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Über dieses Buch

Ökonomische Theorien der Politik verwenden das theoretische und methodische Instrumentarium der Wirtschaftswissenschaften für die Analyse von politischen Strukturen, Prozessen und Inhalten. Da der ökonomische Ansatz der Politik eine immer größer werdende Rolle in der Politikwissenschaft spielt, werden in dieser Einführung die grundlegenden Begriffe und Theorien in verständlicher Form dargestellt. Ziel ist es, einen ersten Überblick über Denkweise, Logik und Mehrwert ökonomischer Theorien der Politik zu geben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung, oder: Über Missverständnisse zwischen Köchen und Konditorinnen

Zusammenfassung
Auf einer Party lernen sich ein Koch und eine Konditorin kennen und beginnen einen kleinen Flirt. Er möchte Sie beeindrucken und fängt an, von seiner Arbeit in einem bürgerlichen Restaurant zu erzählen. Besonders für seine saftigen und unvergleichlichen Steaks werde er von Kollegen wie Kunden bewundert. Detailliert beschreibt er, wie und woran man besonders gutes Fleisch erkenne und worauf man bei Kauf und Zubereitung achten müsse. Als seine Gesprächspartnerin plötzlich anfängt, mit wachsender Begeisterung zu beschreiben, wie sie eine für ein Steak zubereiten würde, ist er völlig überrascht und meint, seine Gesprächspartnerin sei von seinen Leistungen nicht sehr beeindruckt. Der Koch – ein wenig in seiner Berufsehre getroffen und langsam daran zweifelnd, ob es eine gute Idee war, ausgerechnet mit einer überambitionierten (!) Konditorin zu flirten – entgegnet daraufhin, dass er gelernter Koch sei und es um die Zubereitung eines Steaks gehe – Schokoladensaucen seien hier sicher absolut fehl am Platz. Sie als Konditorin solle lieber bei ihren Torten und Pralinés bleiben, denn dort gehörten Schokoglasuren eindeutig hin. Er würde ihr schließlich auch keine Empfehlungen für die Herstellung ihrer Süßspeisen geben. Die Konditorin entgegnet, nun ebenfalls genervt, was er denn wolle, sie habe doch nur mal laut nachgedacht, schließlich arbeiteten sie beide mit Nahrungs- und Genussmitteln. Nur weil sie Konditorin sei und er Koch, hieße das ja noch lange nicht, dass es keine Gemeinsamkeiten gäbe und ihre Art der Kreativität nicht auch in seinem Gewerbe nützlich sein könnte. Noch bevor der Koch etwas entgegnen kann, macht sie auf dem Absatz kehrt und lässt ihn stehen, während er, etwas konsterniert dreinschauend, sich fragt, an welcher Stelle das Gespräch anfing, schiefzulaufen.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

2. Grundlagen ökonomischer Theorien

Zusammenfassung
Was macht die ökonomische Theorie als Methode zur Erforschung und Erklärung sozialer – und hier insbesondere politischer – Phänomene aus? Was ist das Besondere an ihr und welche Erkenntnisse können mit ihr, und nur mit ihr (vgl. Kirsch 2004: 1), gewonnen werden? In diesem Kapitel werden die grundlegenden Konzepte und Postulate der ökonomischen Methode dargestellt. Dies erfolgt in Abgrenzung und explizit unabhängig vom klassischen Gegenstand der Ökonomie, dem allgemeinen und speziellen Wirtschaftsleben. Zudem wird auf die spezifischen ökonomischen Begrifflichkeiten und Definitionen am Ende des Buches als Glossar verwiesen. Für eine verständliche Darstellung des ökonomischen Denkens muss auf eine Vielzahl von Begriffen zurückgegriffen werden, deren Sinnhaftigkeit und analytischer Nutzen sich erst aus dem theoretischen Zusammenhang selbst ergeben. Zur leichteren Nachvollziehbarkeit sind die wichtigsten Begriffe in einem eigenen Glossar am Ende des Buches zusammengestellt. Mancher Leser kennt die spezifische Bedeutung der hier verwendeten Begriffe möglicherweise schon, andere können das Glossar auch nach der Lektüre dieses Buches noch zum Nachschlagen nutzen.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

