wissenschaft

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden zunächst frühe Belege ökonomischer Erkenntnisgewinnung und Belehrung aus der Zeit der griechischen Antike vorgestellt (Abschn. 6.1). Die überlieferten Texte offenbaren Anfänge einer Wirtschaftswissenschaft, die bis zur modernen Wirtschaftstheorie und zu Neuen Ökonomiken führen. Anschließend werden einzel- und gesamtwirtschaftliche Aus- und Umformungen zu vorklassischen und klassischen sowie modernen Ökonomiken in den Grundzügen skizziert (Abschn. 6.2 und 6.3). Abschließend wird auf sogenannte Neue Ökonomiken hingewiesen, mit denen der Anspruch erhoben wird, die herrschenden Grundkonzeptionen Mikroökonomik und Makroökonomik teils zu ergänzen und teils sogar abzulösen (Abschn. 6.4). Die in den neuen Konzeptionen dargelegte konstruktive Kritik an der Mikro- und Makroökonomik, darunter die Vernachlässigung der Wertschöpfung durch Haushaltsproduktion und der Einbettung der Wirtschaft in die natürliche Umwelt, führt zu der Frage nach der Zukunft der Ökonomik.
Michael-Burkhard Piorkowsky
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