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Welche Alternativen es für Diesel in der Landwirtschaft gibt

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Die Landwirtschaft verbraucht enorme Mengen Diesel. Zahlreiche Alternativen stehen bereit – von Biokraftstoffen über Biomethan bis zu Strom und Wasserstoff. Kosten, Technologie und Politik werden entscheiden, welche Lösungen sich durchsetzen.

HVO als Dieselalternative für Traktoren ist inzwischen gut an Tankstellen vertreten.


Jährlich verbraucht die Landwirtschaft in Deutschland rund 2 Milliarden l Diesel. Das entspricht gut 5 % des gesamten Dieselverbrauchs und 5 Millionen t Treibhausgasemissionen. Wie diese perspektivisch durch klimaneutrale Kraftstoffe ersetzt werden können, ist derzeit nicht abzusehen. Ähnlich wie in der Logistik stehen auch hier eine ganze Reihe von Lösungen zur Verfügung.

Biokraftstoffe als praktikabelste Option

Besonders Biokraftstoffe gelten aktuell als breit einsetzbare Lösung. Sie besitzen ähnliche Verbrennungseigenschaften wie Diesel und liefern hohe Energiedichten, die für schwere Maschinen entscheidend sind. Da viele Traktoren sehr alt sind, ist die Kompatibilität besonders wichtig. Würden alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge auf Pflanzenöl oder Derivate umgestellt, wären etwa 1,2 Millionen ha Raps nötig, rund 10 % der Ackerfläche. Bis 2007 war Biodiesel verbreitet, doch mit dem Wegfall steuerlicher Vorteile brach der Markt ein. Die Tank-Teller-Debatte erschwert eine Rückkehr zusätzlich.

Dennoch gibt es politische Vorschläge für neue steuerliche Anreize. Technisch vielversprechend ist HVO-Diesel aus Rest- und Abfallstoffen, der nahezu CO2-neutral verbrennt und zunehmend ohne Umrüstung nutzbar ist. Er ist jedoch teurer als fossiler Diesel. Hersteller produzieren nur bei sicherer Nachfrage.

Auch Biodiesel (B100) erfährt neue Aufmerksamkeit. Untersuchungen zeigen deutliche Reduktionen von Partikeln, Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid, lediglich die Stickoxide steigen leicht. Weder Motorölverdünnung noch erhöhter Verschleiß stellten sich als kritisch heraus. Die Forschung arbeitet an längeren Motoröl-Wechselintervallen und weiteren Typenzulassungen.

Beide Kraftstoffe sind interessant. Denn besonders bei schweren Feldarbeiten ist der klassische Dieselmotor mittelfristig nicht zu ersetzen.

Biomethan und Wasserstoff mit Grenzen

Biomethan, gewonnen aus Gülle oder Pflanzenabfällen, bietet Landwirten eine weitere Möglichkeit, Diesel zu ersetzen. Ein Biogas-Traktor kann je nach Tankgröße mehrere Stunden betrieben werden, besonders wenn eine eigene Biogasanlage vorhanden ist. Biomethan stärkt auch die lokale Wirtschaft und mindert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Allerdings sind Biogas-Traktoren teurer. Das Gas muss zudem auf Methanstandard produziert werden. Höhere Preise resultieren weiterhin aus Tanktechnik, Sicherheitsanforderungen und geringen Stückzahlen. Eine Marktchance gibt es dennoch. Denn 1 kg Biomethan ersetzt dank seiner hohen Energiedichte 1,3 l Diesel und senkt die Schadstoffemissionen deutlich.

Biomethan kann zudem zur Wasserstoffproduktion genutzt werden. An der Hochschule Hof wird eine Methode zur lokalen Herstellung von Wasserstoff aus Biogas mit Wirkungsgraden bis zu 70 % entwickelt. Ein Pilotprojekt in Krefeld produziert schon seit 2023 zertifizierten Wasserstoff. Dennoch erschweren hohe Energieaufwände, Infrastrukturdefizite und Kosten die Einführung.

Unabhängig davon entwickeln Hersteller wie Deutz, Fendt, New Holland und JCB wasserstoffbetriebene Maschinen im mittleren Leistungsbereich, die jedoch aktuell noch nicht praxisreif sind.

Batterietraktoren für leichte Aufgaben

Elektrotraktoren bleiben dagegen auf absehbare Zeit Nischenprodukte. Modelle bis 80 kW eignen sich für Stall- und Hofarbeiten, doch für schwere Feldarbeit fehlt selbst mit modularen Batteriesystemen die nötige Energiedichte. Ein 300-PS-Traktor bräuchte eine 15-t-Batterie, was kaum praktikabel ist. Fendt plant zwar den e100 Vario mit bis zu sechs Stunden Laufzeit. Doch der bleibt für leichtere Aufgaben konzipiert. Immerhin: Etwa 25 % des Dieselverbrauchs könnten durch hofnahe Elektrifizierung eingespart werden, idealerweise mit eigenem Solarstrom.

Akzeptanz wichtig

Im Projekt "TrAkzeptanz" der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird bis 2027 die Akzeptanz neuer Antriebe untersucht. Als Treiber gelten Klimaschutz, steigende Dieselpreise und das Interesse jüngerer Landwirte, während hohe Anschaffungskosten, unsichere politische Vorgaben und fehlende Infrastruktur die größten Hürden sind.

Die Forschenden empfehlen stabile Förderprogramme, klare politische Vorgaben und eine Reduktion technischer Nachteile.

Fazit

Biokraftstoffe und Biomethan bieten kurzfristig die größten Chancen. Wasserstoff und Elektrifizierung könnten langfristige Optionen darstellen. Die Politik muss jedoch bei der Umstellung helfen, denn bei der langen Lebensdauer von Landmaschinen müssen heute Entscheidungen getroffen werden, die die Zukunft beeinflussen. Finanzielle Anreize, Steuervergünstigungen und eine steigende CO2-Abgabe könnten den Wandel beschleunigen. Denn eines ist gewiss: Landwirte nutzen nur, was verfügbar und bezahlbar ist. So bleibt Diesel aktuell mit 99,9 % dominierend.

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