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Über dieses Buch

Wachsende ökonomische Instabilität und zunehmende staatliche Stabilisierung kennzeichnen die Entwicklung der kapitalistischen Marktwirtschaft seit der großen Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts. Dieses Buch verfolgt den Weg der Krisen und der staatlichen Maßnahmen zu ihrer Überwindung. Es vergisst dabei nicht, auf die Wirksamkeit und die Folgewirkungen von Staatseingriffen einzugehen. Es strukturiert in kompakter Form den Wandel ökonomischer Prozesse und staatlicher Eingriffe vom Beginn der keynesianischen Epoche bis in die jüngste Zeit und erstellt damit auch einen geeigneten Rahmen für aktuelle wirtschaftspolitische Diskussionen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Prolog

Zusammenfassung
Die Wirtschaftsprozesse wandeln sich im Laufe der Zeit, und damit ändern sich auch die theoretischen Konzepte zu ihrer Erklärung. Die Innovation ist nach Schumpeter der entscheidende Faktor für den Wandel in ökonomischen Prozessen. Innovationen erbringen auf dem internationalen Markt Wettbewerbsvorteile und Wachstum. Innovationen sind unter den konkurrierenden Ländern nicht gleichverteilt. Dennoch wollen alle am Wachstum teilhaben. Politiker vieler Länder sehen in der keynesianischen Defizitpolitik eine Möglichkeit, das Wachstum ihres Landes zu fördern. Ihre permanent angewandte Defizitpolitik lässt die Staatsschulden ansteigen, erhöht die Fremdfinanzierung und schwächt die Wirkung der Fiskalpolitik. Und in der mittlerweile stark fremdfinanzierten Ökonomie sieht Minsky die Quelle wachsender ökonomischer Instabilität. Die geschwächte Fiskalpolitik muss in zunehmendem Maße der Geldpolitik das Feld der Stabilisierung überlassen. Die Zentralbanken treffen Maßnahmen, um den Gewinnfluss zu stärken und die Vermögensbestände zu stützen. Dadurch begünstigen sie die ökonomische Ungleichheit. Instabilität und Ungleichheit rufen verstärkt nach staatlichem Eingriff ins Wirtschaftsgeschehen. Und die Interaktion zwischen Markt und Staat führt letztendlich zum Staatskapitalismus.
Ralf Pauly

2. Mikroökonomik, Keynes’ und Minskys Makroökonomik

Zusammenfassung
In dem neuartigen ökonomischen Denkmuster Minskys spielen anders als im keynesianisch geprägtem ISLM-Modell Gewinne, Privatbanken und die Fremdfinanzierung eine zentrale Rolle. Minsky ersetzt die keynesianische Beziehung zwischen Investition und Sparen durch die auf die Zukunft orientierte Interdependenz zwischen Investition und Gewinn. Auf Gewinne sind letztendlich die ökonomischen Aktivitäten in der kapitalistischen Marktwirtschaft ausgerichtet. In guten Zeiten erhöht darin die Fremdfinanzierung über ihre Hebelwirkung die Gewinnchancen drastisch, aber in schlechten Zeiten das Verlustrisiko eher noch drastischer. Sie vergrößert die wirtschaftlichen Risiken und macht den Wirtschaftsprozess immanent instabil. Und Privatbanken treiben die Fremdfinanzierung voran. Der Wandel im Wirtschaftsgeschehen geht einher mit dem Wandel in der staatlichen Stabilisierung. Die keynesisanische Konjunkturstabilisierung fördert mit ihren permanenten Defiziten die Fremdfinanzierung und damit die Instabilität und begünstigt mit der Akkumulation von Forderungen und mit den daraus erwachsenden Zinszahlungen die Ungleichheit. Die keynesianische Fiskalpolitik hat sich durch ihre Verschuldung selbst wirkungslos gemacht und hat zusammen mit den Privatbanken den Schwerpunkt von der realen Ökonomie auf den Finanzmarkt verschoben. Als Hauptakteur zur Stabilisierung verbleibt die weniger effektive Zentralbank.
Ralf Pauly

3. Ausblick auf den Wandel der Marktwirtschaft und ihrer Stabilisierung

Zusammenfassung
Zentralbanken verbleiben als Hauptakteure. Sie müssen ohne ein tragfähiges Konzept vielfältig auf dem Finanzmarkt intervenieren, und das mit ungewissem Ausgang. Ihre Maßnahmen zielen darauf ab, wirtschaftliche Risiken aus dem Privaten Bereich zu übernehmen, den Gewinnfluss zu fördern, Vermögensbestände zu sichern und die Zuversicht der Marktakteure zu stärken. Ihre Interventionen kommen den Reicheren, den Gewinnbeziehern und den Besitzenden, zugute. Sie fördern so die Ungleichheit. Auch bei den Begünstigten staatlicher Eingriffe vollzieht sich ein Wandel. Denn die ursprünglich wirksame keynesianische Fiskalpolitik ist den weniger begüterten Arbeitnehmer zugute gekommen. Diese sind mittlerweile zudem bereits Verlierer der Automatisierung und der Globalisierung in den Industriestaaten. Insbesondere die durch den Staat bewirkte Ausweitung der Ungleichheit ruft nach einer staatlichen Korrektur, beispielsweise durch eine stärker progressiv ausgestaltete Besteuerung der Einkommen Y und der vererbten Vermögen Σ. Die kapitalistische Markwirtschaft zeigt eklatante Schwächen. Im Wandel der Zeit bleibt ihr das Übel der Arbeitslosigkeit erhalten, und dazu treten mit der Instabilität und der Ungleichheit zwei weitere gesellschaftliche Bürden.Und die Stabilisierungspolitik der Zentralbanken, die in erster Linie auf die Stabilisierung des Finanzmarktes zielt, hat das Risiko, dass sie langfristig die Instabilität und Ungleichheit noch verstärkt und dass sie die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Markt und Staat vertieft sowie ökonomische Strukturen und Mechanismen nachhaltig verändert.
Ralf Pauly

4. Epilog

Zusammenfassung
Die Wirtschaft ist in einer ständigen Transformation, die sich zunehmend beschleunigt. Neben dem Wandel in ökonomischen Abläufen zeichnet sich eine weitere Transformation ab: die Transformation in der Zeit. Verstärkt richten sich die Entscheidungen nach Erwartungen in die Zukunft, immer kürzer werden die Entscheidungszeitspannen. Dieser Wandel ist das Resultat der Finanzialisierung der Wirtschaft: der Finanzmarkt dominiert verstärkt das Wirtschaftsgeschehen und darin werden die Zentralbanken zu Hauptakteuren. Sie stehen unter dem öffentlichen Erwartungsdruck, dass sie die instabile Wirtschaft wirksam stabilisieren können. Die Zukunft wird zeigen, ob die Geldpolitik diese Erwartungen erfüllen kann. Eine wünschenswerte Unterstützung könnte von einer wieder wirksamen Fiskalpolitik kommen, die dann auch zu Maßnahmen für eine effektivere Reduzierung der ökonomischen Ungleichheit führen könnte.
Ralf Pauly
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