3. Anthony Downs: Ökonomische Theorie der Demokratie

Zusammenfassung
Die „Ökonomische Theorie der Demokratie“, Anthony Downs Dissertationsschrift aus dem Jahre 1957 (deutsche Übersetzung 1968), gehört zu den wichtigsten Beiträgen der Politikwissenschaft im Allgemeinen und der public-choice-Forschung im Speziellen. Sein Einfluss lässt sich auch an seiner kontroversen Rezeption belegen: Für die einen wegweisendes und eine eigene Forschungsrichtung begründendes Werk, für die anderen ein demokratietheoretisch unhaltbarer und realitätsferner Irrweg der wissenschaftlichen Durchdringung des demokratischen Wettbewerbs. Unabhängig davon, wie man zu Downs Herangehensweise und Erkenntnissen steht, sein bahnbrechender Einfluss ist unbestritten: Sein Buch ist eines der am häufigsten zitierten Werke in der Politikwissenschaft.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

4. Kenneth J. Arrow: Individuelle und kollektive Präferenzen

Zusammenfassung
Rationales Verhalten bedeutet in der ökonomischen Theorie, dass Individuen Handlungsalternativen in eine logisch konsistente Präferenzordnung bringen und schließlich die am höchsten eingeordnete Alternative wählen. Das wurde bereits in Kapitel 2 gezeigt und gilt unabhängig davon, ob ein dünnes oder dickes Konzept von Rationalität vertreten wird. Was aber passiert, wenn ein Individuum nicht mehr für sich alleine entscheidet, sondern mehrere Individuen eine Entscheidung über mehrere Alternativen fällen müssen? Ein Freundeskreis, der sich auf ein Ausflugsziel einigen muss, ein Sportverein, der über die Verteilung der Mitgliedsbeiträge auf die Abteilungen abstimmt oder ein Parlament, welches über ein Gesetz entscheidet: All dies sind Fälle, in denen ein Entscheidungsmechanismus dabei hilft, individuelle Präferenzenzu einerkollektiven Entscheidung zu aggregieren (siehe Abbildung 4.1).
Jochen Dehling, Klaus Schubert

5. James M. Buchanan/Gordon Tullock: Die Wahl der Entscheidungsregel

Zusammenfassung
Wie im letzten Kapitel gezeigt, ist es unmöglich, individuelle Präferenzen verfälschungsfrei zu aggregieren (Arrow 1951). Genauer gesagt gibt es kein Verfahren, das es unter Einhaltung selbst sehr einfacher demokratischer Kriterien erlaubt, eine beliebige Menge individueller Präferenzordnungen immer fälschungsfrei in eine kollektive Entscheidung zu überführen. Ungeachtet der theoretischen Probleme bleibt aber ebenfalls festzustellen, dass faktisch in sehr vielen Situationen – sei es im politischen, sei es im privaten Bereich – z.B. durch Abstimmungen individuelle Präferenzen zu einer kollektiven Entscheidung aggregiert werden. Es kann sich also lohnen, den von Arrow eingeschlagenen Weg zu verlassen. Mit seiner abstrakt-mathematischen Untersuchung der Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der Aggregation kollektiver Präferenzen verfolgt er ein im Wesentlichen normatives Projekt. Sucht man dagegen nach einer Erklärung dafür, warum es überhaupt kollektive und somit politische Institutionen gibt und warum sie so sind, wie sie sind, entsteht ein völlig anderer, interessanter Blickwinkel auf das Phänomen kollektiven Handelns.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

6. Mancur L. Olson: Die Logik des kollektiven Handelns

Zusammenfassung
Kennzeichen jeder modernen, demokratischen Gesellschaft ist eine nicht mehr überschaubare Vielzahl von Organisationen, in denen sich Individuen zur Verfolgung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben – Vereine und Interessengruppen, die auf ein gemeinsames Ziel hin ausgerichtet sind. In der Verbände- und Zivilgesellschafts-Forschung geht man von geschätzten 600.000 Gruppen dieser Art in Deutschland aus (vgl. Zimmer 2007). Insbesondere im politischen Bereich gilt, dass die Anzahl an Organisationen, die im Interesse ihrer Mitglieder auf kommunaler Ebene, auf der Ebene der Länder bzw. auf Bundes- und europäischer Ebene tätig sind, kaum mehr zu ermitteln ist. Selbst die Anzahl der großen Interessengruppen sind Legion. Hierzu gehören bspw. die Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmerinteressen, der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände für deren Interessen, der ADAC für die Interessen der Autofahrer oder amnesty international als Menschenrechtsorganisation. Politik in modernen Massendemokratien lässt sich gar nicht anders als ein ständiges und dauerhaftes Einwirken verschiedener, in und durch gesellschaftliche Organisationen gebündelter Interessen auf das politische System fassen. Politikwissenschaftliche Referenz bietet hier die klassische pluralistische Gruppentheorie (Bentley 1908; Truman 1951; siehe auch Infokasten 6.1). Sicher wird die Verkürzung der komplexen Realität in den Verbänden und Vereinen auf ein einziges oder nur einige wenige gemeinsame Interessen diesen Gruppen und Organisationen nicht gerecht. Dennoch soll dies hier als Definition ausreichen, da es den in unserem Zusammenhang entscheidenden Punkt, nämlich die Erzeugung eines Kollektivgutes, in den Mittelpunkt stellt.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

7. Überblick über weitere Ökonomische Theorien der Politik

Zusammenfassung
In den vorangegangenen Kapiteln 3-6 wurden vier Gründungswerke des public-choice-Ansatzes vorgestellt. Sie wurden aufgrund ihres Einflusses und ihrer Wirkmächtigkeit auf die gesamte Forschungsrichtung herausgegriffen. Ziel war es einen ersten Zugang zu den Ökonomischen Theorien der Politik zu verschaffen und zur weiteren Beschäftigung damit zu ermuntern. Dieser erste Zugang kann aber der Vielfältigkeit und Breite der Anwendungsfelder der ökonomischen Theorien nicht gerecht werden. Um wenigstens einen etwas breiteren Überblick zu bekommen, werden in diesem Kapitel 6 weitere Theorien in etwas komprimierterer Form vorgestellt.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

8. Kritik

Zusammenfassung
Ökonomische Theorien der Politik wurden auf eine Vielzahl von politischen Phänomenen angewandt und haben bemerkenswerte, innovative Einsichten zu Tage befördert. Den public-choice-Forschern Kenneth Arrow (1972), James Buchanan (1986) und Amartya Sen (1998) wurden Nobelpreise zuerkannt. Aus den hier dargestellten Theorien – und weiterer, die hier nicht angesprochen werden konnten – ist eine politisch-ökonomische Forschungsfamilie entstanden, deren Ergebnisse beständig wertvolle Erkenntnisse und Einsichten über politische Strukturen, Prozesse und Inhalte liefern. Manchen – wohlgemerkt nicht allen – ihrer Vertreter scheint die rational-choice-Theorie gar die einzige Theorie zu sein, die das Potenzial hat, die gerade auch in der Außendarstellung oftmals als hinderlich empfundene Multiparadigmatik der Sozialwissenschaften zu durchbrechen. Die Theorie eigne sich – so äußern immer wieder Vertreter des rational choice – als einendes Paradigma, unter dessen Schirm sich die jeweiligen sozialwissenschaftlichen Einzeldisziplinen und Forschungsrichtungen methodisch versammeln könnten. Der alte Traum von der ‚Einheit der Sozialwissenschaften‘ klingt hier durch.
Jochen Dehling, Klaus Schubert

Backmatter

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